Hans-Christian
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Sonntag, 24. Oktober 2021
Ich bin letztens umgezogen, in eine neue Wohnung. Das erste Mal für mich, dass ich nicht mit anderen zusammen wohne. Mich nicht mehr darüber aufrege, wenn die WG-Küche mal wieder aussieht, meine Milch leer ist oder das Klopapier aufgebraucht ist. Jetzt bin ich allein dafür verantwortlich. Jetzt hab ich das sagen und alles ist cool. Aber ich muss eben auch an viele Sachen denken.
Wo ich meinen Müll anmelde oder schaue, dass es in meiner Bude warm ist. Dabei kann ich jetzt darauf achten, dass beispielsweise die Energie für meine Bude nachhaltig ist. Was mir wichtig ist. Denn ich bin davon überzeugt, dass die Welt nicht nur irgendein Planet im Universum ist. Sondern, dass er zur Schöpfung gehört – also nem größeren Plan von Gott. Dass wir als Menschen eben den Auftrag haben damit gut umzugehen.
Das fängt für mich eben schon da an, wo ich die Wärme hernehme oder meinen Strom und wie ich damit umgehe.
Bei meinem Fernseher hab ich beispielsweise n Verteiler mit einem Schalter, den ich ausschalten kann, wenn ich gerade kein Fernsehen schaue. Und meine Lampen sind gemütlich und trotzdem energiesparend. Früher in der WG war alles vom Vermieter vorgegeben – in meiner jetzigen Wohnung ist das zum Glück nicht mehr so, jetzt kann ich selbst entscheiden, wie umweltfreundlich ich mit meiner neuen Bude unterwegs bin.
Hans-Christian
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Samstag, 23. Oktober 2021
Bei Instagram wird mir ne alte Schulfreundin vorgeschlagen. Nach der Schule sind wir in verschiedene Städte gezogen, haben uns nicht mehr getroffen.
Ein Mensch, bei dem ich nie dachte, dass wir mit der Zeit immer weniger zu tun haben, bis wir uns gar nicht mehr melden. Doch genauso ist es gekommen. Das Leben kam dazwischen: Andere Freunde, Partner und ganz verschiedene Städte. Schade eigentlich, also hab ich beschlossen, sie anzuschreiben.
Sie hat dann geantwortet und wir sind ganz gut in Kontakt, haben sogar vor, die Meute von damals wieder zusammenzutrommeln. Und das Freut mich einfach.
Und deshalb stimmt für mich der kitschige Spruch: Freunde sind wie Sterne. Du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da.
Auch wenn so vieles dazwischen kommt, bleibt die Verbindung zueinander bestehen. Zum Glück hab ich mich getraut und ihr einfach geschrieben. Auch wenn ich erst ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich mich eine lange Zeit nicht mehr gemeldet habe. Dabei hab ich immer wieder an unsere Cliquenabende gedacht. An die guten Zeiten.
Und beim Schreiben hab ich gemerkt:. Wir sind immer noch Freunde. Wir sehen uns zwar nicht immer sehen, aber wir sind da und können immer da weitermachen, wo wir aufgehört haben.
Hans-Christian
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Donnerstag, 21. Oktober 2021
Lea und Casper thematisieren in ihrem Song "Schwarz" das Ende einer Beziehung. Lea singt davon, dass sie nur noch schwarz tragen will, bis es was Dunkleres gibt.
Kenn ich. Wenn eine Beziehung brüchig wird und ich es nicht mehr schaffe weiterzukämpfen, dann reißt es mir den Boden unter den Füßen weg. Dann fühlt sich nichts mehr richtig an und am liebsten würde ich in meiner Trauer versinken. Depri-Stimmung, Depri-Musik und alles ist richtig mies. Und dann trage ich auch gern schwarz. Mit der Farbe meiner Klamotten zeige ich nach außen, wie es mir geht.
In diesen Situationen sind mir Freunde und andere Menschen aus meinem Umfeld wichtig, damit ich nicht in dem Strudel versinke und nur noch traurig bin. Dass ich da rauskommen kann, was anderes sehe. Nicht um mich von diesem miesen Gefühl: „alles ist vorbei“ abzulenken, sondern damit ich mit den Gefühlen und der Situation klarkommen kann. Ich wünsche mir dann, dass mich meine Freunde auffangen und aufbauen. Denn sie zeigen mir, dass es immer eine Perspektive gibt und dass das Leben weitergeht. So wird für mich schwarz zu blau und es geht weiter.
Hans-Christian
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Mittwoch, 20. Oktober 2021
Ich finde, Toleranz hat Grenzen. Und ich mein’s jetzt so: Einerseits ist es mir wichtig, dass ich gegenüber anderen Menschen tolerant bin. Also, dass ich für sie offen bin, ihnen zuhöre und wir miteinander diskutieren können. Das hat für mich damit zu tun, dass ich glaube: Jeder Mensch hier auf der Welt ist gewollt.
Aber dann gibt’s da Menschen, die kann ich einfach nicht tolerieren. Und das sind Leute, die beispielsweise nicht davon ausgehen, dass alle Menschen hier auf der Welt gewollt sind. Und dann andere Menschen bewerten, ja sogar abwerten.
Mit solchen Menschen komme ich einfach nicht klar. Und ich merke leider oft, dass dann auch das miteinander drüber reden keinen Sinn macht, weil was anderes eh nicht zählt. Diskutieren ist also sinnlos.
Da hört meine Toleranz einfach auf, wenn Argumente nicht zählen oder nicht berücksichtigt werden und andere Menschen abgewertet werden. Ich muss nicht immer der gleichen Meinung sein, aber mein Gegenüber ist und bleibt mein Mit-Mensch. Deshalb gilt für mich: Tolerant sein ja, aber nicht um jeden Preis.
Hans-Christian
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Montag, 18. Oktober 2021
Seid ihr vor kurzem auch so aufgeschmissen gewesen, als Whatsapp down war? Bei mir und meinen Freunden war es an dem Nachmittag so: Wir wollten uns abends treffen und einen Spieleabend machen. Ich wollte eigentlich nur noch schreiben, dass es auch bei mir passt, doch die Nachricht geht einfach nicht raus. Dann muss das eben so gehen, hab ich mir gedacht und bin dann einfach los.
Und als ich angekommen bin, bin ich baff. Es ist kurz vor sieben und alle sind schon am Start, sogar die, die sonst immer schreiben, dass sie gerade loskommen oder sich ne Viertelstunde verspäten.
Cool, denke ich. Wir können es schaffen, dass alle rechtzeitig da sind und wir direkt in unseren Spieleabend starten können.
Das kommt jetzt vielleicht n bisschen spießig, von wegen: Ja pünktlich sein und so. Aber mir ist die Zeit mit meinen Freunden eben wichtig. Deshalb mag ich es nicht wenn ich erst noch ne halbe Stunde warten muss, bis dann alle da sind. Wenn ich mich verabrede, dann will ich mich auch daran halten und versuche pünktlich da zu sein.
An dem Abend haben das alle gefeiert, dass wir direkt anfangen können. Nächstes Mal haben wir uns direkt für ne Zeit entschieden und wollen alle pünktlich da sein – mal sehen ob es beim nächsten Mal klappt.
Hans-Christian
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Montag, 23. August 2021
Ich kann gerade ziemlich schlecht schlafen. Für mich ist das ein blödes Gefühl. Ich denke nach und mit jedem Gedanken kommen noch mehr dazu. Es fühlt sich an wie ein Strudel, der nie endet, und aus dem ich nicht herauskomme.
Eine Freundin hat mir mal gesagt: "Fang doch einfach an zu beten, wenn du nicht schlafen kannst." Ich habe aber gemerkt: Es ist gar nicht so einfach in solchen Nächten, denn ich schweife immer wieder ab in den Gedankenstrudel rein.
Aber eigentlich hat sie recht. Beten könnte helfen. Nicht wie ein Zauberspruch, dass ich bete und auf einmal keine Sorgen mehr habe, sondern anders: Indem ich Gott meine Sorgen und Gedanken sage, gebe ich sie ab – zumindest für den Rest der Nacht. Ich bin nicht mehr alleine damit. Das könnte mich aus dem Strudel der Gedanken retten. Und ich könnte besser schlafen.
Hans-Christian
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Samstag, 14. August 2021
Ich habe ein kleines Tagebuch angefangen. Den Plan hatte ich schon länger, aber nie umgesetzt, weil ich nicht so richtig wusste, was ich da jetzt reinschreiben soll. Wenn ich wirklich immer alles vom Tag aufschreiben würde, dann dauert mir das zu lange. Deshalb mach ich das jetzt so: Jeden Tag notiere ich mir abends drei Dinge, für die ich heute dankbar bin. Einfach nur drei Begriffe, von Dingen, die ich heute erlebt habe, wen ich getroffen oder was ich so gemacht habe. Das dauert nicht lang und ich muss nicht so viel schreiben. Heute zum Beispiel: Franzbrötchen, Sonnendeck und Lagerfeuer.
Es sind Kleinigkeiten, die mich glücklich machen, aber es ist für mich wichtig sie nicht zu vergessen. Ich glaube und hoffe nämlich, dass sich in diesen Dingen Gott zeigt. Drei Dinge am Abend aufschrieben und dafür dankbar sein. Das ist mein Tagebuch mit Gott.
Hans-Christian
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Dienstag, 27. Juli 2021
Bei mir stehen demnächst meine Abschlussprüfungen an. Ich bin schon ziemlich aufgeregt und etwas unsicher. Natürlich habe ich mich vorbereitet und gelernt. Aber ich weiß nicht was dran kommt, und ob ich mit den Fragen in der Prüfung klar komme.
Wenn ich mir sicher bin, dass Gott mit am Start ist und mich in dieser Situation begleitet, dann hilft mir das. Ich habe mich für die Prüfung segnen lassen. Dafür habe ich mit einem Mitarbeiter von der Kirche gesprochen. Ein gutes Gespräch, in dem ich mich persönlich gut gefühlt habe, und das mich gestärkt hat. Nach dem Gespräch hat er ein Kreuzzeichen gemacht und mich gesegnet. Also hat mir gute Wünsche mitgegeben und gesagt, dass Gott immer mit dabei ist – im ganzen Leben. Das gibt mir Kraft und innere Ruhe. Ich bin gelassener. Natürlich ist dieser Prüfungssegen keine Garantie dafür, dass ich da mit ner eins aus der Prüfung spaziere oder so. Der Segen macht mich sicherer, dass Gott immer mit dabei ist und mich durch mein Leben begleitet. Durch ihn bin ich gesegnet und Gott ist mit dabei.
Hans-Christian
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Freitag, 02. Juli 2021
Mir sind Pausen wichtig. Wenn ich Pause habe, muss ich nichts leisten, kann abschalten und etwas zur Ruhe kommen.
Pause machen ist ein bischen wie bei Gott sein. Ich bin überzeugt: Auch bei ihm kann ich einfach ich sein. Er kennt mich und mag mich mit all meinen Fehlern, einfach so wie ich bin. Egal wie ich mich fühle, er versteht mich und mein Leben. Ich muss bei Gott nichts leisten: Nicht immer lächeln, nett sein und gut gelaunt. Und ich kann zur Ruhe kommen. Denn ich vertraue auf Gott. Ich bin gelassen. Weil ich nicht nur meine Arbeit im Blick habe und all das was ich an mir selbst verbessern könnte. Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen naiv, aber ich habe diese Erfahrungen gemacht. Und trotz allem bin ich manchmal im Streit mit Gott. Verstehe nicht alles was passiert und kann nicht immer alles mit meinem Glauben verbinden. Diese Momente gehören genauso zu meinem Leben, wie die Pause. In der bin ich einfach nur froh, dass ich mich mit Gott so leicht fühlen kann.
Hans-Christian
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Dienstag, 29. Juni 2021
Ich bin in der Kirche aktiv unterwegs. Ich hab zwar vor Ort bei mir in der Gemeinde viele gute Erfahrungen gemacht: Doch manches passt für mich einfach nicht zusammen, und das macht für mich überzeugtes Arbeiten schwer.
Es gibt unzählige Debatten, in denen sich die Kirche als Institution immer wieder selbst ins Abseits schießt. Sei es in der Frage, ob Frauen auch Priesterinnen sein können oder dass die Kirche nicht gleichgeschlechtliche Beziehungen segnen will. In diesen Beispielen kann ich die Meinung der Kirche nicht mittragen. Manche meinen, ich solle einfach evangelisch werden oder was anderes machen. Aber das wäre mir zu einfach.
Ich möchte zumindest an meinem Ort dafür sorgen, dass die katholische Kirche im wahrsten Sinne katholisch ist. Das ist nämlich ein Wort aus der griechischen Sprache und heißt übersetzt: allumfassend. Für mich bedeutet diese Übersetzung, dass die Kirche für alle Menschen da ist. Und dafür setze ich mich gerne ein.