Das Mittelalter fasziniert mich. Das angeblich ach so finstere Zeitalter hat nämlich auch ganz andere, helle Seiten. Z. B sind im Mittelalter die ersten Universitäten der Welt gegründet worden!
Wie da Wissenschaft betrieben und kritisch nachgedacht worden ist, das hatte wirklich Klasse:
Wenn zwei Professoren über ein Thema unterschiedlicher Meinung waren, dann haben sie miteinander diskutiert. So richtig!
Bevor sich die beiden nämlich überhaupt streiten durften, hatte jeder die Pflicht, die Meinung des anderen wiederzugeben. Und zwar so, dass der sich auch richtig verstanden fühlt.
Für mich hat das nicht nur mit gutem Stil zu tun, sondern es bereichert die Diskussion: Sich wirklich auszutauschen und bereit zu sein, sich und die eigene Meinung auch tatsächlich korrigieren zu lassen.
Im Gegensatz dazu habe ich bei den Debatten heute oft den Eindruck, dass es gar nicht darum geht, sich wirklich auszutauschen. Stattdessen machen sich die beiden Seiten gegenseitig schlecht. Jeder beharrt stur auf seinem Standpunkt und so wird zwangsläufig nicht miteinander, sondern gegeneinander und aneinander vorbei geredet.
Eine Diskussionskultur wie damals im finsteren Mittelalter, bei der man sich echt darum bemüht, den Gegner stark zu machen und zu verstehen – von der könnten wir meiner Meinung nach heute alle noch was lernen.