Elena
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Samstag, 25. September 2021
Als Corona anfing und der erste Lockdown kam, habe ich richtig Angst gehabt, wie das so wird. Wie lange ich nicht raus darf und was das mit mir macht. Ich habe mich auf eine schwere Zeit eingestellt.
Weil ich gewusst habe: Jetzt kommt Verzicht, vielleicht auch Streit und andere Entbehrungen. Und ich habe mir überlegt, was ich tun kann, um mich dabei ein bisschen besser zu fühlen.
Kurz vor dem ersten Lockdown habe ich eine Polaroid-Kamera geschenkt bekommen. Ich habe mir dann einfach Film geholt und angefangen schöne Momente zu fotografieren. Das habe ich immer dann gemacht, wenn ich gedacht habe: Wow, das war jetzt schön. Zum Beispiel letztes Frühjahr, als alle Blumen im Garten geblüht haben. Da habe ich in der Blütenpracht gesessen und musste einfach ein Bild davon machen. Ich wollte so die schönen Momente bewusster erleben.
Die Bilder habe ich gesammelt und jetzt zusammengeklebt. Und ich war richtig überrascht. Es kam eine total bunte, schöne, lebendige Collage dabei raus. Ganz anders als ich mich im letzten Jahr manchmal gefühlt habe.
An dem Bild konnte ich sehen: Das Leben ist nie nur gut oder nur schlecht. Und es lohnt sich immer, den Blick auf das Gute zu richten. Jetzt habe ich trotz Corona ein tolles Bild, mit lauter schönen Erinnerungen. Kleine Momente, für die ich einfach dankbar bin.
Lisa
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Freitag, 24. September 2021
Ein Freund hat mich letztens angelogen. Wir haben uns dann echt heftig gezofft und ich war richtig wütend. Ich bin ein ziemlich nachtragender Mensch und mir fällt es oft schwer über sowas hinwegzusehen.
Ein paar Tage nach dem Streit, war ich im Gottesdienst. Wie immer wurde auch das Vater Unser gebetet. Ein Satz im Vater Unser lautet: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Als ich das mitgebetet habe, hab ich mich ganz schön ertappt gefühlt. Ich bitte Gott darum mir meine Fehler zu vergeben, aber schaffe es selbst nicht meinem Freund zu vergeben.
Ich habe mich ja selbst auch schon oft falsch verhalten und habe gelogen oder andere verletzt. Wenn mir meine Freunde dann verziehen haben, war ich darüber sehr froh und habe die Chance genutzt, um es in Zukunft besser zu machen. Ich finde es komisch von anderen etwas zu erwarten, das ich selbst nicht einhalte.
Ich möchte wirklich an mir arbeiten und versuchen etwas weniger nachtragend zu sein. Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Aber ein paar Wochen später habe ich meinen Kumpel angerufen und nochmal um ein Gespräch gebeten. Wir haben uns ausgesprochen und unserer Freundschaft nochmal eine Chance gegeben. Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe ihm vergeben. Das hat sich sogar richtig gut angefühlt!
Elena
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Donnerstag, 23. September 2021
Ich bin durchgeimpft. Und viele, die ich kenne, sind es mittlerweile auch schon. Klar haben noch nicht alle Menschen in Deutschland einen vollständigen Impfschutz, aber über kurz oder lang werden hier alle geimpft sein, die das wollen und können.
Ob oder wann man eine Impfung bekommt, hängt nämlich davon ab, wo man lebt. Die reichsten Länder konnten als erste ein Impfangebot ermöglichen, einfach nur, weil sie genug Geld haben.
Und das ist für mich zu kurz gedacht. Ich finde es unethisch, nur in Nationen zu denken. Weil überall Menschen an Corona sterben. Und da ist es doch egal, welche Nationalität sie haben.
Außerdem ist es meiner Meinung nach auch sinnvoll, in einer Pandemie die ganze Welt im Blick zu haben. Sonst mutiert das Virus doch einfach dort weiter, wo kein Schutz gegeben ist.
Ich finde die Impfstrategien der reichen Länder ignorant gegenüber den Ärmsten. Das ist für mich unerträglich. Und Ich hoffe, dass sich Wege finden lassen, um alle zu Impfen. Das ist nicht nur sinnvoll, sondern für mich das einzig Richtige.
Lisa
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Mittwoch, 22. September 2021
Ich bin kein großer Fan von Geburtstagen. Also zumindest von meinem eigenen nicht. In meiner Familie ist es Tradition, dass das Geburtstagskind alle einlädt und wir dann in der großen Runde gemeinsam essen und zusammensitzen. Das kann sehr schön sein – aber wenn ich die Gastgeberin bin, finde ich das meistens ziemlich anstrengend. Ich hetze dann von Gast zu Gast und fülle Getränke nach, kümmere mich in der Küche um den Abwasch und versuche zwischendrin mich noch mit dem ein oder andern zu unterhalten. In den letzten Jahren bin ich dann am Abend nach der Feier jedes Mal todmüde und total gestresst ins Bett gefallen. Ich konnte den Tag nie richtig genießen. Aber ich hab mich nie getraut zu sagen, dass ich meinen Geburtstag eigentlich gerne anders feiern würde. Dieses Jahr habe ich mich endlich überwunden und entschieden, meinen Geburtstag mal so zu feiern wie ich es gerne möchte. Ich habe keine große Feier gemacht, sondern den Tag nur mit meinen Geschwistern und meinen Eltern verbracht. Und was soll ich sagen: Ich hatte den schönsten Geburtstag seit langem. Auch wenn er ganz anders war, als die Familientradition es eigentlich vorgesehen hätte. Ich bin stolz, dass ich den Mut hatte, so zu feiern wie ich es möchte. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich für mich und meine Wünsche eingestanden bin. Das hätte ich viel früher machen sollen.
Ida
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Dienstag, 21. September 2021
Mittlerweile bin ich 20 Jahre alt und habe so wie jede und jeder andere auch schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Ich hatte meine erste Liebe und habe meinen Schulabschluss geschafft, ich hatte ne tolle Zeit mit Freundinnen und Freunden und durfte schon an einigen tollen Orten leben.
Gleichzeitig hab ich aber auch Rückschläge erlebt. Ich habe mich selbst überschätzt, schlechte Klausurergebnisse bekommen, ich habe Freundschaften und auch schon Menschen verloren. In dem Moment, wenn ich einen dieser Rückschläge erlebe, dann trifft mich das natürlich immer, mal mehr und mal weniger. In diesen Situationen denke ich dann oft: das ist es jetzt. Dann glaube ich nicht, dass es je wieder besser werden kann und bin oft echt pessimistisch, traurig, wütend oder einfach niedergeschlagen.
Aber was mir diese kurzen 20 Jahre Lebenserfahrung auch gezeigt haben ist, dass wirklich vieles mit der Zeit irgendwie wieder okay wird. Manchmal sagt man ja, dass Zeit alle Wunden heilt. Daran glaube ich nicht, aber ich denke, dass Zeit dabei hilft, nen neuen Blick auf die Situation zu bekommen der einiges verändern kann.
Natürlich gibt es Dinge, die mich nie loslassen werden. Aber ich lerne auch, damit umzugehen und weiterzumachen, so gut es eben geht. Und so schlimm, wie es meistens im ersten Augenblick scheint: Mit ein bisschen Abstand ist es das oft gar nicht mehr.
Elena
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Montag, 20. September 2021
Vor mehr als sieben Jahren habe ich das letzte Mal meine Familie in Italien besucht. Und damit geht’s mir richtig schlecht. Ich vermisse meine Oma, Tanten, Onkels, Cousinen und Cousins. Und mit Corona ist die Angst meine Oma oder jemand anderen nicht mehr zu sehen wirklich groß geworden.
Ich habe mich seit Corona immer wieder gefragt, wie mir das passieren konnte. Zuerst habe ich in der Ausbildung in den Ferien gearbeitet und während dem Studium musste ich immer Hausarbeiten schreiben oder hatte kein Geld. So hat es sich zumindest für mich angefühlt.
Aber wenn ich genau darüber nachdenke, hätte ich es mir schon erlauben können. Mal eine Woche Pause hätte mir sogar richtig gutgetan. Und wenn ich ein bisschen gespart hätte, hätte ich es mir bestimmt auch leisten können.
Ich musste während Corona auf die harte Tour lernen, was für mich Priorität hat und dass man jeden Tag aufs Neue wählen kann, was einem wichtig ist. Ich möchte am wenigsten auf die Menschen in meinem Leben verzichten. Die gemeinsame Zeit finde ich kostbarer als alles andere. Deshalb gehe ich trotz Masterarbeit und wenig Geld diesen Sommer nach Italien. Ich arbeite dann einfach dort und spare ein bisschen mehr. Und ich kann es kaum erwarten meine Oma in den Arm zu nehmen.