»Totensonntag« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 22.11.2020 gesendet.
Heute ist Totensonntag. Da wird an die Verstorbenen gedacht. Dieses Jahr ist der Totensonntag für mich besonders, weil mein Großvater gestorben. Er war schon sehr alt und auch krank. Es war deswegen okay für mich, ihn jetzt zu verabschieden. Das Schöne war: Ich konnte ihn sogar kurz bevor er starb, noch mal besuchen.
Meine Tante saß auch dort und hat dann zu meinem Großvater gesagt: Jetzt wirst du in die Ewigkeit hineingeboren. Das fand ich irgendwie einen coolen Satz. Weil er sagt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Das hat mir in dem Moment Hoffnung gegeben.
Und dann haben wir an seinem Bett gesessen und Kirchenlieder gesungen. Ein Lied von Dietrich Bonnhoeffer. Da heißt es: Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Ich glaube so ging es meinem Großvater. Er wusste, dass es jetzt vorbei ist. Sicher hatte er auch ein bisschen Angst. Aber ich glaube, er konnte doch in Ruhe sterben und das so annehmen. Denn er wusste und hat gespürt: Gott ist auch im Sterben bei ihm. Seine Liebe begleitet ihn auch in den Tod. Auch mich hat das total beruhigt und getröstet, dass ich gewusst habe: Mein Großvater ist nicht allein.
Auf Facebook teilen
»Geburtstag« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 20.11.2020 gesendet.
Ich hatte vor kurzem Geburtstag. Ich bin fünfundzwanzig geworden. Ein viertel Jahrhundert. Klingt irgendwie echt alt. Aber irgendwie auch nicht.
Wenn ich so zurückdenke, habe ich ja schon echt viel erlebt. Ich habe viele Freunde gefunden. Ich habe durch meinen Beruf Menschen beeinflusst. Als Sozialarbeiter unterstütze ich Menschen, die es brauchen. Und ich glaube, die würden mich schon vermissen, wenn ich nicht mehr da wäre. Deshalb fühle ich mich gebraucht. Habe das Gefühl, dass ich wichtig bin.
Andererseits denke ich manchmal auch: So bedeutend bist du halt auch nicht. Menschen gibt es seit etwa 40.000 Jahren. Und ich bin 25. Wenn ich etwas nicht mache, dann machts halt jemand anderes. Das klingt jetzt vielleicht erst mal negativ. Ist es für mich aber gar nicht. Ich finde beides wichtig.
Auf der einen Seite ist das, was ich mache, relevant. Es macht einen Unterschied, ob ich zum Beispiel meine Arbeit mache oder lasse. Auf der anderen Seite bin ich nur ein Teil des Ganzen. Nach mir wird es andere Menschen geben. Und es gibt noch Größeres und Wichtigeres als mich. Für mich ist das Gott. Ich glaube, er war schon immer da; seit es die Welt gibt. Und wird auch noch lange nach mir da sein. Im Vergleich dazu bin ich echt unwichtig. Das finde ich aber eigentlich ganz entspannend. Denn das heißt: Ich muss nicht alles selber machen und kann gar nicht alles alleine schaffen. Es gibt noch mehr als mich. Und doch bin ich wichtig!
Auf Facebook teilen
»Buß- und Bettag« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.11.2020 gesendet.
Heute ist Buß- und Bettag. Buße – das klingt ja so nach Strafe. Geldbuße zum Beispiel. Am Buß- und Bettag geht es aber nicht darum, jemanden zu bestrafen.
Buß- und Bettage gab es in der Geschichte immer wegen besonderen Notständen oder Gefahren. Die Menschen sollten über ihr Verhalten nachdenken, es ändern und viel beten. Sie sollten einsehen, dass sie viel falsch gemacht haben. Das nennt man Buße tun. Man glaubte, so könne die Gefahr vielleicht abgewendet werden. Daran erinnert der Buß- und Bettag. Insofern ist der Tag dieses Jahr vielleicht sogar besonders wichtig. Covid19 ist ja eine neue Gefahr für uns. Aber kann man diese Gefahr jetzt wegbeten? Können wir sie abwenden, wenn wir Buße tun? Ich denke nicht. Ich glaube auch nicht, dass man jemand für Corona verantwortlich machen kann.
Trotzdem finde ich es gut, dass es den Buß- und Bettag gibt. Einen Tag, an dem ich darüber nachdenke, was ich besser machen könnte. Und ich finde, in dieser Pandemiezeit wurden ja auch so manche Missstände offensichtlich. Zum Beispiel in der Fleischindustrie. Die Arbeitsbedingungen sind teilweise echt schlimm. Deshalb will ich in diesem Punkt umdenken. Ich will nur noch Fleisch kaufen, das unter anständigen Bedingungen – für Mensch und Tier – produziert wurde.
Auf Facebook teilen
»Haben oder Sein« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.11.2020 gesendet.
Ich habe mir ein Auto gekauft. Mein erstes eigenes Auto. Das hat mich eine Zeit lang richtig glücklich gemacht. Aber irgendwann hat das Glücksgefühl nachgelassen. Es ist für mich jetzt schon fast normal, dass ich ein Auto habe.
Das lässt sich auch biologisch erklären. Denn da wird Dopamin ausgeschüttet. Wie wenn man Schokolade isst. Das Problem am Dopamin ist, dass man davon immer mehr will. Offensichtlich war das auch schon vor 2000 Jahren so. Jesus erzählt die Geschichte von einem reichen Kornbauer. Der wollte immer mehr haben. Er sammelt ganz viel Getreide und baut sich größere Scheunen, um es zu lagern. Aber am Ende kann er mit dem ganzen Getreide gar nichts anfangen. Ihm wird die Frage gestellt: Was hat es dir jetzt gebracht, dass du so viel angehäuft hast? Die Antwort ist eigentlich klar: Nichts!
Bei mir ist es ja irgendwie ganz ähnlich. Ich hab mir mit dem Auto auch was angehäuft. Und natürlich ist es cool, jetzt mobiler zu sein. Aber dass ich das Auto gekauft habe und jetzt besitze, macht nicht dauerhaft glücklich. Auch nicht, wenn ich noch fünf weitere Autos kaufe. Glück, das länger anhält, ist für mich zum Beispiel, wenn ich mit meiner Freundin zusammen bin. Ich merke, es geht nicht darum, immer mehr zu haben. Ich bin mehr als das, was ich besitze. Deshalb will ich mich auch vor allem darum kümmern, was mich wirklich glücklich macht.
Auf Facebook teilen
»Tabubruch« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 09.10.2020 gesendet.
Es gibt Themen, über die rede ich kaum mit meinen Kumpels. Menstruation zum Beispiel. Klar, es betrifft uns ja eigentlich auch nicht. Aber ich habe auch den Eindruck: Männern ist es oft irgendwie peinlich, darüber zu reden. Es ist ein Tabu, darüber zu sprechen. Ich finde aber: Eigentlich sollte das nicht so sein. Es sollte überhaupt keine Tabuthemen geben. Denn durch Schweigen oder umgehen werden Sachen meist auch nicht besser.
Es gibt in der Bibel eine Geschichte, da begegnet Jesus einer Frau, die Dauerblutungen hat. Dauerblutungen das ist eine Krankheit und etwas ganz anderes als eine normale Menstruation. Aber in der Geschichte wird sehr deutlich, dass Jesus mit Tabus bricht. Denn nach dem damaligen Gesetz galt diese Frau wegen ihrer Krankheit als unrein. Sie durfte nicht berührt werden. Deshalb haben sich alle von ihr ferngehalten und sie durfte nicht unter Menschen.
Doch dann hört Sie von Jesus und denkt sich, wenn ich den berühre, dann werde ich gesund. Sie mischt sich unter die Menschenmenge, die um Jesus herumsteht, und berührt ihn. Sofort ist sie gesund. Und Jesus beschwert sich nicht über sie oder läuft weg, sondern spricht ganz freundlich mit ihr.
Ich erkenne daran: Gesellschaftliche Vorgaben sind für Jesus nicht so wichtig. Er orientiert sich an dem, was die Menschen brauchen. Er hilft ihnen und handelt nicht nach dem, was andere Menschen tun würden, sondern was er für richtig hält. Dabei bricht er auch Tabus. Ich finde, das können wir uns heute auch vornehmen. Denn: Wenn wir niemals Tabus brechen, kann auch nichts Neues entstehen, sondern alles bleibt immer beim Alten!
Auf Facebook teilen
»Blumen« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 08.10.2020 gesendet.
Blumen find ich krass. Die begleiten einen das ganze Leben.
Zur Geburt bekommen die Eltern manchmal Blumen geschenkt. An meiner Konfirmation hab ich ne Blume am Jackett getragen. Bei Hochzeiten wirft die Braut den Brautstrauß. Bei den wichtigen Ereignissen im Leben gibt’s Blumen! Sie sind schön und drücken Freude am Leben aus. Aber Blumen welken auch. Und auch wenn jemand stirbt, wirft man Blumen ins Grab.
So zeigen sie mir also auch, dass das Leben vergänglich ist. Wie eine Blume irgendwann verwelkt, so werde auch ich irgendwann alt und muss sterben. Ich finde, es ist klug, daran zu denken, dass wir irgendwann sterben müssen. Auch als junger Mensch. Denn dann bin ich dankbar für jeden Tag, den ich lebe. Dankbar für jeden Tag, an dem ich glücklich bin. Aber auch dankbar für Tage, die mich anstrengen. Trotzdem macht mir der Tod auch manchmal Angst. Schließlich lebe ich ja gerne.
Mir hilft dann, dass ich daran glaube, dass nach dem Tod nicht alles aus ist. So muss ich nicht alles auf dieser Erde erreicht haben. Ich muss nicht alles gemacht haben. Ich glaube, dass es danach noch weitergeht. Wie weiß ich nicht. Aber ich glaube, dass es da einen Gott gibt, der noch über alles auf dieser Welt hinaus geht. Er begleitet einen das ganze Leben – und auch danach.
Auf Facebook teilen
»Wahrheit beginnt zu zweit« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.10.2020 gesendet.
Was ist denn jetzt wahr? Die Frage ist manchmal gar nicht so einfach zu beantworten. Was mich dann wirklich nervt, sind Menschen, die einem das Gefühl geben, dass nur sie recht haben. Menschen, die vorgeben, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Alle anderen liegen falsch.
Ich bin auch schon öfter Christen begegnet, die anscheinend alles wussten. Das fand ich ganz schön abschreckend, obwohl ich ja auch selbst Christ bin. Ich frag mich da immer: Woher nimmst du dir das Recht, das alles zu wissen? Zum Beispiel: Woher willst du wissen, was nach dem Tod passiert? Da gibt’s dann so Antworten wie: Das steht doch in der Bibel. Aber die ist da eben auch gar nicht immer so eindeutig.
Ich glaube, es gibt nicht die eine Wahrheit. Wahrheit entsteht dann, wenn ich mich mit jemand austausche, wenn wir gemeinsam die Wahrheit suchen. Wenn ich mit andern diskutiere, ohne dass ich sie nur von meiner eigenen Meinung überzeugen will. Manchmal muss ich mir dann auch eingestehen, dass ich falsch liege. Aber ich glaube, man kann nur gemeinsam herausfinden, was wahr ist und was nicht.
Auf Facebook teilen
»Unglaublich« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 12.09.2020 gesendet.
Es gibt unglaubliche Geschichten in der Bibel. Mose zum Beispiel soll das Meer geteilt haben. Also einfach mal so zack in der Mitte durch. Und dann ist er da mit seinem ganzen Volk durchgelaufen? Oder Jesus. Der hat 5.000 hungrige Menschen satt gemacht, obwohl er nur zwei Fische und fünf Brote hatte. Als das große Essen dann vorbei war, hat er sogar noch ganze Körbe voll mit Essen wieder eingesammelt. Wie hat er das gemacht? Ich hab keine Ahnung. Eins ist aber auf jeden Fall sicher: Diese Geschichten sind unglaublich.
In diesem kleinen Wort ‚unglaublich‘ stecken für mich zwei Bedeutungen drin: Auf der einen Seite denke ich, diese Geschichten sind unglaublich - im Sinne von ‚ich kann das nicht glauben‘. Das ist doch unlogisch. Das ist unrealistisch. Total verrückt. Andererseits denke ich manchmal auch diese Geschichten sind doch ‚unglaublich‘ im Sinne von ‚unglaublich schön‘ oder ‚unglaublich faszinierend‘. Es ist für mich unglaublich, zu was Gott alles fähig ist und was er alles vollbringen kann.
Für mich ist beides wichtig. Zum einen immer wieder danach zu fragen: Kann das wirklich so gewesen sein? Oder: Was ist eigentlich die Bedeutung der Geschichte? Schließlich möchte ich nicht einfach naiv alles glauben. Und auf der anderen Seite will ich mich von diesen Geschichten auch einfach begeistern lassen und darin diesen unglaublichen Gott entdecken, der alles schaffen kann.
Auf Facebook teilen
»Umarmung« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 10.09.2020 gesendet.
Ich habe den Eindruck: Viele Menschen wollen im Moment zurück zur Normalität. Und mit Normalität wird häufig gemeint, dass alles wieder wie ‚vor Corona‘ sein soll. Ich finde, das ist kein sinnvoller Wunsch.
Denn ich finde, wir könnten aus der aktuellen Situation eine Menge lernen und in Zukunft manches anders machen. Ich hab zum Beispiel neulich gemerkt, wie wichtig persönlicher Kontakt ist. Jemand anderen berühren. Ich hab mal wieder einen Kumpel umarmt. Das hab ich während der Corona-Hochphase lange nicht gemacht. Und das war alles andere als normal. Das war besonders. Berührungen sind für unser Überleben notwendig. Ein Baby, das völlig körperlich isoliert ist, stirbt. Selbst wenn es ausreichend mit Nahrung versorgt wird. Es benötigt auch körperliche Nähe, dass es berührt wird. Und das gilt nicht nur für Babys, auch Erwachsene brauchen Berührungen. Klar, es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie viel Körperkontakt man als angenehm empfindet. Trotzdem glaube ich, dass in Berührungen etwas Heilsames steckt. Ich kann so mit anderen Freude teilen oder sie trösten.
Ich wünsche mir also, dass nicht alles wieder so wird, wie früher, sondern wir unser Verhalten manchmal ändern. Ich möchte den Menschen in Zukunft zum Beispiel herzlicher und körperlicher begegnen. Denn ich glaube, das tut der ganzen Gesellschaft gut.
Auf Facebook teilen
»Colin Kaepernick« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.09.2020 gesendet.
Ich habe vor Kurzem eine Doku über Colin Kaepernick geschaut. Die hat mich richtig berührt. Kaepernick hat sehr erfolgreich American Football gespielt. Er war Quarterback der San Francisco 49ers und hat es bis in den Super Bowl geschafft. Das ist das größte Spiel im American Football; eines der wichtigsten Sportereignisse weltweit. Mehr kann man als Footballer nicht erreichen.
Aber es sind nicht nur die sportlichen Leistungen, die mich an Kaepernick faszinieren. Er ist auch eine Symbolfigur des Widerstands in den USA. Er hat damit begonnen, sich während der Nationalhymne hinzuknien, um gegen Rassismus zu protestieren. Das hat ihm letztlich seine ganze Karriere gekostet. Niemand wollte ihm noch einen Vertrag geben.
Ich finde das richtig unfair. Ich glaube aber auch, dass Kaepernick wusste, dass das passiert. Er hat es trotzdem gemacht. Das beeindruckt mich: Er hat auf seinen persönlichen Erfolg verzichtet, um für eine größere Sache zu kämpfen. Sich gegen Unterdrückung und Rassismus einzusetzen ist ihm wichtiger als es nochmal in den Super Bowl zu schaffen. Was für eine krasse Botschaft.
Ich glaube, im Prinzip hat schon Jesus das Gleiche gesagt und getan. Er hat mit seinem ganzen Leben gezeigt: Es geht nicht darum, alles zu gewinnen. Nicht persönlicher Erfolg ist das Wichtigste. Sondern ich soll immer auch nach anderen schauen und den Menschen helfen, die unterdrückt werden oder benachteiligt sind. Ich selber schaffe das ganz oft nicht. Aber genau deswegen finde ich es wichtig, dass es Menschen wie Colin Kaepernick gibt. Er erinnert mich daran: Es geht nicht immer nur um mich!
Auf Facebook teilen