»Jesus-Graffiti« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.04.2019 gesendet.
Das älteste Bild, das es von Jesus gibt, ist ein Graffiti.
Es wurde nicht gesprayt, sondern in Stein gekratzt. Man hat es auf einer Wand in Rom gefunden. Auch wenn es ziemlich krakelig aussieht, kann man alles gut erkennen.
Da ist Jesus am Kreuz zu sehen und daneben ein Mann, der die Hände hebt. Darunter hat der unbekannte Künstler den Titel eingeritzt:
„Alexamenos betet seinen Gott an“, steht da übersetzt.
Das Graffiti ist so ungefähr im 2. Jahrhundert entstanden. Es ist nicht nur ein Graffiti, sondern auch eine Karikatur: Dieser Jesus auf der Steinwand hat nämlich einen großen Eselskopf. Der Graffitikünstler von damals konnte offensichtlich nicht verstehen, warum sein Kumpel Alexamenos als Christ zu einem Gott betet, der am Kreuz gestorben ist.
Wer an so einen Gott glaubt, der muss entweder selbst ein dummer Esel sein oder glaubt an einen.
Ich mag dieses Graffiti.
Denn es zeigt mir, dass es von Anfang an für viele Menschen schwierig war, den Glauben an Jesus zu verstehen.
Es ist ja bis heute eine unglaubliche Nachricht:
Ein Gott, der Mensch wird, aus Liebe für seine Freunde stirbt und damit auch noch den Tod besiegt und wieder aufersteht.
Das ist nicht so einfach zu verstehen. Damals nicht und heute nicht. Aber für mich der Grund, warum ich an diesen Gott glaube.
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»Un-gläubig« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 23.03.2019 gesendet.
„Wenn ich Jesus nicht sehen und berühren kann, dann glaube ich auch nicht.“
Das hat Thomas gesagt, einer von Jesus Jüngern.
Die anderen Jünger haben ihm grade erzählt, dass Jesus wieder lebt. Sie haben ihn gesehen. Tatsächlich. Und das kann Thomas wirklich nicht glauben. Jesus ist nämlich gerade erst am Kreuz gestorben.
Jesus kommt wieder und beweist Thomas, dass er es wirklich ist:
höchstpersönlich, tot und wieder lebendig! Thomas darf ihn sogar anfassen, und – jetzt glaubt er. Weil Thomas aber an der Auferstehung von Jesus zweifelt, heißt er bis heute in der Kirche der „ungläubige Thomas“.
Ich finde das irgendwie schade.
Ich kann Thomas Reaktion nämlich gut nachvollziehen. Und bin froh, dass er zweifelt. Dann darf ich das auch. Ich kann Jesus nicht sehen. Wie soll ich da an ihn glauben?
Ich glaube, diese Geschichte aus der Bibel sagt mir, dass es eben einfach sehr menschlich ist, zu zweifeln. Und dass Jesus deshalb nicht nur Thomas, sondern auch mich und meine Zweifel sehr gut verstehen kann. Und ich glaube, diese Geschichte sagt mir auch was über den Glauben allgemein. Glauben heißt eben:
nicht sehen, nicht überprüfen können, sondern vertrauen.
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»Liebes-Ärger« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 21.03.2019 gesendet.
Als ich 7 Jahre alt war, hab ich richtig Ärger bekommen.
Meine Freundin und ich waren mit den Fahrrädern im Wald unterwegs. Beim Herumklettern haben wir total die Zeit vergessen und nicht gemerkt, wie es langsam schon dunkel geworden ist.
Zu Hause hab ich dann riesen Ärger mit meinen Eltern bekommen. Die wussten nämlich nicht, wo ich abgeblieben war und haben mich im ganzen Dorf gesucht.
Mein geliebtes Fahrrad wurde für zwei Wochen weggesperrt.
Damals fand ich das nur unfair. Heute verstehe ich, dass meine Eltern sich große Sorgen gemacht haben und dass das Fahrradverbot nicht einfach nur eine gemeine Strafe war.
Für mich ist das ein ziemlich gutes Beispiel dafür, was es eigentlich heißt, jemanden zu lieben.
Zu lieben heißt eben nicht, den anderen einfach nur gut und toll zu finden.
Sondern: Sich wirklich das Beste für den anderen zu wünschen.
Deswegen kann es mir auch unmöglich egal sein, wenn der Mensch, den ich liebe, etwas Schlechtes macht. Ich liebe ihn ja trotz seiner Fehler, und nicht weil er Fehler macht.
Und weil ich ihn wirklich liebe, wünsche ich mir, dass er das Richtige tut – das, was wirklich gut für ihn ist. Also etwa sagen, wo er ist und pünktlich zu Hause sein. Auch wenn ihm das gegen den Strich geht.
So gesehen, ist Ärger manchmal ein echter Liebesbeweis.
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»Blindenheiltung« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 09.03.2019 gesendet.
Ich habe keine Ahnung, wie es ist, blind zu sein. Für mich sind meine Augen ganz wichtig, um die Welt um mich herum wahrzunehmen und mit ihr in Kontakt zu kommen. Aber auch wenn ich zum Glück gut sehe, kann ich manchmal trotzdem ganz schön „blind“ sein.
Das geht mir oft so in stressigen Situationen. Dann sehe ich nicht, dass der Autoschlüssel genau da hängt, wo er hingehört.
Am Schwierigsten ist es aber, wenn ich in bestimmten Situationen nicht sehen kann, was richtig ist und was ich tun soll. Dann fühle ich mich innerlich wie blind.
In der Bibel wird erzählt, dass Jesus Blinde heilt.
Dabei geht es, glaube ich, immer auch um ein anderes Blindsein:
Die Menschen, die durch Jesus wieder sehen können, beschließen anschließend, mit ihm zu gehen. Sie wollen sich an seine Botschaft der Liebe halten.
Was mir Jesus damit zeigt, ist, dass er vor allen Dingen will, dass mein Herz wieder sieht.
Er hilft mir, zu sehen, was richtig ist. Zum Beispiel nach einem Streit mit einem Freund: Dann sehe ich endlich ein, dass ich diejenige bin, die sich entschuldigen muss. Und das mache ich dann auch. Sehen können und Jesus nachfolgen bedeutet für mich: Das Gute, das man erkannt hat, auch zu tun.
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»Kennst Du Gott?« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 08.03.2019 gesendet.
Wir sind auf Familienurlaub in Österreich. Meine kleine Nichte und ich machen einen Spaziergang und unterhalten uns über alles Mögliche. Emelie ist drei Jahre alt und einfach nur total niedlich. Irgendwann stehen wir vor der kleinen Dorfkirche.
Emelie fragt: „Was ist das?“
Ich überlege kurz und antworte: „Da wohnt der liebe Gott.“
Sie schaut mich kritisch an und fragt:
„Kennst du den?“
„Wen?“, frage ich, etwas irritiert, „Gott?“
Emelie nickt.
Ich muss lachen, und dann grüble ich.
Klar, wenn man weiß, wo jemand wohnt, dann muss man den ja wohl irgendwoher kennen. Das hat meine Nichte schon richtig gecheckt. Und sie hat genau die richtige Frage gestellt: Kennst du Gott?
Tja, kenne ich Gott?
Gesehen habe ich ihn jedenfalls noch nie, aber wie man ihn kennenlernt, weiß ich glaube ich schon: Wenn man, wie meine kleine Nichte anfängt, nach ihm zu fragen.
Man kann Gott bestimmt durch viele Dinge kennen lernen: die Bibel zum Beispiel oder andere Leute, die an Gott glauben. Aber ganz am Anfang, wenn ich jemanden kennenlernen will, muss ich selbst Fragen stellen:
Wer ist Gott? Wie ist der so und wo wohnt der eigentlich?
Meine Nichte hat mir mit ihren drei Jahren eine echte Weisheit aufgedeckt: Wer nach Gott fragt, fängt schon an, ihn kennenlernen.
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»Keine Kaffeefahrt« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.03.2019 gesendet.
In der Bibel lesen ist für mich wie reisen, beides mache ich gerne und beides ist manchmal nicht so einfach.
In einem fremden Land tauchen immer wieder Probleme auf. Die Busverbindung aus dem Reiseführer ist nicht mehr aktuell oder die Wanderung durch den traumhaften Regenwald entpuppt sich als stundenlanger Kampf gegen hunderte von Blutegeln.
In der Bibel stoße ich auch immer wieder auf Schwierigkeiten. Bei den Psalmen z.B., einer Sammlung von Gebeten im Alten Testament. Die sind wunderschön, aber enden oft mit ziemlich drastischen Rachefantasien. Zum Beispiel Gott solle glühende Kohlen auf die Feinde regnen lassen.
Mich irritieren diese Stellen total. Aber wie beim Reisen machen grade die Schwierigkeiten das Bibellesen für mich erst zum Abenteuer.
Sie sind ein Hinweis, dass vermutlich genau dort eine Entdeckung auf mich wartet, durch die ich etwas Neues über mich und Gott erfahren kann.
Die Psalmen fordern mich zum Nachdenken heraus:
Gibt es nicht auch in der Welt heute Dinge, wie den Hass oder den Egoismus, von denen ich mir leidenschaftlich wünsche, dass sie aus der Welt verschwinden? Vielleicht kann man die Psalmen so verstehen. Aber ehrlich gesagt: Zu einer fertigen Antwort bin ich noch nicht gekommen.
Auf meiner Reise durch die Bibel ist für mich noch lang kein Ende in Sicht.
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»Finsteres Mittelalter« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 09.01.2019 gesendet.
Das Mittelalter fasziniert mich. Das angeblich ach so finstere Zeitalter hat nämlich auch ganz andere, helle Seiten. Z. B sind im Mittelalter die ersten Universitäten der Welt gegründet worden!
Wie da Wissenschaft betrieben und kritisch nachgedacht worden ist, das hatte wirklich Klasse:
Wenn zwei Professoren über ein Thema unterschiedlicher Meinung waren, dann haben sie miteinander diskutiert. So richtig!
Bevor sich die beiden nämlich überhaupt streiten durften, hatte jeder die Pflicht, die Meinung des anderen wiederzugeben. Und zwar so, dass der sich auch richtig verstanden fühlt.
Für mich hat das nicht nur mit gutem Stil zu tun, sondern es bereichert die Diskussion: Sich wirklich auszutauschen und bereit zu sein, sich und die eigene Meinung auch tatsächlich korrigieren zu lassen.
Im Gegensatz dazu habe ich bei den Debatten heute oft den Eindruck, dass es gar nicht darum geht, sich wirklich auszutauschen. Stattdessen machen sich die beiden Seiten gegenseitig schlecht. Jeder beharrt stur auf seinem Standpunkt und so wird zwangsläufig nicht miteinander, sondern gegeneinander und aneinander vorbei geredet.
Eine Diskussionskultur wie damals im finsteren Mittelalter, bei der man sich echt darum bemüht, den Gegner stark zu machen und zu verstehen – von der könnten wir meiner Meinung nach heute alle noch was lernen.
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»Kein Platz für Gott« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.12.2018 gesendet.
Es ist Heilig Abend. Ich sitze in der Kirche und die Weihnachtsgeschichte wird vorgelesen. Den ganzen Tag sind meine Familie und ich durch das Haus gewuselt.
Jetzt endlich gibt es nichts mehr tun und ich höre einfach nur zu.
„Alle Jahre wieder“ dieselbe Geschichte: Die Stunde kommt und Maria bringt den kleinen Jesus zur Welt. Aber anstatt in ein schön gemachtes Bett, muss sie ihn in eine Futterkrippe legen. Weil in der Herberge kein Platz für sie ist.
Weil in der Herberge kein Platz für sie ist?! Diese Worte treffen mich dieses Jahr irgendwie mit voller Wucht. Da wartet doch die Menschheit auf Gott. Aber wenn es soweit ist, dann hat sie keinen Platz für ihn?
Habe ich in meinem Leben Platz für Gott? Oft bin ich ja ganz schön mit mir selbst beschäftigt. Klar, da gibt es ja auch so viele Dinge, Termine und Pläne. Wie schaffe ich da noch Platz für Gott?
Für Gott Platz zu machen, heißt für mich, ihn in mein Herz zu lassen. Dass kann ich z.B., wenn ich mir Zeit nehme, zu beten. Dann höre ich ganz bewusst in mich hinein und manchmal entsteht sowas wie ein Gespräch mit ihm.
Gott in mein Herz zu lassen, heißt für mich aber auch, mir für einen Freund Zeit zu nehmen, der grade eine Krise hat.
Nicht nur meine eigenen Wünsche und Pläne zu verfolgen, sondern auch den Menschen um mich herum Raum und Zeit zu schenken – so schaffe ich in meinem Leben Raum für Gott.
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