Hans-Christian
Anhören
Freitag, 01. Juli 2022
Ich bin mit nem Kumpel einen Halbmarathon in unter zwei Stunden gelaufen. Das hat mich richtig überrascht. Ich bin an dem Tag einfach gut drauf gewesen. Mega gepusht von der Stimmung und es hat sicherlich auch an meinem Kumpel gelegen, der mich nach vorne gebracht hat. Er hat sich mit mir angemeldet, nur um dabei zu sein. Er hätte viel weiter vorne mitlaufen können und hat sich aber dafür entschieden, mit mir am Start zu sein. Das finde ich richtig klasse. Nicht nur einen Kumpel zu haben, sondern auch einen Pacemaker, der mich motiviert. So nennt man jemanden im Laufsport, der antreibt, ein Tempomacher eben.
Aber nicht nur beim Halbmarathon sondern auch sonst gibt es Pacemaker in meinem Leben:
Da sind es nicht nur meine Freunde und meine Familie, die mich motivieren, sondern eben auch mein Glaube. Im Leben brauche ich sowas wie einen Pacemaker, der mich voran bringt: Einer der sich meinem Tempo anpasst, mit dabei ist wenn es läuft und ich gerade gefühlt alle überholen könnte.
Aber auch dann, wenn ich Wasser brauche oder einfach etwas Ruhe. Und für mich ist Gott so ein Pacemaker.
Hans-Christian
Anhören
Dienstag, 28. Juni 2022
Ich finde Maria aus der Bibel ist echt stark. Sie ist die Mutter von Jesus und hat es nicht leicht gehabt. Jung, plötzlich schwanger und das Ganze auch noch ohne Mann. Gesellschaftlich ein Unding! Umso stärker find ich es, wie sie mit Gott und der Situation umgeht – sich für Gott entscheidet.
Sie ist eine junge, starke Frau – die ihre Meinung sagt und vertritt. Sie sagt, dass Gott für die Schwachen da ist und die Mächtigen vom Thron stürzten wird – dass die Welt besser wird und es Hoffnung gibt. Das feier ich. Und ich finde das sollte auch in den Darstellungen von ihr sichtbarer sein, wie bei den Bildern von der amerikanischen Künstlerin Gracie Saints.
Sie zeigt Maria als Frau auf der Flucht, als eine Frau der People of color oder Maria mit Tatoos. Sie sieht aus wie eine gestandene, selbstbewusste Frau aus dem 21. Jahrhundert. Das gefällt mir.
Eigentlich kenne ich nur Darstellungen, in denen sie als liebe, brave Frau dargestellt wird. Eine junge Frau, die ja und Amen sagt. Irgendwie langweilig, dröge und angepasst. Deshalb konnte ich lang auch nichts mit Maria anfangen.
Mit so einem Bild von Gracie Saints kann ich mehr anfangen. Ich finde, es braucht mehr solche Bilder von Maria. Denn Maria ist eine starke Frau.
Hans-Christian
Anhören
Samstag, 18. Juni 2022
Ein blauer Luftballon ist schon gestartet und fast nicht mehr zu sehen. Ich bin auf einem Schulhof mit vielen anderen Menschen und wir feiern draußen einen Gottesdienst. Jeder und jede hat einen Ballon an einer Schnur in der Hand und wir lassen sie gleich gemeinsam steigen. Die verschiedenen Ballons sind grün, lila, gelb, blau, rot und orange. Verschieden eben, so wie jeder Mensch auch. Die unterschiedlichen Ballons sollen zeigen, dass wir alle ganz Unterschiedliches wünschen und hoffen.
Wenn ich meinen Ballon gleich mit den anderen in den Himmel steigen lasse, ist das für mich wie ein Gebet. Und das Schöne: Gemeinsam können wir sehen, wie die Traube der vielen bunten Luftballons aufsteigt. Es fühlt sich an, als verbindet es uns. Ich bin nicht allein mit meinem Gebet, sondern mit vielen anderen zusammen. Es wird für mich zum Gebet: Weil ich eben nicht nur den Luftballon loslasse, sondern damit auch meine Gedanken und Gebete.
Der Ballon wird so für mich zu einem Symbol für mein und die anderen Gebete der Leute hier um mich herum. Ich muss nichts sagen, nur meinen Ballon loslassen und er steigt mit den anderen Ballons und den Gebeten auf.
Hans-Christian
Anhören
Donnerstag, 16. Juni 2022
Um meinen Glauben zu beschreiben hilft mir ein Bild richtig gut. Es ist ein Bild von zwei Leuten, die nebeneinander stehen. Beide schauen nach vorne und einer hat den Arm auf die Schulter des anderen gelegt. Vom Motiv her, fast wie ein Selfie vom letzten Partyabend.
Aber es ist kein Foto, sondern eine Ikone. Also ein gemaltes Bild mit kräftigen Farben auf einem dunklen Stück Holz. Es hängt bei mir im Wohnzimmer über meinem Fernseher.
Ich sehe darin Jesus und mich. Und deshalb bringt's für mich auf den Punkt, was ich glaube: Jesus ist für mich da. Wie ein Freund eben. Wir schauen nach vorn. Wir haben die Zukunft und die Themen und Fragen im Blick, die mich beschäftigen. Jesus ist in meinem Alltag an meiner Seite und versteht mich. Er stützt mich und ich kann mich immer an ihn wenden. Das beschreibt meinen Glauben ziemlich gut.
Hans-Christian
Anhören
Dienstag, 14. Juni 2022
Wenn ich im Urlaub richtig viel Zeit habe, dann schreibe ich gerne eine Postkarte. Nicht um zu Flexen, an welchen Orten ich gerade chille, sondern um mich mitzuteilen. Klar, das geht auch über diverse Statusmeldungen oder Snaps – aber eine Postkarte ist dann doch nochmal was anderes, finde ich.
Weil ich mir da ja wirklich Zeit nehme: Ich suche eine Postkarte aus, suche die Adresse raus. Dann schreibe ich einen kurzen Text, in dem ich alles Wichtige, was ich schreiben will unterbringe. Dann noch frankieren und ab in den nächsten Briefkasten.
Ich schicke ein nettes Bild und ein paar Zeilen von mir. Damit zeige ich, dass mir die Person wichtig ist und sage damit: Mir geht es gut und ich denke an dich.
Ich mache das, weil mir meine Freunde nicht nur wichtig sind, wenn ich Probleme habe, sondern auch in guten Zeiten.
So ähnlich sehe ich auch meine Beziehung zu Gott. Klar, ist er da. Wenn es mir nicht so gut geht, dann wende ich mich an ihn – bete und hoffe. Aber er ist eben auch am Start, wenn es mir gut geht und ich eine tolle Zeit habe.
Meine Postkarte an Gott sieht anders aus – dafür gehe ich nicht zum Briefkasten. Sondern im Urlaub in eine Kirche oder Kapelle – und dort zünde ich eine Kerze an – bin dankbar. Das ist meine Postkarte an Gott.
Hans-Christian
Anhören
Samstag, 04. Juni 2022
Ich fahre zu Freunden und ich feier den Song "because you move me" von Tinliker und Helsloot. Der treibende Beat geht ab. Ich höre das Lied gern im Auto. Der Text geht so: Because you move me, don't you prove me – weil du mich bewegst, musst du mir nichts beweisen.
Ich denke das ist wie mit guten Freunden. Meine Freunde müssen mir nichts beweisen, weil ich ihnen vertraue. Wir können uns gegenseitig vertrauen. Das zeigt sich nicht durch irgendeinen Beweis oder ne Mutprobe oder so. Das Vertrauen wächst, wenn wir das Leben miteinander teilen. Uns austauschen und gegenseitig helfen und stützen, wenn es mal nicht so läuft. Und sie brauchen auch deshalb nichts beweisen, weil ihr Dasein mich einfach bewegt.
Bei meinen Freunden einen Platz zu haben macht mich dankbar. Solche Gedanken schießen mir durch den Kopf, wenn ich im Auto sitze und beim Lied mitsinge. Ich fühle mich mit meinen Freunden verbunden und bin ganz in diesem Moment. Ich fühle es und freue mich auf den Abend mit meinen Freunden, denen ich vertrauen kann.
Hans-Christian
Anhören
Donnerstag, 02. Juni 2022
Ich glaube dort wo Menschen zusammen sind und etwas Gutes entsteht, kann ich ahnen, was der Heilige Geist ist.
Für mich ist er jetzt aber kein Gespenst oder irgendeine andere gruselige Figur oder so. Ich glaube eher, dass der Heilige Geist wie eine göttliche Kraft ist, die hier in der Welt die Dinge leben lässt. In der Bibel gibt es verschiedene Bilder, die den Heiligen Geist beschreiben. Er wird mal als Taube, dann als Feuer oder eben als leichter Wind beschrieben.
Für mich ist klar, dass ich ihn nicht sehen kann und er trotzdem da ist. Wenn mir etwas besonders gut gelingt beispielsweise, oder ich eine Idee habe anderen Leuten zu helfen. Wenn ich mutig bin und über meinen Schatten springe und ich zusammen mit anderen eine gute Zeit verbringe. Dann sind das für mich Situationen, in denen ich davon überzeugt bin: Hier tut sich was – hier geht eine Perspektive für etwas Größeres auf – hier ist der Heilige Geist unter uns Menschen unterwegs.
Hans-Christian
Anhören
Dienstag, 31. Mai 2022
Mich triggert das Bild vom Hirten und seinen Schafen, wenn es um die Kirche geht. Da sind die Bischöfe die Hirten und die Glaubenden die Schafe. Wozu auch ich zähle.
Und ich find: Ich brauche keinen Aufpasser, der mich und alles was ich tue 24/ 7 überwacht. Ich will auch nicht bevormundet werden in dem was ich glaube und denke, sondern selbst entscheiden in welche Richtung ich gehe.
Klar, die Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die Glauben. Aber ich will da auch mitreden können, diese Gemeinschaft gestalten. Nicht nur ja und amen sagen. Und ich finde in einer Gemeinschaft gehört es auch dazu, dass man sich uneinig ist – Dinge stehen gelassen werden oder das bessere Argument in einem Diskurs zählt. All das fehlt mir bei dem Bild vom Hirten und seinen Schafen.
Ich brauche jemanden, dem ich vertrauen kann. Zu dem ich hinkommen kann, wenn es mir schlecht geht, aber mit dem ich auch die guten Zeiten leben und teilen kann. Mit dem ich das Leben feiern kann. Ich brauche jemanden, der mir hilft, wenn ich nicht weiter weiß und an dem ich mich orientieren kann. Einen Freund, der mich kennt und den ich kenne.
Wenn die Bischöfe so wären, dann wären sie sicherlich gute Hirten. Nur habe ich eher das Gefühl, dass oftmals der tonangebende Stab des Hirten mehr zählt.
Hans-Christian
Anhören
Sonntag, 22. Mai 2022
Über Himmelfahrt bin ich jedes Jahr ein paar Tage mit meinen Freunden unterwegs. Wir wandern ein Stück, sind draußen, grillen und genießen danach das Feuer zusammen. Dabei tauschen wir uns darüber aus, was uns gerade wichtig ist und was uns beschäftigt. Wir sind dann so ein bisschen WG, nur unter freiem Himmel. Und für mich ist es sogar noch mehr. Weil wir wirklich für ein paar Tage einfach alles teilen. Es ist besonders, weil wir uns in letzter Zeit einfach wenig sehen. Deshalb gehen wir auch noch zusammen in einen Gottesdienst, um einfach gemeinsam für die Zeit dankbar zu sein und das Leben zu feiern. Für mich ist das nochmal ein tieferes Gefühl miteinander verbunden zu sein – eben wenn wir zusammen beten und dann gesegnet aus der Kirche gehen. Und weil's an Himmelfahrt in vielen Orten üblich ist, geht’s dann für uns in einen Biergarten mit Blasmusik.
Die Mischung aus einer guten Zeit mit meinen Freunden, dem Segen in der Kirche und dem Fest im Biergarten machen es für mich zu etwas ganz Besonderem. Was wir da miteinander erleben ist mehr als ein Ausflug.
Hans-Christian
Anhören
Freitag, 20. Mai 2022
Ich feier zur Zeit eine Management-Geschichte von nem Fischer. Sie ist schnell erzählt: Der Fischer macht jeden Tag das gleiche. Morgens ist er mit seiner Familie zusammen, geht dann los zum Fischen und irgendwann im Laufe des Tages kommt er wieder. Abends wird der Fisch zubereitet und danach ist er mit seiner Familie am Strand. Er könnte mehr fischen, Geld verdienen und ein Unternehmen gründen, wenn es nach einem Manager geht, den er zufällig trifft. Doch er ist davon überzeugt, wie er lebt und will es auch gar nicht anders, weil er damit zufrieden ist. Mit sich, seiner Familie und der Liebe zum Fischen. Ich hab die Geschichte im Buch „das Cafe am Rande der Welt“ gelesen.
Sie trifft mich, weil ich selbst auf der Suche nach einem Lebensentwurf bin, der mich erfüllt. In dem Arbeit und andere Dinge die mir wichtig sind, einfach stimmig zusammenkommen. Mir ist bewusst, dass das nicht immer gehen wird. Manchmal werde ich zuhause gebraucht und manchmal steht was Wichtiges bei der Arbeit an. Doch die Geschichte vom Fischer inspiriert mich. Sie hilft mir, mein Leben zu hinterfragen. Und ich merke dann, dass meine Arbeit nicht alles ist, sondern mir Familie und Freunde wichtiger sind.