»Trauerbewältigung« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.04.2019 gesendet.
Vor sechs Jahren ist mein Opa gestorben, mein „nonno“, wie man in Italien sagt, wo meine Familie herkommt. Weil die Reise zu seiner Beerdigung zu lang gedauert hat und ich es mir auch zu der Zeit nicht leisten konnte habe ich es nicht mehr geschafft dabei zu sein. Ich glaube, wenn ich auf der Beerdigung gewesen wäre, würde es mir leichter fallen um ihn zu trauern. Als ich dann ein paar Monate später das erste Mal am Grab gestanden bin ist so gar nichts in mir hochgekommen und ich habe mich deswegen schuldig gefühlt. Auf dem Friedhof gibt es nichts, was mit meinem „nonno“ zu tun hat. (So habe Jahre damit zugebracht den Verlust irgendwie einzuordnen. Ohne Ergebnis.)

Neulich bin ich dann mit dem Auto nach Hause gefahren. Es kam ein gutes Lied und ich habe lauthals mitgegrölt. Da hats mich erwischt. Plötzlich ist er wieder da gewesen. Ich habe ganz unvermittelt an ihn denken müssen und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Da habe ich dann gemerkt, dass mir das relativ oft passiert. Immer wieder ist er einfach plötzlich da. Wenn ich Angst oder Sorgen habe, wenn ich etwas Schönes erlebe oder im Stress bin. Manchmal bringt mich das zum Lachen und manchmal zum Weinen.

Ich habe festgestellt, ich brauche keine Beerdigung oder einen Friedhof um zu trauern. Das tu ich ganz automatisch immer dann, wenn ich an ihn denke. Ich habe ihn eigentlich immer in meinem Herzen dabei.

Ich habe noch nicht endgültig herausgefunden, wie ich mit Verlusten umgehen kann. Ich finde das keine Frage des Alters. Ich weiß aber, dass jemand den man liebt immer Teil von einem bleibt.
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»Perfekte Momente« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.04.2019 gesendet.
Gerade eben bin ich mit meiner Mutter im Auto unterwegs gewesen. Wir beide haben eine Shoppingtour hinter uns. Wir waren eher weniger erfolgreich und sind mit leeren Händen nach Hause gefahren.

Wir sitzen also im Auto und peilen unser nächstes Ziel an. Dazu fahren wir am Wald entlang den Berg hoch. Ich merke es zuerst gar nicht, weil ich einfach nur beobachte. Ich sehe die Bäume, das Moos und zwischen den Bäumen fällt ein wenig Sonnenlicht durch, obwohl es eigentlich bewölkt ist. Auf einem alten vermoderten Baumstumpft sitzt ein Bussard, der fast aussieht wie gemalt. Ich bin völlig fasziniert. Meine Mutter erzählt mir währenddessen lustige Geschichten von unserer Verwandtschaft und ich höre einen meiner Lieblingssongs im Radio.

Und da merke ich es erst. In dem Moment ist einfach alles perfekt. Dieser Moment könnte von mir aus ewig anhalten. Wenn ich so darüber nachdenke gibt es solche Momente öfters, nur nehme ich mir nicht immer die Zeit, sie zu genießen oder merke gar nicht, was um mich herum passiert. Manchmal verliere ich mich einfach zu sehr in meinen Sorgen.

Es ist ab und zu ganz hilfreich, die Dinge in einen anderen Zusammenhang zu stellen. Ich habe mich vor einer Weile schon entschlossen, nicht die großen schlechten Dinge zu sehen. Ich achte jetzt viel eher auf die vielen kleinen schönen Momente. Mein Leben hat sich dadurch nicht verändert, aber wie ich mein Leben sehe schon.
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»Notre Dame« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.04.2019 gesendet.
Notre Dame brennt. Ich hab’s für einen Scherz gehalten. Aber nein, es ist wahr. Ein großer Teil von Notre Dame in Paris ist abgebrannt. Eine Kirche, die ein Wahrzeichen ist, die mehrere Jahrhunderte, Revolutionen und Kriege überstanden hat. Von heute auf morgen abgebrannt. Ein Ort, an den Menschen gehen, weil sie sich sicher fühlen, heimisch und vielleicht auch geborgen. Und jetzt ist er erst mal zerstört. Sehr schade.
Notre Dame, eine Kirche, brennt. Für mich ein Sinnbild, denn meine Kirche brennt auch! In meiner Kirche gibt es aktuell so viele Brennpunkte, die man löschen muss. Dabei geht es vor allem um die Frage der Moral: Missbrauch, Sexualität, Abtreibung, Geldwäsche… An Gott glauben ist das eine, aber Mitglied einer solchen Kirche sein? Ehrlich gesagt kann ich verstehen, warum da viele austreten. Aber Kirche besteht für mich nicht nur aus Pfarrern und Bischöfen. Da sind noch andere Menschen, mit denen ich tatsächlich Glauben leben kann, in einem guten Miteinander.
Frankreichs Präsident Macron hat nach dem Brand gleich gesagt: Wir werden Notre Dame wieder aufbauen. Das geht doch auch mit meiner Kirche: Ich kann sie gestalten von unten, im Kleinen. Vor Ort, wenn ich mit den Leuten um mich rum rede über das, was ich glaube und worauf ich hoffe.
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»Freundschaft« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.04.2019 gesendet.
In letzter Zeit habe ich ein klein wenig Probleme mit meiner Gesundheit gehabt. Immer wieder auch mit starken Schmerzen. Bei allen Ärzten habe ich bis jetzt das Gefühl gehabt, nicht ernst genommen zu werden. Keiner von ihnen hat mir letztendlich helfen können. Ich habe mich deswegen im Stich gelassen gefühlt.

Je länger die Geschichte gedauert hat umso mehr Bekannte, Freunde und Kollegen haben es natürlich auch mitbekommen und nachgefragt. Zuerst war mir das eher unangenehm. Dann ist mir aber klar geworden, wie viele Leute tatsächlich um mich besorgt sind. Eigentlich wurde ich überhaupt nicht im Stich gelassen. Alle waren bemüht mir zu helfen. Dank der Hilfe einer Bekannten habe ich es zum Beispiel dann auch noch geschafft, einen Arzt zu finden, der mir helfen konnte.

Jetzt geht es mir nicht nur gesundheitlich wieder gut. Ich weiß auch, dass ich mich auf meine Freunde verlassen kann. Das ist ein tolles Gefühl. Wenn es mal schlecht läuft, sind meine Freunde und meine Familie für mich da. Das macht für mich auch eine Freundschaft aus. Deshalb ist es mir wichtig, für die Anderen auch so eine Freundin zu sein.
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