Benni
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Sonntag, 14. Juni 2026
„Ich bete für dich.“
Das hat meine Oma früher oft zu mir gesagt. Ich fand das immer nett, aber so richtig was damit anfangen konnte ich nicht.
Vor ein paar Monaten musste meine Oma dann ins Krankenhaus. Sie wurde operiert – und das war nicht ganz ohne Risiko.
Ich konnte nicht viel tun, um ihr zu helfen. Also habe ich gebetet.
Zum ersten Mal habe ich verstanden, was beten für meine Oma eigentlich bedeutet. Beten macht nicht alles gut und löst auch keine Probleme. Aber es gibt mir die Möglichkeit, doch etwas tun, nicht so hilflos zu sein
Ich glaube zu sagen: „Ich bete für dich“, heißt auch: Du bist mir wichtig. Ich denke an dich.
Und ich denke, auch das bedeutet beten für mich.
Benni
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Samstag, 13. Juni 2026
Einen Satz, den ich schon so oft gehört habe, ist: „Zu wem gehörst du?“ Oder auf Schwäbisch: „Zu wem g`hörsch?“
Ehrlich gesagt hatte ich darauf nie eine richtige Antwort. Vielleicht, weil sich meine Eltern schon früh getrennt haben. Oder weil ich so oft umgezogen bin. Ich war mir nie sicher, wo und zu wem ich eigentlich gehöre.
Letztes Jahr im Sommer saß ich dann beim Dorffest mit einer Gruppe zusammen. Einer, den ich nicht kannte, hat gefragt: „Und zu wem gehörst du?“ Ich habe wieder überlegt. Und dann hat jemand anders für mich geantwortet „Das ist Benni, den kennt man doch.“
In dem Moment wurde mir klar: Ich muss zu gar niemandem gehören. Ich bin nicht nur irgendjemandes Sohn oder Enkel, sondern ich bin ich. Ich bin Benni.
Ich glaube, das zu spüren, ist schon ziemlich viel wert.
Benni
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Freitag, 12. Juni 2026
Jedes Jahr an Pfingsten ist in meiner alten Heimat Dorffest. Drei Tage lang gibt es ein großes Bierzelt, das immer voll ist. An einem Abend habe ich mir mein Glas geschnappt und bin einfach durch die Tischreihen losgezogen. Fast überall habe ich jemanden gekannt: Leute aus der Schule, aus dem Ferienprogramm oder Freunde, die wegen Beruf oder Studium schon weggezogen sind. Dieses Fest ist echt was Besonderes. Weil es jedem so geht wie mir: Zum Dorffest kommen die Leute zurück, weil es so viele Verbindungen gibt. Das fühlt sich vertraut an und ist einfach Heimat, auch wenn man gar nicht mehr da wohnt. Da kommen wir her, und von da aus gehen wir wieder weiter. Dieses Gefühl ist einfach schön, das trägt mich durchs ganze Jahr. Vielleicht ist genau das Heimat.
Benni
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Donnerstag, 11. Juni 2026
Ich bin Christ und ich glaube an Gott. Und wenn mich Leute fragen, wie das konkret aussieht mit dem Gott, dann beschreibe ich das gerne so:
Gott ist für mich wie eine Fernbeziehung. Ich glaube nicht, dass Gott in jedem Moment bei mir ist, aber ich glaube, dass wir immer irgendwie verbunden sind. Es ist wie mit einem Freund, der weit weg wohnt. Ab und zu telefonieren wir oder schreiben uns. Aber dann gibt es da auch Phasen, in denen wir kaum Kontakt haben und Zeiten, wo wir nichts voneinander hören.
Das ist manchmal schwer und anstrengend, aber ich weiß: Er ist trotzdem da und früher oder später spüre ich das auch wieder. Einfach dieses Gefühl von Vertrautheit. Denn egal, wo ich hingehe: meinen Freund, oder Gott, den hab ich im Herzen immer dabei.
Benni
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Mittwoch, 10. Juni 2026
Ich war auf einer Sprachreise in Frankreich und hatte drei Zimmerkollegen, jeder aus einem anderen Land. Wir haben miteinander gegessen, aber das war’s auch an Interaktion, weil keiner den anderen verstanden hat.
Dann gab es diese Situation:
Es ist Abend, wir vier sind in unserem Zimmer. Der Spanier lehnt an der Wand und fängt auf einmal an zu beten. Ich verstehe zwar nichts, aber irgendwie kommt mir das bekannt vor. Als er fertig ist, macht es Klick in meinem Kopf: Das war das „Vater unser“. Ohne was zu sagen, spreche ich dann dasselbe Gebet, auf Deutsch. Danach der Italiener, im Bett über mir, und am Ende der Engländer auf der anderen Seite des Zimmers. Das war wirklich mega schön! Weil uns vier Jungs was verbunden hat, das stärker ist als unsere Muttersprache.
Benni
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Dienstag, 09. Juni 2026
Diese Geschichte hilft mir, etwas von Gott zu verstehen: Ein Mann kommt mit seinem Boot in einen Sturm. Zwei andere Boote kommen vorbei und wollen ihm helfen, aber er sagt immer nur: ‚Nein danke, Gott rettet mich schon.‘
Der Mann ertrinkt. Er kommt in den Himmel und fragt Gott: ‚Warum hast du mich nicht gerettet?‘
Und Gott antwortet: ‚Ich habe dir doch zwei Boote geschickt.‘
Ich mag die Message: Gott taucht oft ganz anders auf, als ich es erwarte. Nicht nur, wenn ich bete oder in der Kirche bin. Für mich hat Gott viel mit den Menschen zu tun, die um mich herum sind. Mit denen, die wirklich wissen wollen, wie es mir geht. Oder die einfach mal anrufen. Ich finde den Gedanken schön, dass Gott durch andere Menschen wirkt und so für mich da ist.
Benni
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Montag, 08. Juni 2026
Ich habe einen spannenden Dialog erlebt zwischen einem Politikjournalisten und einer Nonne.
Das Interessante daran: Der Journalist ist Atheist und hat mit Glauben eigentlich gar nichts zu tun. Und trotzdem kommen beide am Ende auf denselben Punkt:
Wir können keine individuellen Antworten geben auf gesellschaftliche Fragen.
Aus der Wirtschaftskrise kommen wir halt nicht raus, wenn der Einzelne mehr arbeitet. Und mit dem Reich Gottes, also mit einer gerechten Welt, wird auch nichts, wenn jeder nur für sich mehr betet.
Glaube funktioniert nicht als Privatobjekt.
Also dieses: Gott hat mich gerettet. Gott hilft mir. Glaube macht mein Leben besser.
Glaube wird dann stark, wenn wir nicht nur auf uns selbst schauen, sondern aufeinander.
Gott als Werkzeug zur Gemeinschaftsoptimierung -
Ich denke, genau so einen Gott brauchen wir gerade.
Benni
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Donnerstag, 02. April 2026
Über Ostern gehe ich nie in Urlaub. Weil ich jedes Jahr an Gründonnerstag in der Kirche sein will.
An diesem Abend gibt's nämlich einen ganz besonderen Gottesdienst: Die Orgel spielt noch mal so richtig laut – und dann wird's mittendrin plötzlich still. Der Altar wird komplett abgeräumt, keine Blumen, keine Kerzen und das Kreuz wird mit einem Tuch verhüllt.
Der Gottesdienst geht weiter. Aber viel leiser. Ich habe da immer das Gefühl, als ob die ganze Energie weg wär. Und die Stimmung ist irgendwie gedrückt.
So ging’s wahrscheinlich auch Jesus und seinen Jüngern an dem Abend, bevor er gekreuzigt wurde. An diese Situation erinnert mich der Gottesdienst heute Abend.
Solche Momente gibt’s ja auch im Alltag: wenn jemand wirklich krank ist, wenn wir gestresst sind oder Probleme sich nicht einfach sofort lösen lassen. Wenn wir einfach nicht genau wissen, was kommt und wie wir damit umgehen sollen.
Dann ist es ein bisschen wie in diesem Moment in der Kirche, wenn plötzlich die Musik weg ist und es still wird. Ich weiß, das muss ich aushalten, aber ich weiß auch: Es bleibt nicht so. Weil in der Osternacht die Musik zurückkommt, die Orgel spielt wieder und in der Kirche wird's wieder lebendig.
Aushalten, angespannt sein, trauern - und dann wieder feiern. Das ist in den drei Tagen um Ostern total konzentriert. So ein bisschen „Leben in a nutshell“. Das bewusst mitzunehmen, das tut mir einfach gut.
Benni
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Dienstag, 31. März 2026
Eigentlich faste ich nicht.
Aber dann habe ich von unserem Pfarrer einen Satz gehört, über den ich erstmal nachdenken musste:
„In der Fastenzeit, da gönne ich mir mich selbst.“
Ich habe das zuerst überhaupt nicht verstanden.
Ich dachte immer, beim Fasten geht's ums Verzichten, aber nicht darum, sich was zu gönnen.
Ich habe den Pfarrer dann gefragt, wie er das meint.
Er hat mir das so erklärt: „Ich gönne mir jeden Tag 15 Minuten mit mir selbst. Ich verzichte in dieser Zeit auf alles – außer auf mich.“
Ich finde diesen Gedanken irgendwie schön.
Weil er mal eine ganz andere Perspektive aufs Fasten zeigt. Fasten ist dann plötzlich nicht nur: Ich nehme mir was weg. Sondern: ich nehme mir etwas ganz bewusst. Auch wenn es nur für eine paar Minuten ist.
Bei unserem Pfarrer sieht das dann so aus: Er macht sich jeden Nachmittag einen Tee und gönnt sich in der Zeit nur sich selbst. Keine Gespräche, kein Handy, keine Mails. Nur er und seine Tasse Tee.
Bis Ostern sind es zwar nur noch ein paar Tage, dann ist die Fastenzeit vorbei; aber ich nehme diese Idee trotzdem mit, mich immer wieder mir selbst zu gönnen.
Vielleicht gehe ich mal ganz ohne Handy spazieren oder ich schaue beim Kochen mal kein Netflix.
Ich glaube, dieses „Alles Fasten außer die Zeit mit mir“, das ist auch nach der Fastenzeit noch wichtig.
Benni
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Sonntag, 08. Februar 2026
Ich hab einen Lieblingsfilm: die Truman Show. Es geht darin um einen jungen Mann namens Truman. Er wird seit seiner Geburt rund um die Uhr gefilmt und alles wird live im Fernsehen übertragen. Aber Truman weiß das nicht. Er lebt auf einer Insel unter einer riesigen, abgeschlossenen Kuppel. Alle Menschen um ihn herum sind Schauspieler. Und immer, wenn er versucht die Insel zu verlassen, wird er aufgehalten. Irgendwann merkt Truman, dass etwas nicht stimmt. Dass sein Leben inszeniert ist. Am Ende schafft er es tatsächlich auszubrechen.
Kurz bevor er geht, will der Regisseur der Fernsehshow ihn überreden, umzudrehen. Er meint, das Truman in der Welt da draußen nicht glücklich wird, denn nur er wisse was gut für ihn ist. Darauf antwortet Truman mit dem für mich besten Satz aus dem ganzen Film: „Ihr hattet nie eine Kamera in meinem Kopf.“
Ich fühle das, es geht mir nämlich auch irgendwie so: Seit der achten Klasse will ich unbedingt Philosophie studieren. Aber immer wieder sagen mir Leute: „Damit kannst du nichts anfangen im Leben. Lass das besser. Das ist nicht das Richtige für dich.“
Ich glaube, es ist so ähnlich wie in der Truman Show: Die Anderen können noch so viel über mich wissen. Aber sie werden nie durchschauen, was wirklich in meinem Kopf vorgeht. Und was meine Sehnsucht ist. Die Truman Show macht mir Mut weiterzumachen. Denn ich weiß: Das hier ist mein ganz eigener Film.