Benni
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Sonntag, 08. Februar 2026
Ich hab einen Lieblingsfilm: die Truman Show. Es geht darin um einen jungen Mann namens Truman. Er wird seit seiner Geburt rund um die Uhr gefilmt und alles wird live im Fernsehen übertragen. Aber Truman weiß das nicht. Er lebt auf einer Insel unter einer riesigen, abgeschlossenen Kuppel. Alle Menschen um ihn herum sind Schauspieler. Und immer, wenn er versucht die Insel zu verlassen, wird er aufgehalten. Irgendwann merkt Truman, dass etwas nicht stimmt. Dass sein Leben inszeniert ist. Am Ende schafft er es tatsächlich auszubrechen.
Kurz bevor er geht, will der Regisseur der Fernsehshow ihn überreden, umzudrehen. Er meint, das Truman in der Welt da draußen nicht glücklich wird, denn nur er wisse was gut für ihn ist. Darauf antwortet Truman mit dem für mich besten Satz aus dem ganzen Film: „Ihr hattet nie eine Kamera in meinem Kopf.“
Ich fühle das, es geht mir nämlich auch irgendwie so: Seit der achten Klasse will ich unbedingt Philosophie studieren. Aber immer wieder sagen mir Leute: „Damit kannst du nichts anfangen im Leben. Lass das besser. Das ist nicht das Richtige für dich.“
Ich glaube, es ist so ähnlich wie in der Truman Show: Die Anderen können noch so viel über mich wissen. Aber sie werden nie durchschauen, was wirklich in meinem Kopf vorgeht. Und was meine Sehnsucht ist. Die Truman Show macht mir Mut weiterzumachen. Denn ich weiß: Das hier ist mein ganz eigener Film.
Benni
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Samstag, 07. Februar 2026
Ich habe jemanden getroffen, den ich bisher nur aus dem Geschichtsunterricht kannte.
Den Künstler Gunter Demnig. Er ist der Erfinder der Stolpersteine. Das sind kleine Pflastersteine mit einer Messingtafel. Sie werden vor den Häusern einbetoniert, in denen Menschen gelebt haben, die von den Nationalsozialisten verfolgt und oft auch ermordet wurden.
Auf den Steinen ist der Name dieser Menschen eingraviert. Gunter Demnig ist jetzt bald 80 und hat fast alle Steine selber verlegt - Über 100.000 in ganz Europa. Vor ein paar Wochen war er dann auch in meiner Gemeinde.
Was mich an dem Projekt aber noch mehr beeindruckt, ist die Art, wie er seinen Aktivismus lebt.
Als er damit vor über 30 Jahren angefangen hat, gabs erst mal Widerstand. Trotzdem ist er nicht extrem geworden. Er hat nichts zerstört und ist nicht negativ aufgefallen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Er hat einfach nur sein Ding gemacht.
Mir gefällt, was ein Schüler mal bei einer Verlegung über die Stolpersteine gesagt hat: „Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ Für mich bringt es das perfekt auf den Punkt: Die Aktion wirkt. Sie berührt Menschen, ohne sie zu verletzen oder anzugreifen.
Von Gunter Demnig kann ich viel lernen. Er zeigt mir, dass man etwas verändern kann. Nicht, indem man laut wird oder über die Grenzen geht – sondern indem man an seine Sache glaubt und einfach weitermacht.
Benni
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Freitag, 06. Februar 2026
Mein Bruder und ich lernen uns gerade das erste Mal so richtig kennen. In unserer Kindheit haben wir nicht besonders viel Zeit miteinander verbracht. Unsere Eltern haben sich getrennt, da war ich vier Jahre alt. Mein Bruder war da schon zehn und ist woanders aufgewachsen. Das heißt: Abgesehen von ein paar gemeinsamen Urlauben teilen wir nicht so mega viele Kindheitserinnerungen.
Früher haben wir uns höchstens zweimal im Monat gesehen – und dann häufig gestritten. Ob das am Altersunterschied lag weiß ich nicht. Wir waren einfach in ganz unterschiedlichen Welten unterwegs und kamen nicht so gut miteinander klar.
Seit er allein lebt, hat sich das verändert. Irgendwann hat er angefangen anzurufen, Nachrichten zu schreiben oder mir einfach ein Reel auf Insta zu schicken. Über solche Kleinigkeiten sind wir immer wieder ins Gespräch gekommen. Welche Supplements fürs Training gut sind, welche Mountainbikestrecken er am Wochenende gefahren ist oder was das beste Album von Queen ist. Auch wenn ich das nie gedacht hätte, das hat einen großen Unterschied gemacht. Wir waren uns auf einmal gar nicht mehr „fremd“.
Wenn wir uns heute treffen und reden, fühlt sich das vertraut an. Nicht so, als wäre da eine gemeinsame Kindheit verloren gegangen.
Wir können zwar nicht mehr im Sandkasten spielen, dafür gehen wir jetzt gemeinsam in den Club. Ich find's auch gar nicht mehr schlimm, dass wir früher nicht so viel miteinander gemacht haben. Dass wir jetzt so gut miteinander sind, ist mir viel wichtiger.
Benni
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Donnerstag, 05. Februar 2026
Ich war auf einem Konzert. Zusammen mit meinem Dad. Für mich war das echt etwas Besonderes. Es war ein Konzert mit Musik von AC/DC. Das ist Hardrock aus den 70/80ern. Ich höre zwar schon ab und zu mal so alte Musik, einfach weil ich ein bisschen Abwechslung schön finde. Aber da in der Konzerthalle zu stehen, war trotzdem eine komplett neue Erfahrung. Ich war mit Abstand der Jüngste, aber ich hab mich total wohlgefühlt. Die Stimmung war voll gut und die Leute waren supernett drauf.
Nach dem Konzert hat mein Dad mir etwas erzählt, dass ich bisher gar nicht gewusst hab: Dass AC/DC die Band war, die früher während seiner Ausbildung immer in der Werkstatt lief. Da war er nur ein paar Jahre älter als ich jetzt. Für ihn war das eine ganz spezielle Lebensphase. Die wohl auch nicht ganz einfach war.
An diesem Abend ist mir was klar geworden: Ich war mit meinem Vater nicht nur auf irgendeinem Konzert. Nein, er hat mit mir ein Stück seiner Jugend geteilt. Vielleicht kann ich ihn in ein paar Jahren auch mal auf ein Konzert einladen und ihm dann erzählen, was hinter meiner Lieblingsmusik steckt. Musik verbindet uns auch über Generationen hinweg. Weil sie immer auch Geschichten erzählt. Ich denke, so teilen mein Dad und ich ein bisschen etwas von unserem Leben, auch wenn wir vielleicht sonst nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen.
Benni
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Mittwoch, 04. Februar 2026
Ich habe ein Hobby: Klavierspielen. Und immer am selben Punkt fühle ich mich dabei unwohl: beim Vorspielen.
Ich habe jetzt schon ein paar Jahre Unterricht. Aber es ist jede Woche wieder komisch, meinem Klavierlehrer das zu zeigen, was ich zu Hause geübt und gelernt habe.
Ich habe mit Klavier angefangen, mit der Idee: Irgendwann an Weihnachten spiele ich meiner Familie etwas vor. Oder vielleicht spiele ich mal in einer Band und alle klatschen, weil sie es toll finden.
Aber irgendwann ist mir aufgefallen, dass das eigentlich gar nicht das ist, was ich am Klavierspielen toll finde.
Klavierspielen heißt für mich eben nicht, auf einer Bühne zu stehen und für andere zu spielen. Es geht mir um zehn Minuten am Tag. Abends. Nach dem Lernen. Vor dem Schlafengehen. Keine komplizierten Stücke – einfach das spielen, was mir gerade gefällt. Filmmusik, Jazz oder etwas von Coldplay. Und dann ganz allein. Für mich ist Klavierspielen etwas Privates.
Die Tür ist zu, und ich bin der Einzige, der das hört.
Ich kann so viele Fehler machen, wie ich will.
Ich kann so oft falsche Töne spielen, wie’s halt passiert.
Und es ist nicht schlimm. Weil kein Druck von außen da ist.

Klavierspielen ist für mich mein Rückzugsort.
Mein Safe Space. Meine Art von Meditation, um runterzukommen. Ich hab verstanden, wie gut mir das tut: Etwas zu haben, dass ich nicht mache, um anderen etwas zu zeigen.
Benni
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Dienstag, 03. Februar 2026
In meiner Generation lesen gerade viele die Bibel. Das ist ein richtiger Trend. Und dann erzählen sie auf Social Media, dass sie Christen sind, weil sie die Bibel lesen. Klar, die Bibel ist die Grundlage für den christlichen Glauben. Das reicht aber nicht. Für mich steckt der Glaube viel mehr in dem, was ich jeden Tag mache. Ich muss die Message verstanden haben, die in der Bibel steht. Für mich heißt Christ sein: Verantwortung zu übernehmen. Mich zu engagieren in der Gesellschaft und mich einzusetzen für die Menschen in meinem Umfeld. Mein Glaube motiviert mich dazu. Und trotzdem habe ich jetzt auch angefangen, die Bibel zu lesen. Weil ich verstehen will, was Jesus damals gemacht hat, wie er so radikal sein konnte und bis heute so viele Menschen berührt. Ich finde einfach mega spannend, wie sich seine Gleichnisse, die Geschichten über ihn und die Ereignisse von damals übertragen lassen. Und dass sich die Bibel immer wieder mit Themen beschäftigt, die auch für mich hochaktuell sind: Feminismus, Sexualität und Selbstfindung. Und wenn ich keine Lust habe auf Bibellesen, dann weiß ich: Jesus war vor allem draußen bei den Menschen, die ihn gebraucht haben. Das zu wissen, gibt mir Kraft. Für mich ist Glaube auf jeden Fall nicht nur Bibellesen, sondern lesen und machen.
Benni
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Sonntag, 01. Februar 2026
Ich war auf einem Wellness-Trip. Aber nicht mit meiner Freundin, sondern mit meinen Jungs.
Wir sind für einen Tag in die Therme gefahren. Sauna, Whirlpool, heißes Becken – alles, was so dazugehört. Und für mich war das erstmal ungewohnt. Nicht, weil es schlecht war. Sondern weil Wellness und Therme in meiner Vorstellung lange nichts mit Männern zu tun hatten. Und erst recht nichts mit meiner Jungsgruppe.
Self-Care hieß für mich als junger Mann lange Zeit etwas anderes. Sich auspowern und Leistung bringen. Auf den eigenen Körper zu achten, hieß für mich: trainieren, durchziehen, weitermachen.
Die andere Seite – Ruhe, Stille, einfach mal Pause machen – die kam in meiner Lebenswelt kaum vor. Das war etwas, das irgendwie nur Frauen zusammen machen. Sich bewusst Zeit nehmen, auf den Körper zu hören und nebenher noch ein bisschen quatschen.
Genau deshalb war dieser Tag mit meinen Jungs so spannend. Weil wir alle gemerkt haben: Das tut gut. Diese Art von Self-Care hat weniger mit Leistung zu tun, sondern mehr mit Respekt. Respekt vor dem eigenen Körper.
Ich merke nämlich, dass ich meine Gesundheit oft ziemlich selbstverständlich nehme. Dass ich Grenzen eher ignoriere, als auf sie zu hören. Vielleicht brauch ich genau deshalb auch eine andere Form von Selbstfürsorge. Nicht statt Fitnessstudio, sondern zusätzlich.
Benni
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Sonntag, 05. Oktober 2025
Auf Social Media geht ein Trend rum. "Jesus-Glow". Da haben Leute gepostet, wie sie ein "Glow-up" bekommen haben - und zwar durch Jesus! Ich bin selbst Christ, aber ehrlich gesagt fühl’ ich den Trend gar nicht. Wenn der Glaube an Gott oder Jesus einem im Leben hilft, dann find’ ich das mega. Mir ist mein Glaube auch wichtig.
Aber mit meinem Aussehen hat das nix zu tun.
Dass der Glaube Menschen dabei helfen kann, sich zu entfalten, kann ich mir gut vorstellen. Und ja, vielleicht bekommt man ja innerlich ein "Glow-up". Aber Beten und in der Bibel Lesen - und auf einmal bin ich hübsch – hat doch nix mit Christ sein zu tun. Meine Generation, die Gen z ist in mancher Hinsicht sogar gläubiger als die Großeltern-Generationen. Das legt zumindest eine Studie aus 2023 nahe.
Trends wie der "Jesus-Glow" zeigen ja, dass sich junge Menschen mit Jesus und seiner Botschaft auseinandersetzen. Trotzdem: Einen Christen erkennt man nicht an seinem Äußeren, sondern daran, wie er sich anderen gegenüber verhält. Vielleicht geht es dabei eher um innere Schönheit, um ein inneres Leuchten – denn wer selbst leuchtet, kann auch das Leben anderer hell machen.
Aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sich engagieren und anderen zu helfen. Ich glaube, das sind die Menschen, bei denen Jesus Christus sichtbar wird.
Benni
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Samstag, 04. Oktober 2025
Ich geh’ gern feiern – aufs Weindorf, in den Club, auf ’ne Hausi … oder in die Kirche.
Das ist für mich alles feiern gehen. Ich geh’ gern mit Freunden was trinken, aber freu mich auch, mit anderen zusammen einen Jugendgottesdienst zu machen. Wir reden da in der Kirche über Themen, die uns was angehen und machen dazu gute Musik.
Und so hab ich meine Wochenenden auch am liebsten: eine gute Mischung aus Party und Runterkommen. Ich war am Freitagabend auf 'nem Konzert von Mickie Krause. Und am Samstag hab ich mit Freunden einen Jugendgottesdienst gefeiert. Ich fühl’ beides, Malle-Schlager und Kirchenlieder sind für mich kein Widerspruch.
Als Christ ist es nicht verboten, feiern zu gehen oder Alkohol zu trinken. Wenn Gott wirklich überall ist, dann gilt das doch für die Kirche genauso wie fürs Bierzelt, oder? Für mich heißt feiern, mit den richtigen Leuten unterwegs zu sein. Vielleicht ist das sogar ein bisschen wie bei Jesus und seinen Jüngern. Die haben ja auch immer zusammen gefeiert.
Der gemeinsame Vibe und die Stimmung sind es, was das Feiern für mich so besonders macht. Wo und warum man sich trifft, ist mir echt egal. Mir geht’s einfach immer darum, eine gute Zeit zu haben. Ich muss es auch nicht gleich übertreiben. Das gilt für Bier genauso wie fürs Beten.
Benni
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Freitag, 03. Oktober 2025
Auf einer Veranstaltung habe ich mit einem Kommunalpolitiker geredet. Ziemlich intensiv und fast zwei Stunden lang. Er hat eine ganz andere Meinung als ich.
Deshalb war das nicht einfach nur ein Gespräch. Wir haben uns gestritten und echt hart debattiert. Zum Beispiel über Klimapolitik, Vielfalt und Gleichberechtigung.
Dass ich politisch ganz andere Ansichten hab wie er, hat sich nicht geändert. Als Mensch verurteile ich ihn trotzdem nicht. Eigentlich müsste ich richtig sauer sein, auf ihn. Weil er und seine Partei zu den Leuten gehören, die meinen Freund aus Sri Lanka nicht hier in Deutschland haben wollen. Und weil meine Freundin mit ihren dunklen Haaren und dunkler Haut als fremd und damit gefährlich geframed wird. Und ja, diese Haltung werde ich nie verstehen. Ich kann aber so viel schimpfen und mich drüber aufregen, wie ich will. Menschen, die so denken wie er, wird es immer geben. Auch wenn wir so eine Partei verbieten, wir können ihnen die Gedanken nicht verbieten. Ich glaube auch, dass dieser Kampf: „Wir gegen die“ am Ende zu nichts führt. Ich muss es anders machen wie die.
Statt auch sie auszuschließen und ihnen mit Hass und Verachtung zu begegnen, muss ich ihnen zeigen, dass ihre Ängste und Ansichten unbegründet sind. Dass „Migranten“ und „Fremde“ nicht der Feind sind. Ich finde das echt schwer. Allein, mit Leuten aus Politiker zu reden, braucht es schon echt viel Kraft und Energie. Man muss echt richtig im Thema drin sein. Aber ich glaube, zusammen ist der einzige Weg. Leuten wie ihm muss ich zeigen: Für eure Meinung hat es hier keinen Platz, aber für euch als Menschen schon.