Sarah
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Samstag, 25. Juni 2022
Als ich neulich mit dem Zug gefahren bin, hat mich der Blick in die tiefhängenden Wolken richtig bedrückt. Ich hab mich auf einmal richtig einsam gefühlt, als ich mich in den Wolken so ganz verloren hab.
Aber das ist nicht immer so- oft finde ich in dem Blick nach oben auch etwas Tröstendes, denn für mich ist der Himmel auch ein Bild für Gott. Bei einem Blick auf nur einzelne hübsche Wattewölkchen vor einem strahlend blauen Himmel fühl ich mich frei und von Gott angenommen. Aber manchmal ist der Blick von unten in die Wolken auch so trüb, dass es mich fast erschlägt. Gott scheint dann unfassbar weit weg zu sein.
Aber ich glaube, dass das eigentlich nicht stimmt. „Sieh her, Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und … er wird jede Träne abwischen von ihren Augen.“ So heißt es in der Bibel. Gott schwebt nicht distanziert und unerreichbar irgendwo über mir. Er versteckt sich nicht hinter düsteren Wolken. Er ist hier, mitten unter uns. Mehr noch, er verspricht uns zu trösten, auch wenn wir nur dunkle Wolken sehen.
Sarah
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Donnerstag, 23. Juni 2022
Ich war vor Kurzem im Gefängnis. Nicht, weil ich was verbrochen hab, sondern um gemeinsam mit den Häftlingen Gottesdienst zu feiern. Das war echt krass.
Ich wusste gar nicht, wie ich mir so ein Gefängnis von innen vorstellen sollte. Weil, dass es nicht so aussieht wie bei der Serie Prison Break war mir schon klar. Oder wie ich mit Menschen umgehen soll, die echt schlimme Dinge getan haben.
Die Menschen dort haben mich zutiefst beeindruckt. In jedem Gottesdienst zünden sie eine Kerze für die Menschen an, die gerade besonders Not leiden. „Wir zünden diese Kerze an für die Vergessenen und denken dabei heute besonders an die Menschen in der Ukraine, die unter den Kriegsverbrechen leiden.“ Das hat einer der Gottesdienstteilnehmer gesagt. Er ist selbst ein Insasse und schon seit über 15 Jahren in Haft.
Wenn ich an die Häftlinge denke, dann sehe ich selbst Menschen, die vergessen wurden. Die keiner sehen will. Und gerade diese Menschen denken im Gebet an andere Vergessene. Mich berührt das sehr.
Und ich glaube, hier findet genau das statt, was ein Gottesdienst uns zeigen will. Egal, was für furchtbare Dinge wir getan haben- im Glauben an die Liebe Gottes können wir alle zusammenkommen. Keiner wird ausgeschlossen oder vergessen.
Sarah
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Dienstag, 21. Juni 2022
Abraham war ein sehr weiser und frommer Mann. Er hat Gott zu 100 Prozent vertraut. Er hatte eine ganz besondere Beziehung zu Gott. Und aus seinen Söhnen sind ganze Völker und Religionen gewachsen. Denn nach dem Koran ist Abraham der Urgroßvater von Mohammed. Und Juden und Christen erzählen sich, dass Abraham der Großvater von Jakob ist, den Vater der 12 Stämme Israels.
Christen, Juden und Muslime berufen sich alle auf Abraham und verehren ihn, weil er so ein tiefes Gottvertrauen hatte. Im Islam hat Abraham sogar den Beinamen Halil Allah- „Freund Gottes“.
Ich finde das bemerkenswert. Abraham hat vor so langer Zeit gelebt, da gab es noch kein Judentum, Christentum und Islam so wie heute. Abraham kannte den Koran noch nicht und auch die jüdischen Gesetze sind erst nach Abraham entstanden. Er konnte sich also noch gar nicht an irgendwelche bestimmten Gebote halten. Und trotzdem ist er für alle diese Religionen so wichtig, weil für Abraham nur sein Glaube an den einen Gott gezählt hat. Und ich finde, das können wir uns von ihm abschauen. Denn auch wenn Juden, Muslime und Christen ihren Glauben unterschiedlich leben, glauben sie doch alle an den Gott, an den schon Abraham geglaubt hat.
Sarah
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Donnerstag, 26. Mai 2022
Heute ist Christi Himmelfahrt. In der Bibel heißt es, dass Jesus nach seiner Auferstehung an Ostern noch genau 40 Tage lang mit seinen Freunden unterwegs war. Und an seinem letzten Tag hat er sie gesegnet - und wurde dann in den Himmel hinaufgehoben. Danach wurde Jesus auf der Erde von niemanden mehr gesehen.
Eigentlich ist es merkwürdig, dass wir genau diesen Tag heute feiern – den Tag seines Verschwindens. Aber schon seine Freunde und engsten Vertrauten waren über diesen Abschied nicht traurig. Stattdessen sind sie „mit großer Freude“ danach wieder heimgekehrt.
Ich glaube, die Jünger haben etwas Wichtiges erkannt. Christi Himmelfahrt bedeutet zwar, dass wir Jesus nicht mehr als Mensch hier auf der Erde haben. Er ist nicht mehr an einem bestimmten Ort, an dem wir ihn suchen können. Jesus ist im Himmel, bei seinem Vater, bei Gott. Und so wie Gott überall auf der Welt für uns da ist, ist auch Jesus Christus für uns hier.
Jesus hat sich von seinen Jüngern verabschiedet, indem er ihnen einen Segen auf den Weg gegeben hat. Für mich liegt in diesem Segen auch das Versprechen, dass er weiter für seine Freunde da ist. Dass er sie nicht allein lässt, auch wenn er für sie unsichtbar bleibt. Und dieser Segen wirkt bis heute, auch für uns.
Sarah
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Mittwoch, 25. Mai 2022
Ich wurde neulich gefragt, ob ich für jemanden beten würde. Mich hat die Situation kurz überfordert, weil ich nicht wusste, ob die Person wollte, dass ich direkt damit anfange.
Ich bete nicht gerne laut, ich brauche da nicht viele Worte. Wenn ich bete, mach ich mir ganz deutlich bewusst, dass Gott in meinem Leben präsent ist. Dass er mich kennt und sieht, wie es mir gerade geht. Ich höre mit allen anderen Dingen auf und konzentriere mich ganz auf Gottes Gegenwart.
Für mich bedeutet beten, die Perspektive zu wechseln. Ich kann meine Aufgaben und Verantwortungen für einen Moment bei Gott ablegen. Und einfach mal wieder durchschnaufen. Ich kann den Fokus von mir selbst lösen und frei sein von dem, was mich ängstigt und überfordert.
Wenn ich für jemand anderen bete, dann versuch ich die andere Person besonders wahrzunehmen. Ich wünsche ihr, dass sie Unterstützung bekommt. Dass sie merkt, dass sie nicht alleingelassen wird, weder von Gott noch von mir.
Mir hilft das besonders, wenn ich Menschen begegne, denen es gerade echt schlecht geht. Wenn ich dann bete, fühle ich mich gestärkt, weil ich weiß, dass Gott bei uns ist.
Sarah
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Montag, 23. Mai 2022
Ich hab mir zurzeit echt viel vorgenommen. An der Uni ist es super stressig, und auch meine Freizeit fühlt sich mehr wie ein Pflichtprogramm an, als chilliges Relaxen. Ich hab voll gemerkt, dass mir das nicht guttut. Deswegen hab ich beschlossen, einen Kurs an der Uni weniger zumachen und auf das nächste Semester zu verschieben.
Mir ist diese Entscheidung nicht leichtgefallen, weil es sich auch ein bisschen wie Scheitern angefühlt hat. Aber mit der Reaktion von dem Seminarleiter hab ich echt nicht gerechnet: Er hat mir überhaupt keinen Vorwurf gemacht, sondern meine Entscheidung sogar unterstützt. Er meinte, es sei super wichtig, seine eigenen Grenzen zu kennen und auf sich zu hören.
Das hat mir richtig geholfen. Der Seminarleiter hat mir gezeigt, dass es keine Schwäche ist, sich einzugestehen, dass einem was zu viel wird. Man kann nicht mehr als 100 Prozent arbeiten und es ist auch wichtig, für sich selbst zu sorgen. Denn nur wenn es mir selbst auch gut geht, kann ich auf andere Menschen achten, gemeinsame Aktionen mit ihnen genießen und das Leben wertschätzen.
Sarah
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Sonntag, 17. April 2022
„Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ So grüßen sich viele Christen und Christinnen heute am Ostersonntag Morgen.
Jesus Christus lebt - das Grab ist leer. Darin liegt die Hoffnung aller Christen: Am Ende steht nicht der Tod, die Gewalt und die Kriege dieser Welt. Nein – am Ende siegt das Leben, die Hoffnung und der Friede bei Gott.
Selten finde ich, hat die Welt so finster gewirkt wie dieses Jahr mit dem Krieg in der Ukraine. Mich hat das zutiefst erschreckt. Dieser Schmerz, den so viele Menschen erleiden müssen. Das macht mich richtig traurig. Umso wichtiger ist gerade jetzt die Osterbotschaft: Schreckliche Nachrichten und auch unsere eigenen Schwierigkeiten im Leben bleiben uns zwar nicht erspart. Aber sie haben nicht das letzte Wort. Denn das Gute in der Welt ist stärker. Gott ist stärker.
Auch Jesus musste am Kreuz fruchtbar leiden bis er schließlich gestorben ist. Daran haben wir vor drei Tagen an Karfreitag gedacht. Aber Christus ist auferstanden. Wegen ihm hat das Leben gesiegt und darum feiern wir heute.
In den meisten Gemeinden gibt es dabei einen Gottesdienst auf dem Friedhof. Die Leute begrüßen sich: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.“ Weil Christen auf das Leben hoffen, ein Leben bei Gott.
Sarah
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Freitag, 15. April 2022
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das hat Jesus gesagt, kurz bevor er gestorben ist. Wie er gekreuzigt und hingerichtet wurde, daran erinnern wir uns heute an Karfreitag.
In seiner Verzweiflung und seinem Schmerz ruft Jesus Gott um Hilfe. Aber in diesem Moment am Kreuz hilft es nicht. Jesus stirbt. Die Jünger können es nicht fassen! Wie kann das sein? Wie kann Gott es zulassen, dass sein eigener Sohn stirbt? Das macht doch keinen Sinn!
Noch immer passieren viele Dinge auf der Welt, die für uns keinen Sinn ergeben. Gewalttaten oder Krankheiten zum Beispiel. Wo ist Gott, wenn Kinder sterben müssen? Ich kann das nicht verstehen.
Auch die Jünger können Jesu Tod erstmal nicht verstehen. Dieser macht nämlich erst im Rückblick einen Sinn: Jesus muss zuerst sterben, bevor er am dritten Tag wieder aufersteht.
Denn auch hinter der Gräueltat vom Kreuz steht für Gott ein Plan: Mit Jesu Auferstehung überwindet Gott den Tod. Er schenkt damit allen Menschen eine neue Hoffnung.
Auch wenn ich mich in manchen Momenten von Gott verlassen fühle und das Leid dieser Welt nicht verstehe, glaube ich trotzdem daran, dass Gott auch für mich und alle Menschen einen Plan hat.
Sarah
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Mittwoch, 13. April 2022
Joseph ist der Lieblingssohn von seinem Vater. Er bekommt wertvolle Geschenke, während seine Brüder leer ausgehen. Das finden die natürlich gar nicht toll. Sie sind so eifersüchtig, dass sie Josef in einen Brunnen schmeißen und später sogar an Sklavenhändler verkaufen. Diese Geschichte steht in der Bibel.
Das ist total schrecklich, was die Brüder da machen. Aber ich muss gestehen, so ein bisschen kann ich das schon auch nachvollziehen. Josef freut sich immer über die besondere Aufmerksamkeit von seinem Vater und reibt das seinen Brüdern auch mal unter die Nase. Das ist einfach unfair!
Ich glaube, Zank unter Geschwistern ist voll normal. Ich hab auch einen großen Bruder und zumindest als Kind war ich auch mal eifersüchtig auf ihn und dann haben wir uns gestritten.
Aber das besondere an der Josefsgeschichte ist, dass Josef und seine Brüder sich versöhnen. Als sie sich nach vielen Jahren wiedersehen, tut es den Brüdern furchtbarleid, was sie Josef angetan haben. Und auch Josef hat sich verändert. Er kann ihnen verzeihen.
Ich finde das voll beeindruckend. Ich weiß nicht, ob ich nach so einer Geschichte meinem Bruder verzeihen könnte. Aber ich versuche mir Josef und seine Brüder als Vorbild zunehmen, wenn es mir schwerfällt, anderen nach einem Streit zu vergeben.
Sarah
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Montag, 11. April 2022
„Wir müssen die junge Generation zum Frieden erziehen!“ Das hat eine Rednerin beim Friedensgebet für die Ukraine neulich gesagt.
Zum Frieden erziehen- Ich finde diesen Ausdruck so schön, weil da auch drinsteckt, dass Hass und Abneigung, die wir gegen andere haben, genauso anerzogen sein können. Aber daran kann ich was ändern, wenn ich etwa den Frieden selbst lebe. Indem ich andere Menschen akzeptiere; auch, wenn sie anders sind als ich selbst: homo, hetero, arm oder reich, geflüchtet oder alteingesessen.
In der Bibel heißt es: „Bei uns gibt es nicht Einheimische und Ausländer, Arme und Reiche, Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“
Christus hat es uns vorgemacht: Er erzieht uns bereits zum Frieden, denn er nimmt jeden an. Ihm ist egal, welchen Sozialstand, welche Nationalität ein Mensch hat. Zu ihm können alle kommen.
Und auch wenn es mir oft schwerfällt, andere nicht mit mir und meinen Vorstellungen zu vergleichen und zu beurteilen, habe ich mir vorgenommen, mir das jetzt öfter zu sagen: Meine Bedenken und negativen Gedanken über andere sind vielleicht nur Vorurteile oder das Produkt einer falschen Erziehung. Aber ich muss da nicht mitmachen. Ich entscheide mich für eine Erziehung zum Frieden.