»Christsein« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.12.2018 gesendet.
Wenn etwas Schlimmes passiert und Menschen aus meinem Umfeld betroffen sind, fällt es mir schwer zu sagen, dass ich auf Gott hoffe. Das ist in solchen Momenten irgendwie komisch und fühlt sich unangebracht an. Trotzdem ist mir mein Glaube wichtig. Er ist für mich wie eine Basis mein Leben. Auch in unangenehmen Situationen. Dann brauche ich nicht zu sagen, dass ich auf Gott hoffe. Sondern es reicht, dass ich da bin und zuhöre.
Und ich glaube genau darauf kommt es auch an. Es geht nicht darum jedem auf die Nase zu binden, dass ich glaube und in die Kirche gehe, sondern darum, dass ich als Christ lebe – in meinem Alltag.
Dass ich da bin, wenn ich gebraucht werde und vielleicht einfach mal zuhöre, wenn einer um mich herum jemanden zum Reden braucht.
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»Stille Zeit« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 30.11.2018 gesendet.
Es könnte der Trailer eines schlechten Horrorfilms sein: Eine Woche mitten in der Pampa. Kaum Handyempfang und leerer Akku ohne das Ladekabel eingepackt zu haben.
Für mich ist das eine Woche real gewesen und ganz und gar kein Horror. Ich war für eine Woche im Kloster.
In dieser Woche habe ich sehr viel Zeit gehabt. Um zu entspannen und für mich selber. Um trotzdem nichts zu verpassen hab ich eigentlich auch mein Handy mitgenommen. Doch mein Akku hat schlapp gemacht und mein Ladekabel ist zuhause geblieben.
Im Nachhinein war das die beste Woche, seit langem. Keine aufploppenden Nachrichten – nicht mal das Durchscrollen von stummgeschalteten Gruppen – nichts. Eine ganze Woche lang Funkstille. Stattdessen war ich draußen in der Sonne, habe die Landschaft um mich herum angeschaut – ohne auf der Suche nach dem nächsten Selfie zu sein. Das hat mir sehr gut getan.
Jetzt bin ich wieder zuhause – klar war ich erst mal einige Zeit damit beschäftigt, alte Nachrichten anzuschauen und ich muss sagen: Wirklich was verpasst habe ich nicht.
Also kann ich doch auch in Zukunft mein Handy ausschalten. Das muss ja nicht gleich so krass sein und ne ganze Woche am Stück, aber vielleicht mal für einen Tag oder eine Stunde am Tag Funkstille.
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»Christkönig« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.11.2018 gesendet.
Vor hundert Jahren ging es in Europa ziemlich drunter und drüber: Monarchien sind zerfallen, der Erste Weltkrieg ist zu Ende gegangen. Gleichzeitig sehnen sich Menschen nach einem, der sagt wo es lang geht. In Deutschland setzen zu dieser Zeit immer mehr Menschen die Hoffnung in die Idee eines Führers.
Damals haben die Christen ein Gegenkonzept entwickelt: Sie feiern seitdem Jesus als ihren König. Ende November ist deshalb das Fest „Christkönig“. Zugegeben: das klingt heute vielleicht etwas schräg. In einer Zeit, in der wir in Demokratien leben. Was hat das dann mit heute zu tun?
Heute sehnen sich viele Menschen nach einfachen Lösungen, weil vielen irgendwie alles zu kompliziert wird. Radikale Positionen versuchen einfache Lösungen anzubieten, weil sie wissen wen sie bekämpfen wollen. Sie haben klare Feindbilder, die andere Menschen ausschließen.
Dabei wünsche ich mir klaren Zeichen von Christen. Ein Gegenkonzept zu Radikalismus und Rassismus: Jesus ist jedem Menschen freundschaftlich begegnet. Klar – ich kann nicht mit allen Menschen befreundet sein und muss das auch nicht. Es kommt darauf an, dass ich jeden Menschen auf Augenhöhe begegne und ihn respektiere. Auch wenn das nicht einfach zu leben ist, finde ich dies ein zeitgemäßes Gegenkonzept.
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»Nudeln und Sorgen« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.11.2018 gesendet.
Ich komme von der Arbeit und habe mega Hunger. Also mach ich mir ne Packung Spagetti auf und koch mir eine ordentliche Portion Nudeln mit Pesto.
Als der Nudelberg vor mir steht und ich merke, dass ich mir mal wieder viel zu viele Nudeln gemacht habe, fällt mir ein Spruch ein, den ich auf einem Aufkleber gesehen habe. „Mit Sorgen ist es wie mit Nudeln – du machst dir zu viele.“ Für die Nudeln kann ich das heute Abend unterschreiben.
Und wenn ich ehrlich zu mir bin, ist das mit den Sorgen manchmal auch so. Zum Beispiel sorge ich mich, dass es meiner Familie gut geht, dass ich meine Arbeit gut mache oder mir Gedanken mache was andere von mir denken.
Gleichzeitig weiß ich, dass ich nicht alles leisten kann. Manches muss ich auch gar nicht leisten. Denn, dass es meiner Familie gut geht hängt ja nicht nur von mir ab und was andere Leute von mir halten kann ich auch nur wenig selbst beeinflussen.
Mir das bewusst zu machen, hilft mir. Weil ich nicht alles machen muss und mich nicht um alles sorgen muss.
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»Händedruck« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.10.2018 gesendet.
Vor ein paar Wochen ist ein Bekannter von mir bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Ich bin mit ein paar Kollegen zur Beerdigung gegangen, auch wenn wir uns in letzter Zeit etwas aus den Augen verloren haben. Es ist mir wichtig Abschied zu nehmen.
Als ich an seinem Grab bin und vor seinen Eltern stehe, weiß ich nicht was ich sagen oder machen soll. Ich habe diese Leute noch nie gesehen. Ich sehe sie da geschockt stehen und ich fühle mit ihnen. Ich wünsche ihnen, dass sie mit dem Tod ihres Sohnes klarkommen und, dass sie weiterleben können und nicht in ihrer Trauer versinken.
Aber in diesem Moment stehe ich einfach nur vor diesen Menschen und weiß gar nichts mehr. Ich gebe ihnen die Hand, nicke ihnen zu und gehe weg. Es fühlt sich irgendwie unangenehm an, ihnen nichts sagen zu können. Und trotzdem finde ich es wichtig, dass ich mich dazu überwinde. Vermutlich spielt es keine Rolle, was ich sage. Vielleicht sagt der Händedruck das, was ich nicht mit Worten sagen kann. Es ist einfach wichtig, dass ich da bin, weil ich Ihnen damit zeige, dass ihr Sohn etwas bedeutet.
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»Fit mit Gott« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.10.2018 gesendet.
Ich gehe jetzt wieder regelmäßig joggen. Ich mache das nicht für meine Figur oder weil ich fitter werden will.
Für mich bedeutet das etwas anderes. In meinem Job sitze ich viel und bewege mich wenig, außerdem bin ich viel drinnen.
Mir fehlt es draußen zu sein. Mir fehlt es etwas anderes zu machen als nach der Arbeit auch drinnen zu chillen. Außerdem möchte ich auch mal Zeit für mich alleine haben. In der Zeit allein habe ich auch Zeit mit Gott. Denn wenn ich alleine bin, in meinen Gedanken - vertraue ich darauf, dass es Gott meine Gedanken auch kennt und da ist. Das hilft mir eine andere Perspektive zu sehen. Eine Perspektive, die ich in meinem Alltag nicht bekomme, aber hier beim Joggen - durch den Abstand und die Zeit.
Im Alltag regen mich manchmal Kleinigkeiten auf, wenn der Kaffee leer ist oder ich mich nicht konzentrieren kann. Beim Joggen in Gedanken sind diese Dinge nicht mehr so wichtig – das hilft mir, mich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.
Deshalb gehe ich jetzt wieder joggen - und es tut mir gut. Wenn ich joggen gehe, ist das für mich eine Art Gebet, weil ich beim Laufen in meinen Gedanken bin und diese mit Gott teile.
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»Wir sind mehr« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.09.2018 gesendet.
Einige meiner Freunde und Bekannte haben ihr Profilbild bei facebook geändert. Auf ihren Bildern ist jetzt im Vordergrund ein Feld mit dem Hashtag #wirsindmehr.
Der Hasthtag #wirsindmehr ist ein Zeichen dafür, dass ich mich gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen möchte und mit anderen Menschen solidarisch bin. Mein Profilbild auch so zu verändern bedeutet für mich, dass ich mich damit für Mitmenschlichkeit ausspreche. Viele Leute machen das. Egal, welche Religion sie haben. Aber für mich gehört es als Christ dazu.
Weil ich an einen Gott glaube, der jedem Mensch den gleichen Wert gegeben hat. Und der jeden Menschen liebt und für ihn das Beste will. Für mich macht das die Würde des Menschen aus. Und das ist mir ja nicht nur wichtig, wenn ich bete, sondern ich will es auch leben. Dies heißt für mich, dass ich einen Standpunkt vertrete, der auch zu meinem Glauben passt.
Deshalb will ich ein Zeichen setzen und zeigen, dass ich gegen Rassismus bin. Ich zeige, wofür ich bin und hoffe – wir sind mehr.
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»Gehalten werden« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 11.08.2018 gesendet.
Heute besuche ich meine Nichte zum ersten Mal. Sie ist knapp zwei Wochen alt. Ich spiele mit ihr, soweit es geht und blödel etwas mit ihr rum – mache Faxen und ziehe ein paar Grimassen. Es ist schön zu sehen, wie sie jeden anlächelt und darauf reagiert, was ich mache.
Als wir auf dem Sofa sitzen, darf ich die Kleine auch einmal auf meinen Arm nehmen. Ich bin stolz, dass ihre Eltern mir so vertrauen und sie mich halten lassen.
In diesem Moment brauche ich nichts Anderes und kann auch nicht mehr wirklich dem Gespräch folgen, da sind nur meine kleine Nichte auf meinem Arm und ich. Es ist mir bewusst, dass ich jetzt in diesem Moment die volle Verantwortung für die Kleine trage, weil ich sie auf meinem Arm habe. Das ist ist ein schönes Gefühl.
Auch wenn ich das nicht immer so spüre, habe ich diese Verantwortung auch in meinem Alltag. Zuerst für mich selbst, dass ich zum Beispiel mein Leben auf die Reihe bekomme. Aber ich trage auch Verantwortung für andere. Für meine Partnerin und meine Freunde. Denn bei Menschen, die ich mag, fühle ich mich geborgen.
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»Kindsein« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.08.2018 gesendet.
In meinem Alltag bin ich ziemlich eigenständig. Mein Studium organisiere ich selbst, entscheide, wann ich was erledige. Kümmere mich um Termine beim Arzt, jobe sogar nebenbei eigenverantwortlich und koche mein Essen selbst. Klingt doch erwachsen, oder?
Jesus hat zu seinen Freunden gesagt: „Werdet wie die Kinder.“
Kann ich Erwachsener und Kind sein zugleich? Auf den ersten Blick scheint es, als schließen sich diese beiden Dinge aus, denn als Kind muss ich weder meinen Alltag organisieren, noch mich um Termine kümmern oder arbeiten. Als Kind bin ich auf die Erwachsenen angewiesen, die für mich sorgen. Und ich vertraue ihnen.
Wenn Jesus sagt, man soll werden wie ein Kind und vertrauen, weil man aufeinander angewiesen ist, heißt das nicht, dass ich naiv bin und alles glaube, was man mir sagt, sondern es geht darum ein Grundvertrauen zu haben. Klar, dazu gehört auch, dass ich manchmal von Menschen enttäuscht werde, die mir wichtig sind. Aber ich hoffe darauf, dass es da einen Gott gibt, der mich kennt und dem ich vertrauen kann. weil ich letzten Endes auf ihn angewiesen bin, gibt diese Vorstellung Kraft. Und wenn es ums Vertrauen ins Leben geht, kann ich in diesem Fall den Tipp weitergeben: „Werdet wie die Kinder.“
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»Zeltlager« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 29.07.2018 gesendet.
Im Sommer bin ich zwei Wochen lang im Zeltlager. Mitten in der Pampa.
Letztes Jahr ist ein Junge bei mir im Zelt gewesen, der bei seinen Großeltern aufwächst. Er erzählt, dass er deshalb in seiner Schulklasse oft ausgeschlossen wird. Da gibt es Whatsappgruppen, in denen er nicht dabei sein darf oder andere Schikanen.
Aber auf dem Zeltlager hat er Leute gefunden, die ihn aufnehmen – einfach so.
Und ich denke, dass ihm jeder einzelne Tag viel Freude bereitet. Weil er immer vorne mit dabei ist, wenn wir Aktionen starten oder weil er beim Postenlauf an jeder Station sein bestes gibt. Dabei sehe ich, dass seine Augen glänzen vor Freude. Er hat offensichtlich eine gute Zeit bei uns.
Genau in diesen Momenten weiß ich, warum ich mich jedes Jahr aufs Zeltlager freue. Es lohnt sich. Denn ich bin da, damit die Jugendlichen eine gute Zeit haben – besonders die, die sonst nicht so viel zum Lachen haben. Das dann zu sehen macht mich stolz und löst bei mir das Gefühl aus, dass ich zufrieden bin.
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