»Zutrauen« von Patricia   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 27.02.2015 gesendet.
„Das hätte ich dir gar nicht zugetraut!“ Das sagt meine Tante zu mir, als ich erzähle, wie gerne ich Kuchen backe. „Das hätte ich dir gar nicht zugetraut“ – Diesen Satz höre ich öfter mal, zum Beispiel, wenn es darum geht, dass ich früher Fußball gespielt habe oder dass ich kein Problem damit habe, vor vielen Menschen zu sprechen.
Vielleicht soll das ein Kompliment sein, aber mir tut es immer ein bisschen weh. Warum trauen mir andere dieses oder jenes nicht zu? Weil ich nicht so aussehe, als wäre ich dazu in der Lage? Ich frage mich dann, wie ich auf andere Menschen wirke. Leider kann ich nicht beeinflussen, was andere über mich denken. Aber ich kann immerhin darauf achten, wie ich selbst andere wahrnehme.
Denn jeder hat Interessen und Talente, von denen ich nicht sofort etwas merke. Das ist gut, denn ich fände es auch langweilig, gleich alles über eine Person zu wissen. Lieber erfahre ich nach und nach immer mehr über einen Menschen und lasse mich überraschen.
„Das hätte ich dir gar nicht zugetraut!“ klingt für mich nach Vorurteilen. Deshalb streiche ich diesen Satz auch ab sofort aus meinem Wortschatz, denn ich will niemanden nach seinem Aussehen oder dem ersten Eindruck beurteilen. Ich will anderen frei und offen begegnen.
»Charlie Hebdo« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.02.2015 gesendet.
Je suis Charlie. Das war nach den Terroranschlägen in Paris in den sozialen Netzwerken und in den Medien überall zu lesen. Es ist der Slogan der Solidarität mit den Opfern des Satiremagazins Charlie Hebdo. Ich finde das unglaublich: Menschen auf der ganzen Welt haben damit ihre Anteilnahme gezeigt. Aber nicht nur das. Dieser Slogan ist zum Symbol der Verteidigung der Meinungs- und Pressefreiheit geworden.
Klasse Sache hab ich mir gedacht. Ich bin auch Charlie. Dann hab ich mir das Magazin genauer angeschaut und gesehen, dass immer wieder rassistische, sexistische und homophobe Beiträge veröffentlicht worden sind. Zum Beispiel ist die schwarze Justizministerin von Frankreich als Affe dargestellt worden. Und Schwarze allgemein sind als dumme Neger beschimpft worden. Und das finde ich völlig daneben.
Es ist natürlich klar, dass verbale Provokation niemals eine Entschuldigung für Gewalt ist. Und es ist auch gut, dass wir in einem Europa leben, in dem Meinungs- und Pressefreiheit hoch angesehen sind. Und ich finde auch, dass Religion diese Freiheit aushalten muss. Aber diese Freiheit sollte nicht missbraucht werden, um gegen bestimmte Gruppen aufzuhetzen. Pressefreiheit muss nicht unbedingt heißen gegen andere auszuteilen, ohne Respekt und ohne Rücksicht. Und in diesem Fall müsste ich sagen, bin ich nicht Charlie.
»Leistungsgesellschaft « von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 25.02.2015 gesendet.
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Diesen Spruch kenne ich seit meiner Kindheit. Damals ging es noch darum, dass ich erst meine Hausaufgaben machen sollte, bevor ich raus auf die Straße zum Spielen durfte. Heute fällt mir immer mehr auf, dass mein ganzes Leben sich nach diesem Motto richtet. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Erst mal die Ausbildung oder das Studium, dann erst mal arbeiten und Geld verdienen. Und wenn ich lange genug hart dafür gearbeitet habe, dann kommt das große Vergnügen. Oder wie muss ich mir das vorstellen? Ich habe eher das Gefühl, dass die Arbeit immer mehr wird, je mehr ich auf mein Vergnügen hinarbeite.
Aber vielleicht lasse ich mir von anderen viel zu weit in mein Leben hineinreden. Ich kann mein Leben gestalten, wie ich es will. Und dann kommt das Vergnügen, auch mal vor der Arbeit. Der Urlaub vor der Hausarbeit, die freien Tage mit Kumpels oder der Freundin vor dem Lernen auf Prüfungen. Und die Party am Abend vor dem nächsten Tag.
»Schlechter Tag« von Patricia   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.02.2015 gesendet.
Es gibt Tage, da geht einfach alles schief. Für mich ist heute so ein Tag: Erst verschlafe ich, dann schütte ich ein Glas Wasser über Schreibtisch, Laptop und Handy aus. Vom Backen sind im Ofen nur noch eingebrannte Stellen übrig. Und eigentlich will ich doch heute so viel erledigen...
Was also tun?
Option a: Ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und warten, dass ein Prinz auf weißem Pferd kommt und mich rettet. Oder wenigstens den Ofen saubermacht. Dass das passiert, ist allerdings eher unwahrscheinlich.
Option b: Tief durchatmen. Einen Tee kochen, ein Stück Schokolade essen. Mich entscheiden, was heute wirklich wichtig ist und dann noch einmal von vorne beginnen. Und wenn das nicht klappt, dann ist morgen auch noch ein Tag. Und übermorgen auch.