Als ich letztens Zug gefahren bin, ist mir etwas Interessantes passiert. Der Zug war sehr voll und ich hab mir die Sitzbank mit einer anderen Frau geteilt, die ich nicht kannte. Wir haben uns nicht unterhalten, sondern saßen einfach nur schweigend nebeneinander. Irgendwann ist sie aufgestanden und hat mich gefragt, ob ich schnell auf ihre Tasche aufpassen könnte. Und dann ist sie einfach gegangen.
Diese fremde Frau hat mir ihre ganzen Sachen anvertraut, obwohl wir uns gar nicht kannten. Ich hätte sie niemals beklaut. Aber trotzdem weiß ich nicht, ob ich irgendjemand Fremden genauso blind vertrauen könnte.
Ich habe Vertrauen mal im Wirtschaftslexikon nachgeschlagen. Da heißt es: „Vertrauen ist die Erwartung, nicht durch das Handeln anderer benachteiligt zu werden; als solches stellt es die unverzichtbare Grundlage jeder Kooperation dar.“ In anderen Worten heißt das, ohne Vertrauen funktioniert nichts.
Dass ich meinen Freunden und meiner Familie vertraue, ist klar. Aber manchmal vergesse ich darüber hinaus, die Menschen, die ich nicht so gut kenne. Ich muss fremden Leuten ja nicht gleich alle meine Taschen in die Hand drücken. Aber vielleicht reicht es schon, auch auf das Gute in ihnen zu vertrauen und ihnen nichts Böses zu unterstellen. Ich will ja auch niemanden enttäuschen, wenn mir jemand vertraut.