Carina
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Sonntag, 14. Juli 2024
„Wie geht’s dir denn?“ „Gut, und dir?“. Das antworte ich ganz automatisch, auch, wenn‘s mir nicht gut geht.
Im Alltag trage ich nämlich oft ne Maske. Weil ich Angst hab, dass es zu ner unangenehmen Situation kommt, wenn ich das ehrlich zugeb. Die Leute wissen dann nicht, wie sie drauf reagieren sollen. Und bemitleiden mich vielleicht. Dann muss ich die Sache wieder runterspielen und sagen, dass es doch nur halb so schlimm ist. Weil ich will ja nicht, dass sie sich wegen mir schlecht fühlen.
Vor zwei Jahren hatte ich Depressionen. Und da war nicht alles gut. Wie hätte ich da auf die Frage „Wie geht’s dir denn?“ ehrlich antworten sollen? Ich hab mich lange gefragt: KANN ich bei sowas überhaupt die Wahrheit sagen?
Die Antwort, die ich für mich gefunden hab, ist: Ja, kann ich – wenn ich der Person vertrau, mit der ich sprech. Und wenn die richtige Stimmung da ist, dass mehr bei rum kommen kann als bloß „mir geht’s nicht gut“.
Bei guten Freunden ist das der Fall. Die sind fester Teil meines Lebens. Bei denen kann ich ehrlich sagen wie’s mir geht. Die nehmen sich dann die Zeit, interessieren sich und hören mir zu. Bei lockeren Gesprächen mit Bekannten sag ich nicht immer die Wahrheit und find das auch ok. Denn bei denen ist eher nicht der Raum da, sich dann noch ausführlicher zu unterhalten und im Vertrauen miteinander zu reden. Da antworte ich einfach „Gut, und dir?“
Carina
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Samstag, 13. Juli 2024
Ich hab vor ein paar Wochen hier in nem Beitrag darüber gesprochen, dass ich gerne Sport machen würde, aber nicht weiß, was mir Spaß machen könnte. Es gibt Neuigkeiten: Seit über vier Wochen gehe ich ins Fitnessstudio - und es macht echt Bock.
Seit ich da hingeh, beschäftige ich mich aber auch mehr mit meinem Aussehen. In erster Linie wollte ich Sport machen, um Spaß zu haben und nen Ausgleich im Alltag. Aber sportlicher auszusehen wäre ja schon auch cool. Straffer Bauch und bisschen Muskeln an den Armen – warum nicht? Ich ertapp mich aber immer mehr, wie mich das unter Druck setzt, dass ich jetzt so und so aussehen will.
Ich hab kürzlich passend dazu ein Insta-Reel gesehen. Eine Frau in Sportoutfit zeigt ihr Sixpack und erzählt dann, dass sie dafür nie richtig trainiert hat – sie hat das Sixpack einfach schon immer. Ihre Message war, dass vieles auch mit Genetik zu tun hat.
Das hat mir die Augen geöffnet. Auch wenn ich noch nicht lange genug trainier, um jetzt schon groß Muskeln zu haben, will ich mich dran erinnern, gnädig mit meinem Körper umzugehen. Denn er bringt ganz individuelle Voraussetzungen mit: Der Stoffwechsel, die Fettverteilung, die Hormone… All das ist bei jedem anders und führt dazu, dass ich doch eigentlich gar nicht verlangen kann, dass mein Körper mal an bestimmten Stellen so und so dünn oder muskulös sein soll wie ich mir das jetzt grad vorstelle. Und mir geht’s ja auch viel mehr darum, sportlich zu sein. Und nicht unbedingt sportlich auszusehen.
Ida
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Freitag, 12. Juli 2024
Ich höre immer wieder: die 20er im Leben sollen so richtig wild, abenteuerlich und aufregend sein. Eigentlich ja total cool. Aber manchmal fühle ich mich dadurch auch ein bisschen unter Druck gesetzt. Die 20er müssen einfach toll werden, denn ab 30 sind mir ja wahrscheinlich andere Dinge im Leben wichtig wie zum Beispiel meine Karriere.
Ganz besonders setzt mich das unter Druck, wenn ich auf Social Media sehe, was andere Leute in meinem Alter so erleben. Dann passiert es schnell, dass ich meinen Lifestyle damit vergleiche und denke: oje, mein Leben ist nicht so aufregend wie das der anderen Leute. Hoffentlich verpasse ich nichts.
Aber ganz ehrlich: wer sagt denn bitte, dass ich nicht auch wilde 30er erleben kann? Und wer setzt den Maßstab, was abenteuerlich genug ist? Das bin ja in erster Linie ich. Und wenn ich am Samstag lieber bei mir auf der Couch chille, dann ist das auch ok. Es ist ja mein Leben. Das hängt weder vom Alter noch davon ab, was andere Leute machen. Und außerdem: das, was ich auf Social Media sehe, ist auch nur ein kleiner Ausschnitt. Ich bin mir sicher: auch diese Leute chillen mal samstags auf der Couch.
Ida
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Donnerstag, 11. Juli 2024
Eine Frau liegt auf einem öffentlichen Gehweg auf einer Yogamatte und schaut in den Himmel. Hä? Was macht die denn da? Das habe ich mich gefragt, als ich das vor Kurzem in einem Video gesehen hab. Herauskommt: die junge Frau macht Rejection Therapy, übersetzt „Ablehnungstherapie“. Sie erklärt, dass sie extra etwas Außergewöhnliches macht, um zu üben. Und zwar, mit der Ablehnung anderer Leute klarzukommen.
Das ist etwas, was ich auch kenne. Also nicht das auf der Yogamatte liegen, sondern die Angst vor der Ablehnung fremder Leute in der Öffentlichkeit. Deshalb muss ich mich zum Beispiel manchmal überwinden, fremde Leute anzusprechen. Ich habe dann Angst davor, dass sie irgendwas Blödes über mich denken.
Die junge Frau aus dem Video möchte eben genau das ändern. Sie bringt sich aktiv in Situationen, in denen sie weiß, dass sie vermutlich komisch angeschaut und auf eine Art abgelehnt wird. Sie hofft: wenn sie das oft erlebt, dann ist es irgendwann nicht mehr so schlimm. Konfrontationstherapie also. Sie will dadurch nicht mehr so viel Wert darauf legen, was Andere über sie denken.
Finde ich irgendwie echt cool. Es braucht ja sicher sehr viel Überwindung, das zu starten. Ich überlege mal: vielleicht ist Rejection Therapy ja auch was für mich.
Ida
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Mittwoch, 10. Juli 2024
„Lächel doch mal für mich“ oder „Zieh doch nicht so ein Gesicht“ sind zwei Beispiele von übergriffigen Sätzen. Die höre ich von Männern immer wieder. Die, die sowas zu mir sagen sexualisieren mich. Und ich soll ihnen dann ein gutes Gefühl dabei geben, indem ich sie anlächle. Auch wenn ich eigentlich gerade nicht lachen will und offensichtlich keine Lust auf sie habe.
Was ich auch manchmal höre: es liegt an meiner Kleidung, wenn ich sexualisiert werde. Ich bin also selbst daran schuld, nur weil ich meine Beine zeige. Und auch das ist einfach nur Bullshit. Natürlich kann ich in der Öffentlichkeit tragen, was ich möchte. Wenn mein Körper dann sexualisiert wird, dann liegt das nicht an mir. Mein Körper ist nämlich erstmal nur ein Körper. Dass manche Männer den dann zum Objekt machen, liegt an ihnen.
Ich hab diese Sätze schon lange satt. Deshalb hab ich gelernt, mich dagegen zu wehren. Wenn ich oder meine Freundinnen sowas erleben, dann sage ich, dass das nicht ok ist. Und was sowieso klar ist: ein Lächeln bekommt Mann dann erst recht nicht.
Ida
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Dienstag, 09. Juli 2024
Ich verbringe viel Zeit auf Social Media und folge auf Instagram vielen gesellschaftskritischen Accounts. Natürlich stehen besonders unter diesen Videos immer viele Kommentare. Leute geben ihren Senf dazu und das ist erstmal gut und gehört dazu, wenn man sich austauschen will. Mir fallen aber auch die vielen Hasskommentare auf. Die richten sich oft direkt gegen die Person, die das Video macht. Ich lese manchmal richtig schlimme Beleidigungen über das Aussehen der Person. Und das hat dann überhaupt nichts mehr mit dem Thema des Videos zutun. Das ist einfach nur purer Hate.
Hass im Netz ist ja leider nichts Neues. Ich habe aber das Gefühl, dass solche Kommentare in letzter Zeit irgendwie „normal“ geworden sind. Und das macht mir Sorgen. Ich frage mich, wieso man sowas überhaupt schreibt. Die Hemmschwelle, einen Hatekommentar zu tippen, ist wahrscheinlich viel niedriger als eine Person im echten Leben zu beleidigen. Der Bildschirm fühlt sich dann vermutlich an wie ein Schutzschild, das einen vor möglichen Konsequenzen schützt. Aber das stimmt nicht. Tatsächlich macht man sich auch mit Hatekommentaren manchmal strafbar.
Ich will nicht mehr, dass Hatekommentare auf Insta so viel Raum bekommen. Wenn ich was Schlimmes lese, antworte ich den Leuten. Und im Zweifel kann ich die User auch melden und dann hoffen, dass sie es nie wieder tun.