»Leben und Tod« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 22.04.2018 gesendet.
Wir sind im Krankenhaus, meine Familie und ich, bei meinem Opa auf der Intensivstation. Uns ist klar, dass es seine letzten Stunden sind. Er ist schon alt und hat ein langes Leben gehabt. Ich finde, er darf jetzt auch gehen. Trotzdem ist es ein seltsames Gefühl. Er wird mir fehlen.
Als wir gehen kommen wir an einer Neugeborenen Station vorbei. Ich höre ein kleines Baby schreien. Erst wenige Stunden alt und schon so laut.
Gänsehaut. Leben und Tod. In dem Moment spüre ich sie ganz dicht beieinander. Hier ist ein neuer Mensch gekommen und ein paar Gänge weiter geht ein anderer. Wie ein Kreislauf. Das eine eher traurig, das andere total schön. Schon krass, wie das Leben funktioniert und jeder muss da durch. Ich werde geboren und irgendwann sterbe ich.
Ich spüre aber auch, dass es da noch mehr gibt, geben muss! Etwas Größeres, dass über dem Ganzen ist. Das Leben kann doch nicht einfach nur funktionieren. Es ist einfach zu sehr Wunder und Geheimnis. Ich glaube an mehr.
Wenn es also einen Gott gibt, dann glaube ich, dass ich zwischen der Intensiv und den Neugeborenen einen Funken von ihm gespürt habe. Das gibt mir Halt und ich weiß: Meinem Opa wird es gut gehen.
»Leben« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 21.04.2018 gesendet.
Mich hat’s umgehauen. Die Nachricht, dass der Vater eines Freundes gestorben ist. Es tut mir für meinen Freund Leid. Vieles wird er jetzt nicht mehr mit ihm machen können. Solche Nachrichten finde ich erstmal schrecklich. Ich kann nicht anders, als mitfühlen. Der eigene Vater, ist doch traurig.
Wenn ich sowas höre, dann wird für mich das Leben plötzlich ziemlich wertvoll. Gerade weil’s morgen schon vorbei sein kann. Es gibt so viele schöne Momente, die ich mit schon Verstorbenen, aber auch mit vielen anderen Lieblingsmenschen erlebt habe. Und hoffentlich kommen auch noch ganz viele dazu. Alle unglaublich wertvoll, einmalig und alles andere als selbstverständlich. Gemeinsam lachen, feiern, in schlechten Zeiten füreinander Dasein, jede blühende Blume, jeder Sonnenstrahl, der auf der Nase kitzelt… Nichts davon möchte ich missen, für alles bin ich dankbar.
Nach einer Todesnachricht hab ich deshalb immer das Bedürfnis besonders viel Zeit mit meinen Lieblingsmenschen zu verbringen. Weil ich weiß, dass es irgendwann nicht mehr geht und sie aber mein Leben wertvoll machen. Jede Umarmung wird mir dann wichtig und jedes Lachen. Und auch ein bewusstes Verabschieden. Mindestens dreimal intensiver als sonst.
»Wetter« von   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 20.04.2018 gesendet.
Letzte Woche hab ich noch gesagt „was eine Hitze, das hält ja kein Mensch aus“. Und diese Woche denke ich „oh Mann dieser Regen, hört das denn nie auf?“

Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich mich über das Wetter ärgere. Aber die Natur braucht eben beides: Sonne und Regen. Da hat sich der da oben schon was dabei gedacht. Ohne Regen würden Felder und Pflanzen vertrocknen und wir hätten dann auch nichts mehr zu essen. Und ohne Sonne wäre es dunkel und kalt. So schlimm ist das mit dem Wetter also gar nicht. Gottes Schöpfung ist eben vielseitig – auch beim Wetter.

Für die nächste Hitzewelle, die nächsten Regentage oder einen unerwartet heftigen Wintereinbruch habe ich mir deswegen vorgenommen, auch mal die andere Seite zu sehen: nicht aufregen, sondern freuen!

Wir können im Sommer direkt vor unserer Haustür im See baden und im Winter Schlitten fahren. Für jeden was dabei. Ist doch super!

Und vielleicht klappt das mit dem nicht aufregen ja nicht nur beim Wetter, sondern auch bei anderen Dingen, über die ich mich sonst so aufrege.
»Eltern« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.04.2018 gesendet.
Meine Eltern und ich - was haben wir nicht schon alles durchgemacht! Wir haben gelacht und geweint. Und gestritten haben wir auch. Dabei hätte ich gerne auf so manche Auseinandersetzung verzichtet. Trotzdem: Auf meine Eltern hab ich immer zählen können. Sie sind immer für mich da gewesen. Auch, als ich schon längst nicht mehr zuhause gewohnt habe.
Und jetzt scheint es sich zu drehen. Meine Mom hat vor kurzem plötzlich schlimme Bauchschmerzen bekommen und ist dann ins Krankenhaus. Bei mir sind die Alarmglocken losgegangen. Die Ärzte haben sofort operiert und einen entzündeten Blinddarm entfernt. Noch einmal gut gegangen. Es hätte aber auch anders laufen können. Ich will’s mir gar nicht ausmalen.
Ich merke: Meine Eltern sind nicht mehr so stark, wie sie immer auf mich gewirkt haben. Plötzlich scheine ich die Stärkere, die Fittere zu sein. Das ist sehr gewöhnungsbedürftig.
Ich hoffe, dass ich noch sehr viel Zeit mit ihnen verbringen werde. Die will ich nämlich auskosten. Ich bin ihnen für so vieles so dankbar. Und vielleicht bin ich jetzt einfach mal an der Reihe, dass ich ihnen etwas zurückgebe. Meine Eltern sollen wissen, dass ich auch für sie da bin.