Lisa Joy
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Sonntag, 04. Januar 2026
Ganz ehrlich: Wie oft ist der Winter wirklich so, wie er in Bilderbüchern dargestellt wird: Schnee, glitzernde eingehüllte Landschaften und gemütliches Teetrinken am Feuer? Meistens ist es bei mir zuhause zumindest eher so: Grau, Matsch und ungemütlich. Im Vergleich zum Sommer ist viel weniger los, es gibt nicht jedes Wochenende ein Festle, alles ist ein bisschen einsamer und trister. Und in der Winterzeit, wenn ich eben mehr Zeit und weniger Ablenkung habe, kommen oft Dinge nach oben, die ich in den busy Sommermonaten verdränge. Und das ist manchmal ganz schön herausfordernd. Immer wieder ringe ich in dieser Zeit mit meinem Selbstbild, dem wie ich mein Leben gerne leben würde, es aber nicht schaffe, oder merke, dass ein ungeschickter Witz mich noch lange danach beschäftigt. Und das zu erkennen ist schmerzhaft. Gleichzeitig spüre ich aber auch, dass es komischerweise gut tut, dass solche Dinge rauskommen können. Dass ich nicht einfach immer weiter damit leben muss. Und da hilft es mir sehr darüber zu sprechen, mit engen Freunden oder meinem Partner – und mit Gott. Der sagt mir nämlich zu, dass ich geliebt bin und dass ich bei ihm nicht performen muss. Bei ihm kann ich mich einfach ausruhen und Schritt für Schritt heilen. Und auch wenn ich deshalb immernoch kein ungemütliches, graues Wetter mag, spüre ich, dass solche Zeiten der Leere auch wichtig sind.
Lisa Joy
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Freitag, 02. Januar 2026
Neulich kam die Frage von Freunden, ob ich Taufpatin werden will. Ich war sofort dabei – und gleichzeitig, auch ein bisschen aufgeregt. Weil das ja nicht nur ein schöner Titel ist, sondern auch ne richtige Aufgabe. In der evangelischen Kirche bedeutet die Taufe: Gott sagt zu einem oft noch ganz kleinen Menschen „Du gehörst zu mir“. Gott nimmt das Kind, das getauft wird, in seine Familie auf. Und zu dieser Familie gehören nicht nur Gott, sondern auch die vielen Christinnen und Christen in den Kirchen weltweit. Und jetzt kommen wir zu dem, was meine Aufgabe als Taufpatin ist. Weil das Baby bei der Taufe selbst noch gar nicht glauben kann und sich später wahrscheinlich auch nicht an die Taufe erinnert: ist es die Aufgabe von Taufpaten, dem Kind von seiner Taufe, aber vor allem auch von diesem Gott zu erzählen, der ja zu ihm gesagt hat, ohne dass es irgendwas dafür gemacht hat. Diese Aufgabe der Patinnen endet dann in der Zeit der Konfirmation, wenn das Kind sich selbstständig entscheiden kann, diesen Weg mit Gott weiterzugehen. Ich finde das ist eine richtig coole und besondere Aufgabe, als Patin sein Taufkind ganz besonders im Blick zu haben und ihm davon zu erzählen wie geliebt es ist und dass Gott mit ihm durchs Leben geht. Und auch wenn ich das aufregend finde – vor allem freue ich mich drauf!
Lisa Joy
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Mittwoch, 31. Dezember 2025
Ich freu mich auf heute Abend - Raclette, ein paar Spiele, bisschen Feuerwerk ankucken. Was mich aber ein bisschen nervt sind die ganzen Sprüche, die aus irgendeinem Grund auch zu Silvester dazu gehören: Neues Jahr, neues Glück. - Was sind deine Neujahrsvorsätze? Oder: Nächstes Jahr wird alles anders. Und da denk ich mir: echt jetzt? Als könnte man einfach um Mitternacht die Reset-Taste drücken und auf einmal ändert sich alles. Nur weils ein bisschen Feuerwerk und Glitzer gibt.
Keine Ahnung ob das damals Silvester war, aber einer, der diesen „Alles änder sich“-Vibe von Silvester mal richtig durchgezogen hat, war Abraham. Dem hat Gott nämlich gesagt, dass er aufbrechen soll. Weg von zuhause. Abraham wollte natürlich wissen wohin. Aber Gott meinte nur so: Erfährst du noch. Und Abraham hat durchgezogen und ist einfach los. Das nenn ich mal Neuanfang. Das hat ihn bestimmt ultra viel Überwindung gekostet. Und ging dann trotzdem relativ unspektakulär mit einem Schritt los - und dann noch einem - und dann war er auf dem Weg. Er wusste zwar nicht wohin, aber für ihn war klar: Gott geht mit ihm. Mein Vorsatz für dieses Jahr ist deshalb: Einfach mal einen ersten Schritt machen. Und vertrauen: Gott geht mit.
Lisa Joy
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Montag, 29. Dezember 2025
Ich liebe die Tage nach Weihnachten. Alle Besuche, Geschenke, Gottesdienste, Festessen und was sonst noch alles dazugehört, sind abgehakt, das alte Jahr nähert sich seinem Ende, aber noch ist auch nicht Silvester. Ich liebe diese Tage deshalb, weil ich das Gefühl habe, in diesen Tagen will niemand was von mir. Es gibt keine Ansprüche, was ich heute tun sollte, weil es sich halt so gehört. Ich habe das Gefühl in diesen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr kann ich durchatmen. Da kann ich lesen, Marathon laufen, oder ne ganze Serie durchsuchten, mein Jahr reflektieren, mit Freunden Musik machen, oder einfach mein Weihnachtsgeschenk genießen. Ich kann eben das machen was mir gut tut und Spaß macht. Die Tage nach Weihnachten sind irgendwie ein bisschen der Sonntag des Jahres. Zeit, um Pause von den Alltagsroutinen zu haben. Das Wissen, dass solche freien Pausenzeiten notwendig sind, ist schon uralt. In der Bibel ist überliefert, dass Gott sagt, wie gut und wichtig es ist diesen Rhythmus einzuhalten, Zeit der Ruhe zu haben. Sogar einmal in der Woche. Weil es so wichtig ist, Zeiten zu haben zum chillen, genießen und sich neu ausrichten.
Lisa Joy
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Sonntag, 09. November 2025
Über den heutigen Tag bin ich schon öfter gestolpert. Eine komische Mischung aus Feiern und Schweigen. Freude über die Freiheit. Und Schmerz über das, was Menschen einander angetan haben. Denn an einem 9. November fiel die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland.
Menschen lagen sich in den Armen, es war der Beginn der Wiedervereinigung.
An einem anderen 9. November brannten Synagogen, Menschen wurden gejagt und ermordet. Ein schrecklicher Tag für das jüdische Leben in Deutschland. Zwei bedeutende Ereignisse am gleichen Tag – zu völlig unterschiedlichen Zeiten – und an beide erinnern wir uns heute. In mir löst das verwirrende Gefühle aus. Soll ich mich jetzt heute freuen, oder traurig sein? Ich glaube beides kann Platz in mir haben. Und soll es auch. Beides ist wichtig. Und das heißt dann nicht, dass man das eine Ereignis dadurch klein macht. Sondern wahrnimmt, wie unterschiedlich Geschichte laufen kann. Und dadurch wird mir ganz klar - ich will heute, in dieser Zeit und in unserem Land für das Verbindende einstehen, Menschen wertschätzen, zusammen feiern, Mauern überwinden, nicht neue aufbauen. Und ganz besonders will ich die Menschen im Blick haben, die in Angst und Unsicherheit leben müssen.
Lisa Joy
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Freitag, 07. November 2025
Mittags bin ich meistens komplett durch. Meistens hab ich da schon richtig viel geschafft und mein Kopf ist einfach voll. Gerade deshalb freu ich mich jede Woche auf das Mittagessen mit ein paar Freunden. Das ist kein ganz normales Mittagessen, sondern bevor wir essen, nehmen wir uns 15 Minuten Zeit, um zur Ruhe zu kommen und zu beten. Wir kommen meistens aus ganz unterschiedlichen, vollen Vormittagen und haben viele Gedanken und Gefühle in uns. Letztes Mal war eine Freundin voll dankbar, weil sie morgens Zeit hatte zum Kaffee trinken, der andere Freund kam super gestresst an, weil er ne anstrengende Sitzung hinter sich hatte und ich war einfach nur müde, weil ich in der ersten Stunde schon Reli unterrichtet hatte. Mit all dem, was so in uns ist, sprechen wir dann ein Gebet, lesen ein paar Verse aus der Bibel und werden ruhig. Lassen das los, was bisher war und kommen in der Gegenwart an. Am Ende beten wir noch füreinander und bitten Gott darum, dass er uns hilft, uns in der zweiten Hälfte des Tages auf das Wichtige zu konzentrieren und Menschen liebevoll zu begegnen. Ich bin ehrlich: Manchmal hab ich schon so Hunger bevor wir mit dem Beten anfangen, dass ich einfach gern direkt essen würde. Aber ich bin jedes Mal so froh, dass wir uns die Zeit nehmen. Ich bin dann nachmittags viel entspannter und freundlicher, weil ich mich einmal selbst unterbrochen und neu ausgerichtet habe. Diese Woche sind meine Freunde nicht da – ich mach die Pause trotzdem. Denn das geht auch allein.
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Mittwoch, 05. November 2025
Mittwochabend, 18 Uhr. Während andere aufs Sofa fallen, tanze ich mich bei Zumba in Grund und Boden. Da mach ich nämlich gerade einen Kurs an der Volkshochschule. Und ich liebs. Eine Stunde lang dance ich ab und geb alles. Mir tut das richtig gut, einfach mal nichts denken, sondern in die Musik und Bewegungen eintauchen. Aber ich sags euch, ich war so aufgeregt, als ich mich angemeldet habe. Davor hatte ich nämlich noch nie Zumba gemacht. Es hat mich so viel Überwindung gekostet, dass ichs fast nicht gemacht hätte. Und zack, drei Wochen später bin ich voll im Game. Da hab ich mal wieder gemerkt, dass Neues auszuprobieren immer ein bisschen aufregend ist, sich aber so oft lohnt. Ganz viel davon, was mich nervös macht, stellt sich später als total unberechtigt raus. Deswegen will ich jetzt an neue Dinge anders rangehen. Nämlich mit der Frage: Wie werde ich mich wahrscheinlich fühlen, wenn ich die Sache drei Mal gemacht habe? Und meistens stelle ich fest, dass ich mich dann sicher und gut fühlen werde, weil die größte Unsicherheit die ist, dass ich mich an diesem Ort oder in dieser Aktivität eben noch nicht auskenne. Naja, und um das zu ändern muss mans halt einfach mal ausprobieren. Also, lets go, oder in meinem Fall, lets dance.
Lisa Joy
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Montag, 03. November 2025
Vor kurzem war der Last Soul Ultra und irgendwie hat mich das richtig gepackt. Das Prinzip ist ganz einfach: Jede Stunde muss man 6,7km laufen. Wie schnell ist egal. Aber: Wer zu Beginn der nächsten Stunde nicht wieder an der Startlinie steht ist raus. Und das geht so lange, bis nur noch eine Person übrig ist. Dieser Last Soul Ultra ging einfach mehrere Tage. In der dritten Nacht waren nur noch 2 erfahrene Sportler übrig, die schon über 400 Kilometer gerannt waren. 400! Die beiden haben alles gegeben. Ich mein, das muss man sich mal vorstellen. 3 Tage ohne Schlaf und ohne wirkliche Pause. Am Ende blieb nach 448,9km einer als Gewinner übrig, aber stolz können die alle auf sich sein! Ich fand das extrem faszinierend, was Menschen alles können, wenn sie alles geben. Während ich den Last Soul Ultra verfolgt habe, hab ich mich gefragt, ob es was gibt, für des ich alles geben würde? Am Ende kam ich bei ganz wenig Dingen raus: Freunde/Familie – und mein Glaube. Natürlich ist das etwas ganz anderes als ein Last Soul Ultra. Aber der Glaube gibt mir soviel Hoffnung, Geborgenheit und Kraft, dass ich denke dafür würde ich alles geben.
Lisa Joy
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Sonntag, 31. August 2025
Sind sie denn auch kritikfähig? Erst gestern war ich bei einem Bewerbungsgespräch dabei und das ist eine Frage, die dort immer wieder gestellt wird - und ich glaube fast niemand beantwortet die mit nein. Ich vermute das würde auch echt nicht gut ankommen. Und ich glaube es ist leicht sich einzureden, dass man kritikfähig ist.
Ich zumindest denke auch, dass ich ganz gut mit Kritik umgehen kann. Das denke ich allerdings oft nur so lange, bis jemand tatsächlich meine Arbeit oder meine Art Dinge zu tun kritisiert. Da geh ich dann sofort in eine Verteidigungshaltung und fahr innerlich alle Schutzpanzer hoch, um ja nicht verletzt zu werden.
In vielen Fällen ist so eine Reaktion eher kontraproduktiv und hilft gar nichts, weil ich dann gar nicht auf die Dinge schauen kann, die vielleicht wirklich berechtigt sind. Aber ich merke, dass ich mich durch Kritik ganz schnell in meiner Identität angegriffen fühle. Dass es sich für mich anfühlt, als würde jemand mich als Lisa Joy in Frage stellen, obwohl es doch eigentlich nur um einzelne Sachen geht.
Für mich ist der entscheidende Punkt, um gut mit Kritik umgehen zu können, dass ich darüber mit Gott rede. Der macht nämlich ganz klar, dass er uns liebt, ohne dass wir irgendwas leisten können und müssen dafür.
Wenn dieser Gedanke in meinem Herz groß wird, dann fällt es mir viel leichter, gut und produktiv mit Kritik umzugehen, weil ich dann unterscheiden kann zwischen meiner Leistung und meinem Wert als Person. Denn der hängt nicht von meiner Arbeit ab.
Lisa Joy
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Freitag, 29. August 2025
Du könntest du auf meiner Geburtstagsfeier ein paar Songs spielen? Das hat mich neulich ein Freund gefragt und ich hab zugesagt. Ich mach nämlich total gerne Musik, eigentlich aber lieber mit anderen zusammen in Bands, das ist so meine comfort zone - wenn ich mich einfach nur aufs Singen konzentrieren kann. An dem Abend war ich aber alleine und das fand ich schon ein bisschen aufregend. Klavierspielen und Singen gleichzeitig – und das bei meinen eher mittelmäßigen Klavierbegleitungsskills.
Im Endeffekt hat es aber sowohl dem Geburtstagskind und seinen Gästen als auch mir richtig Spaß gemacht und wir hatten voll die gute Zeit. Und da hab ich mal wieder gedacht wie gut das tut, wenn andere mich manchmal herausfordern und motivieren, meine Talente auszuleben und weiterzuwachsen.
So war für mich auch meine Kirchengemeinde. Das war für mich ein richtiger Raum zu wachsen, weil es in der Kirche immer Menschen gab, die mich ermutigt und an die Hand genommen haben. Wenn es Kirche gelingt, dass junge Menschen in ihr Räume finden, wo ihnen jemanden etwas zutraut, wo sie erleben, dass sie etwas können und wo Menschen in sie investieren – dann hat sie für mich eine ihrer zentralen Aufgaben erfüllt.
Solche Räume gibt’s nicht nur in Kirchen, das ist klar. Aber Kirchen sollten auf jeden Fall solche Räume sein – ich hab das so erlebt und will die Augen offen halten, wo ich das nächste Mal jemanden ermutigen kann.