Bei mir zuhause haben wir immer vor dem Essen gebetet. Die ganze Familie hat am Tisch gesessen und das Essen hat echt schon gut gerochen. Meine Geschwister und ich wollten gerne schnell anfangen. Aber wir mussten immer warten - zuerst wird gebetet. Das Gebet war unser gemeinsamer Beginn. Ich habe das früher oft nervig gefunden, ich hatte ja Kohldampf. Deshalb konnte ich es kaum abwarten, bis das Gebet vorbei war.
Heute sehe ich das etwas anders. Seitdem ich ausgezogen bin, esse ich oft allein. Dabei fehlt mir die Gesellschaft. Ich finde es schön, wenn man das Essen gemeinsam beginnt und miteinander redet. Außerdem ist das Gebet eine kurze Pause bevor das große Essen losgeht. Ein kleiner Moment Ruhe im Alltag. Wenn man von einem Termin zum anderen hetzt und Essen nur aus Fast Food besteht, ist es schön kurz Pause zu machen. Und mit dem Beten zeige ich auch, dass ich dankbar bin. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass es mir so gut geht.
Das Gebet vor dem Essen ist eine coole Option, einfach mal Danke zu sagen für das, was ich habe. Mittlerweile passiert es mir sogar, dass ich in der überfüllten Mensa, bevor ich esse, kurz zur Ruhe komme und dankbar bin.