»Das Fremde« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.12.2016 gesendet.
Urlaub. Ich spaziere durch London. Von irgendwo her höre ich Reggae Musik und einige Leute, die singen und feiern. Ich bin neugierig und will mir das näher anschauen. Es ist ein Straßenfestival. Ich habe richtig Bock mitzufeiern. Aber als ich näherkomme, traue ich mich nicht.
Der Grund: Ich bin die einzige Weiße. Um mich herum sind lauter Schwarze. Gut gelaunt und ausgelassen.
Ganz schön krass. Ich erlebe dort zum ersten Mal, wie es ist, in der absoluten Minderheit zu sein. Mich schaut zwar niemand schräg an, und keiner verbietet mir, näher zu kommen, aber ich habe ein mulmiges Gefühl. Ich gehöre nicht dazu. Ich bin anders.
Ich bin fremd gewesen. Ich habe ganz offensichtlich nicht zu dieser Gruppe gehört.
Im Nachhinein ärgere ich mich. Wieso habe ich mich nicht getraut, mitzufeiern? Es sind genau diese unnötigen Ängste, die verhindern, dass ich schöne Begegnungen erlebe.
Mich hat das erschreckt. Ich habe gedacht, dass ich ein offener Mensch bin. Aber ich habe mich auch von äußeren Merkmalen blenden lassen. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass ich immer noch lernen muss, Vorurteile und Ängste gegenüber Fremden abzubauen. Ängste sind menschlich, aber ich möchte bereit sei, mich nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Ich will schöne Begegnungen erleben. Auch mit Fremden.
»Die Macht der Worte« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.12.2016 gesendet.
Ein blinder Mann sitzt vor einer Kirche. Vor ihm steht ein Plastikbecher und ein Schild mit der Aufschrift: Ich bin blind.
Leute gehen an ihm vorbei, ohne ihn wirklich zu sehen. So gut wie keiner wirft eine Münze in seinen Becher. Plötzlich bleibt eine Dame wortlos vor ihm stehen, nimmt das Schild in die Hand, zückt einen Stift und ändert die Aufschrift. Sie geht wortlos weg.
Danach bleiben die Passanten stehen und viele werfen Geld in den Becher.
Auf seinem Schild steht fast das gleiche, nur mit anderen Worten. Dort steht: „Es ist ein wunderschöner Tag und ich kann ihn nicht sehen.“
Eigentlich ist diese Szene aus einem Werbefilm. Ein Film der zeigen will: Worte können Dinge im Kleinen verändern. Es macht einen Unterschied, wie ich etwas sage. Ich kann zum Beispiel der Kassiererin ein „Guten Tag“ wünschen, aber ich kann ihr auch ein Kompliment machen: „Sie strahlen heute so, dadurch retten sie meinen Tag.“ Ich finde es ist eine schöne Idee, mal darüber nachzudenken, ob ich manche Floskeln in meinem Alltag nicht auch durch schönere Worte ersetzen kann. Und damit jemanden vielleicht auch eine Freude machen kann.
»Weniger vergleichen« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.12.2016 gesendet.
In einer Zeitschrift habe ich einen Tipp gelesen, wie man glücklicher wird. Nämlich: „Weniger vergleichen, mehr Spaß haben!“ Menschen sind demnach vor allem deswegen unglücklich, weil sie glauben, dass sie immer nach mehr streben müssen. Dabei würde man sich eben mit anderen vergleichen. Das Ziel ist also immer besser und angesehener zu sein als andere. Dagegen sind die Menschen glücklich, die erkennen, dass sie gar nicht unbedingt besser sein müssen als andere, sondern eigentlich alles für ein glückliches Leben haben.
Okay, da ist was dran. Ich kenne das von mir. Wenn ich Noten bekomme, vergleiche ich die auch mit anderen. Aber wenn ich immer versuche besser zu sein als andere, ist es schwer mich mit ihnen über ihre Erfolge zu freuen. Ich kann ihnen schwer etwas gönnen und mit ihnen nichts zusammen erreichen, weil ich ja immer darauf achten muss, dass ich besser bin als sie. Dass es Spaß machen kann, etwas zu machen, weil ich es gut finde, spielt dann keine Rolle mehr.
Ich will nicht deswegen zufrieden sein, weil ich besser als jemand anders bin, sondern weil ich mit meiner eigenen Arbeit zufrieden bin. Ich glaube, erst dann mache ich Dinge, weil sie es selbst wert sind und weil sie mich glücklich machen.
»Driving Miss Norma« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 30.11.2016 gesendet.
Auf Facebook habe ich die Geschichte von einer alten Frau namens Norma mitverfolgt. Vor einem guten Jahr hat sie erfahren, dass sie Krebs hat. Norma ist zu diesem Zeitpunkt zwar schon 90 Jahre alt, aber vorbereitet auf sowas ist man wahrscheinlich nie. Zu dieser Zeit kommt es für Norma sowieso ziemlich hart. Zwei Tage davor ist nämlich ihr Mann gestorben – auch an Krebs. Ich finde verrückt, wie sie aber dann in dieser Situation reagiert hat. Sie will keine Chemotherapie machen, sondern sagt: „Ich bin 90, ich hau ab!“
Sie ist einfach ins Wohnmobil gestiegen und hat versucht alle ihre Träume nachzuholen, die sie in ihrem Leben nicht verwirklicht hat. Sie hat die Niagara-Fälle besucht, ist Heißluftballon gefahren, hat Orcas im Pazifik gesehen und einen Blick in den Grand Canyon geworfen. Durch ihre Wohnmobil-Tour ist sie als Driving Miss Norma bekannt geworden. Nach einem guten Jahr auf Tour ist sie dann gestorben.
Ich finde es beeindruckend, wie konsequent Norma gehandelt und ihre Situation bewältigt hat. Sie hat sich nicht ans Leben geklammert, aber gerade dadurch hat sie es nochmal voll ausgekostet. Das will ich auch. Und nicht erst, wenn ich 90 bin.