Sarah
Anhören
Sonntag, 17. Mai 2026
Ein echter Segen: auf Rezept, in Tabletten- oder Kapselform - so fühlen sich Medikamente für mich an. Ich nehme jeden Tag Medikamente, und gehe damit auch ganz offen um.
Aber ich glaube nicht jeder sieht das so positiv. Leute fragen mich manchmal, ob ich es nicht komisch oder gruselig finde, mich auf die Medis zu verlassen.
Wie oft darf ich mir anhören: „Stell doch einfach deine Ernährung um“ oder „Probier doch mal Tees aus Heilpflanzen“; oder „Stell dich doch nicht so an“ - alles Ratschläge von Leuten, die meinen, dass sie meinen Körper besser kennen als ich oder meine Ärzte.
Aber meine persönliche Erfahrung zeigt mir: Meine Medis helfen mir, dass ich voll und ganz an meinem Leben teilhaben kann. Ohne sie wäre das so nicht möglich. Ich bin unglaublich dankbar dafür - und für das Gesundheitssystem, das mir Zugang zu ihnen verschafft.
Was für ein Segen das ist, hab ich auch bei meiner Mutter gesehen, die Krebs hatte. Ihre Medikamente haben ihr Leben verlängert, und ihr total viel ermöglicht, was ohne sie gar nicht möglich gewesen wäre.
Dass ich meine Medis nehmen kann, ist für mich also ein riesiges Privileg, und ein Segen, für den ich unglaublich dankbar bin.
Sarah
Anhören
Samstag, 16. Mai 2026
Morgens zur Uni radeln, ein, zwei Seminare, ein paar Stunden in die Bib, abends zum Sport und auf dem Heimweg schnell noch einkaufen - so sieht mein Alltag meistens aus. Als ich letztens zum ersten Mal eine größere OP habe, ist das plötzlich ganz anders: Mein Körper macht nicht mehr mit wie sonst, denn er braucht die ganze Energie zum Heilen. Duschen, kurz am Herd stehen oder einfach länger sitzen ist für mich auf einmal unglaublich anstrengend.
Was ich dadurch aber merke: Was mein Körper für mich sonst immer alles leistet. Ganz viel, was für mich total selbstverständlich ist, ist nach der OP erst mal ein riesen Kraftakt. Schritt für Schritt komme ich wieder in meinen Alltag zurück. Darüber bin ich auch echt dankbar. Für jeden Tag, an dem ich nicht so kaputt vom Busfahren bin, an dem ich nach meinem Seminar noch Energie für die Bib habe, oder ich wieder zum Sport kann.
Und die Energie, die mir im Alltag fehlt, ist ja nicht einfach weg, sondern die zeigt mir, wie viel Kraft mein Körper da rein steckt, dass ich heile. Ich bin dankbar für alles, das mein Körper für mich leistet, und will in Zukunft geduldiger mit ihm sein - egal ob er mich gerade durch meinen vollen Alltag bringt oder langsam wieder auf die Beine.
Sarah
Anhören
Freitag, 15. Mai 2026
Wie cute ist das denn: eine Entenfamilie mit flauschigen, kleinen Entenküken. Davon gibt’s am Bach bei mir in der Nähe gerade mehrere, und ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn ich sehe, wie diese knuffigen kleinen Federbällchen ganz mühelos übers Wasser gleiten. Dabei sieht das nur so aus, als wäre es mühelos - in Wirklichkeit strampeln die sich unter der Wasseroberfläche ganz schön einen ab, um vorwärtszukommen. So beeindruckend lässig wirken die Enten dabei, dass sie sogar Namensgeber für das „Duck Syndrome“ sind. Es beschreibt das Gefühl, dass man eigentlich voll am struggeln ist, aber nach außen hin versucht, völlig entspannt zu wirken.
Ich kenne das von mir selbst auch nur zu gut: wenn ich bis zum Hals in Uni-Aufgaben und Arbeit stecke, der Haushalt sich auftürmt und ich mich frage, wie ich das alles denn packen soll. Wenn ich am Strampeln bin und mich umschaue, hab ich das Gefühl: alle anderen gleiten viel entspannter durchs Leben, während ich gegen den Strom paddel und kaum hinterherkomme.
Aber wahrscheinlich geht’s ihnen genauso wie mir - und den Enten. Und das Bild der kleinen Entenfamilie auf dem Wasser erinnert mich daran, dass ich nicht die Einzige bin, die strampeln muss, um voranzukommen. Und, dass es auch voll okay ist, sich zwischendurch mal treiben zu lassen.
Sarah
Anhören
Donnerstag, 14. Mai 2026
Viele sind heute mit Bollerwagen und Bierkasten in der Natur unterwegs. Denn heute ist Christi Himmelfahrt.
Ich bin in Schwaben aufgewachsen. Dort sind an Himmelfahrt Öschprozessionen Brauch. “Ösch” kommt von einem alten Wort für Getreide. Denn bei dieser Prozession zieht man gemeinsam durch die Felder, vorne voraus ein großes Kreuz. Man singt und betet dabei für eine gute Ernte.
Von außen sieht das Ganze bestimmt ziemlich seltsam aus. Und auch ich kann das nicht so ganz connecten mit einem Gebet für eine gute Ernte. Regale voller Obst und Gemüse im Supermarkt, das fühlt sich für mich meistens selbstverständlich an.
Aber wenn ich drüber nachdenke, ist das doch eigentlich gerade super wichtig. Auch wenn es eine alte Tradition ist.
Wenn Menschen früher für eine gute Ernte gebetet haben, dann haben sie für was gebetet, das sie selbst nicht in der Hand haben. Dafür, dass die Ressourcen für alle reichen, dass niemand hungern muss. Beten, fürs nackte Überleben.
Und auch heute gibt es so viel, was genauso ungewiss ist wie damals. Klimawandel, Konflikte und Wasserknappheit machen diese Gebete total relevant.
Auch wenn ich heute eher Team Bollerwagen und Bierkasten bin: wenn ich über die Felder schaue, bete ich trotzdem für eine gute Ernte.
Sarah
Anhören
Mittwoch, 13. Mai 2026
Ich hab endlich eine Diagnose: Endometriose. Das ist eine chronische Krankheit, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter bildet und entzündet.
Die Diagnose ist für mich erst mal voll die Erleichterung. Wie oft hat mich und meine Beschwerden kaum jemand ernst genommen. „Stell dich nicht so an“ haben sie gesagt – während ich mit richtig starken Schmerzen kaum meinen Alltag durchstehen konnte. Selbst meine Ärztin hat meine Symptome immer wieder abgetan.
Dabei fühlt sich Endometriose an, als würde jemand in meinen Bauch reinpacken und meine Organe umdrehen. Wenn ich Krämpfe habe, dann kann ich meistens nicht mal stehen. Das heißt dann Tage im Bett, keine Vorlesungen und Partys, gefühlt verpasse ich mein ganzes Leben, wegen Endometriose.
Ich finds mittlerweile echt krass, wie lang ich das durchgemacht hab, ohne irgendeine Perspektive, dass es auch anders gehen kann.
Deshalb heißt die Diagnose für mich: Ich werde endlich ernst genommen, und es muss nicht so bleiben. Dank einer OP und Medikamenten geht es mir nun viel besser. Und dank dieses einen Arztes, der mich richtig ernst genommen hat. Jetzt kann ich endlich erleben, wie sich ein Leben ohne diese Schmerzen anfühlt.
Sarah
Anhören
Dienstag, 12. Mai 2026
“It beats the alternative” - das antwortet Sandra Hüller’s Figur im aktuellen Kinofilm „Der Astronaut“, als sie danach gefragt wird, ob sie an Gott glaubt. “It beats the alternative” auf Deutsch: Es ist besser als die Alternative.
Ich finde das voll spannend, weil die Figur logisch handelt, und sehr sachlich ist - eine Figur, bei der man jetzt nicht unbedingt erwartet, dass sie an Gott glaubt.
Ihre Antwort erinnert mich an die Pascalsche Wette, das ist ein Modell vom Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal. Sein Modell sagt, rein rechnerisch ist es besser, an Gott zu glauben als nicht. Denn: wenn es Gott gibt, man aber nicht an ihn glaubt, wäre es von Nachteil; aber wenn man an Gott glaubt und es ihn gibt, wird man belohnt und man verliert nichts, falls es ihn doch nicht gibt - es ist deshalb also die bessere Alternative. Ich glaube, so eine Überlegung ergibt auch für die Filmfigur Sinn.
Ich finde aber, dass es noch eine Ebene mehr gibt. Wenn man aus seinem Glauben heraus Gutes tut, auf Nächstenliebe setzt, die Schöpfung bewahrt und anderen Hoffnung und Rückhalt gibt, dann ist Glaube nicht eine Absicherung gegen Verlust und mathematisch die sichere Karte, sondern etwas, wodurch wir die Welt bereichern können - etwas, das wirklich besser ist, als die Alternative.