Gegenüber von meiner Wohnung hat ein neues Café eröffnet. Die Cafébesitzer haben draußen keine Speisekarten angebracht. Ihre Werbung geht in eine andere Richtung: Ich kann essen und trinken so viel ich möchte. Stattdessen bezahle ich dort einen Preis nach Stunden. Ich stemple die Stunden ab, die ich dort verbringe und bezahle am Ende pro Stunde einen Betrag.
Die Cafébesitzer wollen damit ein besonderes Konzept umsetzen: Sie wollen, dass sich in ihrem Café Menschen treffen können – ohne Zeitdruck oder Konsumdruck. Es soll eine Art Wohnzimmerersatz sein. In großen Städten ist Wohnraum knapp. WGs haben oft kein gemeinsames Wohnzimmer und Familien können sich keine großen Wohnungen leisten. Daher kann man das Wohnzimmer-Café für sich nach Bedarf nutzen. Das Konzept ist ganz offen gestaltet. Ich kann mit meinen Freunden vorbeischauen und wir dürfen in der offenen Küche des Cafés theoretisch auch Nudeln kochen. Und die Betreiber bieten unter der Woche verschiedene Workshops an.
In dem Café soll ich mich wie zuhause fühlen können. Gemütlich ein Buch lesen und stundenlang verweilen dürfen. Ich zahle dafür eine kleine Miete – aber dafür treff‘ ich Leute oder kann mich auch mal zurückziehen, wenn ich alleine sein will.
Das kann so ein Café sein, aber vielleicht auch der bislang ungenutzte Hinterhof, oder Grünstreifen vor der Tür. Es hängt immer davon ab, wie ich einen Raum mit Leben fülle.