Jule
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Freitag, 20. Februar 2026
Mein Bruder und ich haben uns früher oft über den gelben Teller gestritten. Wir hatten nämlich nur einen. Und wir wollten ihn beide haben. Am einfachsten wäre es vermutlich gewesen, hätten wir zwei gehabt, so mussten wir uns diesen immer teilen. Als Kind habe ich gedacht, gerecht ist es, wenn alle gleich viel haben. Jetzt weiß ich, so einfach ist das gar nicht mit der Gerechtigkeit.
Gerechtigkeit heißt nicht, dass alle das Gleiche bekommen. Es gibt noch viel mehr, was beachtet werden muss. Gerade, wenn es um mehr geht als um einen gelben Teller. Zum Beispiel, wenn es um Geld geht. Wenn’s gerecht sein soll, muss ich mich fragen: Braucht die andere Person gerade mehr Geld als ich? Mir hilft es dabei, mich in die andere Person hineinzuversetzen. Was wäre, wenn ich diejenige wäre? Vielleicht hat sie Verantwortung für eine Familie oder einen Pflegefall in der Familie. Vielleicht hat ihr Haustier in diesem Monat eine Krebsdiagnose bekommen und braucht teure Medikamente. Vielleicht kann eine Person medizinische Unterstützung durch die Erhöhung meiner Krankenkassenbeiträge bekomme, auch wenn das in meinem Geldbeutel ganz schön weh tut.
Gerechtes Handeln ist wirklich schwer. Es bedeutet eben auch, dass ich selbst mal ein paar Euro abgeben muss. Und: Gerechtigkeit beginnt, wo ich kapiere, was andere brauchen und ich über meinen Tellerrand hinausschaue: Egal, ob er gelb, blau oder rot ist.