»Unterbrechung« von Thomas K.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 27.06.2016 gesendet.
Eigentlich will ich nur schnell was erledigen und laufe zu den Kollegen im Nebengebäude. Im Flur hängt ein Kalender mit netten kleinen Weisheiten, an dem ich schon x-mal vorbeigelaufen bin. Im Vorbeigehen lese ich aus den Augenwinkeln die Frage auf dem Kalenderblatt:
„Was ist die kürzeste Definition von Religion?“
Als hätte ich nichts anderes zu tun, als den ganzen Tag darüber nachzudenken; ich hab mehr als genug zu tun und muss schließlich in fünf Minuten wieder an meinem Schreibtisch sitzen. Ich will gerade weiterlaufen, aber meine Füße bleiben wie von selbst stehen. Jetzt will ich doch wissen, was die Antwort ist. Und als Antwort steht da: „Unterbrechung“. Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung? Ich bin irritiert und voll aus dem Rhythmus. Ich weiß schon gar nicht mehr, was ich eigentlich gerade erledigen wollte. Ich bin aus dem Rhythmus und ich bin auch: Aus dem Stress! Es kommt mir vor, als hätte jemand mein Hamsterrad angehalten.
»Danke« von Micha   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.06.2016 gesendet.
Meinen letzten Geburtstag habe ich ziemlich groß gefeiert. Das war echt cool. Meine Familie war dabei und viele Freunde. Und natürlich gab es auch Geschenke. Da waren lauter richtig coole Sachen dabei. Meine Gäste wussten einfach, was mir gefällt und was ich brauchen kann. Da habe ich gerne „Danke“ gesagt. Und es war auch klar, wem ich dankbar war.
Neulich ging‘s mir aber mal anders. Da habe ich gedacht: Ich würde gerne „Danke“ sagen. Aber ich wusste erst gar nicht, wem. Das war in den Alpen. Ich war da mit meiner Freundin wandern. Das war hammeranstrengend, aber wir hatten einfach den perfekten Tag. Denn es war so geiles Wetter. Und vom Gipfel aus hatten wir voll die schöne Aussicht. Das hat sich richtig gut angefühlt. Und da habe ich gedacht: Wow, cool, dass ich das erleben kann! Da wollte ich dann „Danke“ sagen. Aber wem? Ich meine, die ganzen Berge, die krasse Aussicht, die Sonne...
Später habe ich mir dann die Bilder von dem Tag angeschaut. Und da musste ich an einen Psalm aus einem Gottesdienst denken. „Ich sehe den Himmel, das Werk deiner Hände. Den Mond, die Sterne. Du hast sie erschaffen. Da staune ich.“ Da spricht also jemand mit Gott. Beim nächsten genialen Tag denke ich da vielleicht dran. Und dann sage ich Gott einfach kurz „Danke“!
»Kopf-Herz-Distanz« von Anika   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 25.06.2016 gesendet.
Vom Kopf bis zum Herzen ist es nicht weit. Bei mir sind es 30 cm. Keine lange Strecke eigentlich. Trotzdem dauert es oft ziemlich lang, bis etwas von meinem Kopf in mein Herz gerutscht ist.
Zum Beispiel weiß ich, dass ich meiner besten Freundin vertrauen kann. Sie mag mich. Mein Kopf weiß das wirklich. Mein Herz sagt manchmal aber was anderes. Zum Beispiel, wenn sie wenig Zeit für mich hat. Dann fühlt es sich so an, als ob meine Freundin mich gar nicht mag. In meinem Kopf ist drin: Sie mag mich. Aber es rutscht nicht in mein Herz.
So ist es bei mir auch manchmal mit Gott. Im Kopf weiß ich, dass er mich liebt. Ich weiß, dass er mein Bestes will. Manchmal schaffe ich es aber nicht, ihm zu vertrauen.
Ich glaube aber, man kann das üben. Vertrauen kann ich aufbauen, wenn eine Beziehung gut läuft. Bei meiner Freundin zum Beispiel indem ich viel mit ihr unternehme. Es tut mir gut, wenn wir zusammen lachen und über alles Mögliche reden. Dann fühle ich mich geliebt. Und das Vertrauen wächst. Ich glaube, mit Gott funktioniert das genauso.
Dieses Vertrauen hilft mir. Wenn es mal schwierig wird in einer Beziehung. Das Vertrauen bringt was ich weiß vom Kopf ins Herz.
»Beerdigung« von Micha   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.06.2016 gesendet.
Neulich ist der Vater eines Freundes gestorben. Ich fand das hart, weil der Vater noch nicht so alt war. Aber er hatte schon lange Krebs. Deswegen war er oft im Krankenhaus. Für meinen Freund war das ziemlich anstrengend. Und jetzt ist er natürlich richtig down.
Dann war die Beerdigung. Da sind richtig viele Leute gekommen. Ich war auch dort. Beim Gottesdienst hat der Pfarrer vom toten Vater erzählt. Was er alles erlebt hatte und wie er so drauf war. Zum Beispiel, dass er ein guter Vater war.
Nach dem Gottesdienst sind wir alle zum Grab gegangen. Der Sarg wurde in die Erde runtergelassen. Und wir haben noch Blumen auf den Sarg geworfen.
Später habe ich noch mal mit meinem Freund geredet. Er hat gemeint, dass er die Beerdigung schön fand. Das hat mich gewundert. Beerdigungen finde ich eigentlich nie schön. Es ist ja jemand gestorben. Aber er hat gemeint, dass die Beerdigung ihm gutgetan hat. Einfach weil der Pfarrer das gut gemacht hat. Und es hat ihm auch gutgetan, dass viele Leute da waren.
Deswegen denke ich jetzt: Beerdigungen sind vielleicht nicht schön. Aber sie tun den Familien und Freunden gut. Deswegen finde ich es gut, dass es sie gibt.