»Zivilcourage« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.03.2020 gesendet.
Als ich heute zur Arbeit gegangen bin, seh ich, wie eine Radlerin plötzlich stürzt. Sie ist ziemlich heftig auf ihren Kopf gefallen und erst mal liegen geblieben. Ich bin sofort losgerannt, um ihr zu helfen.

Ich habe sie angesprochen und sie hat nur verwirrt geantwortet. Sie hat erst mal nicht gewusst, was gerade passiert ist. Der Helm war kaputt und das Fahrrad verbogen. Sie meinte aber es geht ihr gut. Unter Schock kann man das nicht so sagen. Deshalb habe ich entschieden, dass ich erst mal bei ihr bleibe. Sie wollte dann irgendwann weiter.

Ich muss die ganze Zeit an die Frau denken. Das Ganze geht mir nach und ich hoffe, dass es ihr gut geht.

Eins hat mich allerdings wirklich gefreut. Ich bin nämlich nicht die Einzige gewesen, die helfen wollte. Es kam noch eine Frau dazu, die die Situation auch beobachtet hat und andere Passanten haben auch gefragt, ob sie helfen können.
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»Gaffer« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.03.2020 gesendet.
Heute bin ich im Auto einkaufen gewesen. Unterwegs habe ich einen Unfall gesehen. Als ich vorbei gefahren bin, habe ich meinen Augen nicht trauen können. Da filmt einer während er vorbei fährt den Unfall aus dem Auto.

Wenn ich so was sehe, werde ich echt wütend. Ich kann so ein Verhalten einfach nicht verstehen. Der Gaffer gefährdet ja nicht nur sich und alle drum herum, weil er filmt und gleichzeitig Auto fährt, er behindert auch noch die Rettungskräfte.

Ich frag mich, warum sich solche Leute am Leid anderer ergötzen wollen.
Ich mein ich bin auch manchmal neugierig, aber das hat einfach Grenzen. Ich will mit meiner Neugierde niemandem schaden. Deshalb ist das, was Gaffer machen, für mich einfach egoistisch und leichtsinnig.

Mich am Leid anderer zu erfreuen finde ich nur bescheuert. Ich will doch auch nicht, dass mich einer sieht und filmt, wenn ich verletzt bin. Deswegen versuche ich einfach schnell Platz zu machen und niemanden zu behindern, wenn ich an einem Unfall vorbeifahre. Ich bin dann in Gedanken zwar auch bei den Unfallopfern, hoffe aber Gutes für sie.
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»Corona-Virus« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.03.2020 gesendet.
Als der Corona-Virus in Italien angekommen ist, hat es mich ganz schön nach unten gezogen. Meine Familie ist von dort. Und mein Onkel hat zu dem Zeitpunkt eine schwere Lungen-Op hinter sich gehabt. Wir machen uns jetzt natürlich Sorgen um ihn, weil er sehr schwach ist. Und ich glaube diese Sorgen um ihre Lieben und Angst vor dem Virus haben zurzeit viele. Ich kann das also verstehen.

Was ich allerdings nicht verstehen kann ist, dass es Leute gibt, die die Straßenseite wechseln, wenn sie eine asiatische Person sehen. Sie denken vermutlich, dass von Asiaten eine höhere Ansteckungsgefahr ausgeht. Aber nur weil der Virus von dort kommt, sind diese Menschen nicht ansteckender als andere. Dieses Verhalten macht mir Sorgen. Ich finde das eine irrationale Angst, weil ein Virus nichts mit der Herkunft einer Person zu tun hat. Und das ist besonders bedenklich, wenn Menschen deswegen benachteiligt werden.

Ich finde nämlich, dass gerade in solchen Angstsituationen Menschlichkeit umso wichtiger ist. Wir alle haben Angst. Und doch finde ich, sollten wir dabei versuchen sachlich zu bleiben, denn es schützt uns nicht, wenn wir andere ausgrenzen. Aber es hilft allen, wenn wir denen helfen, die betroffen sind.
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»Schöne Tage« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.02.2020 gesendet.
Die letzten Wochen haben mich fix und fertig gemacht. Erst Weihnachten und Neujahr, dann Termine bei der Arbeit, Klausuren und irgendwie habe ich mich gefühlt im Kreis gedreht. Ich hatte so viel zu tun, ich konnte nicht mal richtig schlafen.

Heute bin ich dann mit einer Freundin in die Therme gegangen. Wir haben nichts gemacht, außer Zeit miteinander zu verbringen, zu tratschen, etwas zu essen und einfach zu lachen. Die Zeit mit meiner Freundin und das Nichtstun waren so heilsam. Wochenlanger Stress ist einfach verflogen.

Wenn ich mit einer guten Freundin zusammen bin, kann ich einfach im Jetzt und ich selbst sein und vergesse all meine Sorgen. Es ist völlig egal was wir machen, die Zeit zusammen ist für mich einfach unkompliziert und ungezwungen.

Ich bin deshalb sehr froh, dass ich so tolle Freunde habe. Ich will in Zukunft etwas mehr Zeit mit ihnen verbringen. Vielleicht werde ich dann gar nicht erst so gestresst. Denn Tage, die ich unter Menschen verbringe, sind für mich die wirklich schönen Tage.
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»Divers« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.01.2020 gesendet.
Freunde von mir haben vor kurzem im Standesamt geheiratet. Kurz davor musste ich mal und war dann doch verwirrt, weil es da drei Toilettentüren gibt. Dann habe ich gesehen, dass eine Türe mit „Diverse-Toilette“ beschriftet ist. An ihr hängt ein Zettel, der klarmacht, dass die Toilette für alle zur Verfügung steht.

Es gibt eben nicht nur Männer und Frauen, die Geschlechter sind einfach divers: Manche sind weder männlich noch weiblich, andere sind beides sind und dann gibt es auch die, die sich einfach nicht entscheiden wollen. Diese Leute, aber auch alle anderen dürfen auf diese diverse Toilette. Deswegen bin ich dann sofort rein, weil ich es einfach cool finde.

Ich finde es wichtig, dass wir in unserer Gesellschaft umdenken und auch an die denken, die nicht den klassischen Rollenbildern von Mann und Frau entsprechen. Eine Frau trägt nicht immer gerne pink und nicht jeder Mann ist der geborene Handwerker.

Für mich ist jeder Mensch gleich viel wert. Ich weiß jeder von uns hat gute und schlechte Seiten. Ich glaube die Mischung macht’s und das überall. In der Welt gibt es auch nicht nur schwarz und weiß. Gott hat sie ganz bunt gemacht.
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»Tiefe Verbindung« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.12.2019 gesendet.
Mein Vater hat vor ein paar Jahren Stammzellen über die DKMS, also die „Deutsche Knochenmarkspenderdatei“ gespendet. So eine Stammzellenspende ist riskant. Es kann manchmal sein, dass das Immunsystem die Stammzellen ablehnt. Manche Empfänger sterben nach der Spende. Wenn eine Stammzellspende erfolgreich ist, ist das immer ein großer Glücksfall.

Um alle zu schützen gibt es strikte Regeln. Wir durften zum Beispiel zwei Jahre lang nicht erfahren, an wen die Spende von meinem Vater ging. Wir haben uns aber immer wieder nach dem Spendenempfänger und seinem Gesundheitszustand erkundigt.

Obwohl wir nicht gewusst haben, an wen die Spende ging, hat meine ganze Familie da gleich so eine Verbindung zu dem Empfänger gespürt. Wir haben mit dem Fremden gehofft und uns über jede gute Nachricht gefreut.

Letzten Sonntag durfte sich meine Familie dann endlich mit ihm treffen. Jetzt ist da ein Gesicht. Der Empfänger ist ein junger Mann. Er hat uns mit seiner Freundin besucht und viel von seiner Geschichte und seinen Plänen erzählt. Er hatte Leukämie. Er war zweimal daran erkrankt und hat es nur schwer überlebt. Ich finde es unfassbar schön, wenn ich sehe, dass jemand, der so schwer krank war, sich langsam erholt und wieder Pläne macht.
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»Massentierhaltung« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.12.2019 gesendet.
Ich habe gerade eine Dokumentation über Eier gesehen. Darin geht es darum, wie Betriebe die Eier produzieren und sie hinterher kennzeichnen. Die Journalisten zeigen nicht nur wie Eier gekennzeichnet sind, sondern auch wie die Hühner in Wirklichkeit gehalten werden.

Wenn ich in den Supermarkt gehe, sehe ich Eier mit Etiketten aus Freiland-, Boden-, Bio- und Käfighaltung. Dann gehe ich ja davon aus, dass die Hühner auch so gehalten werden. Die Macher der Doku sagen aber, dass es den meisten Hühnern in den gezeigten Betrieben gleich schlecht geht. Ehrlich gesagt fühl ich mich da veräppelt.

Die Bilder haben mich echt erschreckt. Da ist überall Kacke und Dreck, viel zu viele und auch verletzte Tiere und manche liegen sogar einfach tot rum. Das macht mich echt wütend. So geht es einfach nicht!

Ich will alle Lebewesen der Schöpfung schätzen und sie nicht ausbeuten. Ich habe einfach das Gefühl, dass ich mich auf die Angaben auf den Verpackungen nicht verlassen kann. Deshalb kaufe ich meine Eier jetzt bei einer Bekannten. Die hat ihre Hühner im Garten. Denen geht es wirklich gut und ich fühle mich damit einfach besser.
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»24-7« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 10.12.2019 gesendet.
24-7. Manchmal habe ich das Gefühl ich soll 24 Stunden, 7 Tage die Woche erreichbar sein. Auf der Arbeit, aber auch in meinem Sportverein, selbst unter meinen Freunden und in meiner Familie: überall bilden die Leute Facebook- und WhatsApp- Gruppen. Sie meinen, dass man so erreichbar ist, falls was Wichtiges oder Dringendes ansteht.

In den Gruppen, in denen ich bin, schreiben viele aber auch Nachrichten, die ich nicht so wichtig finde. Oder sie posten ständig Videos und persönliches. Das führt dazu, dass mein Handy den ganzen Tag vibriert. Ich habe heute zwei Stunden nicht aufs Handy geschaut und schon sind da 48 Nachrichten.

Ich weiß gar nicht, wie ich da noch hinterherkommen soll. Das Ganze stresst mich total und deswegen will ich was daran ändern. Nachts schalte ich mein Handy sowieso immer aus. Aber sobald ich es anschalte vibriert das Ding ununterbrochen.

Ich bin jetzt mal aus einigen Gruppen ausgetreten, die für mich nicht so wichtig sind. Was die anderen Gruppen betrifft, gibt es für mich jetzt feste Zeiten, zu denen ich auf Nachrichten reagiere und handyfreie Zeit. Da finde ich auch mal Raum nur für mich. Zeit, in der ich einfach mal gemütlich einen Tee oder Kaffee trinken kann, ein bisschen Musik höre und zur Ruhe komme. Weil mir das einfach guttut.
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»Glaubenskrisen« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 27.11.2019 gesendet.
Als meine junge Cousine fast an Krebs gestorben ist, bin ich in eine richtige Glaubenskrise gekommen. Ich frag mich die ganze Zeit, warum Gott das zulässt. So geht’s mir jetzt wieder, weil mein Onkel auch Krebs bekommen hat. Ich zweifle in solchen Momenten manchmal daran, ob es Gott überhaupt gibt.

Ich finde meine Zweifel aber auch etwas Gutes. Ich bin ein sehr kritischer Mensch und lasse nichts unhinterfragt. So geht’s mir auch mit meinem Glauben. Ich brauche das Zweifeln, um eine wirkliche Verbindung zu Gott spüren zu können. Ich will nicht einfach alles annehmen. Zweifel sind ja auch ein Zeichen dafür, dass mir etwas wichtig ist.

Ich denke sogar, dass meine Zweifel mich in meinem Glauben bestärken, denn ich finde in Krisen immer wieder zu Gott zurück. Ich suche bei ihm Trost und Halt und kann meine Wut verarbeiten. Dass mein Glaube auch diese Zweifel aushält bestärkt mich. Ich hoffe, dass das auch in Zukunft so sein wird.
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»Ehe für alle« von Elena   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.11.2019 gesendet.
Die Ehe für alle. Ich versteh nicht, warum homosexuelle Paare nicht in der Kirche heiraten können.

Es gibt Leute, die argumentieren damit, dass die kirchliche Ehe vor allem den Zweck hat, Kinder hervorzubringen. Da gleichgeschlechtliche Partner keine Kinder bekommen können, kann also so eine Ehe diesen Zweck nicht erfüllen. Das ist in meinen Augen aber sehr einseitig. Eigentlich ist es auch nicht ganz richtig. Eine Ehe ist viel komplexer. Auch für die Kirche gehört zur Ehe mehr: Zum Beispiel Vertrauen, Verantwortung, Liebe und Lust.

Ich habe lesbische Freundinnen, die ihre Partnerschaft Gott anvertrauen wollen. Ich finde es einfach nur schade, wenn sie das nicht können, nur weil sie nicht dem klassischen Rollenbild entsprechen. Klar, sie können biologisch keine Kinder zeugen aber sie können welche adoptieren. Sie können sich lieben, einander vertrauen und Verantwortung für einander übernehmen, wie heterosexuelle Paare auch. Und sie wollen Gott mit dabeihaben. Damit erfüllen sie in meinen Augen doch all das was eine christliche Ehe ausmacht.
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