Jenni
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Donnerstag, 26. Juni 2025
„Ich hab' eine Idee!“ – wenn ich mit dem Satz fröhlich angerannt komm', freuen sich meine Freunde schon auf das nächste Event. Manchmal sind die Ideen aber auch ziemlich unrealistisch.
Zum Beispiel hatte ich voll Bock zu wandern. Ich geh‘ auch so öfters wandern, aber eigentlich immer mit nem Wander-Buddy, der die Route plant. Vor allem, weil ich die Strecken nie einschätzen kann.
Und trotzdem hab' ich dann halt selbst meine Traum-Tageswanderung erstellt. Allerdings war der Plan total unrealistisch: 9 Stunden reine Wanderzeit, ohne Pausen, während mir die Busverbindung nur 8 Stunden erlaubt hat. Ich hab' dann sofort den Video-Call mit meinem Freund gestartet und ihm von dieser wunderbaren Idee erzählt. Er hat zwar geschmunzelt, aber auch sofort angefangen meinen Plan realistisch zu machen – und das hat er auch geschafft.
Nach der Wanderung hab´ ich das dann auch 'ner Freundin erzählt, die mir sofort Tipps für: How to survive mit Muskelkater gegeben hat.
Ich bin echt dankbar und find es mega wichtig, dass meine Freunde mir zuhören und mich ernst nehmen. Sie unterstützen mich bei meinen Träumen, aber bringen mich auch wieder zu den Fakten zurück. Es stärkt mich, zu wissen, dass ich mich auf sie verlassen und sie immer um Rat fragen kann. Wir hören aufeinander und suchen gemeinsam nach einer realistischen Lösung.
Jenni
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Mittwoch, 25. Juni 2025
Ich bin gerne und auch ziemlich viel unterwegs, egal ob mit Freunden oder auf Reisen. Und als ich dann von zuhause ausgezogen bin hat mich mal meine Mama ziemlich traurig gefragt: „Was hab´ ich denn eigentlich falsch gemacht, dass du immer von mir wegwillst?“
Mich hat ihre Frage komplett irritiert. Einfach, weil sie in meinen Augen gar nichts falsch gemacht hat – sondern alles richtig. Klar war sie vielleicht mal bisschen zu streng zu mir, aber jetzt nicht so, dass ich von ihr weggehen wollen würde. Im Gegenteil: ich lieb's sie zu besuchen, mit ihr zu reden, etwas gemeinsam zu unternehmen oder einfach nur da zu sein. Aber irgendwie kann ich ihre Frage auch verstehen.
Ich finde, dass sie für mich die perfekte Mama ist und genau deswegen hab´ ich auch den Mut wegzugehen. Ich weiß, dass ich immer zu ihr kommen kann. Sie mich sogar irgendwo in der Pampa suchen und abholen würde. Auf sie kann ich mich komplett verlassen, sie ist sozusagen wie ein Safe-Space – oder vielleicht eher eine Safe-Person - für mich. Mir ist klar, dass das nicht selbstverständlich ist, aber weil ich genau diese Sicherheit hab´, trau´ ich mich, viel unterwegs zu sein. Das hab´ ich ihr dann auch erklärt. Ich glaub’ sie ist immer noch etwas traurig, wenn ich wieder geh. Trotzdem freut sie sich nun, mein sicherer Hafen zu sein.
Jenni
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Dienstag, 24. Juni 2025
Ich bin vom Dorf in ne Großstadt gezogen. Da gibt's ja im Lifestyle und Umgang miteinander einige Unterschiede. Am Anfang ist es mir total schwergefallen, dass in der Stadt alles so anonym ist. Komisch war für mich auch, Menschen nicht zu grüßen.
Letztens war ich abends auf dem Heimweg und war total glücklich über den vergangenen Tag – also hab' ich auch einfach vor mich hin gelächelt. Da kam mir dann ein kleiner Junge entgegen. Als er mich lächeln gesehen hat, hat er mich direkt angestrahlt, ein „Hallo“ zugerufen und sich später mit einem „Gute Nacht“ nochmal umgedreht.
Es war total schön, den Jungen auch lächeln zu sehen und wieder einmal von jemand fremden einfach gegrüßt zu werden. Das hat mich sofort glücklich gemacht. Wenn ich darüber nachdenk', find’ ich’s auch wirklich krass, wie viel ein kleines Lächeln bewirken kann.
Und vielleicht schaffe ich es ja das nächste Mal wieder, wenn ich gut gelaunt durch die Stadt laufe, jemand anderen mit meiner Freude anzustecken.
Jenni
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Montag, 23. Juni 2025
„Mama, wer ist eigentlich der größte Mensch, den du kennst?“ Meine Mutter hat nicht mal nachgedacht und „Du“ gesagt. „Das kann ja aber gar nicht sein“ – hab' ich ihr direkt geantwortet. Ich bin 1,60 m, und für mich ist das gar nicht groß, sondern klein.
Ich hab' zum Beispiel 'nen Kumpel, der 2 Meter groß ist. Meine Mama hat das groß sein aber ganz anders interpretiert: Sie meinte nämlich, dass für sie die Menschen am größten sind, die ihr Hoffnung geben – mit denen sie zusammen lachen und weinen kann.
Ich musste wirklich schmunzeln, schließlich hab' ich die Frage auf die Körpergröße bezogen. Aber ich find’, sie hat wirklich recht.
Ehrlich gesagt war ich auch voll berührt – ihre Aussage war viel mehr als nur ein Kompliment. Es war ’ne richtige Liebeserklärung von Mama zu Kind, die mir gezeigt hat, dass obwohl sie auch gerne Späße über meine Größe macht und ich wohl immer ihre Kleine sein werde, sie meine Entwicklung sieht und mich respektiert.
Falls mich in Zukunft jemand fragt, wer für mich ein großer Mensch ist, wird meine Antwort differenziert sein: von der Größe her eindeutig der 2 Meter große Kumpel, aber von der Bedeutung her die Menschen, mit denen ich weinen, lachen und hoffen kann.
Jenni
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Sonntag, 23. Februar 2025
„Wiedersehen macht Freude.“ Damit haben sich früher meine Oma und mein Opa nach jedem Besuch von meinen Eltern und mir verabschiedet. Als Kind hab´ ich den Satz kaum verstanden. Mittlerweile weiß ich aber, was sie damit gemeint haben.
Es ist nämlich echt schön von anderen besucht zu werden und nicht nur allein sein zu müssen. Schon seit ich ein Kind bin, freu´ ich mich immer extrem, wenn mich jemand besuchen kommt. Ich bin dann total aufgeregt und lieb’s dann was für meine Gäste vorzubereiten. Vor allem freu´ ich mich dann auf andere Gedanken zu kommen und sich einfach über das eigene Leben auszutauschen.
Ich glaub’, meinen Großeltern ging es genauso. Es ist superschön, einfach gemeinsam Zeit zu verbringen. Früher haben wir zum Beispiel mit meiner Oma immer ganz viele Spiele gespielt oder sind spazieren gegangen – im Herbst haben wir Kastanien gesammelt und dann um Punkt 20 Uhr die Nachrichten geschaut.
Ich glaub´ meine Großeltern haben es total genossen, wenn wir zu Besuch waren. Sie haben es geliebt, dass wortwörtlich Leben in ihre vier Wände reinkommt und sie nicht immer nur allein sind. Ich habe nur echt nicht gecheckt, warum sie immer zum Abschied „Wiedersehen macht Freude“ gesagt haben. Heute glaube ich, dass sie uns einfach erinnern wollten, sie nicht zu vergessen und wieder vorbeizukommen.
Jenni
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Samstag, 22. Februar 2025
Ich hab durch Insta gescrollt und bin dabei auf die „21 Uhr Theorie“ gestoßen. Dabei sollst du nie darauf vertrauen, wie du dich nach 21 Uhr fühlst. Die Theorie sagt, dass wir uns nachts unsicherer fühlen und verwundbarer sind. Unsere Ängste und Unsicherheiten sind uns dann viel bewusster, wodurch wir uns schlechter fühlen – scheinbar sei unsere Realitätswahrnehmung verzerrt.
Irgendwie stimmt es ja schon: Vor allem, wenn ich nachts mal allein zu Hause bin, ist es für mich oft schlimmer, als wenn ich tagsüber allein bin. Ich bin dann oft auch ängstlicher. Ich glaub’ trotzdem nicht, dass meine Realität deswegen gleich komplett verzerrt ist, beziehungsweise ich nachts nie meinen Gefühlen trauen darf – I mean, ich fühl’ mich ja nachts nicht immer schlecht, sondern auch mal voll gut.
Aber wenn ich nachts mal wieder total unsicher bin, hilft es mir total mich Gott anzuvertrauen. Ich nehm´ mir dann einfach kurz Zeit, meine Gedanken zu sammeln und sie dann in einem Gebet auszudrücken. Zwar bleibt dann trotzdem noch der Rest meines unsicheren Gefühls, aber ich weiß zumindest, dass ich da nicht allein durchmuss. Schon der Gedanke, dass Gott bei mir ist und mich beschützt, hilft mir total, mit dem Gefühlschaos in mir umzugehen und ruhig einschlafen zu können.
Jenni
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Freitag, 21. Februar 2025
Tod und Trauer sind keine Themen, über die man im Small Talk reden kann. Ich habe das Gefühl, dass sie in unserer Gesellschaft fast schon ein Tabu-Thema geworden sind. Aber trotzdem sind sie wichtig. Ich selbst hatte auch immer Angst, diese Themen anzusprechen.
Und plötzlich hat mich mein Leben damit total überrumpelt – mehrere mir nahestehende Verwandte sind innerhalb von 'nem halben Jahr gestorben. Plötzlich wusste ich, wie sehr über den Tod geschwiegen wird – fast alle meine Freunde und Bekannte haben mir nur ihr Beileid ausgesprochen und waren dann schnell weg. Sie wollten für mich da sein, aber jeder hatte Angst, sich mit mir zu treffen. Ich glaub’ viele haben befürchtet, dass ich losheule oder sie nicht wissen, was sie sagen sollen, wenn ich tatsächlich darüber reden will. Dabei gehört der Tod doch eigentlich voll zum Leben dazu.
Der Umgang mit Tod und Trauer ist total individuell. Manche ziehen sich zurück und reden kaum darüber, andere wollen ständig darüber reden und suchen den Kontakt. Und ganz ehrlich – beides ist total okay. Aber damit man einfach losreden kann, braucht man auch jemanden, der einem zuhört und nicht direkt überfordert ist. Damit das möglich ist, darf über den Tod nicht geschwiegen werden – viel hilfreicher wäre ein zumindest gelegentlicher Austausch darüber.
Jenni
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Donnerstag, 20. Februar 2025
„Deine größte Schwäche ist, dass du dir weniger zutraust als du kannst.“ - hat mir mal mein Freund gesagt. Ich wollt sofort protestieren, aber ehrlich gesagt fiel mir nichts dagegen ein. Er hat nämlich gar nicht mal so unrecht.
Ich war zum Beispiel immer davon überzeugt, dass mein Englisch übel schlecht sein muss. Als ich nämlich in Schottland war und die Menschen manchmal nicht verstanden hab´, hab´ ich das auch nie auf deren Akzent geschoben, sondern dachte immer, dass mein Englisch mal wieder nicht gut genug ist. Bis mir plötzlich mehrere Schotten Komplimente für mein Englisch gemacht haben.
Und als ich mich mal mit anderen – also nicht Schotten – auf Englisch unterhalten hab´, fiel es mir sogar mega leicht sie zu verstehen. Da hab´ ich endlich gecheckt, dass der schottische Akzent wirklich 'ne Herausforderung ist und es nicht an meinem Können liegt. Sogar die Schotten wissen, dass ihr Akzent für andere echt hart zu verstehen ist und viele haben extra auch langsamer gesprochen.
Ehrlich gesagt, hab´ ich erst da realisiert, dass mein Englisch gar nicht so schlecht ist, sondern dass ich mich mal wieder schlecht gemacht hab. Mein Freund hatte also recht, ich mach’ mich oft kleiner als ich bin.
In Zukunft möchte ich versuchen, mir selbst etwas mehr Mut zuzusprechen und vor allem meinen Fähigkeiten mehr zu vertrauen - bisher hat es ja auch immer gestimmt, wenn er oder andere Freunde mir etwas zugetraut haben.
Jenni
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Mittwoch, 19. Februar 2025
Oh man, wir sind viel zu früh ausgestiegen und das war der letzte Bus des Abends! Mein Kumpel und ich waren auf ner Reise und wollten zurück zum Hostel gehen. Ich sollte uns dabei navigieren und hab total versagt. Dabei hab ich extra auf dem Handy geschaut, wohin wir müssen, aber die falsche Adresse eingegeben.
Mich hat das mega geärgert. Wir hatten ’nen echt langen Tag und mussten dann noch 40 Minuten extra laufen – und das wegen mir. Dabei hätte uns der Bus direkt vor die Tür gebracht.
Ich hatte Angst, dass er total sauer ist. Aber statt auszurasten hat er einfach nur herzlich gelacht und gesagt „alles unter einer Stunde laufen schaffen wir“ und ist losgegangen. Ich war ziemlich überrascht, aber echt froh, dass er so locker war. Wir haben dann auch versucht das Beste aus der Situation zu machen: haben viel Quatsch gemacht, verschiedene Lieder gesungen und sind noch bei 'nem Pub vorbei.
Obwohl es echt mies war, dass wir dann noch so viel laufen mussten, ist es im Nachhinein eines unserer Highlights der Reise. Und wenn uns jemand nach 'ner Story fragt, erzählen wir als Erstes davon. Ich habe da gemerkt, dass meine Einstellung mega beeinflusst, ob etwas schön oder blöd wird. Dabei muss dann nicht immer alles perfekt laufen, sondern es kommt darauf an, wie ich damit umgeh. Und Humor hilft dabei total.
Jenni
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Dienstag, 18. Februar 2025
Ich war für drei Monate in Schottland. Und mir sind von Anfang an einige Unterschiede im Umgang miteinander aufgefallen. Einerseits sind die Schotten sehr direkt. Also sie hauen zum Beispiel gleich raus, was sie wollen oder was stört. Andererseits sind sie aber auch extrem freundlich zueinander - vor allem auch zu Fremden. Ihnen ist zum Beispiel auch bewusst, dass ihr Akzent brutal schwer zu verstehen ist. Deshalb haben wirklich ALLE mit mir langsamer gesprochen und versucht deutlich zu sein. Und obwohl sie sowohl Lob und Kritik als auch Forderungen und Wünsche sehr direkt äußern, sagen sie bei egal was immer „Danke“.
Ich fand’s zum Beispiel superschön, dass sich alle beim Aussteigen bei den Busfahrenden bedankt haben. Klar ist es deren Job alle von A nach B zu fahren, aber trotzdem ist es nicht selbstverständlich Menschen zu haben, die das auch machen.
In Zukunft will ich auch versuchen Komplimente zu machen, aber auch zu sagen, wenn mich zum Beispiel was stört. Gleichzeitig möchte ich mich aber auch in scheinbar alltäglichen Momenten bei anderen bedanken - denn ich bin mir sicher, dass ein kleines Danke auch unsere Busfahrenden sehr freut.