Sarah
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Samstag, 10. Januar 2026
Manche Geschichten aus der Bibel lese oder höre ich immer wieder. Das klingt vielleicht langweilig. Aber für mich ist das Spannende daran, dass mir jedes Mal andere Sachen auffallen.
Zum Beispiel beim Gleichnis vom Vater und seinen zwei Söhnen. Der Jüngere lässt sich sein Erbe auszahlen und geht von zuhause weg. Irgendwann geht ihm das Geld aus und er verhungert fast. Er will zurück, befürchtet aber, dass sein Vater ihn abweist. Aber der freut sich unglaublich, ihn wiederzusehen, und feiert ein großes Fest für ihn. Der ältere Sohn wird eifersüchtig, weil er die ganze Zeit für seinen Vater gearbeitet und nie ein Fest dafür gekriegt hat.
Das war für mich als große Schwester schon sehr relatable. Aber jetzt identifiziere ich mich viel mehr mit dem jüngeren Sohn. Ich bin nicht immer die Tochter, Schwester oder Freundin, die ich sein will. Ich kenne das Gefühl, jemanden enttäuscht zu haben und mich deshalb zu schämen. Genau wie die Angst, abgewiesen zu werden, wenn ich wieder auf die Person zugehe.
Gleichzeitig weiß ich, wie wichtig es ist, diesen ersten Schritt zu machen. Meine Freunde freuen sich voll, mich wiederzusehen, wenn ich mich ‘ne Weile nicht habe blicken lassen.
Was mich vom Schritt auf sie zu abhält, sind Gedanken drüber, dass ich das früher und anders hätte machen sollen. Aber was am Ende zählt, ist, dass ich jetzt den Schritt trotzdem mach’.