Jenni
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Sonntag, 03. Mai 2026
Unter der Woche bin ich fürs Studium immer in der Stadt. Am Wochenende fahre ich dann meistens heim. Gefühlt läuft dann jedes Wochenende gleich ab:
Ich bin im Garten oder übe Orgelspielen, gehe sonntags in den Gottesdienst und genieße noch ein Mittagessen bei meiner Mama. Dann geht’s wieder zurück. Manchmal kommt mir das beim Erzählen voll langweilig vor. Meine Freundinnen erzählen nämlich oft von Kurztrips in andere Städte oder einem Wellness-Wochenende.
Letztens haben wir auf einem Geburtstag über unsere Freizeit gesprochen. Ich hab nur abgewunken und mich kleingeredet. Aber meine Freundinnen fanden, wie ich meine Wochenenden verbringe, überhaupt nicht langweilig. Und da hab ich gemerkt: Wie ich meine Wochenenden verbringe, gibt mir ja auch voll viel. Ich genieße die Natur, habe ein schönes Hobby und eine tolle Beziehung zu meiner Mama.
Mir hat dieser Perspektivwechsel von meinen Freundinnen voll geholfen. Und ich freue mich jetzt so richtig auf zu Hause. Manchmal lohnt es sich, die eigenen Struggles auszusprechen. Sie verschwinden dann, kommen mir kleiner vor oder ich bekomme Hilfe.
Jenni
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Samstag, 02. Mai 2026
Ich hab mich mit einer Schulfreundin getroffen und gemerkt, dass wir überhaupt nicht mehr auf einer Welle sind. Unsere Leben haben sich total in gegenseitige Richtungen entwickelt: Sie schaut nach einem festen Job und will Familie, während ich meine nächsten Reisen und Studien plane.
Das Treffen war dann voll komisch. Wir hatten ja kaum noch Gesprächsthemen. Danach war ich ziemlich traurig. So, als hätte ich Liebeskummer um eine Freundschaft.
Wir begegnen uns noch gelegentlich, folgen uns auf Social Media und so. Da denke ich auch immer an früher: Wir waren ein echt gutes Team. Manchmal hoffe ich dann auch, dass wir wieder zueinander finden.
Passend dazu sagte im Gottesdienst mal ein Pfarrer: „Hoffnung heißt nicht zu glauben, dass alles gut wird. Hoffnung heißt zu glauben, dass alles einen Sinn hat.“ Mit der Predigt hat der Pfarrer mein ganzes Bild über Hoffnung hinterfragt. Hoffnung sehe ich jetzt anders.
Ich versuche es nun zu akzeptieren, dass wir andere Wege gehen und mich über die gemeinsamen Erlebnisse zu freuen. Denn Sinn hatte unsere Freundschaft während der Schulzeit auf jeden Fall!
Jenni
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Freitag, 01. Mai 2026
Meine Mama hat mich voll aus meinen Gedanken gerissen. Sie wollte unbedingt wissen, worüber ich grüble. Erstmal haben wir uns angeschwiegen. Aber irgendwann konnte ich die Stille nicht aushalten und hab's ihr gesagt: Mein Papa und ich haben uns immer gut verstanden. Aber trotzdem hat er mir kaum „Ich liebe dich“ oder so gesagt. Das hat mich an dem Tag voll beschäftigt.
Meine Mama hat mich dann nur eins gefragt: „Hast du jemals daran gezweifelt, dass er dich liebt?“ Für mich war direkt klar: „Nein!“ Mein Papa hat es vielleicht nicht ausgesprochen, aber er hat es mir immer gezeigt. Zum Beispiel hat er meine Sachen repariert, mir in Mathe geholfen oder Radtouren gemacht. Das war richtig cool und wir hatten mega viel Spaß.
Meine Mama hat mir dann auch noch gesagt, dass sie weiß, wie lieb er mich hatte. Über Gefühle sprechen ist nur nicht seine Stärke gewesen. Ihre Sicht hat mir da voll geholfen.
Auch wenn ich es schade finde, dass mein Vater und ich es untereinander nur wenig ausgesprochen haben, habe ich jetzt keine Zweifel mehr an seiner Liebe. Alle haben ihre eigene Art, ihre Liebe zu zeigen. Wichtig ist, dass wir sie erkennen. Und manchmal braucht es dafür nicht mal viele Worte. Manchmal reicht auch die Tatsache, dass ich spüre, da ist jemand für mich da.
Jenni
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Donnerstag, 30. April 2026
Ich habe mal gelesen: „Du sollst im Leben immer nur nach vorne schauen.“ Das kann ich schon irgendwie relaten, aber verpasse ich dann nicht auch etwas?
Wenn ich zum Beispiel bei einer Wanderung immer nach vorne schaue, verpasse ich teilweise die schönste Aussicht. Das ist vielleicht ein bisschen zu wörtlich genommen, aber worum es mir geht, ist:
Klar soll ich das Ziel nicht aus den Augen verlieren, aber es motiviert mich auch, mich mal nach hinten umzudrehen. Dann seh ich nämlich, was ich schon alles geschafft hab.
In schweren Zeiten hat eine Freundin immer zu mir gesagt: „Kopf hoch und schau nach vorn“. Aber ich finde, eigentlich lohnt sich doch gerade da ein Blick zurück. Dann seh ich, was ich schon alles geschafft hab, zum Beispiel Prüfungen, wie mein Abi. Oder ich erinnere mich an tolle Reisen mit Freunden.
Wenn ich dann drüber nachdenke, sehe ich auch, dass Gott immer bei mir war. Denn ich hatte meistens ganz liebe Menschen um mich herum. Oder ich hab mich nach einem Gebet von innen gestärkt gefühlt. Dieser Blick nach hinten hilft mir dann auch, weiterhin an Gott zu glauben und meine Zweifel abzulegen.
Jenni
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Mittwoch, 29. April 2026
„Wie kannst du eigentlich immer so zuversichtlich sein?“ - hat mich mal eine Freundin gefragt. „Ich weiß, dass ich nie allein bin“. Hab ich ihr gesagt.
Ich musste an diesen Winter denken, als ich richtig Angst auf der Skipiste hatte. Da war plötzlich alles so glatt, dass ich mich nicht mehr weiter getraut habe. Ich habe total Panik bekommen.
Meine Freunde wollten mir noch helfen, haben es aber nicht geschafft bei mir stehenzubleiben. Fast alle Skifahrer sind an der Stelle hingefallen. Irgendwann ist eine Gruppe zufällig in meiner Nähe stehen geblieben. Mir war's voll peinlich, sie anzusprechen.
Die Leute waren gute Skifahrer, hatten aber trotzdem voll Verständnis für meine Panik. Sie haben nacheinander versucht bei mir zum Stehen zu kommen, um mit mir langsam runterzurutschen. Mich hat das echt gefreut. Und es hat mir wieder gezeigt: Wenn ich ein Problem habe, findet sich meistens eine Person, die mir hilft.
In meiner Angst kam ich nicht mal auf die Idee zu beten. Aber ich glaube trotzdem, dass mir irgendwie auch Gott geholfen hat. Wer weiß, ob nicht am Ende er für diese Begegnung gesorgt hat. Ich glaube nämlich, dass er immer da ist und mir hilft.
Jenni
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Dienstag, 28. April 2026
Ich habe eine C-Prüfung in Kirchenmusik gemacht. Der Umfang ist riesig: So, als hätte ich das ganze Abi an einem Tag gemacht. 14 Fächer wurden geprüft. Ich hatte ständig Zweifel, ob ich das überhaupt schaffe. Was ich aber definitiv wusste, war: wenn die Prüfung rum ist, werde ich mich riesig freuen und feiern.
Der Tag der Prüfung war mega anstrengend. Hier Theorie, da Orgelspiel und am Abend noch einen Chor dirigieren. Am Ende habe ich aber richtig gut bestanden.
Nach der Prüfung hat mein Lehrer noch zu mir gesagt: „Du bist groß geworden“. Dabei meinte er nicht meine körperliche Größe, sondern meine musikalische Entwicklung. Ich blieb dann etwas überfordert stehen.
Meine Freude war diesmal nicht laut, sondern ganz leise. Anders als sonst: Ich musste weinen und hab mich mehr über stille Umarmungen als Partys gefreut. Den Sekt zum Feiern habe ich dann auch nicht mal angeschaut.
Es ist jetzt nicht so, dass ich traurig gewesen wäre, ich habe mich schon gefreut, aber eben nicht mit Luftsprüngen. Ich habe tief in mir Freude gespürt, die mich erfüllt hat.
Echte Freude muss nicht immer ein Jubeln und laut sein, sondern sie kann auch ganz leise und tief in uns passieren und einen trotzdem erfüllen. Das hat für mich fast schon einen spirituellen Moment.
Jenni
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Montag, 27. April 2026
Ich war letztens echt wütend auf Gott. Ich verstehe einfach nicht, warum wir Menschen so viel leiden müssen! In meinem Umfeld gibt's grad viele Todesfälle. Und kaum hab ich einen verarbeitet, fehlt wieder die nächste Person.
Ich bin wütend, weil es sich so anfühlt, als würde Gott mir alle meine Liebsten wegnehmen. Gott könnte das doch ein bisschen schmerzfreier machen, oder?
Ich fühle mich irgendwie schlecht damit, wütend auf Gott zu sein. Sonst ist er ja immer da für mich und ich kann mich an ihn wenden.
Wenn ich in die Bibel schaue, bin ich nicht die Einzige, die wütend auf ihn ist. Auch viele Propheten hatten Momente, in denen sie wütend auf Gott waren. Jona zum Beispiel war so genervt, dass er vor Gott abgehauen ist. Gott wollte von ihm, dass er den Menschen schlechte Nachrichten bringt. Daraufhin hat sich Jona versteckt, aber Gott hat ihn wiedergefunden. Jona hat letztlich doch Gott geholfen und war am Ende wieder fein mit ihm. Und dann gibt es noch die Psalmen. Da gibt es sogar eine ganze Kategorie mit Klagen über Gott.
All diese Geschichten zeigen mir: Gott hält es aus, wenn ich wütend bin. Und safe kann er mich auch nachvollziehen. Gott ist immer bei mir, liebt mich und weiß um meine Gefühle. Er ist für mich wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter.
Jenni
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Sonntag, 02. November 2025
„Ich habe das Leben überwunden, bin befreit von Schmerz. Denkt an mich in stillen Stunden und lasst mich immer bei euch sein“ – das hat meine Oma kurz vor ihrem Tod auf einen alten, zerfetzten Schmier-Zettel geschrieben. Er liegt bis heute unter einem Engel in meinem Zimmer.
Sonntags waren wir oft bei ihr zum Mittagessen – danach wurde meist stundenlang gespielt. Wenn ich heute mit Freunden spiele, denke ich manchmal an sie. Sie hat mir alles beigebracht – mich aber nie einfach so gewinnen lassen. Fair Play, immer.
Mittlerweile ist ihr Tod schon 10 Jahre her und ich denk’ nicht mehr so oft an sie wie früher. Umso schöner find’ ich Tage wie Allerseelen. Der Tag ist extra da, um an die verstorbenen Liebsten zu denken. Der Gedenktag bringt mich dazu, mich bewusst an sie zu erinnern.
Dann gehe ich gemeinsam mit meiner Mutter zum Friedhof, um für all unsere Verstorbenen Kerzen anzuzünden. Ich finde es dann jedes Jahr total faszinierend, wie am Abend ein rotes Licht über dem Friedhof schwebt und ein sanfter Rauchgeruch in der Luft ist - einfach weil so viele Menschen sich zurückerinnern und auch Kerzen anzünden. Für mich ist das mehr als Erinnerung. Es ist, als würden wir zeigen: Die Liebe zu unseren Verstorbenen bleibt. Und vielleicht sind sie sogar näher bei Gott, als wir denken.
Jenni
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Samstag, 01. November 2025
Ich hab meinen Führerschein bekommen und bin auf dem Heimweg an einer Kirche vorbeigefahren. Und dachte: Warum nicht kurz Danke sagen? - fürs Bestehen. Also hab ich spontan für ein kleines Dankgebet angehalten.
Zufällig war auch unser Pfarrer da. Er hat sich mit mir gefreut – und mir als kleines Zeichen einen Christophorus-Anhänger geschenkt.
Christophorus ist einer der 14 Nothelfer und gilt als Beschützer der Reisenden. Der Legende nach war er ein Riese, der jemandem Mächtigen dienen wollte und lange niemand fand. Irgendwann riet ihm jemand, Gott zu dienen. Also nutzte Christophorus seine Kraft, um Menschen über einen gefährlichen Fluss zu tragen.
Eines Tages trug er ein Kind – das erst ganz leicht war. Doch mit jedem Schritt wurde es schwerer. Als würde er die ganze Welt auf den Schultern tragen. Später erkannte er: Das Kind war Jesus.
Dieser kleine Anhänger begleitet mich nun auf allen Reisen. Und bevor ich mit dem Auto losfahre, bete ich kurz zu Christophorus – für eine sichere Fahrt. Und dann fühl’ ich mich wirklich besser. Von all den Heiligen ist er der, der mir am meisten im Alltag begegnet.
Wenn ich an Christophorus denke, dann glaub’ ich nicht, dass mir nichts passiert. Aber ich glaub’: Ich bin nie allein unterwegs.
Jenni
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Freitag, 31. Oktober 2025
In meiner Großfamilie wird viel übereinander geredet: Wer was macht, wem's wie geht und so. Eigentlich voll schön – aber niemand fragt mich direkt. Das frustriert mich manchmal echt
Irgendwann erfahr’ ich dann über meine Mutter, was „über mich geredet wurde“. Und wenn ich dann aber bei Familienfeiern bin, kommt nur Smalltalk – aber nix über mein Leben. Warum eigentlich?
Ich würd gern was sagen – trau mich aber nicht. Dann wird nur noch mehr über mich geredet. Oder alle sind sauer. Also sag’ ich nichts. Und ärger mich still.
Umso mehr Respekt hab ich vor Menschen, die ihre Meinung einfach laut sagen. Zum Beispiel Martin Luther.
Vor über 500 Jahren hat er öffentlich Kritik an der Kirche geübt – obwohl sie damals mächtig und unantastbar war. Er hat seine 95 Thesen an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen. Das find’ ich echt mutig.
Ich trau’ mich dagegen nicht mal, meine Meinung in der Familie zu sagen. Und genau deshalb ist Martin Luther ein Vorbild. Ich muss keine Thesen anschlagen – aber ich kann lernen, meine Stimme zu erheben, wenn mich was stört.
Manchmal trau’ ich mich nicht laut zu sein. Aber ich glaub: Gott sieht nicht nur die Lauten. Er sieht auch mich, sogar wenn ich ganz leise bin.