Tobi
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Sonntag, 03. Oktober 2021
Wisst ihr, was ein Dreischalenbrunnen ist? Das ist ein Brunnen mit drei Schalen, bei dem nur, wenn die erste Schale voll ist, das Wasser in die zweite Schale darunter fließen kann. Diese Schale füllt sich dann auch und das Wasser fließt in die dritte Schale.
Mich erinnert dieser Brunnen an etwas, das mir neulich aufgefallen ist: Ich kann anderen Menschen nur helfen, wenn es mir selber gut geht, wenn meine eigene Schale voll ist. Damit mein ich jetzt nicht Geld oder so. Sondern eher Freude, Zuneigung oder Liebe. Wenn ich das selber spüre, dann kann ich auch was weitergeben. Und im besten Fall fülle ich damit die Schale von jemand anderem, der dann auch wieder was weitergeben kann.
Dieses Prinzip ist auch in der Bibel fest verankert. Da heißt es: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das bedeutet, wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch anderen Menschen mit Liebe zu begegnen. Nächstenliebe ist keine Selbstaufgabe. Mich selbst zu lieben, fällt mir manchmal allerdings gar nicht so leicht. Oft sehe ich an mir eher die schlechten Dinge. Und dann schwappt plötzlich ein bisschen Liebe aus einer anderen Schale zu mir rüber. Das hilft. Meine Schale füllt sich wieder. Ich kann mich wieder selbst lieben. Und davon profitieren dann auch wieder andere.
Tobi
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Donnerstag, 30. September 2021
Wenn ich alt bin, will ich mal Verbrecher werden. So einen Satz habe ich noch nie von einem Kind gehört. Ich denke auch nicht, dass irgendein Mensch im Gefängnis sitzt, weil er das Ziel hatte, geradewegs dort hinein zu kommen.
Es gibt Menschen, die begehen schwere Fehltritte in ihrem Leben. Oft hängt das aber mit der Lebensgeschichte zusammen. Eine schwierige Kindheit oder Schicksalsschläge zum Beispiel. In einem Verbrechenspodcast habe ich schon mehrere solcher Geschichten kennengelernt. Ich möchte damit nicht die schlimmen Taten von Menschen beschönigen. Diese Taten bleiben schrecklich und schlimm. Aber diese Geschichten zeigen mir immer wieder: Ich bin beschenkt. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich eine schöne Kindheit hatte. Ich habe es mir nicht rausgesucht, in meine Familie hineingeboren zu werden.
Was ich dadurch gelernt habe, ist, dass ich kein Recht habe, auf andere hinunterzublicken, die weniger Glück hatten. Stattdessen bin ich dankbar dafür, dass ich beschenkt wurde.
Tobi
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Dienstag, 28. September 2021
Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, hole ich mir manchmal noch was beim Bäcker. Vor dem Bäcker sitzt häufig ein Obdachloser, dem ich dann manchmal mein Rückgeld gebe. Vor Kurzem hab ich das wieder gemacht. Der Obdachlose hat das Geld genommen, sich aber nicht bedankt.
Ich bin ein bisschen unzufrieden weggegangen und hab mir gedacht: Dem gibst du nichts mehr, wenn der so undankbar ist. Als ich dann aber in der Bahn saß, hab ich noch mal über die Situation nachgedacht. Irgendwie hat es mich noch beschäftigt. Ich hab mich gefragt: Ist er wirklich undankbar? Bin nicht eher ich der Undankbare. Mir geht es so gut, dass ich mir einfach beim Bäcker das raussuchen kann, was ich will. Ich habe so viel Geld, dass ich mein Rückgeld nicht sparen muss. Anstatt dafür dankbar zu sein, habe ich auch noch über einen Menschen geurteilt, den ich gar nicht kenne und der offensichtlich viel weniger hat als ich. Ganz schön undankbar.
Denn ich denke, ich sollte wirklich glücklich und dankbar sein, so viel zu haben. Ich kann etwas abgeben! Das ist doch was Tolles.
Tobi
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Sonntag, 05. September 2021
Ich war vor Kurzem mit einem Kumpel mit dem Fahrrad unterwegs. Wir sind zu einem Aussichtspunkt gefahren, haben uns dort hingesetzt und ein Bier getrunken.
Als wir da so saßen, haben wir einen Vogel gesehen, wie er im Wind „gespielt“ hat. Der Vogel hat sich immer mal wieder ein bisschen fallen gelassen und hat sich dann wieder vom Wind tragen lassen. Ich hab mich gefragt: Warum macht der das? Er hat nicht an einem Nest gebaut und auf Futtersuche war er scheinbar auch nicht. Also: Warum macht der das? Das ergibt doch gar keinen Sinn. Gleichzeitig hab ich mir dann aber gedacht: Es muss doch auch nicht alles einen Sinn haben. Ich mache mir da manchmal selber Stress und denke, dass jede Minute des Tages sinnvoll gestaltet sein sollte. Bei der Definition von dem, was sinnvoll ist, lande ich dann schnell bei Tätigkeiten, mit denen ich Geld verdiene. Zum Beispiel arbeiten gehen, um mal ein Haus zu bauen, so wie ich von dem Vogel erwarte, dass er ein Nest baut. Ich merke aber auch, dass dieses Denken auf Dauer nicht gesund für mich ist. Und ich finde, ich kann von diesem Vogel eine Menge lernen. Und zwar, dass es okay ist, auch nichts Sinnvolles zu machen. Sondern einfach nur da zu sein, in der Sonne zu sitzen und mich am Wind zu freuen.
Tobi
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Donnerstag, 02. September 2021
Die Sommerpause ist vorbei und die Bundesliga hat wieder begonnen. Endlich wieder Fußball. Ich hab richtig bock drauf.
Ich bin in Stuttgart geboren, mein Vater ist VfB-Fan, da war klar: ich bin auch VfB-Fan.
Klar war dadurch auch, welche Vereine man nicht so toll findet. Den FC Bayern zum Beispiel. Ich bin auch richtig gerne im Stadion. Was ich aber noch nie leiden konnte, ist, wenn während des Spiels die andere Mannschaft und deren Fans beleidigt werden. Nur weil die woanders herkommen, muss man die doch nicht beschimpfen. Außerdem finde ich, dass es doch viel sinnvoller ist die eigene Mannschaft anzufeuern, anstatt die anderen auszupfeifen.
In der Bibel gibt’s ne Stelle, da wird beschrieben, dass mein Geburtsort eigentlich überhaupt nicht wichtig ist. Wichtig ist nur, dass wir alle Teil von Gottes großer Familie sind. Daran glaube ich. Egal ob ich aus Bayern, Stuttgart oder irgendwo anders herkomme.
Deshalb finde ich es wichtig, dass man fair bleibt. Auf dem Fußballplatz und auch auf der Tribüne.
Tobi
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Mittwoch, 01. September 2021
Heute ist Antikriegstag. Oder positiv ausgedrückt: Weltfriedenstag. Ein Gedenktag für Kriegsopfer und Erinnerung daran, dass es in vielen Ländern auch heute noch Krieg gibt.
Leider ist der Krieg fast so alt wie die Menschheit selbst. Auch in der Bibel wird schon gleich am Anfang, wo es um die Geschichte der Menschheit geht, von Gewalt berichtet: Kain tötet sogar seinen eigenen Bruder Abel. Ich frag mich da: Sind wir Menschen denn völlig bescheuert? Ist Hass und Gewalt so tief in uns drin? Können wir das überhaupt loswerden? Denn eins zieht sich durch die Geschichte: Es gab immer irgendwo Krieg.
Ein Mann hat mir mal erzählt, dass wir Menschen nur dann einen anderen umbringen können, wenn wir in ihm keinen Menschen mehr sehen. [Ein Bomberpilot zum Beispiel, der eine Bombe abwirft, sieht keine Menschen. Er sieht nur Punkte. Er sieht nicht die Familien, die trauern, weil sie ihr Kind verloren haben.] Ich weiß nicht, ob das stimmt. Aber ich glaube, es ist ein guter Ansatzpunkt: Immer und überall den Mensch als Mensch zu sehen und darüber nachzudenken, wie schlimm ein gewaltsamer Tod für ihn, seine Familie und Freunde wäre. Vielleicht kann dann häufiger aus Krieg Frieden werden.
Tobi
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Montag, 30. August 2021
Die Fußball-Europameisterschaft ist schon eine Weile zu Ende. Trotzdem lässt mich ein Bild nicht los: Der englische Fußballer Bukayo Saka verbirgt seine Tränen hinter seinen Händen. Er hat den entscheidenden Elfmeter im Finale verschossen. Italien wurde Europameister und England nur Zweiter.
Obwohl ich für Italien war, hat es mich berührt, diesen Mann so weinen zu sehen. Der Moment muss sehr bitter für Saka gewesen sein. Trotzdem glaube ich, dass Weinen auch etwas Gutes ist. Es kann befreiend sein, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. In der Bibel gibt es eine Stelle, in der berichtet wird, dass auch Jesus geweint hat. Ein sehr guter Freund von ihm ist gestorben und als er an das Grab kommt, muss er weinen. Mir tut es gut zu wissen, dass auch Jesus weint. Jesus ist Gott und Mensch gleichzeitig. Wenn Jesus weint, weint Gott. Mich tröstet das. Weil es mir zeigt, dass Gott uns nicht alleine Weinen lässt.
Alleine war auch Saka nicht, nachdem er den Elfmeter verschossen hat. Seine Mitspieler sind zu ihm gekommen und haben ihn in den Arm genommen. Ich denke, das war sehr wichtig. Denn ich glaube, Weinen hilft Trauer zu verarbeiten. Vor allem dann, wenn man dabei nicht alleine ist.
Tobi
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Sonntag, 11. Juli 2021
Kennt ihr Blobbing? Blobbing das ist ein riesengroßes Luftkissen, das auf einem See liegt. Dann setzt man sich ganz vorne auf das Luftkissen drauf und zwei Leute springen hinten auf das Luftkissen. Als ich das erste Mal draufsaß, hatte ich ein bisschen Angst. Ich bin dann aber ganz plötzlich in die Luft katapultiert worden und es hat mega Spaß gemacht. Danach hab ich mir gedacht: So muss sich ein Adlerbaby fühlen. Denn wenn Adlerbabys fliegen lernen, dann werden sie einfach von ihrer Mutter fallengelassen. Die kleinen Adler zappeln dann mit ihren Flügeln und manchmal klappt es und sie fangen an zu fliegen. Es passiert aber auch, dass es nicht klappt. Dann kommt die Adlermutter und fängt sie wieder auf.
In der Bibel gibt’s ne Stelle, die Gott mit so einer Adlermutter vergleicht. Da heißt es, dass Gott so auf mich aufpasst, wie die Adlermutter auf ihre Kinder. Ich finde das schön. Zu wissen, dass Gott immer für mich da ist und ich gleichzeitig Dinge allein machen kann und soll. Und das macht mir Mut, auch Neues zu wagen. Zum Beispiel das Blobbing, weil ich mich darauf verlasse, dass Gott mich auffängt.
Tobi
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Freitag, 09. Juli 2021
Es gibt so Typen, die können einfach alles. Für mich ist Fynn Kliemann so Einer. Fynn Kliemann hat angefangen mit kleinen Handwerkervideos auf Youtube. Mittlerweile macht er fast alles: Er ist Musiker, Autor und Unternehmer und irgendwie haut bei ihm alles hin. Zumindest wirkt das so auf mich.
Mich ermutigen solche Typen wie Fynn Kliemann selber Dinge zu starten. Gleichzeitig kann der Vergleich auch einschüchternd sein. Er baut halt einfach mal ein Hausboot. Und ich?
Ich wollte vor Kurzem eine Lampe montieren und war damit schon ganz schön überfordert. Ich hab mir dann aber helfen lassen und jetzt hängen in meiner Wohnung zwei richtig schöne Lampen. Und auch Fynn Kliemann macht seine Projekte nicht alleine. Er hat viele Menschen, die ihm helfen und ihn bei seinen Ideen unterstützen. Ich merke daran: Man kann das alles nicht alleine schaffen. Und sich helfen lassen ist ja auch nichts Schlimmes. Ich finde sogar, es ist etwas Wunderbares. Weil ich glaube: Menschen sind unterschiedlich, aber jeder kann was, was anderen weiterhilft. Da ist es voll okay, wenn mir nicht alles gelingt. Und ich finde es entlastend, wenn ich nicht alles selber machen muss.
Tobi
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Dienstag, 06. Juli 2021
Was macht das Huhn in der Kirche? Das hat sich meine Mutter neulich gefragt. Sie arbeitet als Mesnerin. Da hat Sie ganz unterschiedliche Aufgaben: Sie bereitet die Kirche für die Gottesdienste vor, sorgt für Blumenschmuck und dafür, dass die Kirche sauber ist. An einem Tag hat Sie die Kirche geputzt und plötzlich ist ein Huhn in die Kirche gelaufen.
Das Huhn gehört dem Pfarrer, der nebenan im Pfarrhaus wohnt. Es ist dort aus dem Garten entwischt und in die Kirche gegangen. Ich finde das richtig witzig, dass das Huhn des Pfarrers in die Kirche geht. Und ich kann das Huhn verstehen. So eine Kirche ist ja auch ein besonderes Bauwerk. Auch ohne dass ein Gottesdienst stattfindet, liebe ich es, in Kirchen zu sein. Gerade wenn ich im Urlaub bin, gehe ich gerne in Kirchen. Ich setze mich dann einfach hin und genieße die Stille und die Atmosphäre. Vor allem in Städten, wo alles etwas hektischer ist, erlebe ich Kirchen als schöne Abwechslung. Da kann ich mal richtig durchatmen.
Vielleicht ging es dem Huhn ja ähnlich und es hat einfach mal ein bisschen Abwechslung gebraucht.