Lisa
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Freitag, 24. September 2021
Ein Freund hat mich letztens angelogen. Wir haben uns dann echt heftig gezofft und ich war richtig wütend. Ich bin ein ziemlich nachtragender Mensch und mir fällt es oft schwer über sowas hinwegzusehen.
Ein paar Tage nach dem Streit, war ich im Gottesdienst. Wie immer wurde auch das Vater Unser gebetet. Ein Satz im Vater Unser lautet: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Als ich das mitgebetet habe, hab ich mich ganz schön ertappt gefühlt. Ich bitte Gott darum mir meine Fehler zu vergeben, aber schaffe es selbst nicht meinem Freund zu vergeben.
Ich habe mich ja selbst auch schon oft falsch verhalten und habe gelogen oder andere verletzt. Wenn mir meine Freunde dann verziehen haben, war ich darüber sehr froh und habe die Chance genutzt, um es in Zukunft besser zu machen. Ich finde es komisch von anderen etwas zu erwarten, das ich selbst nicht einhalte.
Ich möchte wirklich an mir arbeiten und versuchen etwas weniger nachtragend zu sein. Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Aber ein paar Wochen später habe ich meinen Kumpel angerufen und nochmal um ein Gespräch gebeten. Wir haben uns ausgesprochen und unserer Freundschaft nochmal eine Chance gegeben. Ich bin über meinen Schatten gesprungen und habe ihm vergeben. Das hat sich sogar richtig gut angefühlt!
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Mittwoch, 22. September 2021
Ich bin kein großer Fan von Geburtstagen. Also zumindest von meinem eigenen nicht. In meiner Familie ist es Tradition, dass das Geburtstagskind alle einlädt und wir dann in der großen Runde gemeinsam essen und zusammensitzen. Das kann sehr schön sein – aber wenn ich die Gastgeberin bin, finde ich das meistens ziemlich anstrengend. Ich hetze dann von Gast zu Gast und fülle Getränke nach, kümmere mich in der Küche um den Abwasch und versuche zwischendrin mich noch mit dem ein oder andern zu unterhalten. In den letzten Jahren bin ich dann am Abend nach der Feier jedes Mal todmüde und total gestresst ins Bett gefallen. Ich konnte den Tag nie richtig genießen. Aber ich hab mich nie getraut zu sagen, dass ich meinen Geburtstag eigentlich gerne anders feiern würde. Dieses Jahr habe ich mich endlich überwunden und entschieden, meinen Geburtstag mal so zu feiern wie ich es gerne möchte. Ich habe keine große Feier gemacht, sondern den Tag nur mit meinen Geschwistern und meinen Eltern verbracht. Und was soll ich sagen: Ich hatte den schönsten Geburtstag seit langem. Auch wenn er ganz anders war, als die Familientradition es eigentlich vorgesehen hätte. Ich bin stolz, dass ich den Mut hatte, so zu feiern wie ich es möchte. Es war ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich für mich und meine Wünsche eingestanden bin. Das hätte ich viel früher machen sollen.
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Dienstag, 07. September 2021
Es ist jetzt 5 Jahre her, dass ich das Abi gemacht habe. Wegen diesem kleinen Jubiläum war ich letztens bei unserem ersten Klassentreffen. Ich hab mich total gefreut alle wiederzusehen: Einige davon habe ich seit 5 Jahren nicht mehr getroffen. Wir hatten uns also ganz schön was zu erzählen.
Viele meiner Klassenkameraden haben nach dem Abschluss echt coole Sachen erlebt. Viele sind viel gereist, haben inzwischen ihr Studium abgeschlossen oder sind schon verlobt oder sogar verheiratet. Als wir uns so ausgetauscht haben, was bei uns in den letzten Jahren so passiert ist, habe ich gemerkt, wie ich angefangen habe, mich mit den anderen zu vergleichen. Ich studiere noch, bin nicht verlobt und gereist bin ich auch nicht wirklich viel. Eigentlich bin ich damit auch zufrieden und mag mein Leben so wie es ist. Auf dem Klassentreffen hatte ich aber das Gefühl nicht wirklich mithalten zu können und nicht so viel zu erzählen zu haben wie die anderen.
Dabei bringt es mir ja gar nichts mich mit den anderen zu vergleichen. Wenn ich mich mit mir selbst von vor 5 Jahren vergleiche, dann habe ich auch viel erreicht: Ich bin sehr viel selbstbewusster geworden, bin in eine neue Stadt gezogen und mein Studium macht mir wirklich großen Spaß. Was wirklich zählt, ist doch, dass ich zufrieden bin mit mir selbst – und nicht, ob ich mit anderen mithalten kann.
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Samstag, 28. August 2021
In Berlin gibt es ein ganz besonderes Projekt: Das House of One. Es ist was Besonderes, aber eigentlich ist es auch ganz einfach: Ein Haus. Drei Religionen. Vier Räume.
Im House of One sollen Juden, Christen und Muslime gemeinsam unter einem Dach beten können. Das Haus ist also Synagoge, Kirche und Moschee in einem. Außerdem gibt es einen Raum für alle. Da können sich die Gläubigen austauschen und sich gegenseitig kennenlernen.
Ich finde die Idee hinter dem Projekt total wichtig. Gerade jetzt, wo es bei uns leider immer wieder zu Übergriffen auf Juden und Muslime kommt. Das House of One setzt ein Zeichen und zeigt, dass dort alle Menschen willkommen sind: Egal welcher Herkunft oder Religion.
Einer der Projektleiter hat das House of One als den „gebauten Himmel mitten in Berlin“ bezeichnet. Das finde ich ein tolles Bild. Den Himmel verbinde ich nämlich vor allem mit einem: mit Frieden. Ich hoffe, dass das Projekt dazu beiträgt, dass sich die Gläubigen gegenseitig annähern. So kann jeder einen kleinen Teil beitragen, damit der Traum vom Frieden unter den Religionen endlich wahr werden kann.
Lisa
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Freitag, 27. August 2021
Freundschaften aufrecht zu erhalten, kann manchmal ganz schön schwierig sein, find ich. Vor allem, wenn man nicht am selben Ort wohnt.
Eine Freundin von mir ist vor ein paar Monaten weggezogen. Drei Stunden fahre ich jetzt bis zu ihr. Wir haben uns natürlich fest vorgenommen, den Kontakt zu halten und uns regelmäßig Nachrichten zu schicken. Aber im Alltagsstress vergess ich schnell, dass ich zurückschreiben wollte und schwups sind schon wieder zwei Wochen rum.
Da ärgere ich mich über mich selbst. Mir ist die Freundschaft wichtig und ich möchte meine Freundin auf keinen Fall verlieren. Zum Glück ist sie mir nicht böse, wenn ich mal nicht zurückschreibe. Für sie zählt nur, dass wir füreinander da sind, wenn es drauf ankommt.
So ähnlich wie mit meiner Freundin geht es mir auch mit Gott. Nur dass es in der Beziehung zu ihm nicht ums Schreiben geht, sondern ums Beten.
Im Alltag kommt mir Gott meistens auch ziemlich weit weg vor. Und dann kommt noch dazu, dass er mir ja nicht einfach mal eine Nachricht schreibt und fragt wie es mir geht. Aber ich bin mir sicher, dass es bei ihm ist wie bei meiner Freundin: Auch wenn der Kontakt mal weniger wird, kann ich mich trotzdem auf ihn verlassen.
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Samstag, 31. Juli 2021
Der Papa von einer guten Freundin ist im April an Corona verstorben. Als ich die Nachricht bekommen habe, hat mich das total schockiert.
Natürlich war mir auch davor schon bewusst, dass ich das Virus ernst nehmen muss und im schlimmsten Fall auch Menschen daran sterben. Ich hab ja auch in den Nachrichten jeden Tag die Todeszahlen verfolgt. Aber trotzdem habe ich nicht damit gerechnet, dass es den Elternteil von einer Freundin treffen könnte.
Mehr als 90.000 Menschen sind schon gestorben, weil sie sich mit dem Virus infiziert haben. Durch meine Freundin ist mir bewusst geworden, dass hinter dieser riesigen Zahl lauter einzelne Menschen stehen, die jemand geliebt hat und die jetzt unendlich vermisst werden.
Natürlich freue ich mich auch über die wiedergeöffneten Geschäfte und genieße wieder einen Kaffee in der Stadt mit ein paar Freunden. Aber ich will auch nicht allzu schnell vergessen, dass die Pandemie vielen Menschen ihre Liebsten genommen hat. Aus Respekt davor, halte ich mich auch weiterhin an die geltenden Regeln und lasse mich regelmäßig testen, auch wenn das manchmal nervig ist.
Das ist mein kleiner Beitrag dazu, dass hoffentlich bald niemand mehr sein Leben an das Virus verliert.
Lisa
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Donnerstag, 20. Mai 2021
Bei mir ist gerade wirklich viel los. Ich schreibe an meiner Bachelorarbeit, bereite mich auf eine wichtige Prüfung vor und auf der Arbeit gibt es auch viel zu tun. Ich merke wie mir das echt zusetzt. Manchmal wird mir alles zu viel. Meine To-Do Liste will einfach nicht kürzer werden. Da weiß ich nicht mehr wo mir der Kopf steht und ich fühle mich überhaupt nicht gut.
Früher hätte ich mich in solchen Zeiten einfach mit meinen Freunden auf einen Kaffee verabredet und mich so ein bisschen abgelenkt. Weil das gerade aber nicht geht, hab ich mir was einfallen lassen.
Ich habe mir eine Liste gemacht, meine „Gute-Laune-trotz-Lockdown-Liste“. Da stehen lauter Sachen drauf, die coronakonform sind und mit denen ich dem ganzen Stress ein wenig entfliehen kann. Laut Musik hören und mitsingen zum Beispiel oder etwas Leckeres kochen und Freunden dann eine Portion vor die Tür stellen. Aber auch meine beste Freundin anzurufen oder einen guten Podcast hören.
Wenn mir mal wieder alles zu viel wird, dann nehme ich mir einen Punkt von der Liste vor. Dann geht es mir meistens wieder besser.
Natürlich vermisse ich richtige Treffen mit meinen Freunden trotzdem. Meine Liste hilft mir aber immerhin, diese schweren Zeiten ein bisschen besser auszuhalten.
Lisa
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Samstag, 08. Mai 2021
„Eigenlob stinkt!“. Den Satz habe ich schon oft gehört und er kommt mir auch immer wieder in den Kopf. Ich finde aber, das stimmt so gar nicht.
Wenn ich mich selbst lobe, heißt das noch lange nicht, dass ich mich für etwas Besseres halte. Natürlich finde ich es auch doof, wenn andere sich ständig selbst als besonders toll darstellen. Aber warum sollte ich nicht auch mal zugeben dürfen, dass ich etwas gut gemacht habe? Ich finde, solange ich nicht ständig angebe, ist das völlig okay.
Das Umzusetzen gelingt mir aber nicht immer. Letztes Semester habe ich zum Beispiel eine echt anspruchsvolle Prüfung gehabt. Ich habe dafür eine super Note bekommen und war einfach stolz auf mich. Als mich eine Freundin gefragt hat wie die Prüfung lief habe ich mich aber gar nicht getraut ihr das so zu sagen. Eigentlich schade.
Ich finde es ist nichts Falsches daran zu seinen Stärken zu stehen. Und wenn ich meiner Freundin offen gesagt hätte, dass die Prüfung richtig gut lief, dann hätte sie sich bestimmt für mich mitgefreut. Ich muss meine Leistung nicht kleinreden und darf mir auch erlauben stolz auf mich zu sein. Ich denke, dann stinkt Eigenlob nämlich ganz und gar nicht.
Lisa
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Freitag, 07. Mai 2021
Als ich letzte Woche in meiner Mittagspause spazieren gewesen bin, ist mir etwas Komisches aufgefallen.
Als ich so den Weg am Fluss langgelaufen bin, bin ich über etwas gestolpert. Im ersten Moment hab ich mich geärgert und dann hab ich nachgeschaut was denn da Blödes im Weg rum liegt. In den Boden war statt eines normalen Pflastersteins ein goldfarbener Stein eingelassen und an dem bin ichhängen geblieben. Da stand drauf: „Hier wohnte Kurt Tichauer – Flucht 1936 nach Südafrika überlebt.“
Ich hab gleich mein Handy rausgeholt und geschaut was es damit auf sich hat. Die Steine heißen sogar „Stolpersteine“. Die gibt es in vielen deutschen Städten. Sie erinnern an das Schicksal von jüdischen Menschen, die im Nationalsozialismus vertrieben wurden oder umgebracht worden sind.
Seither sind mir in meiner Stadt sogar noch zwei andere Steine im Boden aufgefallen. Das macht mich wirklich traurig. Schließlich steht jeder Stein für ein Leben, das verletzt oder sogar ganz zerstört worden ist. Ich finde es unglaublich wichtig, dass auch ich die Erinnerung an die Schicksale der jüdischen Menschen bewahre. Damit so etwas Schreckliches wie damals nie wieder passiert.
Lisa
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Dienstag, 06. April 2021
Ich verbringe echt viel Zeit auf Instagram. Inzwischen ist das eine meiner liebsten Apps geworden. Ich schaue mir gern die Beiträge und Storys meiner Freunde an und verfolge was sie so machen. Aber ich folge auch Leuten, die ich nicht persönlich kenne. Einige davon verdienen mit der Plattform Geld und investieren dementsprechend viel Zeit und Aufwand in ihre Seiten.
Die Bilder von denen sind immer perfekt bearbeitet und der ganze Feed ist farblich aufeinander abgestimmt. Und in den Storys sehen die auch immer so frisch aus – selbst morgens direkt nach dem Aufstehen. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, sehe ich absolut nicht frisch aus. Meine Haare sind zerzaust und ich hab eher dunkle Augenringe.
Deswegen finde ich es so wichtig, mir immer wieder bewusst zu machen, dass Social Media nicht das wahre Leben ist. Ohne Schönheitsfilter sehen auch die Mädels auf Instagram wie ganz normale Menschen aus. Sie zeigen es nur nicht. Für die Storys werden Augenringe wegretuschiert und der Teint frischer gezaubert.
Auch wenn ich mir selbst gerne anschaue, was die Leute auf Instagram so teilen, muss ich da nicht mithalten können. Ich muss nicht immer perfekt aussehen. Denn ich bin gut so wie ich bin – ob mit oder ohne Filter.