»Sprachgrenzen« von Anna J.   Drucken
Beitrag wurde am 19.06.2013 gesendet.
Beim letzten Kinderzirkusfestival sind Artisten aus einem tschechischen Jugendzirkus bei uns zu Gast gewesen. Beim gemeinsamen Mittagessen haben unsere Gäste über irgendwas gelacht und ich hab mir in dem Moment gewünscht, dass ich tschechisch könnte, denn dann hätte ich verstanden, worüber sie sich unterhalten. Aber in den nächsten Tagen hab ich immer mehr gemerkt, wie viel auch über die Sprachgrenzen hinweg möglich ist. Wir haben uns mit Händen und Füßen und ein bisschen Englisch unterhalten und vor allem im Training viel voneinander gelernt. Auch die Kinder in den Mitmach-Zelten haben keine Probleme damit gehabt, Dinge durch Zuschauen und Nachmachen zu lernen, ohne die Sprache der Artisten zu verstehen. Und ein Clown hatte eine so ausdrucksstarke Mimik, dass alle Worte überflüssig waren.
In dieser Woche haben wir viel zusammen erlebt und gelacht. Ich hab sogar ein paar tschechische Wörter gelernt, aber zu mehr als der Frage „Ist dieser Platz noch frei?“ reicht es immer noch nicht. Vor allen Dingen hab ich aber eins kapiert: Ich muss gar nicht immer die Sprache des anderen verstehen, damit ich auf ihn zugehen und ihn kennen lernen kann. Wenn Menschen zum Beispiel zusammen lachen, klingt das in allen Sprachen gleich!
»Sinnlose Zeit« von Anna J.   Drucken
Beitrag wurde am 18.06.2013 gesendet.
Jetzt ist der Tag schon wieder fast vorbei und ich hab noch nichts gemacht. Naja, „nichts“ trifft es vielleicht nicht ganz, aber ich hab zumindest das Gefühl, dass ich nichts Sinnvolles getan hab. Ich bin heut morgen lang im Bett geblieben, hab auf dem Balkon in der Sonne gesessen, ein Buch gelesen und ’nen Kaffee getrunken. Und so gemütlich das auch war, mit dem Blick auf die Uhr kommt sofort das unangenehme Gefühl, dass ich die Zeit heute nicht optimal genutzt hab. Ich hätte was für die Uni machen können oder endlich mal die Wohnung aufräumen. Etwas Sinnvolles eben.
Aber wer bestimmt eigentlich, was sinnvoll ist? Wer entscheidet, ob ich meine Zeit genutzt oder vertrödelt hab?
Vielleicht liegt ja manchmal mehr Sinn darin, mir die Sonne aufs Gesicht scheinen zu lassen und den Vögeln zuzuhören, als einen Text für die Uni zu lesen.
Und überhaupt – muss ich wirklich jeden Tag 24 Stunden sinnvoll verbringen?!
»Ohne Worte« von Anna L.   Drucken
Beitrag wurde am 17.06.2013 gesendet.
Es ist so, als ob eine unsichtbare Bombe einschlägt: ich kann keinen Schaden sehen, aber ich weiß, meine Freundin ist ziemlich verletzt.
Sie hat die Nachricht erhalten, dass ein guter Freund von ihr ums Leben gekommen ist.
Ich stehe daneben und bin sprachlos. Mir fällt nichts ein, was ich Sinnvolles sagen könnte. Also nehme ich sie wortlos in den Arm.
Mittlerweile glaube ich, dass gerade meine Wortlosigkeit die einzige Möglichkeit ist, zu zeigen, dass ich mit ihr mitfühle. Normalweise kann ich immer irgendwelchen Small - Talk halten. Kleine Scherze und Floskeln fallen mir immer ein, um ein Gespräch am Laufen zu halten. Aber dass mir die Worte im Hals stecken bleiben - das passiert nur ganz selten.
Wir haben gemeinsam eine Kerze angezündet und an den Freund gedacht. Auch wenn wir beide mit keinem einzigen Wort darüber gesprochen haben: ich weiß, dass wir beide in dem Moment darauf gehofft haben, dass alles irgendeinen tieferen Sinn hat, den wir einfach noch nicht erkennen können. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann ist das ein ganz berührender Moment: Wenn ich erkenne, dass Sprachlosigkeit eben nicht bedeutet, dass ich keine Hoffnung mehr habe. Sondern dass Hoffnung stattdessen ganz ohne Worte auskommen kann.
»Zoegern oder nicht« von Jonas   Drucken
Beitrag wurde am 16.06.2013 gesendet.
Wann hab ich eigentlich das letzte Mal was ausprobiert? Also einfach so, ohne viel zu überlegen. Ein Ziel vor Augen und los…
Ich glaub das ist schon eine Weile her. Als Kind macht man sowas eher. Später lässt man sich von anderen reinreden und verunsichern. Ich hab immer im Hinterkopf, dass was passieren könnte. Irgendwas, was alles schwieriger macht. Also denk ich ewig hin und her, bevor ich mich überwinde, was auszuprobieren. Der Schriftsteller Franz Kafka hat mal gesagt: „Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis, vielleicht ist keins da.“ In der Schule fand ich Kafkas Bücher nicht so hammer. Aber der Satz ist mir irgendwie hängen geblieben. Ich glaube, er hat recht. Meine Zeit ist zu wertvoll. Ich kann so viele gute Dinge damit anfangen. Ich sollte sie nicht mit Zögern verplempern. Das kann ich auch von Jesus lernen. Er war nicht so zögerlich. Jesus war gerade raus. Wenn er etwas wollte, dann fragte er danach. Wenn er etwas tun sollte, dann tat er es. Wenn er gesehen hat, dass er gebraucht wird, dann hat er geholfen. Das klingt cool. So will ich es auch. Weniger zögern. Einfach losgehen.
Wenn es Hindernisse gibt, werde ich sie schon sehen. Wenn nicht, dann brauch ich auch nicht an sie denken.