Sarah
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Freitag, 13. Dezember 2024
“Oh, Mist, bei der wollte ich mich noch melden!”
Dieser Gedanke ist mir in letzter Zeit ziemlich oft durch den Kopf geschossen. Meistens hab ich dabei schwitzige Hände und nen Knoten im Hals bekommen.
Ich hatte in den letzten Monate ne echt schwierige Phase, in der mein Studium gefühlt mein ganzes Leben eingenommen hat. Alle meine Gedanken haben sich darum gedreht, wie ich das alles hinkriegen soll. Ich hab mich einfach komplett verausgabt und hatte keine Kraft mehr übrig. Wenn sich Freunde in dieser Zeit bei mir gemeldet haben, hab ich mir häufig gedacht “Darauf antworte ich, wenn ich mich richtig darauf konzentrieren kann und die Energie dafür hab.” Dieser Moment kam einfach nicht. Ich hab mich zum Teil Monate lang nicht bei Menschen gemeldet, die mir super wichtig sind und die ich wirklich lieb hab.
Jetzt hab ich diese Phase überstanden und könnte mich mal wieder melden. Trotzdem merke ich, dass es mir schwer fällt. Ich schäme mich und hab das Gefühl, eine schlechte Freundin zu sein.
Aber wenn ich von jemandem hör, mit dem ich länger nicht gesprochen hab, freu ich mich. Und ich denk mir nicht, dass derjenige jetzt ein schlechter Freund ist. Außerdem kennen viele meiner Freunde ja auch, wie das in stressigen Zeiten so ist. Die meisten können das sicher verstehen und verzeihen mir.
Ich glaub deshalb wird es Zeit, dass ich den Knoten im Hals runter schlucke, und mein Handy in die Hand nehme.
Sarah
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Donnerstag, 12. Dezember 2024
Ich bin schon richtig lange ein riesen Fan von Taylor Swift. Ich hab schon mit 14 ihre Musik gehört, weil viele Lieder einfach genau eingefangen haben, wie ich mich gefühlt hab. Andere Lieder haben Erfahrungen und Emotionen beschrieben, die ich damals noch nicht kannte. Zum Beispiel wusste ich nicht, wie es sich anfühlt, richtig verliebt zu sein. Jetzt entdeck ich in den gleichen Texten, die ich seit über 10 Jahren höre, ganz neue Dinge und finde mich auf neue Weise in ihnen wieder.
So geht es mir auch immer wieder mit Stellen aus der Bibel. Da sind Geschichten, die ich seit meiner Kindheit immer wieder höre und lese, und auf einmal macht es “klick”. Dann spricht mich eine Stelle an, die ich schon X mal gehört hab, weil ich sie aus nem neuen Blickwinkel betrachte. Ich empfinde das dann immer als einen ganz besonderen “Aha”-Moment, in dem ich auf einmal das, was schon immer da war, plötzlich sehe und verstehe. Die Bibelstelle oder der Liedtext verändern sich nicht. Aber ich verändere mich ja ständig und erlebe Dinge, die mir manchmal eine ganz neue Perspektive geben. Und so kann ich auch in Sachen, von denen ich dachte, dass ich sie total gut kenne, immer wieder Neues entdecken und Neues lernen. Und ich glaub das ist halt bei ganz vielem so: In alten Freundschaften, in meinem Lieblingsbuch, aber eben auch in der Bibel oder ‘nem alten Taylor-Swift-Song.
Sarah
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Mittwoch, 11. Dezember 2024
Ich bin in den letzten Jahren so ein richtiger Kaffeemensch geworden. Ich liebe es, mir morgens eine Tasse Kaffee in meiner French Press zu machen und damit in den Tag zu starten. Der Geruch und Geschmack, die warme Tasse in meiner Hand, das genieße ich jeden Morgen mit all meinen Sinnen. Und wenn ich mir dann noch nach dem Mittagessen eine Tasse Kaffee hole und dabei mit Freunden quatsche, dann ist das ein absolutes Highlight für mich. Ich find dabei raus aus meinem Kopf und zurück in meinen Körper. Mit dieser kleinen Unterbrechung tu ich mir bewusst was Gutes.
So geht’s mir auch, wenn ich in den Gottesdienst geh. Das ist ein Moment, den ich mir nehm, um von dem wegzukommen, was mich beschäftigt, und wieder bei mir anzukommen. Da ist es dann eben nicht der Geruch von Kaffeebohnen, sondern der gemeinsame Gesang oder das Gebet, die mir dabei helfen. Der Gottesdienst ist für mich ein vertrautes Ritual, das auch voller Sinneseindrücke ist, die mich erden und mich daran erinnern, dass das, was mir gerade durch den Kopf geht, nicht Alles ist.
Ob es eine Tasse Kaffee oder ein Gottesdienst ist; ich merke, dass es mir unglaublich guttut, wenn ich mir eine Pause gönne, in der ich richtig durchatmen kann. Und meistens komm ich dann auch mit ganz neuen Gedanken und Perspektiven aus meiner Pause zurück.
Sarah
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Dienstag, 10. Dezember 2024
Einsamkeit. Für mich ist das ein Thema, das sich ziemlich weit weg anfühlt. Irgendwie verbinde ich damit eher ältere Menschen, die vielleicht verwitwet oder einfach allein sind. Meinen früheren Nachbarn vielleicht, der nie Besuch hatte und mir im Treppenhaus aus dem Weg gegangen ist.
Deshalb war ich überrascht, als ich einen Artikel über Einsamkeit gelesen und gesehen hab, wie unterschiedlich die Menschen sind, die einsam sind. Da ging es um einen Jugendlichen, der durch die Corona-Pandemie einsam geworden ist und eine Frau Mitte vierzig, die einen Freund hat und sich trotzdem einsam fühlt. Ihnen fehlt jemand, mit dem sie was unternehmen können oder zu dem sie emotionale Nähe spüren. Einsamkeit, das ist wie Hunger ein Signal, dass ein Bedürfnis nicht gestillt wird. Und das ist für jeden anders. Man kann auch von Außen wirken, als hätte man total viele Freunde und sich trotzdem einsam fühlen, weil die Freundschaften einem nicht geben, was man braucht.
Und Einsamkeit hat es in sich: Menschen, die einsam sind, werden eher psychisch krank und können wegen der seelischen Belastung auch körperlich krank werden. Der Artikel hat mich daran erinnert, dass Einsamkeit nicht weit weg von mir ist, sondern dass auch die Menschen um mich rum einsam sein könnten. Das beschäftigt mich und ich weiß nicht, was ich da machen könnte, wenn ich es von außen nicht sehen.
Aber vielleicht ist es ein guter Start, bewusst drauf einzugehen, wenn jemand auf mich zukommt, und mich auch auf tiefere Begegnungen einzulassen.
Sarah
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Montag, 09. Dezember 2024
Mir werden gerade ständig Videos zum Thema “Winter Arc” vorgeschlagen. Ich habe das Gefühl, jedes Mal, wenn ich YouTube öffne, will mir irgendjemand sagen, wie ich am meisten aus der Zeit bis zum neuen Jahr rausholen kann.
Beim “Winter Arc” geht es um Selbstoptimierung. Man fängt praktisch mit den Neujahrsvorsätzen schon am Anfang vom Winter an, um dann als die beste Version von einem selbst ins neue Jahr zu starten. Und klar, es ist nichts Schlechtes an gesunder Ernährung und auch ich geh gern ins Gym und könnte auf jeden Fall mal meine Zeit am Bildschirm ein gutes Stück runterschrauben.
Ich male mir auch gerne aus, wie es wäre, wenn ich alles im Griff hätte. Vorsätze und neue Routinen, die mich zur besten Version von mir machen sollen, das war für mich manchmal schon fast wie ein Hobby. Ich bin früher um 5 Uhr aufgestanden und hab Bücher über Produktivität und gute Gewohnheiten verschlungen. Aber irgendwann hat mich jedes Mal was aus meiner Routine gerissen und mein “besseres Ich” ist wie ein Kartenhaus zusammengeklappt. Diese “alles oder nichts” Einstellung und der Fokus auf Deadlines wie Neujahr, das klappt für mich einfach nicht.
Aber ich find das gar nicht so schlimm. Die “beste Version von mir” weiß das eben über mich und akzeptiert das auch. Und sie gibt ihr Bestes, gute Entscheidungen zu treffen, egal welche Zeit im Jahr gerade ist.
Sarah
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Sonntag, 17. November 2024
Ich find Duftkerzen echt super. Ich liebe es vor Allem, mich im Laden durch lange Reihen von bunten Gläsern zu schnuppern, um dann die Kerze zu finden, die für mich genau richtig ist. Wenn die Kerze erst mal bei mir zu Hause steht, dann sammelt sie häufig Staub. Ich will sie dann irgendwie nicht wirklich anzünden, weil ich mir denke, dass ich sie mir für später aufsparen will, für irgendeinen Moment, der besonders ist - die Dinger sind ja auch nicht ganz billig.
Als ich nem Freund davon erzählt hab, meinte er, sowas erinnert ihn immer an seine Großeltern. Die hätten ihr Leben lang geschuftet und haben sich gesagt, wenn sie in Rente gehen, dann genießen sie richtig das Leben. Sie haben sich so ziemlich alles Gute für später aufgespart - und dann sind sie leider ziemlich direkt, nachdem sie in Rente gegangen waren, krank geworden und verstorben. Alles, was sie sich aufgespart hatten, das konnten sie nicht mehr umsetzen.
Das ist natürlich total traurig, und ich fand’s schon irgendwie heftig, dass meine kleine Duftkerze ihn daran erinnert hat. Aber ich denke, er hat Recht - das Leben genießen, das fängt bei den kleinen Sachen an. Es ist ja was Besonderes, dass wir überhaupt leben. Vielleicht kann das auch Anlass genug sein, ein bisschen zu feiern. Ich werd zumindest heute Abend meine Duftkerze anzünden.
Sarah
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Samstag, 19. Oktober 2024
Ich sehe gerade irgendwie ständig Self-Care Content: Eine Gesichtsmaske nach der anderen, Zahnaufhellung und von Haarkur bis Haarentfernung ist alles dabei. Das wirkt fast schon so, als würde mir mein Algorithmus was sagen wollen.
Das hat mich dazu gebracht, etwas mehr über diesen Begriff nachzudenken. Self-care heißt auf Deutsch Selbstfürsorge; sich um seine psychische und physische Gesundheit kümmern. Ist also ne ziemlich wichtige Sache, damit es uns gut geht. Aber an die ästhetisch in Szene gesetzten Routinen voller teurer Cremes und Öle erinnert mich das jetzt nicht. Selbstfürsorge, das ist für mich eher Tagebuch schreiben, spazieren gehen, oder mit nem Buch entspannen.
Es mich dazu gebracht, nachzudenken, wie ich denn für mich selbst sorgen könnte. Und was ich jetzt gerade für meine psychische und physische Gesundheit tun kann.
Für mich ist das ganz klar- raus aus dem Stress und Ruhe finden. Konkret heißt das für mich, mir in meiner total vollen Woche trotzdem mal wieder Zeit zu nehmen, zu einer Andacht zu gehen oder zu beten, um meine Akkus wieder aufzuladen. Aber auch ein Workout, ein Spaziergang und ne Gesichtsmaske werden sicher dabei sein- Hauptsache, ich tu mir mal wieder was Gutes.
Sarah
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Samstag, 10. August 2024
“Am Wochenende fahre ich nach Hause.”
Seit ich von Zuhause ausgezogen bin, hab ich diesen Satz schon oft gesagt, wenn ich meine Familie besuchen geh.
Ich find das irgendwie spannend, weil ich, wenn ich von meiner Familie wieder zurück in meine Wohnung fahr, viel mehr das Gefühl hab, nach Hause zu gehen.
Seit ich für mein Studium nach Tübingen gezogen bin, fühl ich mich hier total wohl. Ich wohn in ner WG und bin da richtig angekommen. Zuhause, das ist für mich mein kuscheliges kleines Wohnheimzimmer und diese total hübsche Stadt.
Und trotzdem macht es ja auch irgendwie Sinn zu sagen, dass ich nach Hause geh, wenn ich meine Familie besuch. Auch wenn ich nicht mehr dort wohne: Meine Familie, das sind immer noch die Menschen, mit denen ich fast mein ganzes Leben zusammengelebt hab und die mich mehr als alles Andere geprägt haben. Und ich fühl mich auch einfach zuhause, wenn ich bei den Menschen bin, mit denen ich mich verbunden fühl. Meine Familie gehört da auf jeden Fall dazu.
Vielleicht bin ich jetzt einfach an beiden Orten zuhause, und kann das genießen.
Ein Zuhause kann also an vielen Orten sein: bei den Eltern, in ner WG, mit nem Partner oder auch alleine; einfach ein Ort, an dem man sich wohl und geborgen fühlt. Und davon kann man ja auch mehr als nur einen haben.
Sarah
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Freitag, 09. August 2024
“Der Bus ist meine Kirche.” Ich find, dieser Satz klingt erst mal komisch. Was hat denn der Bus mit der Kirche zu tun? Die Kirche, das ist doch n heiliger Ort - und der Bus ist so ziemlich der alltäglichste, den ich mir vorstellen kann. Aber genau das hat die Künstlerin und Schriftstellerin Jenny Odell in nem Vortrag gesagt.
Jenny Odell beschäftigt sich in ihrer Arbeit damit, wie wir unsere Zeit wahrnehmen und verbringen. Der Vortrag, den ich angehört habe, heißt: “Nichts tun”. Und darum geht‘s ihr auch: Immer wieder mal nichts tun, im Moment ankommen und Platz für seine eigenen Gedanken haben. Das kann man in der Kirche.
Man sitzt dort mit Menschen zusammen, mit denen man sonst vielleicht nichts zu tun hat, und hat Zeit, über seine Existenz nachzudenken. Sie persönlich geht nicht in die Kirche, aber sie macht genau das im Bus.
Das ist mir irgendwie im Kopf geblieben. Ihre Beschreibung von Kirche, das passt für mich ganz gut. Ich find‘s aber voll spannend, dass sie diesen Ort für sich auch woanders finden kann.
Ich glaub, ich will mir das so bisschen wie ne Challenge vornehmen und schauen, wo ich in meinem Alltag Orte finde, an denen ich mir Raum für solche Gedanken nehmen kann. Und vielleicht kann auch ich im Bus ja noch Neues entdecken.
Sarah
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Donnerstag, 08. August 2024
Ich lauf fast immer mit Kopfhörern durch die Gegend. Egal wohin ich gerade auf dem Weg bin, begleitet mich ein Podcast, ein Hörbuch oder ne Playlist.
Ich find‘s ziemlich cool, dass ich mit Podcasts und Hörbüchern ganz nebenbei was lernen kann, und wenn ich unterwegs Musik hör, krieg ich einfach gute Laune.
In letzter Zeit hab ich aber auf dem Weg zur Uni oder in die Stadt die Kopfhörer auch häufiger mal in der Tasche gelassen. Als die mal keinen Akku hatten, hab ich nämlich gemerkt, was ich alles nicht hör, wenn ich sie drin hab.
Ich wohn ganz nah an nem Fluss und lauf dort fast jeden Tag entlang. Das Rauschen vom Wasser und das Zwitschern der Vögel, die in den Bäumen am Ufer sitzen, hab ich davor gar nicht bemerkt. Und ich verzichte dann doch lieber auf den ein oder anderen Podcast, um das ‘n bisschen zu genießen.
Ich glaub, es gibt ne Menge Dinge, die da sind, die wir aber nicht hören, wenn wir uns dafür nicht öffnen und hinhören. Mit Gott geht’s mir manchmal genauso. Da acht ich nur auf den Alltag und Stress, so bisschen, als hätt ich auch da die ganze Zeit Kopfhörer drin.
Aber ich weiß, wenn ich mir wieder die Zeit nehm und zu Ruhe komme, dann merk ich auch wieder, dass da jemand ist. Jemand, der mir sagt: “Dein Leben, deine Zeit hier, das ist was Besonderes. Verlier das Wichtige nicht aus den Augen”.  
Und diese Stimme ist, wie das Flussrauschen, immer da, egal ob ich gerade hinhöre, oder nicht. Aber ich möchte mir in meinem Leben jetzt generell mehr Zeit nehmen, um genau hinzuhören.