Linus
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Samstag, 07. Mai 2022
Seit ich denken kann, gehe ich mit meiner Familie im Sommer in die Berge. Am liebsten wandere ich natürlich auch hoch auf die Gipfel. Auf den meisten Bergen steht ganz oben ein Kreuz – das „Gipfelkreuz“. Wenn der Aufstieg anstrengend war, tut es echt gut, sich an so einem Kreuz auszuruhen. Dann schau ich von oben zurück auf den Weg, den ich hochgelaufen bin. Und dann auf den Weg, auf dem ich weiterwandern werde.
Für mich ist mein Glaube ganz ähnlich wie so ein Gipfelkreuz: Wenn ich eine Zeit habe, die anstrengend ist, dann tut es mir gut, einfach zu beten. Denn dann kann ich abschalten und bin ich ganz bei Gott – ohne den Stress und die Aufregung vom Alltag. Zum Beispiel, wenn ich viel Arbeit vor mir habe und gar nicht weiß, wo ich überhaupt anfangen soll. Dann hilft mir mein Glaube, mal von einer anderen Perspektive auf die Dinge zu schauen – auch auf das, was ich schon alles hinbekommen habe.
Und bei Gott kann ich ausruhen – einfach loslassen, weil ich mich auf Ihn verlassen darf. Wie ein Gipfelkreuz, an das ich mich anlehnen kann.
Dann schau ich auf das, was vor mir liegt: Die Aufgaben und Probleme, die ich bewältigen muss. Und durch das Ausruhen bei Gott habe ich dann neuen Mut, dass ich sie lösen kann.
Linus
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Freitag, 06. Mai 2022
Letzten Sommer habe ich meinen Schulabschluss gemacht. Das waren meine ersten großen Prüfungen überhaupt, und natürlich habe ich mich ziemlich lang und intensiv darauf vorbereitet.
Aber vor lauter Lernen habe ich anderes vernachlässigt: Den Sport, den ich ansonsten mache, die Musik, die ich eigentlich höre – solche Dinge eben. Irgendwann hat sich das natürlich bemerkbar gemacht, ich war zum Beispiel nicht mehr so ausgeglichen wie normalerweise.
Ich habe dann einen Brief gelesen, den ein Papst im Mittelalter mal an seinen früheren Mentor, den heiligen Bernhard, geschrieben hat: Darin fordert er ihn auf, sich ab und zu von seinen Pflichten zu entfernen, und auch mal abzuschalten von den ganzen Aufgaben. Auch mal auszuruhen, sich zu besinnen. Einfach, um den Kopf frei zu bekommen.
Diesen Rat find ich auch für mich ziemlich sinnvoll: Gerade, wenn ich viel um die Ohren habe, erst recht mal Pausen machen, um Abstand zu gewinnen und mich abzulenken. Ansonsten keilen mich ja meine ganzen Aufgaben und Pflichten irgendwann ein.
Am Ende seines Briefes rät der Papst, man solle sich „immer wieder einmal“ etwas gönnen. Auch daran will ich in Zukunft denken und mir auch mal einen Nachmittag freinehmen, zum Sportmachen. Quasi als Belohnung für das, was ich geschafft habe – und damit ich nicht nur meinen Pflichten nachgehe, sondern auch mir selbst etwas Gutes tue.
Linus
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Donnerstag, 05. Mai 2022
Von besonderen Ereignissen mach ich gerne ein Foto. Zum Beispiel von einem Konzert oder bei einer Wanderung von den Bergen. Später klebe ich das dann in ein Fotoalbum, um mich auch in Zukunft an diese Momente erinnern zu können.
Beim Durchblättern meiner Alben ist mir aufgefallen, dass es von den schönsten Momenten meistens kein Foto gibt. Denn entweder denke ich in solchen Augenblicken gar nicht an Fotos – oder ein Foto könnte diesen Moment und das, was er für mich ausmacht, gar nicht darstellen. Wenn ich mit einem Freund ein schönes Gespräch habe, zum Beispiel.
Lange Zeit habe ich das schade gefunden, weil ich gedacht habe, dass ich deshalb die ganzen schönen Momente vergessen werde.
Und tatsächlich gibt es viele Momente, an die ich mich nicht mehr genau erinnern kann. Trotzdem glaube ich, dass sie nicht verloren sind!
Denn sie sind mit der Zeit ein Teil von mir geworden, indem sie mich geprägt haben.
Ich brauche also gar kein Souvenir aus dem Urlaub oder ein Foto von einem schönen Fest, denn meine Erinnerung an diese Ereignisse bin ich selbst – denn sie haben mich zu der Person gemacht, die ich genau jetzt bin.
Linus
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Mittwoch, 04. Mai 2022
Ein Musiker, den ich gut finde, hat mal gesagt: ,,Die höchste menschliche Tat ist andere zu inspirieren.“
Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich die höchste Tat ist, aber auf jeden Fall ist sie schon ziemlich hoch. Denn wenn ich jemanden inspiriere, dann gebe ihm ja eine Anregung, sich oder etwas anderes positiv zu verändern.
Aber beim Inspirieren kann es passieren, dass man das gar nicht beabsichtigt. Also, dass ich etwas ganz normal tue und ein anderer findet das dann so gut, dass er es nachmachen möchte. So habe ich es bisher in meinem Freundeskreis wahrgenommen, als jemand zum Beispiel mit Yoga angefangen hat und andere das dann auch begonnen haben.
Mein Glaube kennt so ein Nachahmen auch. Zum Beispiel heißt es in einer Bibelstelle, dass ich als Christ ,,als Licht[…] in der Welt“ scheinen soll.
Ich verstehe das so, dass ich aufgefordert werde, andere zu inspirieren. Aber überhaupt nicht so, dass ich zu ihnen hingehe und sie missioniere. Ich glaube, diese Textstelle will etwas ganz Anderes von mir: Nämlich liebevoll, freundlich und hilfsbereit zu sein.
Wenn andere sich dann denken: ,,So wie der das macht, möchte ich es auch tun“, dann war ich so ein Licht in der Welt.
Linus
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Dienstag, 03. Mai 2022
Ich habe letztens auf meinem Handy nach einer App gesucht und festgestellt: Bei manchen Apps steht da ein Hinweis: ,,Bei dieser App handelt es sich um eine Beta-Version.“
So grob geht es dabei um Apps, die zwar schon alle wichtigen Funktionen und Inhalte haben, aber noch nicht vollständig getestet wurden. Wenn man sie herunterlädt, können deshalb immer wieder Fehler auftreten. Die Fehler werden dann an die Entwickler gemeldet, damit sich die App verbessern kann.
Da habe ich mir gedacht: Wir Menschen sind doch auch irgendwie Betas, oder? Keiner von uns ist perfekt, keiner weiß alles – und keiner macht alles richtig. Ständig passieren mir Fehler – manchmal kleine und manchmal eben auch größere. Aber wichtig ist, dass ich daraus lerne. Also ich mich quasi weiterentwickle.
Die wichtigsten ,,Funktionen“ dafür sind ja schon in mir: Das sind meine Fähigkeiten und meine Talente. Und das ist auch der Unterschied zwischen mir und so einer Beta-App: Mir sind diese ganz persönlichen Talente schon gegeben, so wie jeden Menschen ganz eigene Stärken ausmachen. Wenn ich dieses Geschenk mehr und mehr nutze, kann ich mich dabei entfalten. Und dann bin ich wirklich ich selbst.
Linus
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Freitag, 22. April 2022
Wenn ihr mich fragen würdet, welcher Religion ich angehöre, würde ich sofort sagen, dass ich Christ bin. In letzter Zeit überlege ich aber oft, was das eigentlich heißt – Christ zu sein.
Klar, in der Bibel findet man unglaublich viel. Aber die Geschichten, die darin stehen, sind eben ziemlich alt und oft wirken sie fern von meinem Leben. Deshalb kann ich nicht immer so viel mit ihnen anfangen.
Wenn es darum geht, was ich als Christ glaube, dann passt da für mich ein Lied ziemlich gut. Da heißt es am Ende: ,,An alle, die das Gefühl haben, zu Gott zu oft ,Es tut mir leid‘ gesagt zu haben: Ihr könnt niemals zu weit gehen, da ihr immer wieder heimkommen könnt.“
Ich finde, genau das ist es: Wenn ich Christ bin, verlasse ich mich darauf, dass egal, was ich getan habe – Gottes Liebe ist immer da und Er wird mir immer vergeben: Wenn ich mich zu Ihm wende!
Gott entfernt sich also nicht von mir, wenn ich Schlechtes tue und Gutes lasse: also ich nicht auf Seinen Willen, Seine Botschaft höre. Deshalb kann ich immer wieder zu Ihm zurück – selbst wenn ich gerade nicht so viel Kontakt zu Ihm habe.
Gott ist also immer da als eine Art Einladung, die ich annehmen kann, wenn ich bereit dazu bin. Für mich ist das der Kern meines Glaubens.