Carina
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Sonntag, 19. Oktober 2025
Ich bin eine Träumerin, schon immer gewesen. Ich ziehe mich gerne in meinen Kopf zurück und stelle mir vor, wie mein Leben aussehen könnte. Zum Beispiel die eigene Wohnung, in die ich eigentlich gerne ziehen würde. Oder die tollen Dates, auf die mein Freund und ich gehen könnten. Aktuell ist mein Leben schwierig, und das bringt mich nur noch mehr dazu zu träumen. Weil im Traum alles einfach ist.
Ich merke aber immer öfter, dass mir das nicht guttut. Denn immer, wenn ich träume, steht mein echtes Leben still. Es ist wie im ersten Teil von Harry Potter, als Harry vor dem Spiegel Nerhegeb steht und nicht aufhören kann, hineinzuschauen. Er sieht darin seine Eltern, die er nie richtig kennengelernt hat. Und bei all den Stunden, in denen er vor diesem Spiegel steht und etwas nachhängt, das nicht existiert, vergisst er, tatsächlich zu leben. Bei mir ist das ähnlich.
Wenn ich träume, erschaffe ich etwas – nämlich mit meiner Fantasie. Aber echt wird es erst, wenn ich es anpacke. Wenn ich zum Beispiel wirklich nach einer Wohnung suche oder ein Date plane. Das kostet mehr Energie als bloß zu träumen und dauert auch länger. Deshalb fällt mir das grad noch schwer.
Schritt für Schritt merke ich aber: Auch wenn es anstrengender ist und länger dauert – es lohnt sich. Weil es wirklich echt ist.
Carina
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Samstag, 18. Oktober 2025
Ich habe Depressionen, schon seit Jahren. Und gerade geht’s mir eher wieder schlechter. Obwohl ich solche Phasen so langsam eigentlich schon kenne, ist diesmal etwas neu: die Wut. Ich bin so wütend – über all die Zeit, die mir die Depression geklaut hat.
Weil ich in depressiven Phasen antriebslos und traurig bin, habe ich viele Tage meines Lebens nicht so verbracht, wie ich es hätte tun können – draußen, unterwegs, mit Freunden. Ich habe so viel Zeit verloren, die ich nie wiederkriegen werde. Bald werde ich 25 und ich habe beschlossen, dass das ein guter Zeitpunkt ist, um was zu verändern. Nicht, dass ich jetzt einfach entscheiden könnte, keine Depressionen mehr zu haben, das nicht. Aber ich kann meinen Blick verändern. Ich halte mich nämlich grundsätzlich für einen positiven Menschen.
Also übe ich, nicht auf mein Leben zurückzublicken und zu denken, dass mir was gestohlen wurde. Ich glaube, dass das ein Gedanke ist, den mir auch die Depression einredet. Ich möchte eher denken, dass mir etwas geschenkt wurde. Nämlich die Erfahrung, was es heißt, am Boden zu liegen und wieder aufzustehen, und zwar jedes Mal! Ich glaube, dass das eine Erfahrung ist, die mich so krass stark gemacht hat. Und aus der ich so viel lernen kann.
Nächster Schritt ist jetzt, mir dieser Stärke wieder bewusst zu werden. Und sie dann zu nutzen, um positiver auf mein Leben zu blicken.
Carina
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Freitag, 17. Oktober 2025
„Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass …“ – so fangen gerade viele Posts und Reels auf Instagram an. Da schreiben Leute Dinge, die ihnen peinlich oder unangenehm sind – und drehen es dann ins Positive. Leute geben zum Beispiel zu, dass sie Angst haben zu versagen, keine Freunde haben oder ihren eigenen Körper nicht mögen. Und sagen dann, dass sie sich nicht dafür schämen.
Ich finde den Trend echt spannend. Denn wenn Scham wirklich kein Problem wäre – warum müssten wir es dann so betonen?
Für mich ist Scham ein wichtiges Thema. Nicht nur, weil es ein unangenehmes Gefühl ist, mit dem ich schlecht umgehen kann. Sondern auch, weil es in unserer Gesellschaft – und in meinem Leben – immer noch tabu ist. Mir fällt es schwer, über Dinge zu sprechen, für die ich mich schäme. Weil ich Angst habe, verurteilt zu werden.
Und genau das ist der Punkt: Viele dieser Posts drehen etwas ins Positive, das sonst mit Scham verbunden wäre. Das macht sichtbar, wie sehr uns Scham im Alltag begleitet. Und deshalb will ich auf diesen Zug aufspringen.
Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass ich mich viel zu oft schäme. Und bei euch so?
Carina
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Donnerstag, 16. Oktober 2025
„Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner.“ Kennt ihr dieses Sprichwort? Das heißt so viel wie: „Woanders ist es immer besser.“ Mir ist es in letzter Zeit voll oft in den Sinn gekommen.
Ich stecke nämlich gerade in einer Phase, in der ich oft frustriert bin über mein Leben. Und da schleichen sich immer wieder so Gedanken ein: Vielleicht ist es an einer anderen Uni ja leichter. Vielleicht hilft ja eine neue Wohnung. Vielleicht gibt es da draußen einen Partner, der besser zu mir passt.
Solche Gedanken sind natürlich nicht produktiv. Im Gegenteil: Sie quälen mich, weil sie immer eine Entscheidung fordern. Wenn ich wissen will, ob es woanders besser ist, muss ich es ausprobieren und mein jetziges Leben hinter mir lassen.
Und noch etwas macht diese Gedanken toxisch: Sie tun so, als müsste man nur einen Umstand ändern – und dann ist alles gut. Aber das grünere Gras woanders bleibt nur grün, wenn es jemand gießt. Das hab ich jetzt erst gecheckt.
Selbst wenn ich irgendwo ein noch schöneres Stück finde – wenn ich mich nicht darum kümmere, wird auch das irgendwann vertrocknen. Vielleicht geht es also gar nicht darum, wo das Gras grüner ist.
Ich glaube, es wäre besser für mich, nicht ständig nach neuem Gras zu suchen. Sondern mich erstmal um das zu kümmern, das ich schon habe.
Carina
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Mittwoch, 15. Oktober 2025
Nachdem Taylor Swifts Eras-Tour vorbei ist, bin ich auch ein bisschen Fan geworden. Leider zu spät – ich hätte sie gern live gesehen. Jetzt höre ich ihre Musik, schaue ihre Videos – und lande immer tiefer in ihrer Fan-Bubble auf Social Media.
Und da merke ich: Neben all dem Positiven gibt’s auch Kritik. Ich meine nicht den Hate, sondern ernstzunehmende Punkte. Die YouTuberin Alicia Joe zeigt zum Beispiel, wie reich und mächtig Taylor Swift eigentlich ist. Wenn sie ein bestimmtes Kleid trägt, ist es danach sofort ausverkauft. Was sie postet und sagt, beeinflusst Wirtschaftsmärkte und Wahlen. Bei vielem, was sie tut, weiß man nicht: Macht oder kauft sie das aus Überzeugung? Oder verwendet sie ihre Reichweite, um eigennützige Ziele zu erreichen? Kurz gesagt: Sie ist nicht nur das sympathische Mädchen von nebenan oder die Freundin, die viele in ihr sehen – sondern auch ein Konzern, mit all den möglichen Schattenseiten.
Ich frage mich jetzt: Wie soll ich damit umgehen? Ich mag ihre Texte und ihre Musik – aber ich sehe eben auch das Andere. Kann ich beides nebeneinander stehen lassen?
Vielleicht ist genau das die Herausforderung beim Fan-Sein: Nicht alles unkritisch zu feiern, aber auch nicht alles sofort zu verwerfen. Sondern auszuhalten, dass Menschen – sogar Idole – beides sind: großartig und problematisch.
Carina
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Dienstag, 14. Oktober 2025
Mein Leben ist eine Achterbahnfahrt, eigentlich jeden Tag. Weil ich ein total emotionaler Mensch bin. Ich fühle Dinge sehr stark, und meine Stimmung wechselt deshalb häufig. Ich sehe was Trauriges und könnte direkt heulen. Jemand ist gut gelaunt oder erzählt mir einen Witz, und ich lache. Ich lasse mich von den Emotionen anderer leicht anstecken – und das ist Fluch und Segen gleichzeitig.
Ein Fluch ist es dann, wenn ich jemandem mit schlechter Laune begegne. Sofort schwappt die Stimmung auf mich über und ich werde auch pampig und genervt. Oder dann, wenn ich in einem Film oder Buch mit einer traurigen Szene konfrontiert werde. Sofort fühle ich, was die Menschen in dieser Szene fühlen. Diese Eigenschaft von mir ist aber eben auch ein Segen. Ich kann mich dadurch ziemlich gut in andere Menschen hineinversetzen. Weil ich ihre Emotionen sozusagen übernehmen kann und dann selbst fühle, was sie fühlen. Und: Die schönen Seiten des Lebens, wenn gelacht oder gefeiert wird, ergreifen mich umso stärker.
Dass ich so gefühlvoll bin, finde ich eigentlich ganz ok. Ich muss, glaube ich, nur noch besser lernen, mit den emotionalen Tiefpunkten umzugehen. Und im Hinterkopf haben, dass es immer auch wieder hoch hinaus geht, wenn ich grade unten bin. Wie bei einer Achterbahn eben.
Carina
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Montag, 13. Oktober 2025
In zwei Monaten werde ich 25. Und das geht einfach nicht in meinen Kopf rein. Wo ist all die Zeit hin? Ich fühle mich überhaupt nicht wie 25, eher wie 19 oder 20.
Vielleicht liegt das daran, wo ich gerade im Leben stehe: Ich studiere noch, ich habe nie richtig gearbeitet und wohne immer noch in einer WG. Mein Leben fühlt sich noch sehr nach Anfang an – nicht nach Mitte.
Und genau da merke ich: Wie ich mir ein Leben mit 25 vorstelle, passt nicht zu dem, wie es bei mir tatsächlich gerade ist. Früher dachte ich, ich hätte in dem Alter längst einen festen Job, vielleicht schon Familie, Haus und all das. Aber jetzt ist es anders. Es ist, als würde ich mein Leben mit einer Schablone vergleichen, die nicht passt.
Mitte zwanzig ist eigentlich gar nicht alt. Und wenn ich mich umschaue, sehe ich: Die meisten in meinem Alter sind auch noch nicht da, wo ich dachte, dass sie sein müssten.
Vielleicht hab ich bisher einfach die falschen Prioritäten gesetzt. Vielleicht geht’s beim Älterwerden eher darum, die alte Schablone von meinem Leben, also meine Vorstellungen von früher, loszulassen. Und dann Platz zu schaffen für das, was wirklich ist.
Carina
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Sonntag, 15. Juni 2025
Ich bin armutsgefährdet. Zumindest laut Statistik.
2024 lag die Grenze bei 1377 Euro netto im Monat – wer weniger hat, gilt als armutsgefährdet. Mit meinen 900 Euro falle ich da drunter.
Ich habe so wenig, weil ich Studentin bin. Ich verdiene 200 Euro mit einem Nebenjob. Mehr Arbeiten geht nicht, ohne dass mein Studium drunter leidet. Dazu kommen noch BAföG und ein kleiner Beitrag von meinen Eltern.
So wie mir geht es vielen Studierenden: Wir kommen irgendwie über die Runden. Aber wenn die Waschmaschine kaputtgeht oder die Miete steigt, dann wird’s eng. Dann kippt das Gleichgewicht – und die Gefahr der Armut ist plötzlich real.
Es geht mir nicht darum, viel Geld zu bekommen. Sondern studieren zu können, ohne ständig über Geld nachdenken zu müssen. Denn genau das ist mein Alltag: Rechnen, abwägen und auch verzichten. Manchmal auf Selbstverständliches.
Ich finde: Wenn Bildung ein Versprechen auf Zukunft ist, soll sie nicht davon abhängen, wie dick das Konto der Eltern ist.
Vielleicht wird erst dann etwas besser, wenn sichtbarer wird, wie viele beim Studieren finanziell struggeln.
Carina
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Samstag, 14. Juni 2025
Eine Freundin von mir hat sich im Februar die Brüste entfernen lassen. Der Grund war Brustkrebs. Beziehungsweise die Angst davor.
Denn sie hatte noch keinen Krebs. Aber in ihrer Familie gibt es eine angeborene Mutation im Erbgut, die das Risiko für Krebs stark erhöht. Dieses Risiko lag bei ihr bei 60 bis 85 Prozent, also mega hoch!
Die Diagnose hat sie jahrelang begleitet – wie ein Schatten. Die ständige Angst. Die vielen Vorsorgeuntersuchungen. Und die Panik vor jedem Ergebnis. Nach langem Überlegen und viel Beratung hat sie sich entschieden, die OP machen zu lassen. Damit sie endlich wieder ruhig schlafen kann.
In der Brustkrebs-Community ist das umstritten. Manche fragen: Warum sollte man Gewebe entfernen, wenn da noch kein Krebs ist und vielleicht auch nie einer gewesen wäre?
Aber ich finde: Es geht nicht nur um den Körper – sondern auch um die Seele.
Bei meiner Freundin war es nicht bloß das hohe Risiko. Diese Ungewissheit hat ihren Alltag komplett bestimmt und sie super belastet.
Obwohl manche die Entscheidung nicht gut fanden, bin ich stolz auf sie. Weil sie auf ihr Gefühl vertraut und abgewogen hat, was für sie das Beste ist. Sie ist jetzt nach der OP viel gelöster und glücklicher.
Carina
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Freitag, 13. Juni 2025
„Papst Franziskus ist tot.“ Das waren meine Worte – hier auf DASDING. Ich hatte die Ehre, einen Nachruf für ihn zu schreiben, vielleicht habt ihr den sogar gehört. Was ihr wahrscheinlich nicht wusstet: Ich habe diesen Text geschrieben, als Papst Franziskus noch gelebt hat. Denn Nachrufe entstehen für Menschen in der Öffentlichkeit oft schon vor deren Tod. Ich kann euch sagen: Es war komisch. Es hat sich irgendwie … falsch angefühlt.
Eigentlich ist der Tod so was Riesengroßes, vor dem ich Ehrfurcht hab. Es ist ein einschneidendes Erlebnis, wenn jemand stirbt. Danach ist ja nichts mehr wie vorher. Weil ich den Text aber vorher geschrieben hab, hatte ich das Gefühl, damit was zu verkürzen – also dem Tod nicht den Raum zu geben, der ihm eigentlich zusteht. Ihn irgendwie „abzutun“.
Natürlich weiß ich: Genau darum geht es ja bei einem Nachruf. Dem Tod Raum geben. Und ein Leben würdigen. Und trotzdem war es, als hätte ich was vorweggenommen.
Einer meiner Kollegen, mit dem ich das Thema besprochen hab, hat mich dann aber noch auf einen ganz anderen Gedanken gebracht. Wenn der Tod so was Großes ist, vor dem ich Respekt hab, dann ist es doch eigentlich gut, sich vorher schon damit auseinanderzusetzen. Um sich darauf einzustellen sozusagen. Vielleicht habe ich dem Tod von Papst Franziskus damit sogar noch mehr Würde verliehen: Weil ich nur so die Möglichkeit hatte, mir Zeit zu nehmen und die richtigen Worte zu finden.