Simon
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Montag, 01. Juli 2024
Wann habt ihr zum letzten Mal jemandem ein Kompliment gemacht? Und wie hat die Person darauf reagiert? Wenn ich jemandem ein Kompliment mache, sind die Leute erst mal irritiert, aber dann lächeln sie. Weil sie überrascht sind. Weil sie sich freuen, dass ich etwas Gutes über sie sage. Ich freu mich ja genauso, wenn jemand etwas Gutes über mich sagt, mir ein Kompliment gibt.
Etwas Gutes sagen – das ist eine Bedeutung, die auch im Wort „Segen“ drin steckt.
Also ist ein Kompliment ein Stück weit auch ein kleiner Segen?
Naja, schon irgendwie, wenn man Gutes sagt und die Menschen sich dadurch freuen.
Aber beim Segnen kommt das Gute nicht von den Menschen, die den Segen sprechen, sondern von Gott. Segnen ist sowas wie ein Zuspruch, dass Gott Gutes über den anderen Menschen denkt und Gutes für ihn will. Also nicht ganz das gleiche wie ein Kompliment. Aber egal ob ich jemandem ein Kompliment mache, oder ihn segne, die Person freut sich darüber – also hoffentlich . In diesem Sinn: Einen gesegneten Tag euch!
Musikbett:
Jule
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Sonntag, 30. Juni 2024
Eine Horde junger Erwachsener sitzt im Zug und unterhält sich so laut, dass ich ihr Gespräch nicht überhören kann. Ein Handy mit einem Bild wird rumgereicht.
„Lukas ist doch nicht dick.“ sagt einer. „Ne Lukas ist nicht dick, aber Daniel, der ist fett.“ sagt ein anderer. Jetzt lachen alle und stimmen zu. Keiner sagt was dagegen. Ich finde es krass, wie herablassend diese jungen Menschen über andere, wahrscheinlich sogar ihre Freunde reden. Total unschön.
Aber ich glaub, ich hab sowas auch schon gesagt. Auch ich beurteile Menschen nachm Aussehen und schließe oft davon sogar auf ihren Charakter. Jemand mit Hemd und Krawatte: ein Schnösel. Jemand der barfuß durch die Straßen läuft: ist alternativ, jemand der nen ähnlichen Geschmack hat wie ich: Stylo-Queen.
Ich denk in der Situation auch daran, dass wir uns kein Bild von Gott machen sollen. Und ich verstehe jetzt warum. Wenn wir wüssten wie Gott aussieht, würden wir ihn ganz anders wahrnehmen. Weil wir Menschen so sehr danach urteilen, was wir schön und normal finden. Dabei sollte es doch eigentlich egal sein, ob Gott wie ein Mensch, wie ein Baum oder wie ein Waschbär aussieht. Auch wenn es ne komische Vorstellung ist, dass Gott wie ein Waschbär aussehen könnte, trifft es genau da, was ich meine. Selbst wenn wir ihn dann hässlich oder unbedeutend finden würden, wäre er immer noch der gleiche, große Gott. Aber uns fällt es eben schwer nicht zu verurteilen. Deshalb glaub ich ist es gut, dass wir nicht wissen, wie Gott aussieht. Damit Gott mehr bleibt, als wir greifen können und wir ihn nicht in eine Schublade stecken .
Linus
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Samstag, 29. Juni 2024
Letztens habe ich in einem WG-Zimmer ein Poster gesehen, das mich ziemlich beeindruckt hat. Es zeigt einen Freund von Jesus, der seine Finger in die Wunden von der Kreuzigung legt. Dieser Freund heißt Thomas. Eigentlich ist das schon eine weirde Situation – die Finger in die Verletzungen von jemand anderem zu legen.
Von diesem Thomas wird berichtet, dass er am Anfang an Jesu Auferstehung gezweifelt hat. Er meinte, er könne erst daran glauben, wenn er seine eigenen Finger dorthin legt, wo bei der Kreuzigung die Nägel waren. Er will also absolute Gewissheit haben. Eine Woche später erscheint ihm dann der auferstandene Jesus und sagt zu ihm, er solle Ihn berühren und aufhören zu zweifeln.
Genau dieser Moment ist auf dem Poster dargestellt. Und zwar so, dass Jesus selbst die Hand von Thomas zu Seinen Wunden führt. Ganz vorsichtig greift Er sie.
Ich denke mir, Jesus könnte Thomas für seine Zweifel ja auch verurteilen. Aber stattdessen geht Er auf Thomas zu. Er erkennt die Situation von ihm und sieht seine Fragen. Das berührt mich.
Denn wenn ich manchmal selbst Fragen habe und zweifle, fühle ich mich auch wie ein kleiner Thomas. Dieses Poster hat mich daran erinnert, dass diese Zweifel zum Glauben dazugehören. Und sie völlig in Ordnung sind.
Linus
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Freitag, 28. Juni 2024
Leute, habt ihr eigentlich mal gelacht in einer Kirche?! Ich? Höchstens ein paar Mal, auf jeden Fall nicht so oft. Gefühlt passt das nicht so ganz zueinander. Die Stimmung in so einem Gottesdienst ist ja irgendwie eher andächtig und ernst.
Ich glaube, das müsste aber gar nicht so sein. Selbst in der Bibel gibt’s nämlich Stellen mit Humor. Zumindest das Lachen spielt da eine Rolle.
Besonders schön finde ich eine Stelle ziemlich am Anfang. Da kündigt Gott einem Ehepaar an, dass sie noch ein Kind bekommen werden – obwohl sie dafür eigentlich schon viel zu alt sind und ihr Leben lang kinderlos waren. Als sie das hören, lachen die beiden. Ich weiß nicht, ob sie lachen, weil diese Ankündigung für sie so absurd klingt und sie nicht so richtig daran glauben können. Oder ob sie lachen, weil sie sich so sehr freuen. Der Grund für das Lachen ist in dieser Erzählung aber auch gar nicht so wichtig. Dass überhaupt gelacht wurde – das steht eigentlich im Zentrum.
Und als die beiden dann einen Sohn bekommen, nennen sie ihn „Isaak“. Das heißt ungefähr: „Gott hat jemanden zum Lachen gebracht“. Für mich wird da deutlich, wie schön es ist, zu lachen. Selbst da, wo man es gar nicht so richtig vermutet.
Linus
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Donnerstag, 27. Juni 2024
Ich mache gerade viele Fahrradtouren. Dabei versuche ich möglichst schnell zu fahren, weil ich so echt alles aus mir rausholen kann.
Immer wieder überhole ich auch andere Fahrradfahrer. Manchmal fahre ich an ihnen aber nicht gleich vorbei: Vor allem an Anstiegen passe ich mich gern auch mal ihrer Geschwindigkeit an und fahr mit ihnen gemeinsam ein Stückchen. Denn obwohl ich mich gern so richtig auspowere, ist es auch wichtig, ab und zu mal durchzuschnaufen. Auch wenn die anderen Radfahrer nur einen Ticken langsamer fahren als ich, merke ich schnell, wie mich das erholt. Und trotzdem komme ich am Ende noch mit einer guten Geschwindigkeit oben an – gemeinsam mit dem anderen Fahrer. Und wenn wir so zusammenfahren, können wir uns auch gegenseitig motivieren.
Diese Situation auf dem Rad passt eigentlich auch gut in meinen Alltag. Auch da will ich gerne Gas geben. Und gleichzeitig ist es wichtig, ab und zu eine Verschnaufpause zu machen. Sonst bin ich am Ende total erschöpft – eben genau wie bei einer Fahrradtour.
Und ich glaube, dass dafür auch im Alltag andere Leute wichtig sind. Indem man sich nicht als Konkurrenz wahrnimmt und alles schneller machen will als die anderen. Sondern als Unterstützung, mit der man denselben Berg hochfährt. Das kann uns beide beflügeln. Und am Ende kommen so auch alle an.
Linus
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Mittwoch, 26. Juni 2024
In meiner Playlist läuft gerade oft ein Song von Ennio, „Zeit“ heißt der. Der holt mich grad richtig ab.
Ziemlich am Anfang singt Ennio da: „Ist das jetzt meine Pflicht / Zu wissen, was richtig ist?“. Diese Frage fasst ein Gefühl zusammen, das ich gut kenne.
Seitdem ich ausgezogen bin, muss ich immer mehr Entscheidungen treffen. Bei allen möglichen Dingen, auch ganz unterschiedlichen.
Das fängt schon bei kleinen Dingen an. Zum Beispiel, ob ich häufiger Sport machen will oder mich in der Zeit lieber mehr engagiere. Ob ich mit einer Verletzung zum Arzt gehen soll oder besser noch ein paar Tage abwarte. Oder auch größere Entscheidungen: Ob mein Studium wirklich zu mir passt und mich mal da hinbringt im Leben, wo ich sein möchte.
Das sind Entscheidungen, bei denen ich oft nicht so genau weiß, was ich tun soll. Weil vieles ungewiss ist und ich deshalb gar nicht so genau weiß, welche Folgen das hat.
Und trotzdem kann ich diesen Entscheidungen ja nicht aus dem Weg gehen. Da habe ich dann manchmal das Gefühl, mit dem Erwachsenwerden kommt auch die Pflicht zu wissen, was richtig ist. Ennios Song zeigt mir zumindest, dass es auch anderen wohl so geht. Und es dieses „richtig“ so vielleicht gar nicht immer gibt.