»Generationenwohnen« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.12.2018 gesendet.
Ich suche mit meinem Partner nach einem Haus für uns. Doch schnell ist klar – auf dem normalen Immobilienmarkt werden wir nichts finden. Dafür haben wir nicht genug Geld. Und wir können und wollen uns auch nicht so hoch verschulden.
Deswegen haben wir uns nach alternativen Wohnmöglichkeiten umgeschaut. Auch die sind nicht günstig, aber sie bieten oft mehr als nur einen Wohnraum.
Zum Beispiel gibt es ein Projekt, wo Generationen zusammenwohnen können. Alte und junge Leute wohnen in einem großen Gebäudekomplex zusammen. Die Idee dahinter ist, dass die Leute zusammen leben und sich gegenseitig helfen, wenn einer Hilfe braucht.
Wir, als „mittlere Generation“ wären dann zum Beispiel dafür verantwortlich, den älteren Bewohnern beim Papierkram zu helfen oder sie zu einem Arzttermin zu begleiten. Die älteren Bewohner, die nicht mehr arbeiten gehen müssen, können ein Abendessen für alle vorbereiten. Und wenn wir mal Kinder haben, sind sie vielleicht zum Babysitten bereit…
Dieses Projekt soll so etwas wie ein Familiengeflecht werden. Jeder hat seinen Rückzugsraum, aber es ist erwünscht, sich einander zu helfen und zu unterstützen.
Ich finde die Idee schön auch wenn ich glaube, dass wir uns viel streiten und viel verhandeln müssen. Eben wie in einer Familie auch. Aber dafür bekommen wir einen echten Lebensraum.
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»Familienstrukturen« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.12.2018 gesendet.
Ich wohne etwa 400 Kilometer von meinen Eltern weg. Manchmal bin ich traurig darüber. Ich kann nicht mal schnell meinen Eltern was zu essen vorbeibringen oder sie unterstützen.
Ich glaube es geht vielen Menschen so. Wegen des neuen Jobs oder wegen der eigenen neuen Familie können sie nicht in der Nähe ihrer Eltern sein.
Daher finde ich es schön, das, was Familie ausmacht, auch mit anderen Menschen zu teilen.
Ich kenne ein Paar, das eine „Ersatzoma“ für ihr Kind gesucht hat. Ihnen ist es wichtig, dass ihr Kind auch von einem älteren Menschen etwas lernt. Sie haben tatsächlich eine ältere Frau gefunden. Die Frau ist in einer ähnlichen Situation: Ihre eigenen Enkelkinder wohnen nicht in der gleichen Stadt, sondern sind weit weg. Mittlerweile sagen sie, sie sind Familie füreinander geworden. Sie verbringen Zeit und unterstützen sich gegenseitig. Auch ohne miteinander verwandt zu sein. Ich finde das schön – und meine ursprüngliche Familie verliere ich dadurch ja auch nicht…
Klar – es muss auf der persönlichen Ebene passen. Aber ich kann mir das gut vorstellen. Wenn ich schon nicht für meine eigene Familie da sein kann, warum dann nicht für andere? Ich könnte einkaufen gehen, einen Lebensratschlag bekomme und schöne Momente teilen.
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»Absurdität« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 11.12.2018 gesendet.
Ich bin überglücklich. Ich habe geheiratet und gemeinsam mit meinem Mann plane ich unsere Zukunft. Ich fühle mich so, als würde ich durch den Alltag schweben.
Doch zwei Tage nach meiner Hochzeit erzählt mir ein Freund, dass sein Bruder überraschend gestorben ist. – Und zack - Da prallen einfach so zwei Welten aufeinander. Ich bin überglücklich und mein Freund ist niedergeschlagen. Wie kann ich das zusammenbringen?
Ich empfinde es als völlig absurd, wie nah Glück und Trauer beieinander liegen. Nur weil ich gerade glücklich bin, geht es dem Rest der Welt nicht automatisch auch so.
So schwer es zu ertragen ist – ich glaube es ist wichtig, dass mein Freund und ich uns trotzdem in diesem Moment begegnen. Es prallen zwar zwei Welten aufeinander – aber ich kann aus meiner Situation heraus dem anderen Halt geben. Mir geht es gerade gut. Dadurch bin stark genug, ihn zu trösten.
Es ist absurd. Aber gerade in solchen Momenten zeigt sich: Wenn ich glücklich bin, kann ich jemand anderen Zuversicht geben und ihn stärken. Und umgekehrt ist es auch so: Wenn es mir schlecht geht, ist hoffentlich jemand da, der mich wieder zuversichtlich machen kann, das bessere Lebensphasen kommen können.
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»Wandern« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.12.2018 gesendet.
Ich bin in meinem letzten Urlaub wandern gewesen. Früher war da mal ein Vulkan. Und jetzt sind dort viele kleine Berge nebeneinander.
Ich genieße wandern. Denn ich weiß nie, was ich sehen werde und wem ich begegne.
Natürlich finde ich manche Touren anstrengend. Dann fluche ich vor mich hin. Der Aufstieg ist mir zu steil oder zu lang und mein Körper macht nicht so mit, wie ich das gerne hätte.
Und trotzdem gehe ich immer wieder los. Denn da ist etwas, was mich packt, obwohl es anstrengend ist. Auf dem Weg zum Gipfel kann ich nachdenken. Es gibt wenig, was mich ablenkt. Und hinter jeder Ecke kann sich etwas Schönes zeigen: ein schöner Baum oder eine schöne Aussicht…
Wenn ich oben ankomme, sind da ganz viele Gefühle: Ich bin stolz, glücklich, fühle mich frei - und ich fühle mich ganz nah bei Gott. Hier oben zeigt sich die Welt aus einer anderen Perspektive. Ich sehe, je nach Wetterlage, wie schön die Natur ist und wie klein ich im Vergleich dazu bin. Es heißt in vielen Texten der Bibel, der Berg ist ein Ort, wo ich Gott erfahren kann. Dort berühren sich Himmel und Erde. Für mich fühlt es sich wirklich so an.
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»Einkehr« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 29.11.2018 gesendet.
Wenn ich jetzt spazieren gehe zeigt sich überall: Der Herbst ist da und bereits die ersten Vorboten des Winters. Die Blätter haben sich schon verfärbt und die Tage werden kürzer und dunkler.
Für mich sind diese dunklen Monate bereits so etwas wie eine Vorbereitung auf Weihnachten.
Ich bin im Herbst und Winter lieber in meiner Wohnung. Ich mache es mir vor dem Ofen mit einem Buch gemütlich oder höre Musik. Es ist für mich eine Zeit der Einkehr. Denn ich glaube, den Zauber von Weihnachten kann ich erst dann richtig erleben, wenn ich mich davor darauf vorbereite. So, wie es die Natur auch macht. Alles zieht sich ein bisschen zurück. Auch ich versuche das. Ich versuche, mich selbst zu suchen. Ich frage mich in dieser Zeit, welche Rolle Jesus in meinem Alltag spielt. Ob ich es schaffe, das, was ihm wichtig gewesen ist, in meinem Alltag umzusetzen. Ich denke nach über mich und mein Leben.
Und wenn ich nach dieser Zeit Weihnachten feiere, ist es auch ein bisschen wie ein Neuanfang. Ich starte mit neuer Kraft und neuen Ideen in das neue Jahr. Und dann fängt langsam alles an wieder zu blühen. Ich spüre die Kraft des Frühlings und auch ich bin voller Pläne und Ideen für das neue Jahr und hoffe, dass sie Früchte tragen.
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»Stille« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 28.11.2018 gesendet.
Wenn ich im Urlaub bin, will ich alles sehen. Ich bin den ganzen Tag unterwegs und schaue mir die Sehenswürdigkeiten an. Zwischendurch setz ich mich gern für ein paar Momente in die Kirche. Besonders mag ich die kleinen Dorfkirchen. Ich mag sie, weil es da meistens total still ist. Keine Touristen, keine Leute, nur ich in dem großen Raum.
Ich höre dann nichts, außer meinem eigenen Atem.
Die Stille macht mich offen. Zuerst bin ich bei mir und ganz in meinen Gedanken. Irgendwann fange ich dann an zu beten und habe den Eindruck, dass Gott in der Stille bei mir ist.
Diese stillen Momente erlebe ich nur ganz selten. Für echte Stille ist in meinem Alltag oft kein Platz. Es läuft das Radio, ich habe Besuch oder ich renne von Termin zu Termin. Und dann ist da auch mein Smartphone, das ständig vibriert oder klingelt.
Ich glaube, dadurch verschließe ich mich für andere Erfahrungen. Denn in der absoluten Stille, so glaube ich, kann ich Gott begegnen.
Wie schon der persische Mystiker und Dichter Rumi geschrieben hat: „Die Stille ist die Sprache Gottes. Alles andere ist eine schlechte Übersetzung.“
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»Klimawandel« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 27.11.2018 gesendet.
Es ist erst wenige Wochen her – der goldene, super warme Oktober. Einen ganzen Monat Spätsommer. Auch ich habe das total genossen – ich bin jede freie Minute draußen gewesen. Ich bin im Oktober noch mit meinen Sommersachen rumgelaufen.
Und jetzt sitze ich mit Wolldecke in meiner Wohnung und denke nach. So schön die Wärme gewesen ist, es ist dieses Jahr so offensichtlich geworden, dass sich die Welt verändert. Der Klimawandel zeigt sich deutlich. Die Wiese am Flussufer ist noch immer völlig verbrannt und braun, der Fluss ist nur noch ein kleines Rinnsal.
Ich weiß, dass ich zusammen mit vielen anderen die Ursache dafür bin. Unsere Lebensgewohnheiten lassen die Erde wärmer werden. Auch wenn ich alleine nicht viel ändern kann, bin ich mir sicher, dass auch meine kleinen Schritte was bringen.
Ich habe zum Beispiel beschlossen, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Ich fahre im Alltag Fahrrad oder mit Tram und Bahn. Nicht alle Strecken sind gut ausgebaut, aber dafür gibt es dann ja auch Mietwagen oder Mitfahrzentralen. Natürlich denke ich mir an Regentagen auch, wie schön es wäre, trocken zur Arbeit zu kommen. Aber ich fahre trotzdem mit dem Rad. Denn auch ein kleiner Beitrag zählt. Ich bin nicht alleine auf der Welt. Ich möchte, dass es auf der Welt erträglich bleibt.
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»Moral durch Maschinen« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.10.2018 gesendet.
Ich mag es nicht, Auto zu fahren. Mich stresst das. In meiner Stadt sind die Straßen eng, es gibt viele Fahrradfahrer, die ich leicht übersehen kann und es ist immer Stau mit Stop and go. Ich finde es richtig anstrengend, da immer konzentriert zu sein.
Deshalb gefällt mir die Idee, dass es einen Auto-Piloten gibt, der das für mich übernimmt. Ich könnte weniger gestresst fahren. Und der positive Nebeneffekt: Maschinen machen weniger Fehler als Menschen. Ein Auto-Pilot kann sich zum Beispiel nicht von einem Handy ablenken lassen…
Der Gedanke ist verlockend. Aber ich frage mich, ob es wirklich so einfach ist. Ich denke, Maschinen machen Fehler auf anderen Ebenen.
Was macht zum Beispiel der Autopilot in einer Dilemma-Situation. Wenn er zum Beispiel einem Kind ausweichen muss und dabei eine andere Person gefährdet? Nach was für einem Algorithmus würde er entscheiden?
In bestimmten Handlungen stecken moralische Entscheidungen mit drin. Weil ich etwas entscheide und dann für die Folgen verantwortlich bin. So verlockend manche Seiten der neuen Technik sind: Mir macht es Sorgen, Vorgänge, wo potentiell moralische Entscheidungen getroffen werden müssen, an Maschinen wie einen Auto-Piloten abzugeben.
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»Der Nächste« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 23.09.2018 gesendet.
Es ist Sonntag und ich spaziere mit einem Kumpel am Fluss entlang. Die Sonne scheint und es ist wunderschön warm.
Doch dann sehen wir einen älteren Mann, der regungslos auf einer Treppe in der prallen Sonne liegt. Schweißperlen tropfen von seiner Stirn auf die Treppenstufen.
Wir versuchen den Mann anzusprechen. Erfolglos. Er reagiert nicht. Der Mann muss schon eine Weile dort liegen. Um ehrlich zu sein, passt mir das in dem Moment überhaupt nicht in den Kram. Aber wir verständigen den Rettungsdienst und warten…
Ich habe keine Lust, zu warten. Ich möchte mit meinem Kumpel ne schöne Zeit haben. Und dann sind da auch noch meine Vorurteile: Der Typ hat bestimmt zu viel gesoffen. Der ist selber schuld an seinem Zustand.
Aber sicher sein kann ich mir da nicht. Ich weiß es nicht. Und ist es nicht auch völlig egal, wie der Mann in diesen Zustand gekommen ist?
So wenig ich dazu Lust habe. ich kann nicht weitergehen und wegschauen. Denn vor mir liegt ein Mensch am Boden. Ich will einfach in einer Gesellschaft leben, in der keiner unter die Räder gerät - auch nicht jemand, der vielleicht Alki ist. Ich möchte, dass jedem geholfen wird.
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»Heimat Glaube« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 22.09.2018 gesendet.
Mein Freund ist mit der Ausbildung fertig und auf Jobsuche. Wir wissen gerade noch nicht, ob wir für seinen Job eventuell in eine ganz andere Stadt ziehen und uns dort alles neu aufbauen müssen.
Diese Ungewissheit macht mich nervös. Ich mag es, wenn mir eine Stadt und Leute vertraut sind. Und da will ich dann nicht wegziehen.
Obwohl ich schon weiß, dass ich mich überall einleben kann.
Ich habe es hier ja auch geschafft und mich nach meiner Ausbildung auf den Ort hier eingelassen. Ich habe die Besonderheiten und den Charme der Stadt entdeckt, die man nicht auf den ersten Blick sieht. Ich hab zum Beispiel erst mal tourimäßig ne Stadtführung mitgemacht und so die versteckten, besonderen Ecken der Stadt kennengelernt.
Dass ich so offen für Veränderungen bin, hat für mich aber auch etwas mit meinem Glauben zu tun.
Ich denke, ich bin ein Geschöpf Gottes in der Welt. Ich habe keinen bestimmten Ort, keine bestimmte Stadt, in die ich gehöre. Mein Glaube macht mich unabhängig von einem Ort. Denn ich fühle mich dort geborgen, wo ich meine Beziehung zu Gott leben kann. Wo ich andere Menschen treffe, die mich und meinen Glauben akzeptieren. Und Gott begleitet mich überallhin und ist bei mir. Das gibt mir Sicherheit.
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