Sarah
Anhören
Sonntag, 11. Januar 2026
Ein Freund von mir studiert in Weimar. Wenn ich ihn dort besuche, freue ich mich gleich doppelt – natürlich, weil ich ihn gern seh, aber auch, weil die Stadt super schön ist. Als ich das letzte Mal dort war, haben wir einen langen Spaziergang durch den Park an der Ilm gemacht. Wir hatten uns total viel zu erzählen und waren die ganze Zeit am Quatschen – aber plötzlich stoppt er mich und zeigt mir was: Im Weg ist eine Plakette eingelassen; drauf sind ein Pfeil und der Spruch: “Hebe deinen Blick und verweile”.
Ich schau’ hoch und seh’, warum die Plakette da ist: genau an dem Punkt hat man ‘ne richtig schöne Aussicht über den Park; über die riesigen, alten Bäume und die Wiesen, die so perfekt aussehen, dass sie fast fake wirken.
Ich hab mich richtig über diese Plakette gefreut;
nicht nur wegen der Aussicht, sondern weil ich durch die kleine Unterbrechung gemerkt hab, was für ein schöner Moment das war.
So Plaketten wären auch in meinem Alltag manchmal praktisch; als Erinnerung: mach kurz mal Pause und schau dich um. Da gibt’s bestimmt ganz viel Schönes, das ich sehe, erlebe oder fühle; viele kleine Momente, die ich noch mehr genießen kann. Ich werd auf jeden Fall versuchen, öfter hoch und auf diese Momente zu schauen. Auch ohne Plakette!
Sarah
Anhören
Samstag, 10. Januar 2026
Manche Geschichten aus der Bibel lese oder höre ich immer wieder. Das klingt vielleicht langweilig. Aber für mich ist das Spannende daran, dass mir jedes Mal andere Sachen auffallen.
Zum Beispiel beim Gleichnis vom Vater und seinen zwei Söhnen. Der Jüngere lässt sich sein Erbe auszahlen und geht von zuhause weg. Irgendwann geht ihm das Geld aus und er verhungert fast. Er will zurück, befürchtet aber, dass sein Vater ihn abweist. Aber der freut sich unglaublich, ihn wiederzusehen, und feiert ein großes Fest für ihn. Der ältere Sohn wird eifersüchtig, weil er die ganze Zeit für seinen Vater gearbeitet und nie ein Fest dafür gekriegt hat.
Das war für mich als große Schwester schon sehr relatable. Aber jetzt identifiziere ich mich viel mehr mit dem jüngeren Sohn. Ich bin nicht immer die Tochter, Schwester oder Freundin, die ich sein will. Ich kenne das Gefühl, jemanden enttäuscht zu haben und mich deshalb zu schämen. Genau wie die Angst, abgewiesen zu werden, wenn ich wieder auf die Person zugehe.
Gleichzeitig weiß ich, wie wichtig es ist, diesen ersten Schritt zu machen. Meine Freunde freuen sich voll, mich wiederzusehen, wenn ich mich ‘ne Weile nicht habe blicken lassen.
Was mich vom Schritt auf sie zu abhält, sind Gedanken drüber, dass ich das früher und anders hätte machen sollen. Aber was am Ende zählt, ist, dass ich jetzt den Schritt trotzdem mach’.
Sarah
Anhören
Freitag, 09. Januar 2026
Hin und wieder fragt mich jemand: “Wann bist du denn mit deinem Bachelor fertig?” Die Frage ist nicht böse gemeint, und trotzdem ist sie mir immer ein bisschen unangenehm. Weil ich meinen Abschluss noch nicht hab, fühle ich mich manchmal, als würde ich gar nicht richtig vorankommen.
Als es mir wieder mal so ging, war ich bei nem Vortrag der Schriftstellerin Jenny Erpenbeck. Sie hat wichtige Preise gewonnen, ihre Bücher sind Bestseller und eins davon ist jetzt sogar Abi-Lektüre.
Genau weil sie so erfolgreich ist, hat mich ihr Vortrag total fasziniert. Sie hat über ihren Prozess beim Schreiben gesprochen: manche Bücher hat sie angefangen, doch wieder weggelegt, und dann später neu angefangen, manchmal Jahre später. Aber das Buch, das am Ende rauskommt, ist genau wegen diesem Prozess so entstanden. “Der Mut hat Zeit gebraucht zum Wachsen” hat sie darüber gesagt.
Das hat mir echt geholfen, mein Studium anders zu sehen. Ich hänge nicht hinterher, nur weil ich noch nicht fertig bin, ich hab keine Zeit verschwendet. Meine Fähigkeiten, mein Wissen und mein Mut sind in dieser Zeit gewachsen.
Und wenn aus einem langen Schreib-Prozess ein Bestseller werden kann, dann bestimmt auch ne solide Bachelorarbeit.
Sarah
Anhören
Donnerstag, 08. Januar 2026
“Jetzt sag mal ‘Danke’!” So nen Satz hab ich als Kind immer wieder gehört, wenn mir jemand was gegeben hat; egal ob ein Geschenk oder ‘ne Scheibe Wurst beim Metzger. Ich hab mich schon gefreut, aber ich war eher schüchtern.
Wenn ich dann “danke” sagen sollte, war mir das immer ein bisschen unangenehm.
Bei manchen Bibeltexten hab ich auch das Gefühl, dass mir jemand sagt “jetzt bedank’ dich mal bei Gott”. Zum Beispiel im Lukasevangelium. Da heilt Jesus zehn Aussätzige, und nur einer kommt zurück, um ihm dafür zu danken. Jesus fragt dann, wo die anderen neun sind.
Ich weiß schon, dass ich in meinem Leben viel hab, wofür ich dankbar sein kann. Natürlich bin ich froh, dass ich relativ gesund bin. Es könnte auf jeden Fall schlimmer sein. Aber dafür soll ich jetzt Gott danken? Gott braucht meine Dankbarkeit doch eh nicht.
Stimmt, Gott braucht meine Dankbarkeit nicht. Aber ich schon. Echte Dankbarkeit, die fühlt sich für mich warm, entspannt und einfach richtig gut an. Wenn ich mich so fühle, und merke, wie gut es mir oft geht, kann ich auch besser damit umgehen, wenn mal was nicht klappt.
Manche schreiben zum Beispiel in ein Tagebuch, wofür sie dankbar sind. Und Studien haben ergeben, dass sie dann tatsächlich weniger gestresst und zufriedener sind. Deshalb will ich das auch mal probieren.
Sarah
Anhören
Mittwoch, 07. Januar 2026
Ich wurde früher in der Schule gemobbt. Jahrelang hab ich mich als Außenseiterin gefühlt. Alles an mir konnte zur Zielscheibe werden; ich war zu unsportlich, hatte nicht die richtigen Klamotten oder das richtige Handy. Und ich war einfach zu weird, egal was ich gemacht hab.
Meine Eltern und Lehrer haben mir dann immer wieder gesagt: “Es wird besser.”
Das hat sich angefühlt, als würde mich niemand ernst nehmen, oder wie eine Lüge.
Ich hätte da gern geantwortet: “Toll, aber es fühlt sich nicht so an, als würde es irgendwann besser werden.”
Das ist jetzt fast zehn Jahre her. Wenn ich in die Zeit damals zurückreisen könnte und mir eine Sache sagen könnte, die ich heute weiß? Dann würde ich tatsächlich sagen: Es wird besser.
Ich hab so viele neue Leute kennengelernt, die an mir genau das mögen, wofür ich früher ausgelacht wurde. Und ich hab noch immer die echten Freunde, die damals für mich da waren. Und: Ich will gar nicht, dass Menschen mich mögen, die andere runtermachen und ausschließen. Egal wie ich mich verstelle, irgendjemandem gefällt immer nicht, wie ich bin. Dann kann ich auch gleich ich selbst sein, und die Leute finden, die mich so mögen, wie ich bin.
Sarah
Anhören
Dienstag, 06. Januar 2026
"Siehst du vor lauter Weihnachtsbäumen das Wunder nicht?" Die Frage hab ich auf 'nem Poster vor einer Kirche gesehen - genau im passenden Moment; als ich im Bus unterwegs war und tatsächlich die Planung für die Feiertage im Kopf hatte. Um Weihnachten rum ist es für mich schon schwer in eine besinnliche Stimmung zu kommen, es gibt einfach so viel zu planen. Und wenn dann Weihnachten ist, fällt es mir nicht leicht, sofort aus diesem Modus raus zu switchen. Ich muss dann erst mal bisschen runterkommen.
Wie gut, dass Weihnachten nicht am 27. Dezember vorbei ist, auch wenn sich das im Einkaufszentrum oder im Radio so anfühlt. Die Weihnachtszeit geht für Christen nämlich mindestens bis zum 6. Januar, also bis heute. "Heilige drei Könige" sagen viele dazu, aber eigentlich heißt es Epiphaneía, auf deutsch: "Erscheinungsfest”.
Gefeiert wird an diesem Tag genau das; nämlich die Erscheinung Gottes als Mensch auf der Erde. Wenn ich also an Weihnachten zu gestresst war, und vor lauter Weihnachtsbäumen das Wunder nicht sehen konnte, kann ich heute nochmal innehalten. Und mich daran erinnern, was für ein riesiger Liebesbeweis von Gott an die Menschen da in der Krippe liegt. Und ganz in Ruhe über dieses Wunder staunen.
Sarah
Anhören
Montag, 05. Januar 2026
Ich hab zum ersten Mal ein “vision board”; ne Collage mit Bildern und Sprüchen, die für meine Ziele und Wünsche im neuen Jahr stehen. Da sind Symbole für meinen Bachelor drauf, und Sprüche über Balance, weil ich darauf dieses Jahr mehr achten will.
Als ich jünger war, fand ich’s voll gruselig, mir vorzustellen, wie die Zukunft aussieht. Meine Mutter war schwer krank, und ich hatte immer das Gefühl, dass im nächsten Moment was Schlimmes passieren könnte. Als ich älter wurde, hab ich mit Zielen und Vorsätzen angefangen, aber nie geschafft, die umzusetzen. So ein vision board zu machen, wär für mich 'n Albtraum gewesen.
Aber jetzt geht’s mir anders. Ich bin nämlich echt stolz drauf, was ich im letzten Jahr erreicht hab; auf meine Leistungen an der Uni, und dass ich mich getraut hab, zum ersten Mal vor Publikum als Schauspielerin aufzutreten.
Ich merk’ immer mehr, dass ich schon hinkriegen werde, was ich mir vornehme, und was auf mich zukommt.
Ich hab nicht mehr so viel Angst vor der Zukunft, sondern spüre Hoffnung und Vertrauen - Vertrauen mich und in Gott. Denn ich hab gemerkt, auch wenn es nicht so läuft, wie ich’s mir vorgestellt hab, lande ich trotzdem da, wo ich hingehöre.
Deshalb kann ich auch ein bisschen träumen und Pläne machen. Und auch wenn das Jahr nachher vielleicht nicht so aussieht, wie auf meinem vision board, wird es bestimmt richtig gut.
Sarah
Anhören
Sonntag, 07. September 2025
Meine Mutter hat immer wieder den Spruch gesagt: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähl ihm deine Pläne“.
An dieses Lachen musste ich denken, als ich zum ersten Mal den kleinen Sohn von meiner Cousine auf dem Arm hatte. Der Kleine ist so knuffig, mit seinen winzigen Füßen, riesigen Augen und seinem super süßen Lachen.
Ich hab dran gedacht, was alles passieren musste, bis ich ihn im Arm halten konnte.
Meine Cousine war schon seit ich ganz klein war in einer festen Beziehung - als wäre sie für die Ewigkeit. Als sie und ihr Freund sich dann nach 20 Jahren getrennt haben, hat mich das total überrascht. Aber gar nicht so lang nach der Trennung, hat sie den super lieben Typ kennengelernt, der jetzt ihr Ehemann ist, und mit dem sie ihren unglaublich süßen Sohn hat. Geplant hatte sie das so nicht.
Ich mach’ mir manchmal Sorgen, ob die Dinge so klappen werden, wie ich sie mir vorstelle, ob im Studium, oder in meiner Beziehung. Die Ungewissheit belastet mich dann schon. Aber die glückliche kleine Familie von meiner Cousine zu sehen, macht mir Mut, mehr zu vertrauen. Es wird wahrscheinlich nicht so laufen, wie ich es mir vorgestellt hab. Aber es wird sicher trotzdem richtig gut. Und bestimmt lacht Gott dann auch, wenn ich ihm hin und wieder von meinen Plänen erzähle.
Sarah
Anhören
Samstag, 06. September 2025
Bei mir haben sich in letzter Zeit viele Sachen verändert. Mein Bruder macht sein eigenes Ding, ich hab ’ne enge Freundschaft beendet und ich treff mich weniger mit Freunden und geh kaum noch feiern. Als mir das aufgefallen ist, hat mich das voll mitgenommen. Es hat sich angefühlt, als würde ich ganz viel verlieren und verpassen.
In dem Gefühlschaos hab ich 'nen Post auf Tumblr gesehen, der von „Jahreszeiten im Leben“ gesprochen hat. Die Idee war, dass nicht jede Phase gleich ist; manche sind vielleicht auch mal ruhiger, bevor wieder eine mit mehr Energie kommt, und trotzdem haben alle ihren Platz - so wie Jahreszeiten.
Und dieser andere Blickwinkel hat mir da echt geholfen.
Auch wenn ich das Sommerfeeling gerade noch genieße, werd’ ich mir nie wünschen, dass es für immer Sommer ist. Die gechillte Sommerstimmung, die mir jetzt guttut, ist irgendwann nichts mehr für mich, die Sonne wird mir zu heiß und meine Haut mir zu klebrig. Wenn es jetzt dann Herbst wird, freu’ ich mich auch drüber, dass es wieder gemütlicher ist, und die Hitze nicht so erdrückend.
Mein Leben hat sich verändert. Aber auch wenn ich Freunde verloren habe, finde ich gerade neue, ich stecke viel Zeit in mein Studium, und in meine Beziehung. Diese andere „Jahreszeit“ hat also auch ihr ganz eigenes Feeling, das ich genießen kann. Ich sehe Veränderungen nicht als Verlust, sondern als Abwechslung. Und bin gespannt, wie meine nächste Jahreszeit aussieht.
Sarah
Anhören
Freitag, 05. September 2025
Meine Tage fühlen sich gerade alle gleich an. Der ewig gleiche Stress, morgens klingelt der Wecker immer zu früh, und ich hab einfach gar keinen Bock. Zeit, die Schneekugel zu schütteln! Eh, was?
Nein, es geht mir nicht um Weihnachtsdeko, sondern um 'nen Tipp, den ich in ‘'nem YouTube-Video gesehen hab. Es ging da drum, den Winter-Blues zu bekämpfen. Die Creatorin hat den Tipp gegeben, immer wieder mal „die Schneekugel zu schütteln“. Damit meint sie: den Alltag aufrütteln, mal raus aus den eigenen Mustern und Routinen.
Ich hab gemerkt, dass ich das auch jetzt im Sommer echt gebraucht hab. Ich hatte das Gefühl nur noch zu arbeiten und trotzdem nie hinterherzukommen. Deshalb hab ich letztens 'ne Pause gemacht, und bin mit meinem Freund in den Urlaub. Neue Eindrücke zu kriegen, hat sich wie ein Reset angefühlt. Als ich zurück war, war meine To-do-Liste zwar nicht kürzer, aber ich hatte wieder Lust, mich dran zu setzen. Und klar, 'nen Urlaub kann man sich selten leisten. Aber die Schneekugel schütteln kann ich auch anders, fast immer. Einen Ausflug machen, ein Spaziergang an 'nem neuen Ort, ein neues Café oder neues Rezept ausprobieren, oder ’nen neuen Film schauen. Das alles können neue Erfahrungen sein, die einem helfen, den Alltag mal wieder aufzulockern.