Immer das Gleiche. Wenn ich in die Kirche gehe, nervt es mich manchmal, dass die Formen immer die gleichen sind. Alle knien sich gleichzeitig hin, stehen wieder auf. Und immer die gleichen Lieder. Ich habe manchmal das Gefühl, dass diese Rituale nur abgespult werden, aber nichts mehr bedeuten.
Vor kurzem ist aber ein Freund von mir bei einem Unfall ums Leben gekommen. Er ist so alt wie ich gewesen. Dass er so plötzlich gestorben ist, hat mich fassungslos gemacht. Ich hab nicht gewusst, wie ich es schaffe, dass ich mit den Gefühlen umgehen kann, die da hochkommen. Ich bin traurig gewesen, aber auch wütend und gleichzeitig habe ich mich an die vielen schönen Momente mit ihm erinnert. Was mir geholfen hat, waren genau die festen Formen. Es hat gutgetan, dass ich nicht überlegen musste, was als Nächstes kommt. Dass alle die Lieder kannten, die wir gesungen haben. Und dass so ein Gefühl von Gemeinschaft entstanden ist. Ich hab mich da mit meinen Gefühlen nicht mehr alleine gefühlt. Ich konnte mich gedanklich fallen lassen, weil ich gespürt habe, dass die Rituale und die Gemeinschaft mich tragen.