Ein bisschen weniger ich, dafür ein bisschen mehr “wir”. Das denk ich mir, als ich den Spendenaufruf einer Freundin auf Facebook lese. Es geht um eine Familie, die endlich eine neue, größere Wohnung gefunden hat. Leider haben sie aber zu wenig Geld, um der Vormieterin die Küche abzukaufen. Meine Freundin bittet jeden, der ihren Aufruf liest um 10 Euro. Sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt, sondern will etwas mit allen erreichen. Sie setzt auf das „wir“.
Ich überlege lange, ob ich was geben soll. Dabei ist mir wieder ein Partyabend mit Freunden eingefallen. Da bin ich locker 50 Euro losgeworden. Und am Tag davor sind mir noch meine Traumschuhe über den Weg gelaufen, die ich mir dann gegönnt habe. Mal eben so. Dabei hab ich selbst auch nicht unbegrenzt Geld. Im Vergleich dazu sind die 10 Euro für diese Familie ein Witz. Nehme ich mich also zurück und tue ihr den Gefallen, damit es Anderen besser geht? Ich kann meiner Freundin vertrauen. Ich weiß, dass das Geld ankommt und wirklich gebraucht wird. Auch weiß ich von ihr, dass die Empfänger dankbar sind und auch helfen würden, wenn sie um Hilfe gefragt werden. Ich überweise meiner Freundin das Doppelte. Mir geht’s gut. Schadet bestimmt nicht, wenn ich mal etwas hergebe. Vielleicht kommt dann ja auch irgendwann mal was wieder zu mir zurück.