Linus
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Sonntag, 14. Dezember 2025
Eine Freundin hat zu mir gesagt: „Weihnachten ist doch eigentlich ein ganz großes Geburtstagfest!“ Ich finde, damit hat sie nen Punkt. Klar, nicht mit Luftballons und Kuchen. Aber an Weihnachten geht's Christen ja darum, dass Jesus geboren wird.
Gott will uns als Menschen nah sein und wird in Jesus deshalb selbst zum Mensch. Und nicht mit Pauken und Trompeten, sondern mit einer Geburt. Mit einem Baby.
Mich erstaunt das immer wieder: Wie menschlich das ist, diese Geburt. Jeder Mensch ist diesen Weg gegangen. Und ich muss daran denken, wie wunderbar jede einzelne Geburt auch ist: Dass plötzlich ein neues Leben da ist. Ein Kind sein eigenes Leben beginnt. Da fängt was ganz Neues an – eine offene Zukunft, mit neuer Hoffnung.
Und das sind alles Dinge, die ich auch in der Geburt von Jesus sehen kann. Das ist auch ein neuer Anfang. Nicht bloß einfach der Beginn für Sein Leben. Sondern selbst schon eine Botschaft. Die sagt: Die Welt ist veränderbar. Nämlich dort, wo Hoffnung ist.
Und das gibt mir Vertrauen: dass in der Welt, so brüchig sie auch ist, ein neuer Anfang möglich bleibt.
Linus
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Samstag, 13. Dezember 2025
Ein Artikel in ner Zeitschrift hat mich ziemlich beschäftigt: Da erzählt eine Journalistin von ihren Freundschaften. Viele von denen fühlen sich an wie eine „endlose Update-Kultur“. Also: Man trifft sich kurz und versucht, sich möglichst gut über alles Wichtige upzudaten.
Ich kenn das gut von mir selbst. Oft ist es schwer, überhaupt gemeinsam Zeit zu finden. Dann ergibt sich zwischen allem Anderen nur eine Stunde, für einen Kaffee oder um kurz zu telefonieren.
Und natürlich möchte ich dann vor allem wissen, was meine Freunde erlebt haben – im Studium, auf Reisen, in ihren Beziehungen. Und ist ja auch schön, sowas zu teilen.
Aber ich merk auch, dass dabei was verloren geht. Es geht viel darum, was passiert ist. Und nicht so sehr darum, wie wir das erleben. Was uns berührt hat, verunsichert, verändert. Dabei macht das ja eine Freundschaft aus.
Ich möchte deshalb wieder mehr mit meinen Freunden unternehmen. Mehr gemeinsame Momente: Gemeinsame Spaziergänge oder einfach spontan zusammen kochen oder das Zimmer umräumen. Ich glaube, da entstehen andere Gespräche: mehr Nähe, ein anderes Gefühl füreinander. Und Geschichten, die wir zusammen erlebt haben.
Linus
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Freitag, 12. Dezember 2025
Mit zwei Freunden bin ich durch Usbekistan gereist. Das Land ist super schön und wir hatten eine richtig tolle Zeit.
Einmal waren wir in einer abgelegenen Stadt, tief in der Steppe. Ein älterer Mann hat uns da angesprochen und war total interessiert – aber wir konnten einfach kein Wort miteinander reden. Nur Lächeln und ein bisschen Nicken.
Als wir aber rüberbringen konnten, dass wir aus Deutschland kommen, hat er auf einmal ein Video auf seinem Handy gezeigt - ein alter Fernsehauftritt von Modern Talking. Schon über 30 Jahre alt, aber der Mann hat übers ganze Gesicht gestrahlt. Er ist ein riesiger Fan, er kannte gefühlt alle Songs.
Das war natürlich völlig absurd – in der Steppe auf einmal „Brother Louie“! Und gleichzeitig war der Moment auch super schön – weil sich zeigt, wie viel Menschen verbindet.
Ich meine, unser Leben ist komplett verschieden. Und wir können kaum miteinander reden. Aber trotzdem war da plötzlich eine Verbindung.
Wir haben da was gefunden, das wir teilen: Freude – über Musik, über gute Stimmung. Eigentlich ja ganz banal, aber eben auch was ganz Menschliches. Und das hat gereicht für echte Nähe. Unsere Freude konnten wir gemeinsam teilen – über alle Unterschiede hinweg.
Linus
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Donnerstag, 11. Dezember 2025
Ich war mal wieder beim Zahnarzt. Und als ich da auf dem Stuhl lag, hab ich mich ziemlich gelangweilt.
Mir ist dann aufgefallen: Ich langweil mich sonst fast nie. Um mich rum ist immer irgendwas los – selbst wenn ich allein bin. Dann hör ich Musik oder einen Podcast oder ich scroll auf Instagram.
Deshalb fand ich die Langeweile erst komisch. Und unangenehm. Aber ich hab dann gemerkt: Mir tut das gut. Meine Gedanken sind einfach herumgeschweift.
Ich hab mich an schöne Erlebnisse erinnert und sie geordnet, und hab mir Gedanken über die nächsten Tage gemacht. Und darüber, was mir wichtig ist und was ich machen möchte. Ob es gut war, wie ich in manchen Situationen reagiert habe.
Dinge, die sonst im Lärm untergehen, haben da Raum bekommen. Gedanken konnten sich in Ruhe ausbreiten, ganz ohne Ablenkung.
Daran möchte ich mich erinnern, wenn ich demnächst mal wieder freie Zeit hab. Zum Beispiel im Zug oder beim Spülen. Oder wenn ich warten muss – auf den Bus oder eben beim Arzt. Dass ich nicht gleich Musik anmach oder meine Nachrichten check. Sondern einfach die Langeweile auf mich zukommen lasse.
Linus
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Mittwoch, 10. Dezember 2025
Vor einigen Tagen war ich in Heidelberg im Museum. Da waren viele tolle Gemälde. Dieser Besuch hat mich ziemlich beschäftigt – denn die Gemälde sind da nur zu Gast. Eigentlich stammen sie aus Odessa, also aus der Hafenstadt im Süden der Ukraine.
Immer wieder wird die Stadt von der russischen Armee bombardiert. Viele Menschen sind dadurch gestorben, viele haben ihre Häuser verloren. Die wichtigsten Gemälde des Museums haben die Bewohner deshalb gerettet und nach Deutschland gebracht.
Als ich jetzt vor diesen Gemälden stand, war das ein ganz schwer zu beschreibendes Gefühl. Da sind Landschaften zu sehen, Porträts und spielende Kinder. Alles wirkt ruhig – und ganz friedlich.
Aber natürlich weiß ich: Diese Gemälde sind aus einer Welt, die gerade unter Beschuss steht. Das ist ein seltsames Gefühl: In diesem ruhigen Museum – da wirken die Zerstörung und die Trauer ganz weit weg, eigentlich fast schon unvorstellbar.
Und gleichzeitig erzählen die Bilder von den Menschen, die sie gesammelt und geschützt haben. Ich merke, wie nah das an mir dran ist, was Menschen in Odessa gesehen und geschaffen haben.
Diese Erfahrung beschäftigt mich immer noch. Und trotzdem gibt sie auch einen Funken Hoffnung: Trotz aller Gewalt sind diese Bilder noch da. Sie wirken weiter – und erzählen von einer anderen, friedlichen Welt.
Linus
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Dienstag, 09. Dezember 2025
Ich find Adventslieder richtig toll! Viele davon kenn ich schon, seitdem ich ein Kind bin, und auch in diesem Advent hör ich sie wieder gerne. Besonders gefällt mir das Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit!“
Das klingt für mich total nach Weihnachten: nach Trompeten und Kerzenlicht. Und ich mag vor allem, wozu mich das Lied auffordert: „Mach die Tür auf!"
Also: Gott, der in die Welt kommt, zu mir einzuladen. So eine Einladung, das muss ich ja selbst machen. Und selbst wollen. Das passt gut zu meinem persönlichen Glauben: dass Gottes Nähe ein Angebot ist. Gott drängt sich nicht auf – Er stößt die Tür nicht einfach auf, sondern steht davor und klopft an. Das hat was Sanftes, und das fordert mich selbst.
Ich muss eben selbst öffnen. Und das Lied sagt auch, was ich öffnen muss: meine „Herzenstür“. Wenn ich mein Herz öffne, dann zeige ich, was drinnen ist. Das ist ganz Persönliches. Da ist auch Unaufgeräumtes und Unfertiges.
Aber das passt ja zur Ankunft von Gott: Er kommt als Kind im Stall auf die Welt. Nicht prächtig, sondern auf menschliche Weise.
Deshalb muss auch ich nicht perfekt sein, um für Gott in Ordnung zu sein. Deshalb kann ich mich trauen, die Tür zu öffnen. Und muss dahinter nichts verbergen.
Linus
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Montag, 08. Dezember 2025
Auf einer Reise durch Usbekistan war ich an einem ganz ungewöhnlichen Ort: Ein altes, besonderes Grabmal – Juden, Christen und Muslime pilgern da hin.
Dieses Grabmal liegt in Samarkand, einer alten Oasenstadt. In ihm befindet sich die Hand des Propheten Daniel. Daniel hat vor über 2000 Jahren gelebt und war für seinen Glauben und seine Weisheit bekannt. Er hat Botschaften von Gott weitergegeben und von Ihm Visionen über die Zukunft erhalten.
Dafür wird Daniel bis heute verehrt – und zwar von Juden, Christen und Muslimen. Das macht sein Grabmal für mich so besonders: Da sind Menschen aus ganz verschiedenen Ländern und Traditionen. Und alle sind durch Daniel dort irgendwie verbunden. Sie sehen alle in ihm was, das ihnen wichtig ist: Seine Weisheit, seine Hoffnung, seinen Glauben.
Und deshalb stehen Juden, Christen und Muslime an seinem Grabmal. Und niemand fragt: Wer hat recht? Wer hat mehr Anspruch? Stattdessen: Verständnis, dass auch der andere dazugehört.
Ich hatte den Eindruck: An diesem Ort finden die Menschen Platz, auch mit ihren Unterschieden. Weil es eben etwas gibt, das sie teilen: das gemeinsame, stille Gebet. Und dieselbe Sehnsucht: nach Sinn und nach Halt. Das verbindet sie.
Linus
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Sonntag, 10. August 2025
Letztens habe ich in einem WG-Zimmer ein Poster gesehen, das mich echt angesprochen hat.
Erst sah das aus wie eine ganz klassische christliche Darstellung: Da waren ein Kreuz, einige Engel und viele Menschen. Und im Zentrum ein Baby, das gehalten wird und Jesus darstellt. Darüber noch ein Herz, als Zeichen der Liebe.
Diese ganzen Elemente waren aber gar nicht so leicht zu erkennen. Denn die Figuren und Symbole, das war alles fließend, total in Bewegung. Viele der Figuren tanzen, sind voller Energie.
Und genau das hat mich berührt. Denn da wird Glauben nicht als was Fernes oder Abgehobenes gesehen – sondern wie etwas, das lebt. Nicht nur sonntags und
in der Kirche – sondern da, wo das echte Leben passiert. Wo sich Menschen begegnen, wo sie einander bewegen.
Deshalb passt dieses Plakat so gut zu meinem eigenen Glauben. Ich glaub’, dass Gott da ist, wo es lebendig wird. Nicht irgendwo weit weg – sondern mitten im Leben drin. Und das kann in Bewegung sein oder in einer Begegnung. Und ganz besonders in der Freude.
Linus
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Samstag, 09. August 2025
Ich hab diesen Sommer oft gemerkt: Ich bin durch. Vor allem als es Anfang Juli so heiß war, da hat mich das richtig ausgelaugt. Ich war schnell erschöpft und mein Kopf dann auch.
Ich habe da für mich festgestellt: Ich brauch’ mehr Pausen. Und sollte alles etwas langsamer angehen. Wenn ich mit dem Rad zur Uni fahre, wenn ich meine Woche plane oder einfach mit Freunden was mach – alles etwas weniger. Mehr Raum zum Atmen lassen.
Das war erst gar nicht so leicht für mich. Weil ich sonst in meinem Leben möglichst viel erleben will, produktiv sein und alles möglichst schnell erledigen will. Mein Kalender ist oft voll, die Lücken dazwischen eher mini.
Aber das Langsam-machen hat mir dann wirklich gutgetan. Da hat sich was verändert: Ich hab auch die heißen Tage besser überstanden – und war abends nicht mehr so leer.
Und ich merk’: Dieses Entschleunigen tut mir nicht nur gut bei 35 Grad. Auch an ganz normalen Tagen ist mein Akku oft leer. Dann wirken selbst Gespräche mit Freunden plötzlich anstrengend.
Bevor es dazu kommt, will ich mehr auf mich hören. Mir eine Pause nehmen – vom Müssen, vom Funktionieren. Dann muss es nicht immer erst extrem werden, damit ich mir Zeit für mich nehme.
Linus
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Freitag, 08. August 2025
Vor ein paar Tagen bin ich in Erfurt gewesen. Die Stadt – Fachwerk, Kopfsteinpflaster, alles ein bisschen verwunschen – hat mir richtig gut gefallen. Und natürlich hab ich mir da auch den Dom angeschaut.
In dieser großen, mittelalterlichen Kirche hab ich eine Skulptur gesehen. Da sitzt Maria auf einem Thron, mit dem kleinen Jesus auf dem Schoß.
Und das Besondere: Diese Skulptur ist unfassbar alt. Aus dem 12. Jahrhundert, also fast neunhundert Jahre alt! Das ist so lange her, so viel ist seitdem passiert. Die ganze Welt hat sich seitdem verändert. Aber diese Skulptur ist immer noch ein Anlass zum Beten.
Als ich da stand und gebetet hab, ist mir klar geworden: Vor mir haben hier schon so viele Menschen gestanden. Mit Sorgen, mit Dank, mit Hoffnung. So wie ich heute. Und irgendwie sind wir alle verbunden – über Jahrhunderte hinweg.
Ich hab vor dieser Maria-Skulptur gemerkt, dass mein Glaube kein „Projekt von mir“ ist, an dem ich alleine bastel. Sondern von den vielen lebt, die vor mir geglaubt haben und, dass mein Glaube in diese Verbindung eingebunden ist. Und ich glaub’, Gott trägt das mit. Deshalb reißt diese Verbindung nicht ab, sondern bleibt lebendig – in all den Jahrhunderten und auch bei mir.