Lisa
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Samstag, 08. Mai 2021
„Eigenlob stinkt!“. Den Satz habe ich schon oft gehört und er kommt mir auch immer wieder in den Kopf. Ich finde aber, das stimmt so gar nicht.
Wenn ich mich selbst lobe, heißt das noch lange nicht, dass ich mich für etwas Besseres halte. Natürlich finde ich es auch doof, wenn andere sich ständig selbst als besonders toll darstellen. Aber warum sollte ich nicht auch mal zugeben dürfen, dass ich etwas gut gemacht habe? Ich finde, solange ich nicht ständig angebe, ist das völlig okay.
Das Umzusetzen gelingt mir aber nicht immer. Letztes Semester habe ich zum Beispiel eine echt anspruchsvolle Prüfung gehabt. Ich habe dafür eine super Note bekommen und war einfach stolz auf mich. Als mich eine Freundin gefragt hat wie die Prüfung lief habe ich mich aber gar nicht getraut ihr das so zu sagen. Eigentlich schade.
Ich finde es ist nichts Falsches daran zu seinen Stärken zu stehen. Und wenn ich meiner Freundin offen gesagt hätte, dass die Prüfung richtig gut lief, dann hätte sie sich bestimmt für mich mitgefreut. Ich muss meine Leistung nicht kleinreden und darf mir auch erlauben stolz auf mich zu sein. Ich denke, dann stinkt Eigenlob nämlich ganz und gar nicht.
Lisa
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Freitag, 07. Mai 2021
Als ich letzte Woche in meiner Mittagspause spazieren gewesen bin, ist mir etwas Komisches aufgefallen.
Als ich so den Weg am Fluss langgelaufen bin, bin ich über etwas gestolpert. Im ersten Moment hab ich mich geärgert und dann hab ich nachgeschaut was denn da Blödes im Weg rum liegt. In den Boden war statt eines normalen Pflastersteins ein goldfarbener Stein eingelassen und an dem bin ichhängen geblieben. Da stand drauf: „Hier wohnte Kurt Tichauer – Flucht 1936 nach Südafrika überlebt.“
Ich hab gleich mein Handy rausgeholt und geschaut was es damit auf sich hat. Die Steine heißen sogar „Stolpersteine“. Die gibt es in vielen deutschen Städten. Sie erinnern an das Schicksal von jüdischen Menschen, die im Nationalsozialismus vertrieben wurden oder umgebracht worden sind.
Seither sind mir in meiner Stadt sogar noch zwei andere Steine im Boden aufgefallen. Das macht mich wirklich traurig. Schließlich steht jeder Stein für ein Leben, das verletzt oder sogar ganz zerstört worden ist. Ich finde es unglaublich wichtig, dass auch ich die Erinnerung an die Schicksale der jüdischen Menschen bewahre. Damit so etwas Schreckliches wie damals nie wieder passiert.
Elena
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Donnerstag, 06. Mai 2021
In letzter Zeit bekomme ich manchmal Nachrichten aus meinem Bekanntenkreis, in denen sich die Leute fragen, ob wir in Deutschland offen sagen dürfen, was wir denken. Das wundert mich dann. Ich finde nämlich schon, dass wir offen sagen können, was wir denken.
Corona ist für mich ein Paradebeispiel für einen öffentlichen Meinungsaustausch. In den Medien höre ich zum Beispiel vom besorgten Pizzabäcker, der Angst hat Bankrott zu gehen, wenn er nicht öffnen darf oder auch von den überlasteten Pflegekräften, die längst am Limit sind und Angst haben, wenn zu früh geöffnet wird.
Das heißt nicht, dass die Berichterstattung oder Politik perfekt sind, oder nicht kritisiert werden dürfen. Aber wir alle müssen keine Angst haben, sondern dürfen Diskutieren und Streiten. Wir können unsere Meinungsfreiheit ohne Angst ausleben. Das bedeutet, dass ich jederzeit sagen oder schreiben darf, was mich bewegt. Und andere können dann darauf reagieren, wie sie wollen.
Anna R.
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Mittwoch, 05. Mai 2021
Denkt Ihr, dass man vom Aussehen einer Person – von ihrem Alter, ihrer Hautfarbe oder ihrem Körpertyp – auf ihren Charakter oder ihre Fähigkeiten schließen kann? Vielleicht geht es Euch wie mir und Ihr seid überzeugt, dass das nicht geht. Mir ist es wichtig, dass ich allen Menschen gleich begegne. Klingt simpel – ist es aber nicht. Das hat mir ein Online-Test der Uni Harvard gezeigt. Er heißt: Impliziter Assoziationstest. Mir werden dabei zum Beispiel Bilder von Menschen gezeigt, die verschiedene Hautfarben oder Körpertypen haben. Und es wird getestet, ob ich unbewusst eher positive oder negative Dinge mit ihnen verbinde. Das spannende ist, dass das oft überhaupt nicht mit meiner bewussten Einstellung übereinstimmt. Ich bin zum Beispiel überzeugt, dass die Körperform von Menschen rein gar nichts mit ihrem Charakter zu tun hat, dass sie nichts darüber aussagt, wie intelligent, ja nicht einmal wie sportlich jemand ist. Trotzdem hat der Test ergeben, dass ich dünne gegenüber mehrgewichtigen Menschen stark bevorzuge. Das hat mich wirklich schockiert. Denn genau diese unbewussten Vorurteile wirken sich darauf aus, wie ich mit anderen umgehe. Es kann also sein, dass ich mehrgewichtige Menschen oder Menschen mit einer bestimmten Hautfarbe unbewusst unfair behandle. Weil ich das nicht will, muss ich mich im Alltag immer wieder hinterfragen: „Warum ist mir diese Person unsympathisch?“ „Warum reagiere ich jetzt ablehnend?“ Nur so kann ich diese Vorurteile durchbrechen und vielleicht wirklich jedem Menschen gerecht werden.
Anna R.
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Dienstag, 04. Mai 2021
Seit 2 Wochen liegt ein großes Puzzle in meinem Wohnzimmer. Über 1000 Teile. Jedes Teil habe ich einzeln in die Hand genommen und genau angeschaut. Ich kenne jedes Detail des großen Bildes. Seit gestern ist es fertig und heute habe ich es wieder kaputt gemacht. Schon schräg oder? Eine richtig sinnlose Beschäftigung. Aber eigentlich ist es genau das, was ich am Puzzlen so mag: Dass es zu nichts gut ist. 
In meiner Ausbildung und bei der Arbeit geht es darum, immer produktiv zu sein. Immer etwas zu leisten, das einen Zweck erfüllt. Und genau diesen Stress mache ich mir oft auch noch in meiner Freizeit. Ich versuche, anspruchsvolle Literatur zu lesen, statt einem Buch, das mich einfach gut unterhält. Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich den halben Sonntag über nur meine Lieblingsserie anschaue. Ich mache mir sogar Gedanken, wie ich besonders effektiv entspanne, damit ich anschließend wieder alles geben kann.
Ganz ohne Leistung geht es nicht, das ist mir klar. Ich will ja auch lernen und weiterkommen. Trotzdem glaube ich, dass ich diese Logik auch mal durchbrechen darf. Menschsein ist für mich mehr als Leistung. Dazu gehören auch die Momente, in denen ich mich einfach mal fallen lassen kann und nichts erreichen muss. Für mich ist das Zeit, die ich mit meinem Freund verbringe. Ein Tag an dem ich zum hundertsten Mal Harry Potter lese. Oder an einem Puzzle bastle, nur um es anschließend wieder kaputt zu machen.
Elena
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Montag, 03. Mai 2021
Ich habe gerade so einen richtigen Lagerkoller. Ich bin schlecht drauf, habe kein Bock auf nix und vor allem nerven mich gerade die ganzen Regeln. Ich will einfach mal wieder normal rausgehen, ohne Maske und ohne Abstand.
Bis jetzt habe ich mich echt an alles gehalten. Aber ich merke total, dass meine Geduld langsam ein Ende hat. Und meinen Freunden geht es da auch so. Das liegt denke ich vor allem daran, dass man sich in Krisen gerne nah sein möchte. Und genau das geht ja nicht.
Ich muss mich deshalb total anstrengen, nicht alles doof zu finden und abzulehnen. Weil ich weiter vernünftig bleiben will. Die Situation ist einfach noch nicht durchgestanden und deshalb versuche ich durchzuhalten.
Dabei hilft mir zum einen mein Glauben. Der gibt mir einfach Kraft. Und auch mein Vertrauen in die Wissenschaft schenkt mir in dieser schweren Zeit Zuversicht. Das ist es, worauf ich jetzt meinen Blick richten möchte. Das Vertrauen darauf, dass wir – wenn wir jetzt weiterhin Rücksicht aufeinander nehmen – bald wieder bessere Zeiten erleben werden.