»Supergeil« von Thomas   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 25.04.2014 gesendet.
„Du bist eine supergeile Mutti.“ Das sagt ein alter Mann mit Bart, Sonnenbrille und grauen Haaren in einem Video auf der Homepage einer Supermarktkette. In anderen Videos findet dieser bärtige alte Mann alles Mögliche geil: Klopapier, Cookies, Müsli und Sushi – alles sehr, sehr geil. Aber nicht nur die Produkte, auch Menschen findet er supergeil: Männer, Frauen, Väter, Mütter, Geburtstagskinder und Kollegen.
Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, hatte eins der Videos 6.500.000 Klicks.
Ich finde diese Spots große Klasse: Sie sind verrückt, lustig und haben auch eine klare Aussage. Sie sagen: Du bist sehr, sehr geil.
Das einzige, was ich daran traurig finde, ist, dass es ein Supermarkt ist, der das ausspricht, was andere viel zu selten sagen: Du bist geil – oder anders: Du bist phänomenal gut. Eltern sollten das jeden Tag ihren Kindern sagen und Kinder auch mal ihren Eltern. Ich weiß gar nicht, wann ich meiner Freundin das letzte Mal gesagt hab, dass ich sie phänomenal gut finde. Nichts ist selbstverständlich, bis man es gesagt hat. Andere brauchen mich, damit ich Ihnen sage, dass sie gut sind und ich brauche andere, die es mir sagen. Ich bin froh, dass ich solche Eltern habe und eine phänomenal gute Freundin. Und derjenige, der mich jeden Tag in meinem Leben sehr, sehr geil findet, ist nicht ein alter Mann mit Bart aus einer Supermarktwerbung, sondern das Original: Gott.
»Was heute wichtig war« von Katharina   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.04.2014 gesendet.
Manchmal hab ich abends das Gefühl, der Tag heute war echt umsonst. Normalerweise wickel ich mich an so einem Abend in meine Sofadecke und will von nichts mehr wissen. Einmal aber habe ich etwas anders ausprobiert: Ich habe mir überlegt, was heute trotz des doofen Tages für mich wichtig war. Ich muss ziemlich lange überlegen..., aber doch, da war was.
Heute Mittag klopft nämlich meine Kollegin an die Tür und stellt mir ihren Bekannten aus der Blindenwerkstatt vor. Sie hat ihn mitgebracht, weil er unbedingt wissen will, wie es in ihrem Büro so ist, in dem sie arbeitet. Ich stelle mich also vor, erkläre was ich mache und wie es bei mir im Büro aussieht. Er zeichnet dabei alles auf Kassette auf, damit er in seiner Wohngruppe ganz genau erzählen kann, was er erlebt hat.
Das bisschen erklären – für mich war das keine große Sache – aber ihm hats total gut gefallen. Und deswegen finde ich, ist dieser Tag doch wichtig gewesen: Ich habe jemandem eine große Freude gemacht.
Also auch wenns nicht so läuft, vielleicht finde ich ja doch immer einen schönen Moment? Ich werde auf jeden Fall danach suchen.
»Auf Umwegen« von Katharina   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 23.04.2014 gesendet.
Wenn ich meinen bisherigen Lebensweg malen würde: Auf dem Papier wären viele Schnörkel, Umwege und Ecken eingezeichnet. In den 27 Jahren, in den ich auf der Welt bin, gings nicht immer nur gerade aus. Und so im Nachhinein kann ich sagen, dass das auch gut so ist. Das hat viele Gründe. Zum Beispiel ein Schnörkel auf dem Papier steht für eine Zeit, in der ich in einem Job gearbeitet habe, der so gar nichts mit meinem Studium oder meinem Berufswunsch zu tun hat. Aber mit einigen Kollegen dort habe ich mich so gut verstanden, dass wir Freunde geworden sind. Nicht nur damals, sondern wir treffen und schreiben uns auch heute noch. Schon allein deswegen, ist diese Zeit, dieser Schnörkel, für mich wertvoll.
Ich denke, nichts, was ich erlebe, ist umsonst. Egal, ob es eine schöne oder schlimme Erfahrung ist. Ich lerne daraus, es prägt mich und es macht mich einzigartig. Ich finde, Umwege im Leben sind nichts Verwerfliches. Sondern sie tragen dazu bei, dass ich ich bin.
»Kritik« von Katharina   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 22.04.2014 gesendet.
Vom Lehrer oder Chef einen Anschiss zu kassieren macht echt keinen Spaß. Aber, auch wenn es erst mal seltsam klingt: Ich finde, es gibt Kritik, die auch schön sein kann. Nämlich die von Freunden. Kritik an sich gefällt mir auch da zwar nicht immer, aber mir gefällt, wofür sie steht: dafür, dass meine Freunde mir vertrauen. Und ich ihnen. Ich bin echt froh, dass ich einer guten Freundin nichts vorlügen muss: Wenn mir was in ihr nicht passt, kann ich ihr das so sagen, ohne dass sie beleidigt ist. Im Gegenzug hält sie mir auch den Spiegel vor: Neulich war ich nämlich ein bisschen zu zickig. Hat sie mir auch gesagt. Und das ist ok. Mir ist wichtig, was sie über mich denkt. Ich glaube, Kritik zu geben und Kritik ertragen zu können, gehören zu einer Freundschaft dazu. Vielleicht macht das eine Freundschaft erst richtig gut.