Ida
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Sonntag, 10. April 2022
Folgende Situation: mein Papa sitzt auf dem Sofa und liest Zeitung, meine Schwester schaut Netflix und ich lege nochmal einen kurzen Nap ein. Wir chillen alle, denn es ist Sonntag – außer meine Mutter. Die hat nämlich Notdienst in der Apotheke und teilt Medikamente aus.
Bei Notfällen muss sie sehr konzentriert sein und schnell handeln. Das strengt sie körperlich an und dadurch verpasst sie auch unseren entspannten Sonntag oder auch Familienfeiern.
Ich bin richtig beeindruckt, dass sich meine Mama und so viele andere Menschen um andere in der Not kümmern. Denn was mache ich, wenn ich nachts plötzlich mit Magen-Darm zu kämpfen habe und kein Auge mehr zu tun kann? Es ist so wichtig, dass ich zum Apothekennotdienst gehen kann. Oder, dass ich immer den Notruf wählen kann, auch für die Feuerwehr, Polizei oder den Rettungsdienst. Da sagt nämlich auch keiner: Sorry, heute ist Sonntag, da machen wir frei. Ich kann 24/7, wenn es mir schlecht geht Hilfe bekommen. Und das ist nicht selbstverständlich. Das ist Luxus. Und dafür arbeiten viele Menschen auch an Tagen, an denen ich entspannen und mich zurücklehnen kann – auch weil ich weiß, dass im Notfall immer jemand zur Stelle ist.
Diesen Menschen möchte ich sagen: Danke und bleibt gesund!
Ida
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Freitag, 08. April 2022
„Schönes Wochenende noch!“, grüßt mich der Verkäufer in der Bäckerei. Ich grüße, ohne darüber nachzudenken, zurück und merke dann erst, dass ja Freitag ist. Die Tage verwischen so, dass ich manchmal ganz überrascht bin, dass schon wieder Wochenende ist.
Als Studentin hab ich immer und nie Wochenende. Da ich mir meine Arbeit selbst einteilen kann, spielen für mich die Wochentage eigentlich kaum eine Rolle.
Das ist manchmal ganz schön cool. Oft ist das aber irgendwie auch echt blöd. Denn ich muss mir aktiv Zeit nehmen, um Wochenende zu haben.
Wenn andere Leute sonntags zuhause sitzen, weil das Büro geschlossen ist, sitze ich vor meinem Laptop – denn der ist nie geschlossen. Da muss ich mich schon aktiv dazu bewegen, auch mal zu chillen und den Sonntag als Sonntag zu genießen. Was eigentich total wichtig ist. Wie sonst kann ich nämlich meine Akkus aufladen, um dann bei der Arbeit wieder mein Bestes zu geben? Wenn ich mir diese Zeit nicht nehme, dann können mein Körper und mein Geist einfach irgendwann nicht mehr. Ich muss mich immer wieder daran erinnern, dass meine Power nicht von irgendwo kommt, sondern dass ein Päuschen mega wichtig ist. Dann kann ich mit voller Energie wieder in den Alltag starten.
Ida
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Dienstag, 08. März 2022
Für eine Praktikumsbewerbung soll ich angeben, womit ich mir so meine freie Zeit vertreibe. Da muss ich echt nachdenken. Netflix, Lesen, Instagram, Freunde treffen? Das sind eigentlich die Dinge, mit denen ich mich in meiner Freizeit beschäftige und die mich entspannen. Aber das sind irgendwie keine richtigen Leidenschaften, oder? Früher habe ich sowas wie Klavier spielen oder Reiten reingeschrieben, halt so richtige Hobbies. Bei den Sachen, die ich heute mache, lasse ich mich eher berieseln und so besonders sind die auch nicht.
Eigentlich schade. Ich würde gerne sagen: ich gehe Fußball spielen oder ich liebe zeichnen.
Neue Dinge zu lernen ist ja eigentlich immer cool. Denn über so ein Hobby kann ich mich gut identifizieren. Wenn ich nämlich etwas finde, das mir total Spaß macht, dann lerne ich dabei ja super viel über mich: was kann ich gut? Bin ich ein Teamplayer oder total kreativ? Wie gehe ich an neue Dinge heran? Was hilft mir, von der Arbeit abzuschalten? Ist das körperliche Auslastung oder vielleicht das Eintauchen in eine ganz andere Welt? Was ich da über mich herausfinde, das kann ich dann auch im Alltag gut einsetzen. Und den Leuten vom neuen Job sagt das auch einiges über mich. Ich will mich mal auf die Suche nach etwas machen, woran ich Spaß habe und was gut zu mir passt.
Im Bewerbungsschreiben sauge ich mir jetzt erstmal irgendetwas aus den Fingern, um eben nicht Netflix aufzuschreiben. Naja, vielleicht kann ich nächstes Mal ja etwas richtig cooles und besonderes nennen.
Ida
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Samstag, 29. Januar 2022
Ich bin auf dem Nachhauseweg von der Uni. Müde, im Dunkeln und im strömenden Regen warte ich an der Ampel weil auf der anderen Straßenseite meine Tramstation ist. Plötzlich sehe ich von weitem, wie meine Bahn kommt. Vor Panik sie zu verpassen, schaue ich einmal links und rechts und renne bei rot los.
Und dann ist da plötzlich ein Auto. Wenn der Fahrer nicht eine quietschende Vollbremsung hingelegt hätte, dann wäre ich mit voller Wucht umgefahren worden. In dem Moment checke ich aber gar nicht was passiert ist, entschuldige mich kurz und erwische dann tatsächlich noch meine Bahn. Erst unterwegs wird mir die Situation bewusst. Krass, ich wurde gerade fast umgefahren! Das war so ein knappes Ding, da muss jemand eine schützende Hand über mich gehalten haben.
Im Alltag verliere ich manchmal meine Connection zu Gott und meinem Glauben. Erst wenn dann sowas wie dieser Fast-Unfall passiert, merke ich, wie wenig ich an Gott denke. Das hat wie ein Wachrüttler auf mich gewirkt. Ich denke wieder mehr an Gott und was er für einen Platz in meinem Leben hat. Er ist irgendwie immer da, auch wenn ich manchmal die Verbindung zu ihm verliere. Dann braucht es vielleicht so ein einschneidendes Erlebnis, um auf die Frage: Gott bist du da? zu antworten: ich glaube schon!
Ida
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Sonntag, 16. Januar 2022
Es ist Sonntag und ich schaue in meinen Terminkalender, um zu wissen, was mich nächste Woche erwartet. Mist, fast jeder Abend ist schon wieder verplant. Montag Filmeabend, Dienstag zusammen kochen, Mittwoch Tanzkurs und so weiter. Eigentlich sind die meisten dieser Dinge richtig schön und ich müsste mich freuen, sie mit meinen Freunden zu erleben. Aber was ich statt Vorfreude fühle ist Stress. Die ganzen tollen Sachen führen dazu, dass ich keine Zeit mehr habe, um einfach nur für mich allein zu sein. Und das ist aber eigentlich das, was ich manchmal nach einem langen Tag brauche. Ein gutes Buch oder eine Serie, eine lange heiße Dusche und ein leckeres Abendessen. Mehr nicht.
Manchmal fällt es mir schwer, nein zu sagen, wenn jemand vorschlägt, etwas gemeinsam zu machen. Denn ich treffe mich ja sehr gerne mit anderen. Aber soziale Interaktion kann auch manchmal anstrengend sein und auch für diese Treffen müssen meine Akkus irgendwann aufgeladen werden.
Deshalb gönne ich mir in Zukunft einen Abend in der Woche nur für mich. Dann kann ich lesen, chillen, malen, Musik hören oder einfach ganz früh schlafen gehen. Und dann bin ich auch wieder bereit, mit anderen Menschen tolle Dinge zu erleben.
Ida
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Samstag, 15. Januar 2022
Instagram find ich cool, weil ich da oft interessante neue Dinge entdecke, zum Beispiel übers Kochen oder Mode.
Es gibt aber nicht nur tolle Dinge, sondern auch eine Schattenseite bei Insta. Nämlich: nicht alles ist echt. Jeder und jede kann sich so darstellen, wie er oder sie es gerne hätte. Hier noch etwas schlanker, da noch einen Pickel wegretuschieren. Mit Bearbeitungen, Filtern und Co kann so viel gemacht werden.
Dass hinter diesem krassen Insta-Life auch Probleme und Ängste stecken, das bekommen Follower nicht mit. Ist auch menschlich, finde ich. Ich möchte auch nicht direkt jeder fremden Person von meinen Problemen erzählen. Aber der Effekt, den das hat, ist echt nicht nice. Denn nur allzu gern glaub ich dieser schönen Welt und vergleiche sie mit mir. Wie oft habe ich mir schon gedacht: so wie die Mädels will ich auch aussehen. Aber Fakt ist: Ich werde es nie können, weil’s fake ist.
Ein paar Influencer posten inzwischen Vorher-Nachher-Bilder von ihrer Bearbeitung und machen so darauf aufmerksam, wie viel ich verändern kann. Und das finde ich gut. Weil eigentlich möchte ich ja nicht lernen, was ich nicht erreichen kann, sondern einfach Inspiration bekommen – und zwar für mein „echtes“ Leben.
Ida
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Dienstag, 11. Januar 2022
Ein guter Freund von mir ist seit einigen Wochen komplett in love. Deshalb verbringt er viel Zeit mit seinem neuen Freund. Da bleibt kaum noch was für ihn und mich übrig.
Ich fühle mich ein bisschen auf das Abstellgleis gestellt. Und dabei weiß ich, dass das echt egoistisch klingt. Ich sollte mich für ihn und seine neue Liebe freuen. Das tue ich auch, aber ich bin auch ein bisschen eifersüchtig auf seinen Freund. Plötzlich bin nämlich nicht mehr ich die wichtigste Bezugsperson für ihn, sondern da ist noch jemand anders, dem er mindestens genauso viel anvertraut wie mir. Ich weiß, dass unsere Freundschaft ihm sehr viel bedeutet. Trotzdem fehlt mir einfach die gemeinsame Zeit.
Auch wenn es mir schwerfällt, muss ich mit ihm darüber sprechen und ihm sagen, wie es mir damit geht. Schon oft habe ich nämlich aus so zwischenmenschlichen Konflikten gelernt, dass man mehr miteinander reden sollte. Das fällt mir meistens sehr schwer, weil ich dafür erstens wissen muss, was ich genau möchte, und zweitens weil ich mich einfach trauen muss, den Menschen mit der Situation zu konfrontieren. Wenn ich diese Schwellen aber einmal überschritten habe, dann ist das mega befreiend. Ich hoffe, mit meinem Kumpel gelingt mir das auch. Denn nur wegen seiner neuen Beziehung sollte unsere Freundschaft nämlich nicht leiden.
Ida
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Samstag, 04. Dezember 2021
In meinem Sommerurlaub habe ich einige junge Menschen aus unterschiedlichen Ländern getroffen. Jemand aus Italien, aus Guatemala, aus Mexiko und sogar aus Südkorea. Wir haben uns viel ausgetauscht über die kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Unterschiede unserer Länder.
Uns ist aufgefallen, wie unterschiedlich unsere Lebensrealitäten sind. José aus Mexiko zum Beispiel möchte unbedingt in Frankreich arbeiten. Dafür ist er extra studieren gegangen. Alver aus Guatemala ist Familie super wichtig. Er ist jetzt 26 und lebt aber immer noch mit seiner Mutter und seinen Schwestern zusammen. Alver findet, dass es viel wichtigere Dinge gibt als Geld und würde dafür nie seine Familie und Freunde hinter sich lassen.
An diesem Abend haben wir echt viel Unterschiedliches von uns erfahren. Aber auch wenn wir echt andere Lebensstile haben, weil wir aus anderen Kulturkreisen kommen, hab ich auch festgestellt, dass wir uns in einem dann doch gleichen:
Wir sind alle an einem Scheideweg und machen uns über unsere Zukunft Gedanken. Was uns verbindet ist der Traum von einem guten Leben mit lieben Menschen, wenig Sorgen und persönlicher Erfüllung.
Da ist es ganz egal, wo ich herkomme.
Ida
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Donnerstag, 02. Dezember 2021
So ein Mist!, dachte ich mir, als ich vor kurzem entschieden habe, dass es wieder Zeit ist meine Winterjacke auszupacken. Ich war richtig niedergeschlagen, denn meine Lieblingszeit des Jahres ist vorbei und uns stehen graue, dunkle und kalte Monate bevor. In dieser Zeit verfalle ich oft in so einen Blues, also in einen etwas traurigen, trägen und auch faulen Zustand. Jedes Jahr, wenn ich die Winterklamotten auspacke, denke ich genau daran und fürchte mich dann schon vor der kommenden Zeit. Ich muss ehrlich sagen, dass ich in den letzten Jahren ganz schön unter diesem Winterblues gelitten habe. Deswegen wollte ich da was gegen tun und habe beschlossen, mir mal Gedanken über die schönen Seiten des Winters zu machen. Ich weiß, man kann, besonders jetzt, wenn uns die dunkle Zeit bevorsteht, sich nicht vorstellen, dass da irgendwas Gutes dran ist. Ich kann aber sagen: das stimmt nicht! Es gibt Kürbis, ganz viel leckere Suppe, schöne Mäntel und der Gemütlichkeitsfaktor eines Netflix-Abends steigt einfach wenn es draußen kalt ist um 100%. Dann ist im ganzen Dezember Weihnachtsstimmung, Glühwein-Trinken auf dem Weihnachtsmarkt ist angesagt und es gibt einfach Plätzchen. Und wenn es dann im Januar noch Schnee gibt, dann ist der Winter ein klitzekleines Bisschen erträglicher.
Vielleicht übertreibe ich es mit meinem Winterblues auch manchmal ein bisschen. Ich möchte mir vornehmen, in Zukunft, wenn meine Stimmung mal wieder down ist, mir die positiven Seiten des Winters aufzusagen. So Kuschelsocken, Wärmflasche und heißer Tee sind nämlich doch eigentlich ganz schön gemütlich. Und wenn ich durch den Winter durch bin, dann kommt ganz bald schon wieder der Sommer und Vorfreude ist ja bekanntlich die beste Freude.
Ida
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Dienstag, 30. November 2021
Wann ist eigentlich ein Mann ein Mann? Ein guter Freund von mir hat in letzter Zeit große Probleme damit, diese Frage für sich zu beantworten. Und ehrlich gesagt, finde ich auch nicht so schnell ne Antwort. Es gibt natürlich dieses Bild: Männer versorgen die Familie und sind hart im Nehmen. Außerdem sind sie körperlich stark, geweint wird nie und Frauen und Kinder müssen beschützt werden. Mein Freund fühlt sich von diesem „Idealbild“ ganz schön unter Druck gesetzt. Und auch mich als Frau presst das in eine Rolle. Ich habe mich schon häufig nicht selbst beschützen dürfen. Denn dafür gibt es doch Männer.
Mein Freund und ich haben uns lange darüber unterhalten und mittlerweile finde ich, solche Idealbilder sind giftig.
Denn Männer dürfen weinen, das ist doch total gesund und mega befreiend. Und sie dürfen sich auch die Nägel lackieren. Ist doch nur Körperschmuck.
Wann ist also ein Mann ein Mann? Für mich spielen da äußere Dinge keine Rolle. Vielmehr geht es darum, wie sich jemand gut fühlt. Für meinen Freund hoffe ich, dass er bald selbstbewusst genug ist, dieses „Idealbild“ nicht verkörpern zu müssen.
Wenn er sich die Nägel lackieren möchte – von mir aus! Mir ist das total egal, ich nehme ihn an so wie er sich präsentiert.