Rebekka
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Montag, 04. März 2024
Wisst ihr, was mich so richtig nervt? Wenn Leute sagen „aber das darf man ja nicht mehr sagen“. Zum Beispiel wenn sie sich über die Politik aufregen oder darüber, dass man bestimmte Wörter nicht mehr verwenden sollte, weil sie beleidigend und einfach nicht mehr zeitgemäß sind.
Ich höre diesen Spruch ausschließlich in zwei Kontexten: zum einen, wenn es um Veränderung geht. Und nein, früher war nicht alles besser. Wir müssen uns reflektieren und bereit sein, Dinge zu ändern. Nur, weil wir ein Wort seit Jahrzehnten benutzen, heißt das nicht, dass das gut ist. Als Gesellschaft müssen wir Dinge überdenken. Wenn ich mit der Einstellung durchs Leben gehe, dass Veränderung schlecht oder unnötig ist, dann wird sich in der Welt nie etwas ändern und schon gar nicht verbessern.
Der andere Kontext, in dem Leute den Spruch bringen, ist, wenn sie sich über Politik aufregen, zum Beispiel unsere jetzige Regierung. Die Frage ist doch: Was erwarte ich von einer Demokratie? Dass ich sagen kann, was ich will und nie Gegenwind bekomme, weil alle meiner Meinung sind? Eine Demokratie lebt doch gerade davon, dass verschiedene Meinungen aufeinandertreffen und eine öffentliche Debatte entsteht! Die Tatsache, dass ich meine Meinung sagen kann und anschließend den Satz „Aber das darf man ja nicht mehr sagen“ dranhänge, beweist doch gerade, dass ich mich frei äußern darf und nicht danach befürchten muss, weggesperrt zu werden.
Ich wünsche mir, dass alle Menschen das erkennen – und dass jeder so frei leben kann wie wir hier.
Lisa Joy
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Sonntag, 03. März 2024
Ich war bei einem Skispringen der Vierschanzentournee. Schon seit Jahren kucke ich viel Skispringen im Fernsehen an und jetzt war ich endlich mal live dabei. Es war ne geile Stimmung, riesen Stadion, es wird getanzt, mehrere Paraglider landen mit wehenden Fahnen und Rauchbomben und dann gehts los. Die ersten Skispringer starten. Jedes Mal macht das Publikum einen riesen Lärm, man feuert an, schreit: Ziiieh und hofft, dass die Favoriten weit fliegen. Es ist so crazy zu sehen, wie sich Menschen mit voller Geschwindigkeit und Wucht in die Luft schießen, um dann 120,140 Meter weit zu fliegen. Die haben ja keine Flügel, nur ihre Ski und ihren Körper. Dass das geht find ich abgefahren. Als Skispringer darauf zu vertrauen, dass mich die Luft, also was Unsichtbares, trägt ist doch echt heftig. Und es ist auch ein richtig gutes Bild für meinen Glauben an Gott! Der ist ja auch unsichtbar und es fühlt sich oft so an, als wär ich ein bisschen crazy, wenn ich mich auf jemanden einlasse, den ich nicht sehe. Ich habs in meinem Leben aber schon öfter erlebt, dass ich sozusagen geflogen bin, wenn ich auf Gott vertraut hab. Also, dass ich zum Beispiel Kraft hatte, obwohl ich eigentlich voll k.o. war, oder ne Ruhe in mir drin hatte, obwohl meine Zukunftspläne zerbrochen sind. Zu Vertrauen kostet Mut. Was jetzt mehr Mut kostet: Sich auf einen unsichtbaren Gott zu verlassen oder sich von ner Skischanze zu stürzen, das kann ich nicht beantworten. Skispringen habe ich selbst noch nicht ausprobiert. Aber die Sache mit Gott hat sich bisher gelohnt.
Lisa
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Samstag, 02. März 2024
Ich habe am Wochenende die ersten Osterglöckchen im Vorgarten entdeckt. Und das war ‘n richtig magischer Moment. Die Winterkälte findet ab jetzt endlich ein Ende und die Natur fängt zu blühen an. Die Welt um uns wird bunter, wärmer, lebendiger. Das Osterglöckchen hat mich auch an all die kleinen Dinge erinnert, das Leben farbenfroher machen.
Es gibt so viel, was wir viel zu oft übersehen. Das Lächeln von ‘nem Fremden, der Geruch einer Tasse Kaffee, ein wunderschöner Sonnenuntergang, das freudige Schwanzwedeln meines Hundes oder das fröhliche Vogelgezwitscher. Diese kleinen, wundervollen Momente zaubern mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht.
Wir hetzen oft durch den Alltag, immer auf der Suche nach großen Highlights. Dabei sind genau diese unscheinbaren Augenblicke viel wichtiger. Wie für mich das Osterglöckchen, das in mir Frühlingsgefühle auslöst.
Manchmal tut’s einfach gut, innezuhalten und bewusst hinzuschauen, um diese kleinen Wunder zu entdecken. Das Osterglöckchen hat meinen Blick auf diese Momente in der Natur wieder gerichtet.
Solche Momente sind für mich deshalb immer und immer wieder ’ne Art Reminder, dass wir die kleinen Dinge im Alltag schätzen sollten. Sie machen den Alltagstrott so viel lebendiger. Und das Leben ist so voll von ihnen.
Lisa Joy
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Freitag, 01. März 2024
Letzte Woche hatte ich ein großes Orchesterkonzert. Ich spiel Geige und wir haben mit 140 Instrumentalistinnen und Chorsängern vor ca. 1000 Leuten ein Konzert gespielt. Bei solchen Konzerten krieg ich immer wieder ein fettes Grinsen ins Gesicht. Musik hat so ne Kraft und ich liebe es, Teil von was Großem zu sein. Eines der Stücke, die wir gespielt haben war eine Komposition zu einem alten Lied aus der Bibel. Maria, die Mutter von Jesus singt diese Worte als Dank an Gott dafür, dass sie Mutter von Jesus werden darf. Diese Worte musikalisch auszudrücken hat mega Spaß gemacht. Zum einen, weils gut komponiert war und so richtige Wow-Momente hatte. Aber auch weil Musik für mich ein Geschenk von Gott ist. Musik ist für mich so viel Lebensfreude und gibt mir so viel, dass ich mit der Musik, die ich mach, gerne auch Gott feier. Ich finds einfach krass, dass er uns so kreativ gemacht hat, dass wir Musik in so unterschiedlichen Richtungen machen können. Wie Maria das vor so langer Zeit mit ihrer Stimme gemacht hat, will ich Gott mit meiner Geige feiern, für das was er tut und für die Musik, die er uns geschenkt hat und die mein Leben mit so unterschiedlichen Tönen und Klängen füllt.
Lisa
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Donnerstag, 29. Februar 2024
Sieben Wochen ohne Schokolade, Instagram, Autofahren, Fleisch oder, oder. Die Liste der Ideen ist lang. Worauf möchte ich die nächsten 40 Tage verzichten? Und möchte ich überhaupt fasten? Das, was mich an all diesen Fragen schon immer nervt, ist, dass es oft nur ums „Was“ geht. Selten gehts um den eigentlichen Grund – das „Warum“ dahinter.
Früher ging es darum, eine kirchliche Pflicht zu erfüllen. Und das tat man eben durch Verzicht aufs Essen und auf Spaß. Dafür gab es echt heftige Regeln. Man durfte zum Beispiel nur einmal am Tag essen. Und dann auch nur bestimmte Lebensmittel.
Mit der Reformation wurde das dann hinterfragt. Luther sah da nämlich überhaupt keinen Sinn drin. Fasten einfach nur um irgendwelche religiösen Regeln zu erfüllen. Wem bringt das was? Für evangelische Gläubige gibt es darum heute keine strengen Regeln mehr. Jeder darf selbst entscheiden ob und auf was er fastet.
Was früher also eine religiöse Sache war, können wir jetzt für uns entscheiden. Es geht uns nicht mehr ums In-den-Himmel-Kommen oder darum Gott zu gefallen. Aber worum geht es uns? Ich glaube für viele ist die Fastenzeit eine Chance Dinge anzugehen, die man schon lange mal angehen wollte. Kann ich eigentlich noch auf Schokolade verzichten? Schaffe ich es 40 Tage auf eine liebgewonnene Gewohnheit zu verzichten? Und ich glaube, es ist gut sich das klarzumachen, warum man fasten will. Weil dann der Verzicht vielleicht auch leichter fällt.
Lisa Joy
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Mittwoch, 28. Februar 2024
Und, was machst du so beruflich? Das werd ich voll oft gefragt, wenn ich neue Leute kennenlerne und darauf antworte ich dann, dass ich Theologiestudentin bin. Da kommen dann meistens mehrere Fragen, weil nicht viele wissen, was das überhaupt ist, oder heißt. Als Theologiestudentin beschäftig ich mich mit dem Christentum. Ich beschäftige mich zum Beispiel damit, wie unsere Gesellschaft so tickt und was es heißt, heute an Gott zu glauben und Kirche zu leben. Ich finds super interessant mal in die Geschichte des Christentums einzutauchen, oder alte Texte aus der Bibel zu übersetzen, um besser zu verstehen, warum wir eigentlich glauben, was wir glauben. Vor allem aber feiere ich es andere Meinungen, Kontexte und auch Weltanschauungen kennenzulernen und mit Menschen aus ganz verschiedenen Hintergründen zu diskutieren und nachzudenken. Dabei merk ich immer, wie krass wir durch unser Umfeld geprägt werden und wie bereichernd es ist, wenn ich meinen Horizont zu erweitern und offen bin für andere Perspektiven auf Gott und die Welt. Gerade deshalb studiere ich voll gerne Theologie und mag es, mit Menschen über ihre Perspektive auf Gott und die Welt zu reden, wenn ich gefragt werde, was ich so beruflich mach.