Jule
Anhören
Sonntag, 12. Juli 2026
Ich hatte mein erstes Klassentreffen seit meinem Schulabschluss. Es war echt cool, die Leute mal wieder zu sehen und zu hören, was die so machen.
Mir ist dabei krass klar geworden: Obwohl wir alle zusammen auf der Schule waren, haben wir die Schulzeit ganz unterschiedlich erlebt und ganz andere Dinge als wichtig empfunden.
Ich wünschte, mir wäre das damals schon klar gewesen. Vielleicht hätte ich dann manche besser verstanden. Vielleicht hätte ich weniger vorschnell geurteilt. Denn manchmal vergesse ich, dass zwei Menschen am selben Ort sein können - und trotzdem eine völlig andere Geschichte erleben.
Jule
Anhören
Sonntag, 12. Juli 2026
Ich hatte mein erstes Klassentreffen seit meinem Schulabschluss. Es war echt cool, die Leute mal wieder zu sehen und zu hören, was die so machen.
Mir ist dabei krass klar geworden: Obwohl wir alle zusammen auf der Schule waren, haben wir die Schulzeit ganz unterschiedlich erlebt und ganz andere Dinge als wichtig empfunden.
Ich wünschte, mir wäre das damals schon klar gewesen. Vielleicht hätte ich dann manche besser verstanden. Vielleicht hätte ich weniger vorschnell geurteilt. Denn manchmal vergesse ich, dass zwei Menschen am selben Ort sein können - und trotzdem eine völlig andere Geschichte erleben.
Jule
Anhören
Samstag, 11. Juli 2026
„Die kleine Jule möchte aus der Erwachsenenhölle abgeholt werden.“ - Hi, ich bin Jule und das denke ich mir, als in Italien plötzlich die Motorkontrollleuchte angeht.
Wir sind dann in vier Werkstätten. Super anstrengend, weil heiß, kein Plan von Italienisch und keine Eltern, die einen mal eben abholen. Dazu kommt: Niemand kann uns sagen, was mit unserem Auto ist. Und trotzdem helfen mir die Menschen vor Ort! Sie schauen sich geduldig das Auto an, reden mit uns über ChatGPT und wollen keinen Cent dafür. Sie machen mit uns einen Plan: Mit 80/90km nach Hause fahren!
Das hat drei Tage gedauert und war echt ätzend. Die ganze Misere hat mir aber gezeigt: Selbst in dieser Erwachsenenhölle sind wir nicht allein. Es gibt Menschen, die helfen, so gut sie können.
Jule
Anhören
Freitag, 10. Juli 2026
Eine meiner besten Freundinnen hat ihr erstes Baby bekommen. Für mich ist es total unwirklich, dass das ihr Baby ist. Ein wirklicher Mensch, der seine eigene Geschichte erleben wird.
Fast noch unwirklicher finde ich, dass meine Freundin dieselbe Person ist wie vorher. Und doch ist sie es nicht. Sie kümmert sich jetzt um ein ganzes Menschenleben. Sie ist jetzt Mama.
Und ich merke noch mehr, wie stark sie ist. Sie hat ein Kind zur Welt gebracht. Und jetzt steht dieser kleine Mensch für sie an erster Stelle.
Vielleicht berührt mich das so sehr, weil ich darin etwas von Gott erkenne: Eine Liebe, die einfach da ist. Und die einen Menschen stärker macht, als er es selbst jemals für möglich gehalten hätte.
Jule
Anhören
Donnerstag, 09. Juli 2026
Frauen sind Männern von Natur aus unterlegen. Das sagen Leute oft auf Social Media. Und warum? Weil es immer schon so war. Es liegt in unserer Natur. Männer haben gejagt. Frauen Beeren gesammelt und die Kinder versorgt.
Dieses Rollenbild nervt mich gewaltig. Nur, weil Archäologen dachten Waffen im Grab bedeuten Mann, Schmuck bedeutet Frau. Und heute stellen sie anhand von DNA fest, Überraschung: Auch Frauen wurden mit Waffen bestattet. Richtig crazy. Und was bedeutet das jetzt? Die Steinzeitforschung zeigt uns, dass alles, was anscheinend schon immer so war, nicht immer auch tatsächlich so gewesen ist. Deshalb bin ich vorsichtig, wenn das jemand behauptet.
Jule
Anhören
Mittwoch, 08. Juli 2026
Wir können nicht beweisen, dass es Gott gibt. Das stimmt. Und ich verstehe, wenn es vielen Menschen nicht ausreicht, um zu glauben.
Manchmal reicht es auch mir nicht. Es gibt viele Dinge, die mich zweifeln lassen. Vor allem, wenn ich das Leid in der Welt sehe.
Aber ich glaube auch, dass mein Glaube das aushält. Dass mein Gott das aushält.
Zweifeln ist für mich nicht das Gegenteil von Glauben, sondern ein Teil davon. Wenn ich einfach glauben würde, ohne zu struggeln, ohne kritisch nachzufragen, dann wäre mein Glaube schnell naiv. Deshalb muss ich ihn immer wieder kritisch hinterfragen. Es gehört dazu. Damit ich offen für neue Fragen und neue Erkenntnisse bin. Ich weiß, nur so kann mein Glaube bestehen und mich im Leben begleiten.
Jule
Anhören
Dienstag, 07. Juli 2026
Ich bin blond und spreche Deutsch. Wenn ich dann aber erzähle, dass meine Eltern nicht aus Deutschland kommen, folgt oft ein "wiiiiirkliiiich"?
Mich macht traurig, dass das überrascht. Gutes Deutsch und das richtige Aussehen entscheidet in Deutschland oft, dass mit mir höflich und freundlich umgegangen wird.
Manchmal frage ich mich, warum ein Akzent für manche mehr zählt als, was jemand ist und kann. Eigentlich sollte zählen: WER ein Mensch ist. Also welche Werte er vertritt, wo er sich einbringt und ob er nett und liebenswert ist. Darauf kommt es doch an, dass wir am Ende gut zusammenleben können, weil wir uns alle gegenseitig wertschätzen.
Jule
Anhören
Montag, 06. Juli 2026
Grade braucht mein Körper eine Pause und ich nehme sie mir auch. Ich war ein Wochenende mit einer Freundin am Bodensee, viel im Freibad und hab mit meinem Mann das Sommertheater besucht. Doch dann kommt dieses schlechte Gewissen: Ich hätte noch was erledigen oder den Haushalt machen können. In meinem Kopf ist das oft so: Pausen fühlen sich weniger wert an, obwohl ich meine Arbeit fertig hab.
Ich glaube, grade, wenn ich diesen Druck hab, immer mehr machen zu wollen, ist es wichtig, Pausen zu akzeptieren, um wieder neue Energie und Kreativität zu schöpfen. Die Auszeiten geben mir die Balance, die ich für meine Aufgaben brauche. Sie sind wertvoll und deshalb sollte ich sie ohne schlechtes Gewissen genießen.
Jule
Anhören
Freitag, 03. April 2026
Jesus musste ganz allein sein Kreuz tragen. Ein riesiges, schweres Stück Holz und er wusste, dass er daran aufgehängt wird. Heute ist Karfreitag. Dieser Tag erinnert uns Christen daran, dass Jesus am Kreuz gestorben ist. Ich stelle mir das furchtbar vor. Bestimmt war auch nicht nur das Holz schwer, sondern auch die psychische Last, die er gespürt hat. Angst, Schmerz, vielleicht auch dieses Gefühl, dass alles ausweglos ist.

Dieses Gefühl kenne ich auch ein bisschen. Wenn etwas mich so sehr beschäftigt, dass es sich anfühlt, als würde ich ein schweres Päckchen mit mir herumtragen. Dann wird jeder Schritt mühsam und ich frage mich: Wie soll ich das nur schaffen?

Was ich aber immer wieder erlebe: Irgendwie geht man trotzdem weiter. Schritt für Schritt.
Und oft merke ich dann: Ich bin doch nicht ganz allein.

Jesus bleibt auf seinem Weg auch nicht komplett allein. Unterwegs hilft ihm ein Mann, das Kreuz zu tragen. Ich finde, darin steckt eine wichtige Botschaft. Gerade, wenn die Last groß ist und wenn der Weg schwer wird: Man muss seine Päckchen nicht allein tragen.

Wenn ich über das spreche, was mich bedrückt, oder wenn jemand einfach ein Stück mitgeht und mir das Gefühl gibt, dass er mich versteht, hilft mir das sehr. Dann bekomme ich Hoffnung, dass ich den Weg doch schaffen kann.
Und manchmal reicht genau das, damit sich das Kreuz ein bisschen leichter anfühlt.
Jule
Anhören
Mittwoch, 01. April 2026
Ich bin so bereit. Bald steht in meinem Leben eine große Veränderung an. Ich bin fertig mit meiner Ausbildung und kann endlich so richtig in meinen Beruf starten. Das heißt auch, dass mein Mann und ich in eine neue Wohnung ziehen werden und die kleine, dunkle Bude hinter uns lassen können.
Gleichzeitig habe ich auch ein mulmiges Gefühl. Aufbruch ist oft beides. Ich weiß, ich freue mich, wegzugehen, und trotzdem gibt es Dinge, von denen ich mich gar nicht so leicht verabschieden kann. Tübingen war die letzten neun Jahre mein Zuhause. Ich kenne mich aus und weiß, wo die besten Cafés und Restaurants sind. Ich weiß, wo man am Neckar am schönsten sitzen kann und welche Wege sich nachts durch die Altstadt am magischsten anfühlen.
Am meisten macht mir Angst, dass wir dort, wo wir jetzt hinziehen, noch keine Freunde haben. Und zu meinen Jetzigen ist es dann plötzlich ein gutes Stück. Freundschaften entstehen ja nicht erst über Nacht. Sie wachsen. Durch gemeinsame Abende, zufällige Begegnungen und Gespräche, die länger gehen als geplant.
Und obwohl das vielleicht dauert, freue ich mich auf genau solche Begegnungen und Menschen, die mein Leben neu bereichern. Damit unser neues Zuhause zu einem Ort wird, an dem wir uns wohlfühlen. Mit neuen Geschichten und hoffentlich irgendwann auch dem Gefühl: Hier kenne ich mich aus. Hier bin ich angekommen.