Hans-Christian
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Sonntag, 11. April 2021
Ich bin jetzt seit über acht Jahren mit meiner Frau zusammen. Klar, dass man da irgendwann die rosarote Brille absetzt und sich die Liebe zueinander verändert. Ich liebe sie jetzt irgendwie tiefer, verwachsener und erwachsener als am Anfang. Das will ich ihr im Alltag immer wieder zeigen, deshalb schenke ich ihr ab und zu einen schönen Blumenstrauß. Damit will ich ihr sagen: Ich denke an dich! Du bist mir wichtig!
So ähnlich mache ich das auch mit Gott: Als Kind hab ich mir Gott als einen alten Mann in den Wolken vorgestellt und alles war ziemlich blumig. Doch auch mein Glaube hat sich mit der Zeit verändert. Gott stelle ich mir beispielsweise nicht mehr als alten Mann vor. Für mich ist er wie Luft – ich sehe ihn nicht, aber er ist überall und wichtig für mein Leben. Wenn ich Zeit habe, dann gehe ich in die Kirche und zünde eine Kerze an und stelle sie zu den anderen. Das ist meine Art mit ihm in Kontakt zu bleiben – meine Beziehung zu Gott zu pflegen.
Meine Beziehungen verändern sich und ich kann an ihnen arbeiten, sie vertiefen und mit ihnen wachsen.
Hans-Christian
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Samstag, 10. April 2021
Wenn sich spontan Besuch ankündigt, geht's bei mir richtig ab. Schnell noch aufräumen, alle Sachen auf einen Stapel, irgendwo in eine Ecke und wenn dann noch Zeit ist: Den Boden saugen und wischen. Es soll ordentlich sein, denn mir ist mein Besuch wichtig. Eigentlich mag ich es lieber, wenn ich schon ein paar Tage vorher weiß ob jemand kommt. Denn dann habe ich genug Zeit zum Aufräumen und kann mich auf meinen Besuch freuen, wenn alles fertig ist.
So ähnlich ist es auch mit meinen Gedanken. Im Alltag denke ich einfach so vor mich hin, ohne sie zu ordnen. Doch, wenn ich eine wichtige Entscheidung treffen muss, dann hilft es mir, meine Gedanken zu sortieren. In die einen, die mich selbst hemmen und in die anderen, die mich motivieren.
Auch das kann ich nicht von jetzt auf gleich, oder es stresst mich wie das Aufräumen vor einem Spontanbesuch. Ich brauche bei Entscheidungen Ruhe. Das bedeutet für mich, dass ich raus gehe und einen großen Spaziergang in der Natur mache. Oder, dass ich in eine nahe gelegene Kirche gehe und mich dort in eine Bank setze, um in mir selbst aufzuräumen. Beides sind für mich Orte an denen ich gut nachdenken kann, um meine Entscheidung zu fällen. Natur und Kirche.
Hans-Christian
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Donnerstag, 08. April 2021
Meine Eltern haben eine Spülmaschine. Als ich noch zuhause gelebt habe, ist sie immer wieder Thema gewesen. Wer räumt sie ein, wer räumt sie aus? Immer wieder haben meine Eltern morgens zu mir und meinem Bruder gesagt, dass wir die Maschine bis mittags auszuräumen sollen. Manchmal hatte ich gar kein Bock und meinte: Nee, heute nicht. Letztlich habe ich mir das dann aber anders überlegt und sie ausgeräumt. An anderen Tagen habe ich zugesagt und dann doch verpennt zu helfen. Klar, waren meine Eltern überrascht und haben sich gefreut, wenn sie ausgeräumt gewesen ist – oder waren eben enttäuscht. Das zeigt mir: Es kommt nicht darauf an, was ich sage oder verspreche zu tun, sondern, was ich letztlich mache.
Das gilt für mich, wenn ich mit anderen Leuten zusammenlebe aber auch in meinem Glauben an Gott. Auch da zählt am Ende nicht wie viele fromme Worte ich kenne, ob ich alle Gebete auswendig aufsagen kann oder mich jetzt megamäßig in der Bibel auskenne oder so. Es kommt darauf an, dass ich aus meinem Glauben heraus lebe. In Situationen, wenn jemand aus der Gruppe ausgeschlossen wird oder über andere megamäßig abgelästert wird. Dass ich mich dann für diesen Menschen einsetze. Eben weil ich die Hoffnung habe, dass es einen Gott gibt, dem jeder einzelne Mensch etwas bedeutet. Deshalb habe ich jeden Tag eine neue Chance: – Nicht labern, sondern machen.
Hans-Christian
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Mittwoch, 07. April 2021
Alle paar Monate treffe ich mich mit Freunden und wir kochen zusammen. Aber nicht nur so, sondern ein richtiges Menü mit drei Gängen, entspannter Musik im Hintergrund und gemütlichem Licht. Wie ein Candlelight-Dinner nur ohne Date.
Zur Zeit geht das so nicht, aber wir treffen uns trotzdem. Online. Das bedeutet: jeder kocht das Menü für sich zuhause, macht gemütliches Licht an und auch entspannte Musik. Die darf nicht fehlen. Dann treffen wir uns per Videoanruf gemeinsam zum Essen und unterhalten uns bis spät in die Nacht. In manchen Momenten vergesse ich, dass ich gerade allein im Wohnzimmer sitze. Und es fühlt sich tatsächlich so an, als säßen wir zusammen am Tisch. Das finde ich schön. Ich sehe, dass ich Gemeinschaft brauche und mir meine Freunde wichtig sind. Merke, dass ich alleine auf der Welt nicht wirklich klarkommen könnte. Sondern: Ich bin auf andere angewiesen, brauche Leute um mich herum. Umso schöner sind unsere Abende und das Gefühl: Eben nicht alleine durch diese Zeit zu gehen, sondern mit meinen Freuden – mit gutem Essen bei unseren Kochtreffen.
Hans-Christian
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Montag, 05. April 2021
Was manche Dinge bedeuten, sieht man manchmal erst im Nachhinein. Beispielsweise die Mission vom Marsrover. Der ist vor ein paar Wochen gelandet. Das ist Fakt und darüber haben sich viele Menschen gefreut. Jetzt kann dieser Roboter Fotos schicken, Bodenproben nehmen und den Mars erkunden. Was die Landung für die Wissenschaft bedeutet, wird aber erst später klar.
Das ich die Bedeutung mancher Dinge erst später merke, gilt aber auch für mein Leben. Wie mit meinem Abschluss beispielsweise. Der ist schon ein paar Jahre her und ich hab danach eine Ausbildung angefangen. Was das für mein Leben bedeutet ist mir nicht direkt klar gewesen. Dass ich jetzt selbstständiger bin, unabhängig und frei.
So ist es auch mit Ostern vor rund zweitausend Jahren gewesen. Frauen haben es zuerst gesehen, dass das Grab von Jesus leer ist. Sie haben schnell verstanden, dass Jesus lebt. Die anderen Freunde von Jesus konnten das kaum glauben. Erst mit der Zeit haben sie verstanden, dass das Leben gewinnt und Jesus lebt. Manche können bis heute damit wenig anfangen – Mit Ostern. Damit, dass ich darauf hoffe, nach dem Tod bei Gott leben zu können. Auch mir fällt es schwer – mir das vorzustellen. Aber ich hoffe es. Und ich weiß, dass es völlig normal ist, wenn ich einige Dinge nicht auf Anhieb verstehe.
Hans-Christian
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Sonntag, 28. März 2021
In meiner Playlist läuft der Track "Bist du okay" von Mark Forster schon ein paar Monate rauf und runter. Ich finde den Track klasse, weil er sich langsam aufbaut mit eher nachdenklichen Klavierklängen. Doch dann im Refrain dropt der Beat und geht richtig ab. Das gefällt mir.
Ich finde, den Liedtext, den Mark Forster singt sehr passend. Am Anfang beschreibt er eine Person, die einsam ist und sich selbst klein macht. Man merkt, dass es ihr schlecht geht. Doch es gibt eine andere Person. Sie ist aufmerksam und die anderen sind ihr nicht egal. Denn sie geht auf die andere Person zu und fragt: "Bist du okay?" Sie macht Mut und richtet die Person auf.
Für mich hat das, was da beschrieben wird, mit mir und meinem Glauben zu tun. Denn der ist mir wichtig, und ich versuche danach zu leben. Dabei ist Jesus für mich ein Vorbild. Ihm sind die Menschen nicht egal. Er geht auf sie zu, richtet sie wieder auf, ermutigt sie. Viele Geschichten davon stehen in der Bibel. Ich versuche das auch. Bei den Menschen, denen ich in meinem Alltag begegne. Dass ich aufmerksam für sie bin, vor allem wenn ich sehe, dass es jemandem schlecht geht. Dass ich auf diese Person zu gehe, mir Zeit für sie nehme und ehrlich frage: "Bist du okay?"
Hans-Christian
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Dienstag, 23. März 2021
Auf Facebook hat Wolfgang Metz, ein katholischer Priester, einen richtig guten Post vom Stapel gelassen. Darin geht es um das Thema Sexualität. Er schreibt, dass viele sich dafür schämen, dass sie Sex haben – obwohl sie nicht verheiratet sind, dass sie sich selbst befriedigen oder homosexuell sind. Er hat kein Bock mehr drauf, sich dies in der Beichte von Leuten anhören zu müssen. Wolfgang Metz macht in seinem Post klar: Kein Mensch muss sich für seine Sexualität schämen! Aber er sagt, dass Menschen aufeinander achtgeben sollen, respektvoll miteinander umgehen und sensibel sind, wenn es um die eigene oder fremde Sexualität geht.
So etwas von einem katholischen Priester zu lesen, macht mir Mut, denn ich sehe es ähnlich wie er.
Homosexuellen Menschen wird ihre Sexualität zwar generell von der Kirche nicht abgesprochen, aber wenn sie das ausleben, hat die Kirche offiziell was dagegen. Irgendwie schräg. Denn jeder Mensch ist okay und sollte sich erstmal nicht für seine Sexualität schämen müssen. Und wenn ich auf mich und mein Gegenüber achte und die Grenzen des anderen nicht überschreite, kann ich das auch leben was ich fühle. Deshalb finde ich es umso stärker, dass ich mit dieser Haltung nicht alleine bin.
Hans-Christian
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Freitag, 29. Januar 2021
Im sogenannten "Garten der Gerechten" in Jerusalem werden Hoffnungsgeschichten von Menschen erzählt, die sich im Nationalsozialismus für ihre jüdischen Mitmenschen eingesetzt haben. Indem sie ihnen Pässe ausgestellt haben, sie bei sich zuhause versteckt haben, eben dabei geholfen haben der sinnlosen Vernichtung zu entkommen.
Für diese Menschen wird jeweils ein Baum gepflanzt und mit ihrem Namen versehen. So ist schon eine ganze Allee mit vielen Bäumen entstanden.
Diese Bäume lassen mich hoffen. Ich glaube, es geht darum, dass ich aus der Geschichte lerne. Damit sich so etwas wie der Holocaust nicht noch einmal wiederholt. Deshalb muss ich mir bewusst sein, dass meine Haltung gegenüber anderen Konsequenzen hat, wie ich mit ihnen umgehe und was ich mache. Ich bin Christ und will mich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen. Der entsteht nicht dadurch, dass jetzt alle Menschen Christen sein müssen, meine Sprache sprechen können oder so aussehen wie ich. Sondern der entsteht, meiner Meinung nach dann, wenn ich meinen Mitmenschen mit Respekt begegne - egal wo sie herkommen oder was sie glauben. Dass ich ihnen offen begegne und versuche zu helfen, wenn sie meine Hilfe konkret brauchen. Denn mein Denken und mein Handeln hat immer Konsequenzen – jeden Tag.
Hans-Christian
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Freitag, 25. Dezember 2020
Viele Dinge, die bei uns am Tannenbaum zuhause hängen, haben wir geschenkt bekommen. Deshalb ist es mir wichtig, das jedes Jahr auch wirklich alles in den Baum gehängt wird. Die verschiedenen Kugeln aus Glas, Sterne aus Stroh und die kleine Figuren aus Holz und Zinn.
Eine Kugel aus Glas habe ich von meiner Oma geschenkt bekommen. Sie ist golden und an einer Seite sieht sie so aus als hätte sie jemand eingedrückt. Dieses Eingedrückte ist silbern. Es ist eine alte Kugel und deshalb glänzt sie auch nicht mehr so schön, aber ich finde: Sie muss ganz vorne hängen. Denn sie erinnert mich an meine Oma. Sie ist vor zwei Jahren gestorben und mir immer noch wichtig. Wenn ich die Kugel anschaue, denke ich an meine Oma, ihre gute und ruhige Art und daran, dass sie uns als Familie zusammengehalten hat. Denn gerade an Tagen, an denen wir sonst alle als Familie zusammen gekommen wären, fehlt sie besonders, weil sie so was wie die Mitte der Familie gewesen ist. Deshalb ist mir ihre Kugel auch so wichtig und muss immer ganz vorne hängen. Denn so verbindet unser Baum bei uns im Wohnzimmer irgendwie unsere ganze Familie. Die, die hier jetzt da sind, mit denen, die nicht da sein können – über den Tod hinaus.
Hans-Christian
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Montag, 21. Dezember 2020
Jedes Jahr im Advent treffe ich mich mit einigen Freunden abends bei mir zuhause im Wohnzimmer. Es gibt Glühwein, selbstgebackene Kekse und jedes Jahr einen anderen Eintopf. Es duftet in der ganzen Wohnung nach Advent und ich freue mich jedes Jahr darauf.
Doch dieses Jahr ist unser Wohnzimmer leider zu klein für alle. Corona. Ausfallen soll dieser Abend aber auch nicht. Deshalb schicken meine Frau und ich unseren Freunden vorher eine Box für diesen Abend. Darin ist ein Rezept für den Eintopf, Dinge zum Basteln und eine Anleitung wie es dieses Jahr funktioniert: Nämlich digital!
Ich habe sogar eine Spotifyliste gemacht. So sind wir nicht nur am Abend über Videocall miteinander verbunden, sondern den ganzen Tag. Weil wir uns gemeinsam auf den Abend vorbereiten und alle gleichzeitig die Suppe kochen, den Glühwein aufsetzen und ein Gedicht schreiben. Mir sind unsere Freunde wichtig und dass wir alle zusammenkommen und erleben können, dass wir miteinander verbunden sind. Denn das macht für mich Freundschaft aus: Miteinander verbunden sein. Sonst mit unserem Adventlichen Abend bei uns im Wohnzimmer und dieses Jahr eben mit dem Paket und dem Videocall: Wenn wir dann am Laptop zusammen kommen und das Leben feiern.