Ida
Anhören
Freitag, 18. Juni 2021
Ich hatte vor zwei Jahren meinen letzten Schultag. Als ich damals mit meinen Prüfungen fertig geworden bin, stand ich da. Die Schule war durch und ich konnte mit meinem Leben machen was ich wollte. Aber was überhaupt? Ich war total überfordert.
Von durchgetaktetem Pflichtunterricht zu plötzlicher Freiheit und dem Druck, jetzt sofort wissen zu müssen, was ich mit meinem Leben anstellen möchte. Ich kann mich noch daran erinnern, dass es mir so vorkam, dass Jede und Jeder um mich herum schon nen genauen Plan hatte, wie es weitergehen sollte. Und ich? Ich wusste nicht wohin mit mir selbst. Und hab mir dann ganz schön Druck gemacht.
Ich bin dann erstmal ins Ausland gegangen, um ein bisschen Abstand zu bekommen. Und das hat mir richtig viel gebracht. Ich war plötzlich viel entspannter dabei, nicht so ganz zu wissen, wie es weitergeht.
Heute geht es mir manchmal noch immer so, obwohl ich studiere und einen ganz groben Plan von der Zukunft hab. Und das ist okay! Denn auch die Route mal zu verlassen ist voll in Ordnung.
Ich vertraue jetzt viel mehr auf mich selbst und auch auf Gott, dass er mich immer begleitet, auch wenn ich mal einen Umweg gehe. Der kann nämlich im Nachhinein auch für irgendetwas gut sein.
Ida
Anhören
Freitag, 04. Juni 2021
Ich habe Sehnsucht. Nach Tanzen, nach Feiern, nach Cafebesuchen, nach Sorgenfreiheit, nach ganz lauter Festivalmusik, nach Menschenmassen.
Ich möchte das Wort eigentlich gar nicht in den Mund nehmen, aber es geht einfach nicht anders: Corona nervt. So langsam setzt mir die Pandemie echt zu. Ich weiß, das sind wirklich Luxusprobleme, aber ich glaube, ich habe die Auswirkung der Beschränkungen, die sinnvoll und nötig sind, auf mich selbst ein bisschen unterschätzt.
Immerzu bin ich müde, schlecht gelaunt und langsam auch ein bisschen genervt von den Menschen um mich herum.
Und ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die sich so fühlt
Aber so ist es eben. Ich kann daran jetzt nichts ändern. Außer meine Einstellung. Die kann ich sehr wohl beeinflussen. Auch wenn es mittlerweile schwer fällt zuversichtlich zu sein, ist das doch das Einzige, was ich gerade tun kann. Und mich natürlich an die Regeln halten.
Während ich social-distancing betrieben habe, konnte ich mit mir und meinem Glauben zu Gott besonders viel Zeit verbringen. Gott ist in dieser Zeit ein Licht im Dunkeln für mich. Er gibt mir Kraft und Hoffnung für das, was kommt. Ich spüre, wie er mich in solchen Downphasen wieder aufbaut und stark macht.
Mit hoffnungsvollem Blick und ganz vielen Plänen für die Nach-Corona-Zeit im Gepäck, schaffe ich es auch durch diese schwere Zeit, in der es anderen Menschen noch viel schlechter geht als mir.
Ida
Anhören
Samstag, 22. Mai 2021
Ich bin manchmal ganz schön streng mit mir selbst. Wenn zum Beispiel eine Hausarbeit ansteht, dann unterschätze ich mein Können meistens. Oder wenn ich mich auf einem Foto oder im Spiegel ansehe, dann habe ich im ersten Moment oft was zu meckern an meinem Aussehen.
Es ist leicht, mich selbst zu kritisieren, denn da geht es ja „nur“ um mich. Dann kann ich keinen verletzen, denke ich mir. Aber das stimmt ja gar nicht. Ich verletze mich nämlich dabei selbst. Wenn ich immerzu irgendetwas an mir zu meckern habe, dann tut das auf Dauer wirklich nicht gut. In letzter Zeit habe ich gemerkt, dass mich diese Selbstkritik manchmal ganz schön runterzieht.
Ich möchte daran etwas ändern und in Zukunft versuchen, ein bisschen sanfter zu mir selbst zu sein. Dann will ich mir viel öfter sagen: Du bist gut so wie du bist und du kannst das! Was mir in solchen Momenten hilft, ist dann oft ein bisschen „self care“. Dann steig ich zum Beispiel in die Badewanne, zünde mir ne Kerze an oder höre ganz laut meine Lieblingsmusik und tanze dazu, ganz egal wie‘s aussieht. Danach geht es mir meistens schon viel besser.
Ich bin okay, so wie ich bin, der Welt da draußen gewachsen und stolz auf das was ich tue. So möchte ich in Zukunft öfter über mich selbst denken.
Ida
Anhören
Donnerstag, 22. April 2021
Im letzten Jahr hatte ich einiges vor. Ich wollte nach Guatemala, in die Berge nach Südtirol, irgendwo an die Küste. Und dann auch noch Thailand entdecken und Freunde in unterschiedlichen Ecken Europas besuchen. Leider hat keiner der geplanten Trips geklappt – wegen Corona. Backpacking oder generell Reisen war die letzte Zeit leider nicht drin, und das natürlich aus wichtigen Gründen. Aber trotzdem: ich vermisse es echt! Mich einfach spontan aufmachen, neue Menschen treffen und schöne Landschaften entdecken.
Aber so ist es jetzt nun mal. Und ich möchte das Beste aus der Situation machen. Die Zeit kann ich nämlich auch anders nutzen. Mal wieder Oma besuchen, meine Studentenbude in Frankfurt einrichten oder an den Bodensee fahren. Das sind alles Dinge, die ich sonst so nebenbei manchen würde. Gerade merke ich, dass es gar nicht die große weite Welt sein muss. Manchmal reicht es auch, einfach nur geliebte Menschen um mich zu haben und mit ihnen ne schöne Zeit zu genießen. Geld spare ich dabei auch noch!
Und wenn mich mal wieder das Fernweh packt, dann denke ich an all die coolen Reisen, die in Zukunft anstehen. Und dann, wenn es endlich wieder soweit ist, genieße und schätze ich es noch viel mehr!
Ida
Anhören
Mittwoch, 21. April 2021
Letztes Jahr im September hab ich mein Studium in einer neuen Stadt begonnen, komplett im Lockdown. Auf der einen Seite habe ich mich total gefreut auszuziehen und mein Ding zu machen, aber auf der anderen Seite hatte ich auch ein bisschen Schiss vor dem Start in ner neuen Stadt – ganz besonders mit Corona.
Ich kannte hier in Frankfurt ja keinen und studiert hab ich bis dahin auch noch nie. Mich richtig organisieren und mit dem ganzen Haufen an neuen Infos klarkommen, gleichzeitig irgendwie Anschluss finden und dabei trotzdem die Corona-Regeln einhalten, mich in der Stadt orientieren und dabei auch mich selbst nicht aus den Augen verlieren. Das war am Anfang ganz schön überfordernd, muss ich sagen. Und dann saß ich in dieser stressigen Zeit auch noch echt viel allein in meinem Zimmer. Nicht cool, dachte ich mir dann oft.
Aber irgendwie ging es dann doch. Ich habe vor allem im Gespräch mit Freunden gemerkt, dass ich mit diesen ganzen chaotischen Gefühlen nicht allein bin. Für uns alle ist die Situation grad nicht so easy. Ich finde, zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, echt tröstend. Und außerdem ist Gott ja auch immer noch bei mir. An den kann ich mich nämlich immer wenden, wenn es mir mal nicht so gut geht. Ganz allein bin ich also nie.
Mittlerweile hab ich schon einige tolle Menschen kennengelernt und freue mich schon darauf, endlich so richtig durchstarten zu können.
Ida
Anhören
Sonntag, 28. Februar 2021
Ich bin katholisch aufgewachsen und hab meinen Glauben eigentlich nie hinterfragt. Ich habe einfach alles so übernommen, wie meine Eltern mir das beigebracht haben.
Wir sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen und haben zum Beispiel vor dem Essen gebetet. Ich bin mit dem Glauben umgegangen, eben so wie es meine Eltern auch getan haben.
Irgendwann hab ich begonnen, mal darüber nachzudenken, was ich eigentlich über meine Religion denke und wie ich mich dabei fühle.
Mir ist aufgefallen, dass ich meine eigene Art habe, mit dem Glauben umzugehen.
Ich habe in mich rein gehört und gemerkt, dass ich zum Beispiel so regelmäßige Kirchgänge für mich gar nicht brauche. Immer mal wieder reicht mir vollkommen. Dafür ist mir das Beten oder zu Gott sprechen vor dem Schlafengehen echt wichtig.
Ich glaub ich bin da einfach anders als meine Eltern. Während ihnen zum Beispiel Rituale wichtig sind wie das Essensgebet, geht es mir mehr darum, christliche Werte im Alltag zu erkennen und zu leben.
Ich find es deshalb total okay, wenn ich nicht zu 100% das übernehme, mit dem ich aufgewachsen bin.
Hauptsache ich finde meinen eigenen Umgang mit dem Glauben und dadurch auch irgendwie einen Teil von mir selbst.
Ida
Anhören
Freitag, 26. Februar 2021
Mir ist Mode ganz schön wichtig. Als ich angefangen habe, meine Kleidung selbst zu kaufen, konnte ich mir den teuren Kram nicht leisten. Also musste ich auf die günstigen Labels zurückgreifen und hab dann gemerkt, wie viele neue Kollektionen es da eigentlich innerhalb kürzester Zeit gibt.
Ich hab mich gefragt, ob es überhaupt so toll ist und wie das gehen kann, so günstige Klamotten zu verkaufen und im Wochentakt wechselnde Kollektionen anzubieten. Die günstigen Modelabels nennen das „Fast Fashion“, es ist ihr Verkaufserfolg.
Wenn ich die Teile dann im Laden sehe, denke ich: ach, kostet ja eh nix, das Teil nehm ich noch mit, ohne so richtig nachzudenken. Und weil dann die Qualität meistens gar nicht gut ist, kann ich die günstigen Sachen oft überhaupt nicht lang tragen. Und dann hab ich eher ne „Waste fashion“, also Mode für den Mülleimer.
Das tut dann der Umwelt überhaupt nicht gut. Aber mittlerweile gibt es echt coole und auch bezahlbare Alternativen zu Fast Fashion Modelabels. So genannte „Fair Fashion“ Labels. Wenn ich mir da einen Pulli kaufe, dann hält der viele Jahre. Ist zwar dann ein bisschen teurer, aber ich kann mir sicher sein, dass der wirklich richtig qualitativ hochwertig ist. Und ich erhalte ich dabei noch unsere Erde.
Ida
Anhören
Mittwoch, 24. Februar 2021
Ich habe zwei Staatsangehörigkeiten – die deutsche und die niederländische. In Deutschland gibt es laut dem statistischen Bundesamt zwischen 1,6 und 4,2 Millionen Menschen mit einem Doppelpass. Gut, das sind jetzt ein paar Zahlen, aber was sagt das über meine Identität aus? Welche Nation ist meine Heimat?
Ich habe mir diese Frage schon häufig gestellt und auch mit Freunden gesprochen, denen es ähnlich geht. Und alle sagen das Gleiche. Nämlich dass Heimat da ist, wo wir zusammen das Nationalteam beim Sport anfeuern, Menschen meine Sprache sprechen, mit ner ähnlichen Mentalität leben oder wir uns über das gleiche politische System aufregen.
Ich glaube, dass da sogar noch viel mehr dazugehört: Für mich ist nämlich viel wichtiger, dass ich mit meiner Familie, mit Menschen die ich liebe, zusammen bin. Ich möchte mich wohlfühlen und mich auch ausleben können. Für mich ist Heimat ein lustiges Abendessen mit gutem Wein, Musik zum Tanzen, wenn ich auf dem Marktplatz frühstücke und alle paar Minuten ein bekanntes Gesicht in der Menge entdecke. Wenn ich an Weihnachten die strahlenden Gesichter meiner Familie sehe oder ich mit Freunden im Park einen Sommerabend genieße. Das alles ist nicht an Ländergrenzen oder die gleiche Sprache gebunden, sondern viel eher an die tollen Menschen, die mich umgeben. Meine Heimat könnte genauso in den Niederlanden sein. Solange ich mich geborgen, aufgehoben und glücklich fühle.
Ida
Anhören
Montag, 22. Februar 2021
In Deutschland leben wir schon seit vielen Jahren in einer Demokratie. Abraham Lincoln hat sie mal so beschrieben: „Eine Regierung des Volkes durch das Volk für das Volk.“ Wir dürfen also alle mitreden und sind dafür verantwortlich, dazu beizutragen, dass wir friedlich miteinander zusammenleben.
Grundsätzlich finde ich das mega, aber Demokratie zu leben ist manchmal auch ganz schön kräftezehrend. Wenn nämlich jeder auf seine eigene Meinung besteht, dann entstehen oft Interessenskonflikte.
Der eine will schwarz, der andere weiß. Da kommt es mir manchmal so vor, dass wir nie eine endgültige Lösung finden. Und dann denke ich schnell ans Aufgeben. Aber gerade hier glaube ich, ist es total wichtig, dass eben doch nach ner gemeinsamen Lösung gesucht wird. Die meisten Entscheidungen in ner Demokratie sind nämlich keine Schwarz-weiß-Lösungen sondern oft ein Kompromiss. Irgendwo in der Mitte findet sich fast immer ein Grauton, der beiden Parteien passt.
Ich finde, das ist es nämlich, was unser politisches Miteinander ausmacht: Kompromisse finden und diese dann auch annehmen.
Und das gilt nicht nur für die Politik sondern auch für meinen persönlichen Alltag. Wenn ich mal wieder mit jemandem ein Problem oder einen Streit hab, dann möchte ich zuhören, versuchen den anderen zu verstehen und letztlich dann eine Lösung finden. Das macht für mich das menschliche Miteinander einfacher und friedlicher.
Ida
Anhören
Dienstag, 22. Dezember 2020
Weihnachten hat für mich ein paar Traditionen, ohne die es irgendwie nicht geht. Da gehören Unmengen an Plätzchen dazu, das Krippenspiel in der Kirche und natürlich der Tannenbaum in unserem Wohnzimmer. Ich hab mir überlegt, ob ich all diese Traditionen wirklich brauche und wie klimafreundlich die eigentlich so sind.
Plätzchen sind zwar nicht so richtig gesund, aber gehören für mich unbedingt dazu und schaden auch nicht der Umwelt. Auch auf das Krippenspiel möchte ich nicht verzichten. Aber der Weihnachtsbaum? Ist der nachhaltig?
Die meisten Bäume sind es leider nicht. Oft werden diese unter großem Schadstoffausstoß aus dem Ausland zu uns geschifft und mit Pestiziden behandelt, weil die beliebtesten Arten bei uns gar nicht wachsen. Beim Kauf bekomm ich aber davon kaum was mit. Und dann wachsen die meisten Bäume ihr Leben lang nur dafür, für kurze Zeit im Wohnzimmer zu stehen und landen danach einfach auf dem Müll.
Wenn ich jetzt nicht auf einen Baum verzichten kann, dann kann ich wenigstens einen aus der Region kaufen.
Es gibt auch sogenannte Miet-Christbäume, die dann im Topf inklusive Wurzeln im Wohnzimmer stehen und die ich nach dem Fest einfach wieder zurückgeben kann. So überleben die Bäume das Jahr.
Oder ich entscheide mich einfach gegen einen Baum und schmücke meinen Kaktus auf der Fensterbank. Schließlich hab ich ja noch jede Menge andere Traditionen am Start!