»Frei durch Loslassen« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.07.2015 gesendet.
Ich bin ein Jäger und Sammler – ich hebe Andenken in Kisten auf, ich stecke aus den „Zu Verschenken“ Kisten am Straßenrand immer etwas ein. Einfach nur, weil ich es vielleicht irgendwann gebrauchen kann. Und natürlich - es kommt bestimmt der Tag, an dem ich den Dampfreiniger für Badezimmerfugen einsetzen werde.
Aber steigere ich tatsächlich meine Lebensqualität, wenn ich allen möglichen Krempel sammle und aufbewahre?
Spätestens beim nächsten Umzug wird es mir wieder aufgehen: Mein Keller ist gefüllt mit Dingen, die ich bestimmt ein Jahr lang nicht gebraucht habe.
Ich bewundere eine Freundin, die gerade ihr Eigentum immer weiter reduziert. Sie verschenkt einen Großteil ihrer Klamotten. Ihr Zimmer ist mittlerweile nur noch spartanisch eingerichtet: Bett, Regal, Schrank und Schreibtisch. Ein paar Bücher, sonst nichts. Sie erklärt mir, dass sie gemerkt hat, wie frei sie dadurch wird. Sie kann jederzeit ohne größeren Aufwand umziehen. Sie fühlt sich dort zuhause, wo sie sie selbst sein kann. Sie braucht dazu keine Fotos von Freunden an ihren Wänden oder Erinnerungskisten. Zuhause ist sie überall und sie kann überall ohne größeren Aufwand hinziehen. Sie sagt, erst jetzt weiß sie, was es heißt, wirklich frei zu sein.
»Geschenke« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 04.07.2015 gesendet.
Oh shit – nächste Woche stehen wieder Geburtstage von Freunden an und ich habe noch keine Geschenke… und vor allem auch noch keine Ideen.
Grundsätzlich verschenke ich wirklich gerne Dinge. Aber eben nur, wenn ich auch ne gute Idee hab. Aber gerade wenn ich Freunde nicht so regelmäßig sehe finde ich es schwierig, ein Geschenk zu finden.
Und eigentlich ist dieser ganze Geschenkestress doch völlig überflüssig. Zumindest habe ich gemerkt, dass mir Geschenke ab einem gewissen Alter ziemlich unwichtig geworden sind.
Die schönsten Geburtstage waren für mich die, an denen ich überraschend Besuch von engen Freunden bekommen habe. Freunde, die mir an meinem Ehrentag Zeit schenken und gemeinsam etwas mit mir machen. Stundenlang quatschen, Kaffee trinken und Kuchen essen. Oder die mir einfach durch ein paar liebe Worte am Telefon oder in einer Geburtstagskarte sagen, wie wichtig ich für sie bin. Am Geburtstag geht es schlicht und einfach darum, wie schön es ist, dass das Geburtstagskind ein Teil in meinem Leben ist. Und das kann ich am besten wertschätzen, wenn ich Zeit verschenke. Nicht immer lässt sich das mit dem Überraschungsbesuch am Tag selbst umsetzen – aber ich kann zumindest das nächste Wiedersehen planen.
»Wenn das Fernsehen in die Realtität kommt« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.07.2015 gesendet.
Ich sitze mit Freunden auf der Wiese und wir grillen. Wir genießen den Sommer bei kühlem Bier und Bratwurst.
Auf einmal kommen zwei junge Afrikaner zu uns und fragen uns in gebrochenem Englisch, ob sie ein Bier von uns bekommen. Etwas irritiert geben wir beiden eine Dose Bier ab und die beiden setzen sich zu uns.
Sie sind Flüchtlinge und neu in der Stadt. Sie erzählen uns, wie sie in einem überfüllten Boot über das Mittelmeer gekommen sind. Sie mussten auf ihrer Reise auf alles verzichten. Sie mussten sehen, wie Mitpassagiere sterben und haben keine Ahnung, wie es hier vor Ort mit ihnen weitergeht.
Ich ertappe mich dabei, wie ich den beiden unglaublich skeptisch begegne. Ist das wirklich wahr, was sie mir da gerade erzählen?
Ich merke, wie absurd es für mich erscheint, dass die krassen Bilder aus dem Fernsehen plötzlich direkt in meinem Alltag ankommen. Ich will ihnen intuitiv nicht glauben. Ich will mich lieber aus der Verantwortung ziehen und das alles weit weg von mir schieben.
Dabei wollen die beiden gar kein Mitleid und auch keine Hilfe von uns. Für einen Abend wollen sie einfach nur ein bisschen Alltag, entspannt bei einem Bier mit freundlicher Gesellschaft in einer völlig absurden Welt.
»Vegetarier auf Probe« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.07.2015 gesendet.
Seit ich denken kann, bestehen meine Mahlzeiten zu einem großen Teil aus Fleisch. In meiner Familie gabs einfach immer ne Wurststulle zum Abendbrot - und natürlich Fleisch zum Mittagessen. Das hab ich nie in Frage gestellt.
Aber seit kurzem wohne ich mit einem Vegetarier zusammen. Und nein – er hat mich nicht auf der Moralapostelschiene bekehrt. Wir kochen einfach viel zusammen. Und so hat es sich ergeben, dass ich zum Vegetarier auf Probe geworden bin – das Interessante daran ist: Ich habe es gar nicht bemerkt. Da wir zusammen kochen, haben wir selbstverständlich vegetarische Gerichte ausgesucht. Bis mir nach zwei Monaten mal aufgegangen ist, dass ich Fleisch und Wurst völlig aus meinen Mahlzeiten verbannt habe.
Wenn ich mich jetzt frage, ob mir was fehlt kann ich nur sagen – Nein! Ich habe nicht das Gefühl, auf irgendetwas verzichten zu müssen. Ich werde sicher hin und wieder auch mal ein Schnitzel essen. Aber mir ist einfach aufgefallen, dass es gar nicht so schwer ist, Gewohnheiten zu verändern und dadurch vielleicht ein bisschen bewusster und verantwortungsvoller zu leben.