Katharina
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Samstag, 11. April 2026
Als Frau bekommt man schon mal hin und wieder den Spruch zu hören: „Du hast zu hohe Ansprüche“, vor allem beim Thema Dating. Aber ganz ehrlich, ich find so Sprüche total irreführend. Heute geht’s für viele nicht mehr darum, auf Zwang nen Partner zu finden oder Kinder zu bekommen. Weil‘s einige in ihrem Leben gar nicht vermissen und einfach zufrieden sind mit ihrem lifestyle - weil sie grad auf Karriere konzentriert sind, grad lieber am Reisen sind oder es grad einfach nicht ansteht.
Wahrscheinlich sind wir die erste Generation von Frauen, die ganz selbstverständlich alleine lebt, vielleicht sogar als erste Frau in der Familie studiert und ihr Leben so richtig frei gestalten kann. Und, die nicht aus wirtschaftlichen Gründen heiraten muss, wie hier vor gar nicht allzu langer Zeit noch Realität war.
Ist das nicht total krass?
Ich find, Ansprüche sind wichtig. Gerade wenn ich die Nachrichten höre, was allein im letzten Jahr über männlich sexualisierte Gewalt in Beziehungen rauskam, denk ich mir: Es gibt keine „zu hohen Ansprüche“, wenn‘s ums Thema Respekt geht. Schließlich geht es ja darum, sein Leben mit jemandem zu teilen.
Vielleicht hat die ein oder andere Frau wirklich zu hohe Ansprüche an eine Beziehung – ist doch gut. Für mich ist das ein Zeichen, dass wir viel erreicht haben in Sachen Gleichberechtigung. Das macht Mut für all die Bereiche, in denen noch so viel für Gleichberechtigung getan werden muss.
Katharina
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Freitag, 10. April 2026
Gedankenspiel: Wenn man eine einzige Emotion streichen könnte, welche wär das wohl? Mein erster Impuls ist Wut. Die Welt wär doch besser ohne Wut – alle würden mehr lächeln und einfach gute Laune haben.
In meinem Kopf sind Emotionen schon erst einmal unterteilt in positive Gefühle, wie Freude und Glück, und negative Gefühle, wie Wut oder Angst. Und irgendwie stimmts ja auch: Freude fühlt sich viel besser und schöner an als Wut.
Aber wenn ich mir die Welt ohne Wut vorstelle, ist das doch nicht mehr so ne tolle Vorstellung. Denn: Wenn Menschen zusammenleben, gibts immer Ungerechtigkeiten. Und ich finde es total wichtig, dass Menschen auf ein Unrecht mit Wut reagieren können – dass man spürt, wenn was nicht richtig ist und für sich oder andere einsteht.
Wenn auf ein Unrecht nur mit einem „Lächel doch mal“ reagiert wird, fühlt sich doch niemand ernst genommen. Und vieles, wofür Menschen gekämpft haben, wär ohne Wut gar nicht möglich gewesen. Erst wenn man alle Gefühle ernst nimmt, kann sich etwas ändern.
Ich finde, Gefühle sind also nicht das Problem. Sondern das Entscheidende ist doch immer der Umgang mit ihnen.
Katharina
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Mittwoch, 08. April 2026
Geburtstag vergessen: In vielen Freundschaften würde das vielleicht ein kleines Drama bedeuten. Als mir das letztes Jahr bei ner guten Freundin passiert ist, wars gar nicht so. Ich hab meiner Freundin nämlich an ihrem Geburtstag geschrieben – nur nicht zum Geburtstag gratuliert. Ich hab ihr geschrieben, dass ich an sie denke, ihr von meinem Tag erzählt und mich nach ihr erkundigt – so wie wir es alle paar Tage tun. Ich hab ihr also nicht geschrieben, weil sie Geburtstag hat – sondern, weil ich an sie gedacht habe und sie mir was bedeutet. Und das ist doch viel schöner und besonderer. Deswegen war sie auch nicht sauer, sondern fands eher witzig.
Mir geht’s tatsächlich ähnlich. Ich finds auch viel ehrlicher und ganz besonders, wenn mir jemand Blumen schenkt, ne Karte schreibt oder mich anruft, weil er an mich denkt und ich ihm wirklich was bedeute. Und nicht nur weil man das am Geburtstag halt so macht. Liebe und Freundschaft zeigt sich ja nicht unbedingt an großen Tagen oder Gesten, sondern für mich viel mehr im Alltäglichen.
Katharina
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Dienstag, 07. April 2026
Ein Kaffee-Date mit meinem 18-jährigen Ich – das find ich ne spannende Vorstellung. Ich bin jetzt 25, ist also gar nicht so lang her, aber es hat sich doch echt einiges verändert. Mit 18 hab ich grad mein Abi gemacht und bin zum ersten Mal ausgezogen. Hatte noch keine Vorstellung davon, wie das Studentenleben ist. Jetzt, 7 Jahre später, stehe ich vor der nächsten Veränderung: ich mach bald meinen Abschluss an der Uni.
7 Jahre zurückzuschauen auf sein Leben – da sieht man viel, was passiert ist, was man erreicht hat und vor allem, wie stark man sich entwickelt hat. In meiner Studienzeit hab ich Sprachen gelernt, so viele Leute kennengelernt, im Ausland gelebt – es ist also viel passiert. Ich glaub aber, die größten Veränderungen sind vielleicht die, die man nicht direkt im Lebenslauf sieht: Jetzt genieße ich die Zeit mit mir selbst viel mehr, kann gelassener mit Kritik umgehen als früher und viel besser Entscheidungen treffen.
Und ich glaub, dass ist das Schöne am Älter-Werden: Dass man so viel über sich selbst lernt.
Katharina
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Sonntag, 01. März 2026
Leute in ihren Zwanzigern waren noch nie so vernetzt wie wir. Wir sind verbunden über WhatsApp, Snapchat oder Instagram. Wir schreiben und bekommen Nachrichten den ganzen Tag und verfolgen Influencer in ihrem Leben. Und gleichzeitig fühlen sich richtig viele Menschen einsam.
Das Schwierige an der Einsamkeit ist ja, dass es gar nicht so einfach ist da rauszukommen. Das Gefühl einsam zu sein zu sein, gibt keiner gerne zu – viele schämen sich dafür. Aber es gibt Strategien dagegen!
Im Hinterkopf zu haben, dass ein großer Teil der Menschen, denen man täglich begegnet, unter Einsamkeit leidet, ist schon mal hilfreich. Einsamkeit ist ein Gefühl, das viele Menschen empfinden. Und ich habe auch eine ganz positive Erfahrung, die mich immer wieder daran erinnert, wie wertvoll es ist rauszugehen:
In Norwegen habe ich eine Freundin nur deshalb kennengelernt, weil wir beide alleine auf einem Konzert waren und uns angesprochen haben. Hätten wir diesen Mut nicht gehabt, hätten wir unzählige gemeinsame Abende voller besonderer Gespräche verpasst. Das Alleine-Rausgehen kostet Mut – aber ich glaube: Es lohnt sich!
Katharina
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Freitag, 27. Februar 2026
Ich finds ein bisschen komisch: Der Valentinstag ist mittlerweile eigentlich nur noch ein Tag für Liebesbeziehungen – dabei könnte man, finde ich, an dem Tag genauso Freundschaften feiern. Ganz ehrlich, ich wüsste nämlich nicht, was ich ohne meine Freunde tun würde. Ohne diese Momente, in denen man vor Lachen weinen muss, in denen man Unsinn macht oder in denen man sich gegenseitig einfach nur zuhört. Ich habe Freundschaften, die mich durch Phasen des Lebens getragen haben – manche haben mich in bestimmten Zeiten begleitet, andere sogar seit meiner Kindheit und ich glaub, dass immer noch welche dazu kommen. Von jedem einzelnen hab ich so viel gelernt und sind mir ne richtige Stütze im Leben.
Ich weiß, dass ich nicht die Person wäre, die ich bin, wenn ich nicht meine Freunde als Wegbegleiter gehabt hätte. Ohne sie würde etwas fehlen. Wieso also nicht mal 20 Jahre Freundschaft feiern?
Katharina
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Mittwoch, 25. Februar 2026
Es gibt Menschen, bei denen das Lachen witziger ist als die eigentliche Geschichte oder der Witz. Mein Lieblingscousin ist so ein Mensch. Schon als Kind konnte er über wirklich alles lachen und auch heute ist es noch so, dass er einfach so anfangen kann zu lachen, weil er an etwas Lustiges gedacht hat. Dann kann er gar nicht mehr aufhören. Das Schöne daran ist, dass er wirklich jeden damit ansteckt: Man kann gar nicht anders, als mitzulachen.
Wie krass ist das eigentlich, dass wir Menschen so unsichtbare Verbindungen haben. Dass wir uns anstecken lassen und sich Emotionen so übertragen können. Es braucht manchmal nur einen einzigen Menschen, und schon hab ich gute Laune und bin begeistert. Aber man kennts ja genauso auch andersrum: Es gibt auch Menschen, die durch ihre Stimmung für schlechte Laune sorgen.
Das macht mir gleichzeitig auch bewusst, dass nicht nur mein Cousin, sondern jeder, auch ich, ja Leute um mich herum positiv beeinflussen kann. Vielleicht bring ich andere nicht unbedingt zum lachen – vielleicht lass ich sie schmunzeln oder sie fühlen sich wohl – Wie toll ist das denn?
Katharina
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Montag, 23. Februar 2026
Ein Auswahlverfahren, um beim Tanztraining dabei sein zu können. Meine Großnichte tanzt super gern, aber damit sie das weiterhin machen kann, muss sie das Vortanzen bestehen. Aber wieso. Ganz ehrlich, soll Sport als Kind nicht einfach Spaß machen und ein wichtiger Ausgleich im Leben sein, um mehr Energie zu haben? Ehrlich gesagt, möchte ich auch gut in meinen Hobbies sein – schneller schwimmen, besser Klavier spielen oder mehr Ausdauer beim laufen haben. Ein paar Erfolgserlebnisse braucht es ja auch, um motiviert zu bleiben.
Ich mache meine Hobbies aber nicht deshalb, weil ich darin besonders gut bin oder jemand beeindrucken möchte, sondern weil es mir Spaß macht. Genau deshalb beruhigen mich meine Hobbies: Ich bin im Flow und einfach glücklich. Wenn ich zu arg pushe, dann steht ja nur noch die Leistung im Vordergrund – und das Wesentliche geht ja dann verloren.
Klar, vergleiche ich mich mit anderen und bin auch manchmal enttäuscht, wenn mal ein Klavierstück nicht so gut gelingt. Aber irgendwie geh ich lockerer damit um. Es geht ja nicht um die anderen, sondern um mich.
Katharina
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Dienstag, 10. Februar 2026
Wenn ich genervt oder schlecht drauf bin, brauche ich manchmal jemand, bei dem ich mich über eine Situation auslassen kann. Und manchmal würde ich gern jemand anders dafür verantwortlich machen.
Mir hilft es, das Ganze von außen zu betrachten. Genau das passiert auch in einer Geschichte in der Bibel:
Jesus kommt zu Besuch bei den Schwestern Maria und Marta. Und die beiden reagieren ganz unterschiedlich auf seinen Besuch – Marta kocht, und tut alles dafür, eine gute Gastgeberin zu sein. Maria dagegen sitzt einfach bei Jesus und hört ihm zu. Während Maria die Zeit bei Jesus genießt, ärgert sich Marta über ihre Schwester. Weil sie ihr nicht hilft.
Anstatt Maria um Hilfe zu bitten, beschwert sich Marta bei Jesus: Warum sagt er nichts?
Ich verstehe Martas Reaktion: Es ist oft einfacher, anderen die Schuld zu geben. Und sie dafür verantwortlich zu machen, wie es mir geht.
Jesus sieht das und sagt: Du machst dir so viele Sorgen. Es ist dein Ärger, Marta. Du bist dafür verantwortlich.
Jesus sagt also, dass sich Marta dafür entscheiden kann, was sie tut. Es ist nicht so wichtig, was sie tut, entscheidend ist das WIE. Ob sie es mit Freude oder mit Ärger macht. Und genau das nehm ich aus der Geschichte mit: Das, was ich tue, will ich aus Freude tun.
Katharina
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Samstag, 08. November 2025
Manchmal wünsch ich mir einen riesigen Stopp-Knopf. Ich bräuchte den, wenn ich zum Beispiel in in ner Stadt was besorgen will und gefühlt die halbe Welt dort ist. Um mich herum sind so viele Leute. Es wird gedrängelt, es ist kaum Platz und es ist laut. Wie praktisch wäre es, wenn es da einen Stopp-Knopf geben würde und alles ist für einen Moment eingefroren.
Und genau das hab ich vor Kurzem in Innsbruck erlebt. Also nicht so richtig, dass es einen Stopp-Knopf gab, aber: Plötzlich haben alle inne gehalten. Mitten in der Altstadt, mit Blick auf die Berge, bleiben alle um mich herum stehen. Sie sind ruhig, schauen und hören gespannt. Denn: Ein Orchester spielt.
Es ist so faszinierend, welche Kraft Musik hat. Sie bewegt – egal, ob man selbst Musiker ist oder nicht. Bei Musik kann man gar nicht anders, als ruhig zu werden. Die 10-20 Leute, die sich an dem Tag Zeit genommen haben, um Musik zu machen – sie waren der Stopp-Knopf. Sie haben so viele Menschen dazu bewegt, einfach mal einen Moment inne zu halten.
Und so gebannt, wie alle gelauscht haben, glaube ich, dass nicht nur ich den Stopp-Knopf gebraucht habe.