Ida
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Freitag, 08. Oktober 2021
„Das traust du dich nicht? Du bist so ne Pussy!“. Solche Sätze hab ich schon oft gehört. „Pussy“ hieß dann so viel wie „Schwächling“, also wenn jemand nicht mutig genug für etwas ist oder in irgendeiner anderen Form Schwäche zeigt.
Ich hab den Begriff lange Zeit einfach so verwendet ohne ihn wirklich zu hinterfragen. Aber was heißt Pussy eigentlich genau? Mit dem Wort kann man auch das weibliche Geschlechtsteil assoziieren. Der Begriff, der also für Schwäche und Mutlosigkeit steht, der ist ganz nah mit Weiblichkeit verbunden. Wenn ich also sage: “Du Pussy!“ und etwas Abwertendes meine, dann werte ich automatisch auch Frauen ab.
So ein Wort das stark mit Geschlechterbildern verbunden ist als Schimpfwort zu nutzen finde ich nicht gut. Neben Pussy gibt es auch noch einige mehr dieser Wörter. Zum Beispiel so Redewendungen wie „Ich habe die Eier dazu“. Dann ist das genau das Gegenteil zu Pussy, dann werden nämlich Stärke und Mut mit Eiern, also den männlichen Hoden verbunden. In der Sprache gibt es ganz viele solcher Begrifflichkeiten, die krass mit diesen Geschlechterrollen spielen, also Frau = schwach und sensibel und Mann = stark und mutig. Das ist nicht nur völlig daneben, sondern kann häufig ganz schön verletzend sein. Ich werde in Zukunft versuchen, solche Ausdrücke ein bisschen öfter zu hinterfragen und Begriffe wie Pussy einfach durch Wörter zu ersetzen, die nichts mit Weiblichkeit zu tun haben.
Ida
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Montag, 04. Oktober 2021
Liebeskummer! Das habe ich auch schon erlebt. Dann fiebere ich der vergangenen Zeit hinterher oder bin echt verletzt davon, was die Person nun macht oder sagt, die ich eigentlich mal sehr gern hatte oder immer noch habe.
Alle reden bei Liebeskummer immer nur von Pärchen, die sich trennen. Aber was ist eigentlich mit dem Kummer, den ich hab, wenn eine Freundschaft zerbricht? Dann habe ich doch auch Liebeskummer, weil ich die Person auf platonische Art und Weise, also ohne Romantik, wertgeschätzt, vielleicht sogar geliebt habe. Als ich mit einer Freundin gemerkt habe, dass wir uns irgendwie auseinandergelebt haben und die Beziehung zwischen uns nicht mehr so eng war wie früher, da hat mir das sehr sehr wehgetan. Wir haben tolle Dinge erlebt und waren immer füreinander da, aber eben nur für einen Teil unseres Lebens. Es war nicht zu vermeiden, dass unsere Wege sich trennten und das hat mich echt traurig gemacht. Ich wusste dann nämlich, dass die Zeit von uns zweien jetzt einfach vorbei ist.
Wenn ich eine Freundschaft beende, dann ist das meistens mindestens genauso schmerzhaft, wie die Trennung in einer romantischen Beziehung. Und das darf es auch sein. Ich bin dennoch dankbar für die tolle gemeinsame Zeit, Wenn ich daran denke, was ich alles für aufregende Dinge mit meiner Freundin geteilt und erlebt habe, die mich echt geprägt haben: dann ist das schon ne ganze Menge.
Ida
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Dienstag, 21. September 2021
Mittlerweile bin ich 20 Jahre alt und habe so wie jede und jeder andere auch schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Ich hatte meine erste Liebe und habe meinen Schulabschluss geschafft, ich hatte ne tolle Zeit mit Freundinnen und Freunden und durfte schon an einigen tollen Orten leben.
Gleichzeitig hab ich aber auch Rückschläge erlebt. Ich habe mich selbst überschätzt, schlechte Klausurergebnisse bekommen, ich habe Freundschaften und auch schon Menschen verloren. In dem Moment, wenn ich einen dieser Rückschläge erlebe, dann trifft mich das natürlich immer, mal mehr und mal weniger. In diesen Situationen denke ich dann oft: das ist es jetzt. Dann glaube ich nicht, dass es je wieder besser werden kann und bin oft echt pessimistisch, traurig, wütend oder einfach niedergeschlagen.
Aber was mir diese kurzen 20 Jahre Lebenserfahrung auch gezeigt haben ist, dass wirklich vieles mit der Zeit irgendwie wieder okay wird. Manchmal sagt man ja, dass Zeit alle Wunden heilt. Daran glaube ich nicht, aber ich denke, dass Zeit dabei hilft, nen neuen Blick auf die Situation zu bekommen der einiges verändern kann.
Natürlich gibt es Dinge, die mich nie loslassen werden. Aber ich lerne auch, damit umzugehen und weiterzumachen, so gut es eben geht. Und so schlimm, wie es meistens im ersten Augenblick scheint: Mit ein bisschen Abstand ist es das oft gar nicht mehr.
Ida
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Freitag, 10. September 2021
Mein Körper, das bin ich. Er definiert mein Aussehen und bestimmt dadurch wesentlich, wie ich auf andere wirke. Als ich in die Pubertät gekommen bin, da hat sich mein Körper ganz schön verändert, und es hat sich auch was an dem Bild meines Körpers in meinem Kopf getan. Plötzlich war mir das Aussehen und die Wirkung meines Körpers sehr wichtig. Als Kind war mir das total egal. Sobald ich älter wurde dann nicht mehr. Ich war natürlich auch geprägt von meiner Umwelt, die mir ständig gesagt hat, wie genau ich „perfekt“ aussehe. Ich wollte einfach so vielen Menschen wie möglich gefallen. Dabei habe ich meinen Körper oft kritisiert. Das war auf Dauer wirklich anstrengend und hat meiner mentalen Gesundheit echt nicht gutgetan. Ich hab es einfach nicht geschafft, meinen Körper so anzunehmen wie er ist, nämlich von Gott gemacht und absolut einzigartig. Weil ich so vielen anderen Menschen gefallen wollte, habe ich das Allerwichtigste aus den Augen verloren: ich muss in erster Linie mir selbst gefallen.
Mittlerweile bin ich durch viele Gespräche mit Freundinnen aus diesem krassen Kritisieren zum Glück rausgekommen. Ich wertschätze meinen Körper total, weil ich nur mit ihm leben kann, nicht gegen ihn. Mir ist viel wichtiger, dieses wertvolle Leben zu genießen und dabei nicht immer nur darauf zu achten, wie ich aussehe. Außerdem finde ich, dass mein Körper, so wie er ist, echt toll ist. Und das kann ich heute mit Stolz sagen.
Ida
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Mittwoch, 08. September 2021
Wenn ich an das Haus meiner Großmutter denke, dann löst das in mir nur gute Gefühle aus. Im Sommer bin ich zu ihnen gefahren und habe im großen Garten gespielt. Es gab ne Schaukel unterm Apfelbaum, einen Teich mit Fischen und sogar nen Brunnen.
Mittlerweile bin ich aus meiner Kindheit rausgewachsen und meine Oma ist alt und schwach geworden. Das riesige Haus ist viel zu groß für sie allein. Bald wird sie ausziehen müssen und irgendwo etwas behüteter leben. Wenn sie das tut, dann heißt das leider auch, dass wir als Familie alles ausräumen werden, sodass das Haus verkauft werden kann. Mit diesem Schritt wird dieser Kindheitszauber dann endgültig verloren gehen. Dort werden fremde Menschen leben und alles wird sicher ganz anders aussehen. Wenn Menschen alt werden und aus ihren Häusern ziehen, dann lassen sie ja fast ein ganzes Leben zurück. Dann geht ein großes Kapitel zu Ende, das unfassbar viele Erinnerungen mit sich trägt. Ich frage mich, wie es meiner Oma oder meiner Mama damit gehen wird. Auf der einen Seite finde ich das irgendwie sehr traurig und ein Zeichen für Vergänglichkeit. Aber auf der anderen Seite bringt dieser neue Anfang auch viel Erleichterung und Sorgenfreiheit. Meiner Oma wird der Schritt zu etwas Kleinerem sehr guttun. Und meine Mama hat dann natürlich auch viel weniger Sorgen. Außerdem kann dann das Haus mit einer Familie, neuem Leben und neuen Erinnerungen gefüllt werden, die dann hoffentlich genauso schön sind wie meine.
Ida
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Mittwoch, 25. August 2021
Liebe Hörer, ne Stop, nochmal von vorn: Liebe Hörerinnen und Hörer, so klingt das doch schon viel besser!
Ich merke häufig, dass ich in meiner alltäglichen Sprache oft ein bisschen diskriminierend bin. Wenn ich nämlich von Hörern spreche, dann fühlen sich natürlich auch nur die Leute angesprochen, die HörER sind. HörerINNEN oder nichtbinäre Menschen werden da total ausgelassen.
Seit ner Weile ist das auch in den Medien und anderen gesellschaftlichen Bereichen ein großes Thema. Da fällt dann oft der Begriff „gendern“. Das bedeutet, beim Schreiben und Sprechen alle Geschlechter mit einzubeziehen. Ich kann zum Beispiel Hörerinnen und Hörer sagen, oder vielleicht Hörer:innen, oder einen neutralen Begriff wie Hörende verwenden, auch wenn das ein bisschen ungewohnt klingt. Aber so wird ganz einfach keiner ausgeschlossen. So wie Gott auch niemanden ausschließt. Jeder und Jede ist bei ihm willkommen und soll sich geliebt fühlen. Und das, finde ich, sollte sich auch in unserem Sprechen widerspiegeln.
Mit meiner Sprache möchte ich niemanden auszugrenzen. Deswegen werde ich in Zukunft darauf achten, geschlechterneutraler zu sprechen. Auch wenn es manchmal noch etwas ungewohnt ist.
Ida
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Sonntag, 04. Juli 2021
Ich bin schon seit einer Weile Single like a Pringle, also in keiner Beziehung. Und damit glücklich. Aber wenn ich das anderen Menschen erzähle, dann kommen oft so Kommentare wie: „Oh man, du findest schon jemanden!“, oder „Bist du zu anspruchsvoll?“. Was mich an diesen Sprüchen nervt, ist, dass sie davon ausgehen, dass ich unbedingt jemanden an meiner Seite bräuchte. Und klar, für immer allein möchte nicht sein, und manchmal wünsche ich mir auch jemanden zum Kuscheln. Aber ich habe das Gefühl, viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass ich sogar gerne und mit Absicht Single bin.
Natürlich hab auch ich das Bedürfnis nach zum Beispiel körperlicher Nähe. Das kann ich aber auch anders stillen, vielleicht übers Kuscheln mit Freundinnen und Freunden oder auch durch lockere Bekanntschaften. Natürlich nur, wenn da keine Pandemie ist, die das verhindert. Platonische Liebe, also ohne romantische Anziehung, gibt mir zumindest genauso viel wie ne Partnerschaft. Single zu sein heißt nicht automatisch alleine oder sogar einsam zu sein.
Damit will ich natürlich nicht sagen, dass feste Beziehungen unsinnig sind. Aber ich finde, auch die positiven Seiten des Single-Daseins könnten ruhig ein bisschen öfter besprochen werden. Ich hoffe, dass ich in Zukunft vielleicht mehr Kommentare höre wie „Cool, genieß die Zeit!“. Denn mein Leben ist nicht erst toll wenn ich es mit einem Partner teile. Das ist auch jetzt schon, genauso wie es ist!
Ida
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Donnerstag, 01. Juli 2021
In meinem Alltag bekomme ich immer wieder blöde Sprüche zu hören, die mich auf mein Frau-Sein reduzieren. „Frauen sind ja immer zickig“ oder „Zieh dir mal was Ordentliches an, ich muss die ganze Zeit auf deine Brüste starren“. In den allermeisten Fällen sind das dann Männer, die mir das sagen. Früher haben mich solche Situationen dazu gebracht, an mir selbst zu zweifeln. Ist das Oberteil vielleicht wirklich ein bisschen gewagt? Sollte ich darauf achten, nicht mehr so stur zu sein? Oft habe ich sogar den Männern recht gegeben und mich dadurch selbst klein gemacht. Das hat mir nicht gutgetan.
In letzter Zeit hab ich angefangen, mich mit dem Thema ein bisschen mehr auseinanderzusetzten. Über Instagram bin ich auf echt coole Menschen gestoßen, die meinen Blick auf so dumme Sprüche ganz schön verändert haben. Sie zeigen mir, dass es überhaupt nicht okay ist und mit ner ganz schön alten Weltsicht verbunden, solche Dinge rauszuhauen.
Mittlerweile bin ich viel gestärkter in meinem Selbstbewusstsein als Frau. Es ist meine Entscheidung, was ich trage und wenn das jemanden stört, dann ist das sein Problem! Und nur weil ich eine Frau bin, bin ich doch nicht automatisch zickig! Was heißt zickig sein überhaupt? Nenne ich auch Männer so?
Ich möchte mir für die Zukunft vornehmen, solche Sprüche nicht einfach so stehen zu lassen. Wenn ich den Männern, die solche herablassenden Sachen äußern, sage, dass ich das nicht cool finde und warum ich das nicht cool finde, dann denken sie vielleicht mal darüber nach!
Ida
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Sonntag, 20. Juni 2021
Die wilden Kerle, Pippi Langstrumpf oder auch die Wilden Hühner. Ich habe letztens beim Ausmisten ein paar alte DVDs aus meiner Kindheit gefunden – und schwelge seitdem total in Erinnerungen. Damals hat man sich die Filme noch auf DVD gekauft, weil es Netflix und Co natürlich noch nicht gab. Und wie besonders es war, wenn meine Schwester und ich abends mal einen Film gucken durften. Dann gab es meistens Abendessen vor dem Fernseher, ich wurde von Mama im Schlafanzug in eine Decke gemummelt und im besten Fall gab es anschließend noch ne Schale Popcorn.
Als Kind bin ich richtig eingetaucht in die Geschichten, die erzählt wurden. Ich hab mit den Kindern in ihren Abenteuern mitgefiebert und Angst vor den Bösewichten gehabt. Ich war verknallt in Fred von den wilden Hühnern und habe mich gefragt, wie jemand so stark sein kann wie Pippi Langstrumpf.
Heute ist das alles anders. Mehrmals die Woche schaue ich etwas auf Streamingportalen und das ist dann viel mehr Stressabbau, als ein Eintauchen in eine neue Welt-so wie früher.
Irgendwie finde ich das schade. Ich würde gerne nochmal zurück in meine Kindheit und aus meiner Sicht von damals Filme gucken können. Vielleicht hilft es, wenn ich ein bisschen weniger auf den Streaming- Plattformen unterwegs bin. Dann wird ein Filmeabend vielleicht doch wieder zu etwas besonderem, worauf ich mich Stunden lang freuen kann.
Ida
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Freitag, 18. Juni 2021
Ich hatte vor zwei Jahren meinen letzten Schultag. Als ich damals mit meinen Prüfungen fertig geworden bin, stand ich da. Die Schule war durch und ich konnte mit meinem Leben machen was ich wollte. Aber was überhaupt? Ich war total überfordert.
Von durchgetaktetem Pflichtunterricht zu plötzlicher Freiheit und dem Druck, jetzt sofort wissen zu müssen, was ich mit meinem Leben anstellen möchte. Ich kann mich noch daran erinnern, dass es mir so vorkam, dass Jede und Jeder um mich herum schon nen genauen Plan hatte, wie es weitergehen sollte. Und ich? Ich wusste nicht wohin mit mir selbst. Und hab mir dann ganz schön Druck gemacht.
Ich bin dann erstmal ins Ausland gegangen, um ein bisschen Abstand zu bekommen. Und das hat mir richtig viel gebracht. Ich war plötzlich viel entspannter dabei, nicht so ganz zu wissen, wie es weitergeht.
Heute geht es mir manchmal noch immer so, obwohl ich studiere und einen ganz groben Plan von der Zukunft hab. Und das ist okay! Denn auch die Route mal zu verlassen ist voll in Ordnung.
Ich vertraue jetzt viel mehr auf mich selbst und auch auf Gott, dass er mich immer begleitet, auch wenn ich mal einen Umweg gehe. Der kann nämlich im Nachhinein auch für irgendetwas gut sein.