Carina
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Donnerstag, 12. Juni 2025
Ich hab einen neuen Freund gefunden. Er heißt ChatGPT und ist mega hilfsbereit. Unsere Beziehung ist aber auch ein bisschen toxisch, weil ich merke, wie schnell ich von ihm abhängig werde.
Aber Spaß beiseite. Auf was ich hier anspiele, ist euch vielleicht auch schon passiert: Einen Text kürzen oder übersetzen? Keine Lust, das regelt ChatGPT. Mir Gedanken über einen Spruch für eine Geburtstagskarte machen? ChatGPT macht das. Überlegen, wohin ich dieses Jahr in den Urlaub gehen könnte? Die KI hat da ruck-zuck ein paar Ideen gesammelt.
Ich merke manchmal gar nicht mehr, wie unselbstständig ich dadurch werde. Das Schlimmste ist, dass ich das Gefühl habe, dass sie mir meine Kreativität raubt. Ich fange nicht mehr an, zu brainstormen oder in Büchern zu blättern, wenn ich bei irgendetwas nicht weiterweiß. Ich frage einfach schnell die KI. Die verhindert aber, dass ich mir selbst was überlege und an was dranbleibe.
Klar, einen selbst geschriebenen Text zu kürzen, ist auf den ersten Blick nervig. Auf den zweiten Blick wäre es aber sinnvoll, es selbst zu tun. Weil ich mich dann nochmal viel genauer mit dem Geschriebenen auseinandersetzen und vielleicht noch Fehler entdecken würde. Gott hat dem Menschen die Fähigkeit gegeben, selbst zu denken. Das zeichnet uns aus. Deshalb hier und jetzt mein Appell, die KI auch mal KI sein zu lassen.
Carina
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Mittwoch, 11. Juni 2025
Ich bin Katholikin. Und mein Freund möchte aus der katholischen Kirche austreten. Ne, ich werde ihn davon nicht abhalten – obwohl mir die Kirche viel bedeutet und ich mich in ihr zu Hause fühle. Im Gegenteil: Ich stehe hinter seiner Entscheidung.
Warum? Weil das für mich tatsächlich ganz viel mit meinem Glauben zu tun hat. Mit genau dem Glauben, den mein Freund nicht teilt. Er glaubt nicht an Gott – und findet es deshalb unehrlich, in der Kirche zu bleiben. Weil's ja da ums Glauben geht. Das respektiere ich. Denn auch er handelt aus Überzeugung und aus Freiheit. Und aus dem Wunsch, aufrichtig zu leben. Genau das sind für mich christliche Werte.
Die Freiheit, die Gott uns Menschen gegeben hat, ist einer der wichtigsten davon. Dazu gehört, dass jeder eigene Entscheidungen treffen darf – auch solche, die ich jetzt persönlich anders treffen würde.
Glaube bedeutet für mich nicht, dass wir alles gleich sehen müssen – sondern dass wir in Liebe verbunden bleiben. Ich werde meinen Freund weiter lieben – nicht obwohl, sondern gerade, weil ich glaube.
Carina
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Dienstag, 10. Juni 2025
Trans Menschen fühlen sich nicht dem Geschlecht zugehörig, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Laut Queer-Lexikon identifizieren sich manche mit dem anderen Geschlecht, andere weder als Frau noch als Mann, sie sind dann non-binär. Was alle verbindet: Sie sind trans – und werden deshalb oft nicht anerkannt oder sogar verfolgt.
Seit Donald Trump wieder Präsident ist, passiert das häufiger in den USA. Lokalpolitiker können jetzt Gesetze erlassen, die trans Menschen ihre Rechte nehmen – obwohl das gegen die Verfassung ist. Trump bekommt viel Zustimmung. Auch aus christlichen Kreisen. Viele Christen unterstützen diese Ausgrenzung aktiv – oder schauen einfach weg.
Mich macht das fassungslos. Wie kann jemand wie Trump so viel Hass verursachen – und trotzdem bei Christen als moralisches Vorbild gelten? Ich finde: Wer sich Christ nennt, kann diese Politik nicht mit seinem Glauben rechtfertigen. Jesus hat sich immer auf die Seite der Ausgegrenzten gestellt.
Also ist für mich klar: Christsein heißt, die zu schützen, die verletzt werden. Denn der Gott, an den ich glaube, diskriminiert nicht.
Carina
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Montag, 09. Juni 2025
„Welche Rolle spielt der Papst denn in deinem Leben?“
Das hat mich mein Freund gefragt und mich damit ganz schön ins Grübeln gebracht.
Vor ein paar Wochen wurde ein neuer Papst gewählt.
Das Konklave hab ich total aufgeregt verfolgt. Die Spannung, das Geheimnisvolle – ich war richtig mitgerissen. Mein Freund konnte das überhaupt nicht nachvollziehen: „Das ist doch ein Fremder für dich. Warum ist dir diese Wahl so wichtig?“ Ich wollte sofort eine Antwort geben – hatte aber keine richtige.
Nach einigem Nachdenken glaube ich jetzt: Es kommt auf die Perspektive an. In meinem Alltag spielt der Papst kaum eine Rolle. Eigentlich hör ich nur von ihm, wenn ich mal in den Gottesdienst geh.
Aber weil ich katholisch bin, spielt er schon eine Rolle. Er steht an der Spitze der Kirche, in der ich mich zuhause fühle. Durch seine Position verbindet er mich indirekt mit so vielen Menschen auf der Welt, mit allen Katholiken, die ihn als Nachfolger von Petrus ansehen. Er gibt mit seinen Entscheidungen eine Richtung vor, also auch für mich. Damit bestimmt er, wie die Kirche, meine Kirche, sich entwickelt und wie sie gesehen wird. Manchmal fordert er mich auch heraus, z.B. mit seinen Ansichten zu Homosexualität.
Insofern ist der Papst für mich kein direkter Begleiter im Alltag – aber ein Zeichen dafür, dass mein Glaube nicht nur persönlich, sondern auch weltumfassend ist.
Carina
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Montag, 21. April 2025
Papst Franziskus ist tot. Nach 12 Jahren im Amt. Das ist so lang wie mein halbes Leben.
Franziskus ist immer wieder in den Medien gewesen, weil er sich widersprüchlich geäußert hat: über Homosexualität und über Frauen. Viele haben ihn für offener gehalten als seine Vorgänger, weshalb seine Positionen da oft nicht gut ankamen. Als ich spontan meine Kommilitonen gefragt hab, wie Franziskus ihnen in Erinnerung bleiben wird, kamen echt viele Sachen zusammen.
Marius zum Beispiel meint, dass er Franziskus sehr unnahbar fand, dass das bestimmt aber auch mit seinem Amt zusammenhing. Jan dagegen sagt, dass Franziskus für ihn schon präsent war. Über die Medien hat er mitbekommen, dass Franziskus oft auf soziale Missstände hingewiesen hat. Er erinnert sich an ihn, Zitat, als „Rebell“, der mit seiner Meinung auch angeeckt ist. Er hatte immer das Gefühl, dass Franziskus zwischen den Fronten stand und versucht hat, die Kirche trotz der vielen verschiedenen Meinungen zusammenzuhalten.
Wie viele Päpste vor ihm hat er manches gut und manches weniger gut gelöst, je nach Perspektive. Trotzdem glaube ich, dass Franziskus besonders war. In der Kirche wird oft davon gesprochen, dass man seinen Nächsten lieben und den Armen helfen soll. Aber machen tuts dann meistens doch keiner. Franziskus hat es gemacht. Er ist oft in den Vororten von Rom unterwegs gewesen um die Menschen zu treffen, mit denen sonst keiner spricht und die normal übersehen werden. Ich glaube, dass er auf diese Art und Weise viele Menschen wirklich berührt hat. Und ich hoffe, dass er jetzt erfährt, was er geglaubt hat: bei Gott zu sein, geborgen.
Carina
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Sonntag, 09. Februar 2025
Mit Carina
Früher habe ich mir oft gewünscht, mehr so zu sein wie die Charaktere aus meinen Lieblingsbüchern und -filmen. Zum Beispiel so schlau wie Hermine aus „Harry Potter“ oder so ehrlich wie Frida aus „Die Wilden Hühner“. Mich interessieren die Geschichten von anderen Menschen, egal ob erfunden oder nicht. Daraus kann ich was lernen und bekomme Ideen für mein eigenes Leben.
Manchmal hab ich aber angefangen mich auch so zu verhalten wie diese Charaktere. Ich hab dann die gleichen Wörter benutzt oder die gleichen Gesten gemacht. Ich wollte dieselben Ziele haben. Ich hatte so oft in meinem Leben nicht das Bedürfnis, ich selbst zu sein, weil es doch so viele andere, spannendere Personen gab, die ich sein konnte. Das hat dazu geführt, dass ich mich immer weniger selbst gemocht hab.
Irgendwann ist mir ziemlich schmerzhaft klargeworden, dass ich niemand anderes sein KANN als ich selbst, egal wie sehr ich es versuche. Ich bin nicht Frida und auch nicht Hermine. Sondern Carina.
Heute weiß ich, dass ich auch gar niemand anderes mehr sein will. Mein Glaube hat mir geholfen zu checken, dass ich für mein Leben genug bin. Weil Gott mich liebt und mir deshalb genau dieses Leben geschenkt hat. Ich muss niemanden mehr nachmachen, weil ich die Hauptrolle schon lange habe. Ich BIN die Hauptrolle. Und das ist viel besser als nur so sein zu wollen wie sie.
Carina
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Samstag, 08. Februar 2025
Mit Carina, hi!
Ich vermisse in meinem Leben eigentlich immer jemanden. Seit ich ausgezogen bin und einen Freund habe, bin ich an drei Orten gleichzeitig verwurzelt: in Tübingen, wo ich lebe, bei meinen Eltern, wo ich aufgewachsen bin, und in der Stadt, in der mein Freund lebt, bei dem ich viel Zeit verbringe.
Wenn ich bei meinem Freund bin, vermisse ich meine Eltern und Geschwister oder mein Leben in Tübingen. Wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin meinen Freund. Und in Tübingen meinen Freund und meine Familie.
Vermissen heißt Sehnsucht nach etwas haben. Wenn sich das Gefühl bei mir breitmacht, dann vermisse ich es vor allem ein Zuhause zu haben. Ich hab nicht eins, sondern drei Zuhause. Das klingt erstmal schön, aber mich stresst das, weil ich nicht weiß, wo ich hingehöre. Mir fehlt immer ein Teil der Geborgenheit, die ich mir von einem Zuhause wünsche. Weil nie alle Menschen auf einmal da sind, bei denen ich mich zuhause fühle. Wahrscheinlich gehört dieser Zustand zum Erwachsensein dazu, weil man selbstständiger ist und nicht mehr alles von den Eltern abhängt.
Manchmal gelingt es mir auch das Positive an der Situation zu sehen. Und zwar dann, wenn ich die gemeinsame Zeit mit meinem Freund, meinen Mitbewohnern oder meiner Familie wirklich genießen kann. Dann wird das Vermissen etwas weniger.
Auch wenn es manchmal weh tut, finde ich es dann richtig schön, dass ich bei so vielen Menschen ein Zuhause habe.
Carina
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Freitag, 07. Februar 2025
Unter dem #overconsumption, das heißt so viel wie „zu starker Konsum“, zeigen Leute auf Social Media, wie viele Klamotten sie bestellt haben oder wie sie zum Beispiel ihre Massen an Make-up sortieren. Angeblich brauchen sie so viel Zeug, um damit ihre Identität auszudrücken. Je nach Stimmung tragen sie dann andere Kleidung oder schminken sich verschieden.
Mich schocken diese Videos. Ich seh's sehr kritisch, wie viel diese Leute kaufen. Denn mal ehrlich: Wer verwendet schon 30 verschiedene Lippenstifte? Durch solche Videos werden völlig falsche Vorstellungen geweckt. Man denkt dann direkt: Wenn die das haben, brauch’ ich es auch.
Mir ging es lange Zeit so, dass mich Einkaufen glücklich gemacht hat. Ich habe mich nicht nur über die neuen Sachen gefreut, sondern für mich ist Materielles schon auch ein Ausdruck von Identität. Welche Schuhe trage ich und was sagen die über mich aus? Je nach Stimmung wechselt das und dann brauche ich mehr davon. Das kann ich also irgendwie nachvollziehen. Bei mir war es nur so, dass ich mit der Zeit immer mehr kaufen musste, damit das Gefühl der Freude über etwas Neues angehalten hat. Und dann sind wir wieder bei dem Punkt des übertriebenen Konsums, der ja vor allem der Umwelt schadet. Ich habe mir deshalb fürs neue Jahr vorgenommen, weniger zu kaufen. Ich möchte lernen, dass nicht mein Besitz meine Identität ausdrückt, sondern dass meine Persönlichkeit da eine viel größere Rolle spielt.
Carina
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Donnerstag, 06. Februar 2025
Ich hatte letztes Wochenende so keine Lust, mit einer Freundin ins Kino zu gehen, bin aber dann doch gegangen. Warum? Weil ich ein schlechtes Gewissen hatte.
Wir sehen uns nicht so oft, weil ich nach der Schule weggezogen bin. Wenn ich dann mal in der Stadt bin, hab ich das Gefühl, dass ich mich mit ihr Treffen muss.
Weil ich ja nur dann die Chance dazu habe. Ich hab sie wirklich gern und Angst sie zu verlieren, wenn ich das nicht tu. Aber letztens war ich einfach nicht in der Stimmung.
Grade bin ich von der ganzen Situation etwas genervt. Ich will bei sowas eigentlich kein schlechtes Gewissen haben. Aber ich hab's trotzdem, weil ich es allen recht machen möchte. Das nervt mich an mir. Dabei würde ich wetten, dass meine Freundin nicht sauer gewesen wäre, wenn ich abgesagt hätte. Meine Angst vor möglichen Konflikten war aber einfach zu groß. Und ich hab's vermieden, mich mit mir und meinen Gefühlen auseinanderzusetzen.
Ich muss dringend lernen, meine Wünsche ernst zu nehmen. Ich glaube, dass es nicht gut ist, sich dauernd selbst zu übergehen, nur um jemand anderem gefallen zu wollen. Das verstärkt negative Gefühle nur noch mehr. Und abgesehen davon glaub’ ich auch, dass man einen Kinobesuch mit einer guten Freundin mehr genießen kann, wenn man auch wirklich Lust darauf hat.
Carina
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Mittwoch, 05. Februar 2025
Ich kann kein Multitasking. Also wirklich gar nicht. Reden und nebenher am Handy eine Nachricht tippen? Vergiss es. Aber nicht nur bei Kleinigkeiten kann ich kein Multitasking, sondern auch im Leben generell.
Grade erst hab ich ein dreimonatiges Praktikum in einer Schule gemacht und mein ganzes Leben hat sich darum gedreht. Ich habe den Unterricht anderer Lehrkräfte besucht, selbst vorbereitet und auch unterrichtet. Es war wirklich toll, das Gefühl zu haben, in etwas richtig aufzugehen. Aber… ich hab mein Privatleben während der Zeit echt vernachlässigt. Mein Freund hat mir erzählt, dass es für ihn teilweise ganz schön hart war. Er hatte das Gefühl, nicht so wichtig für mich zu sein und gar nicht mehr zu mir durchzudringen.
Ich habe das so überhaupt nicht wahrgenommen. Als ich dann drüber nachgedacht hab, musste ich ihm aber recht geben. Wie beim Multitasking konnte ich nicht an zwei Sachen gleichzeitig denken – wenn ich an mein Praktikum gedacht hab, war da kein Platz mehr für mein privates Leben. Für eine kurze Zeit geht das vielleicht. Aber über drei Monate hinweg?
Ich wollte meinen Freund auf keinen Fall vernachlässigen. In Zukunft könnte es mir vielleicht helfen, mir solche intensiven Phasen in der Uni oder im Job besser durchzustrukturieren. Und Pausen fest einzuplanen, um den Fokus zu unterbrechen. Dann habe ich auch Zeit für meinen Freund oder meine Familie.