»Flashback WM Brasilien« von Natalie   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.07.2018 gesendet.
Gestern war das Finale der Fußball-WM. Und heute hat mich der Alltag schon wieder.
Oh man. Damals vor 4 Jahren war das ganz anders. Da stand ich einen Tag nach dem WM Ende an der Copacabana. Das ist der berühmte Strand in Rio de Janeiro. Weißer Sand so weit das Auge reicht. Dazu viele teure Hotels und schicke Häuser. Aber dort hab ich nicht geschlafen.
Abends war ich nämlich wieder in einer Favela. So heißen die Slums in Brasilien. Blechhütten, Dreck, Schüsse von Pistolen und Drogenhandel. Alles ganz normal. Ich war dort, um den Leuten in der Favela zu helfen. Und, um ihnen von Gott zu erzählen. In der Zeit hab ich echt viel gelernt. Vor allem auch Dankbarkeit.
Ich bin zum Beispiel dankbar, dass ich nicht in einer Blechhütte wohnen muss. Dafür, dass ich diese WM im Stadion oder auf der großen Leinwand schauen konnte. Für die Sicherheit in Deutschland. Und einfach für all den Luxus, den ich genießen darf. Dafür danke ich Gott. Dankbar zu sein tut mir nämlich gut.
»Es kommt auf Dich an« von Anna R.   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.07.2018 gesendet.
Am Kühlschrank in unserer WG hängt ein Zettel. Darauf steht: „Es kommt auf Dich an, aber es hängt nicht alles von Dir ab.“ Meine Mitbewohnerin hat den Spruch dorthin gehängt. Jeden Morgen wenn ich frühstücke, sehe ich jetzt diesen Satz. „Es kommt auf Dich an, aber es hängt nicht alles von Dir ab.“ Das trifft bei mir einen Nerv: Ich setze mich häufig unter Druck, weil ich das Gefühl habe, dass alles von mir abhängt. Wenn ich zum Beispiel total im Stress bin und mein Chef eine Aufgabe verteilt. Dann willige ich ein, weil ich Angst habe, dass sich sonst niemand darum kümmern kann. Oder wenn es darum geht die Geburtstagsparty für eine Freundin vorzubereiten: Weil ich will, dass sie ein schönes Fest hat, nehme ich lieber alles selbst in die Hand, obwohl ich dafür gar keine Zeit habe. So habe ich immer viel zu viel zu tun und am Ende Schwierigkeiten, allem gerecht zu werden. Der Satz auf unserem Kühlschrank bringt mich auf den Boden der Tatsachen zurück: Es kommt auf mich an, aber es hängt nicht alles von mir ab. Meine Freundin hat auch noch andere Freunde, denen es genauso wichtig ist, dass sie eine schöne Feier hat. Mein Beitrag dazu ist wichtig. Sie freut sich darüber. Aber ich muss nicht alles alleine stemmen, weil es Menschen gibt, denen genau so viel daran liegt. Und auch auf sie kommt es an.
»Kreuz« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.07.2018 gesendet.
Seit dem 1. Juni muss in Bayern in jeder Behörde gut sichtbar ein Kreuz hängen. Das haben die Leute der Landesregierung so beschlossen. Sie meinen, dass es ein Ausdruck der geschichtlichen und kulturellen Prägung sein soll. Okay, ich frage mich aber, warum es jetzt genau da hängen soll?
Ich bin selbst Christ und für mich ist es nicht entscheidend, ob im Bürgeramt, wenn ich meinen Ausweis abhole, ein Kreuz hängt oder nicht. Klar, als Christ erinnert es mich an das, was mir wichtig ist. Aber wenn ich mir vorstelle, dass ich da reinkomme, als jemand der nicht an Gott glaubt oder eine andere Religion hat, kommt es mir seltsam vor. Als ob das Kreuz hier als Warnschild für alle Andersgläubigen gedacht wäre, dass hier die christliche Kultur gilt und sie sich gefälligst unauffällig verhalten sollen. Als so aufgezwungenes Symbol fühlt es sich für mich abgrenzend und ausgrenzend an. Aber genau das sehe ich im Kreuz nicht. Jesus ist hingerichtet worden, weil er ungerechte Machthaber kritisiert hat und sich für arme und ausgegrenzte Menschen eingesetzt hat. Er hat jeden Menschen angenommen und zu sich eingeladen. Deshalb steckt für mich im Kreuz Liebe und Hoffnung.
Wenn ich ein Kreuz sehe, will ich daran denken und versuchen mit allen Menschen auch so umzugehen.
»Essbar« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.07.2018 gesendet.
ch habe eine Radtour den Rhein entlang gemacht und bin durch die Stadt Andernach gekommen. Dort habe ich spontan eine Pause gemacht, weil mich etwas an der Stadt fasziniert hat. Die Stadt hat total bunt ausgesehen. Sie ist ganz bunt bepflanzt gewesen, aber nicht so Beete in einem Muster oder so, wie ich es aus anderen Städten kenne. Irgendwie ein bisschen chaotischer schön.
Nach kurzer Zeit ist mir aufgefallen, was das Besondere ist: Andernach ist nicht mit Zierblumen bepflanzt, sondern mit Nutzpflanzen. Mit Gartenkräutern, Tomaten, Kürbissen und vielem mehr. Es sieht wunderschön aus und jeder der möchte, darf sich an den Pflanzen bedienen und sie ernten, wenn sie reif sind.
Andernach hat vor ein paar Jahren an einem Stadtentwicklungswettbewerb teilgenommen und trägt nun den Zweitnamen „die essbare Stadt“. Die Stadt wollte damit zeigen, wie gut sich Natur und Stadt verbinden lassen. Alles was dort wächst, gehört allen, darf von allen geerntet werden und stärkt damit die Gemeinschaft.
Wenn ich dort bin, erkenne ich, welches Gemüse gerade Saison hat und sehe zum Beispiel auch, wie schön Salbei blüht. Ich komme mit der Natur in Berührung und sehe, wie viel gearbeitet werden muss, damit das Gemüse gut wächst. Mich macht das sensibel für die Prozesse, die hinter dem stehen, was sonst wie selbstverständlich vom Supermarkt auf meinen Teller wandert.