»Firmung« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.03.2020 gesendet.
In meiner Gemeinde ist am Wochenende Firmung. Bei der Firmung geht es letztlich darum, dass ich selbst als Erwachsener entscheide weiterhin in der Kirche zu bleiben. Die Firmung ist ein großes Fest für alle, die dabei sind und auch für mich, weil ich einige Leute dieses Jahr darauf vorbereitet habe.
Viele Leute, die zur Firmung gehen sind um die fünfzehn, und da wird alles auf den Kopf gestellt! Bei mir ist das auch so gewesen: Auf einmal sind andre Dinge wichtiger als zuhause bei den Eltern chillen. Auch mein Glaube hat sich verändert, ich hab meine Zweifel gehabt und seh Gott auch nicht mehr als den alten Mann, der im Himmel wohnt. Mein Bild von Gott ist vielschichtiger geworden. Ich sehe ihn heute mehr als Freund und Begleiter in meinem Leben.
Bei all dem habe ich mich damals für die Firmung entschieden und hab jetzt die Chance gehabt junge Menschen in ihrem Glauben zu begleiten. Mit ihnen gemeinsam danach zu suchen, was sie hält und wo sie Sinn in ihrem Leben erfahren.
Für mich ist es wichtig, mich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. So kann ich in meinem Leben und Glauben weiterkommen.
Firmung bedeutet quasi die erste erwachsene Entscheidung zu treffen. Und deshalb freue ich mich für die Leute, wenn sie sich entschieden haben, weiterhin in der Kirche sein zu wollen.
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»Narrenmesse« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.02.2020 gesendet.
Bei uns in der Gemeinde hat's letztens eine Narrenmesse gegeben. Das ist ein Gottesdienst, der ein bisschen anders ist als sonst. Bei uns kommen die Narren in ihren Kostümen und viele andere Leute kommen auch verkleidet, sogar der Prediger. Es gibt Guggenmusik und Der Bibeltext und die Predigt werden gereimt. Ich freue mich jedes Jahr darauf, weil das echt besonders ist und wir darauf schauen, was Christen und Narren verbindet.
Doch in diesem Jahr war’s nicht ganz klar, ob die Narrenmesse stattfinden kann. Denn ein langjähriges Mitglied der Narren war gestorben. Nach langem hin und her, hat die Messe mit den Narren aber doch stattgefunden. Und ich muss sagen: Es war die beste Narrenmesse.
Und es ging darum, auf was ich als Christ hoffe, dass es mit dem Tod eben nicht vorbei ist. Dass das Leben nicht nur aus Lachen und sich gemeinsam freuen besteht, sondern eben eine Mischung aus allen Gefühlen ist. Und diese Mischung ist dieses Mal mit den Narren gelungen.
Zwar anders als sonst, aber richtig schön.
Und sowas nehme ich gerne mit für den Alltag: Alle Gefühle bekommen ihren Platz. Mein Leben ist bunt mit Höhen und Tiefen und das ist gut so.
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»Fasnet« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.02.2020 gesendet.
Ich mag die fünfte Jahreszeit. Ob Kostümpartys oder draußen auf der Straße die verschiedenen Umzüge. Egal wo ich hinkomme, an Fasnet feiern alle irgendwie mehr zusammen und sind lockerer als auf normalen Parties. Ich find’s viel einfacher mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Da quatschen wir einfach übers gleiche Kostüm oder so. Das ist richtig klasse. Denn hey, wir feiern das Leben gemeinsam. Und ich merke, ich bin nicht alleine mit meinen Träumen nach einer bunten Welt. An der Fasnet kann jede und jeder so sein wie er und sie will und wird nicht ausgegrenzt.
Auf normalen Parties bleiben eher alle unter sich, feiern sich selbst und weniger die Gemeinschaft und Vielfalt. Fasnet ist anders und das schätze ich. Das kannte ich vorher nicht, im Norden wird das nicht gefeiert. Ich dachte vorher immer, was das soll, sich zu verkleiden und an den Straßenrand zu stellen. Jetzt habe ich aber selbst miterlebt, das es ein Fest der Vielfalt ist, bei dem jeder willkommen ist und man gemeinsam einfach eine gute Zeit verlebt. Für ein paar Tage ohne Mauern im Kopf. Für ein paar Tage eine bunte Welt, in der jeder angenommen ist.
Das wünsche ich mir eigentlich auch für den Alltag.
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»Beichte« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.02.2020 gesendet.
Der Track „Bei dir“ von Felix Kummer, dem Sänger von Kraftklub, gefällt mir. Er hat einen satten Sound und gute Lines und er ist persönlich. In einem Interview hat er mal gesagt, dass er da über seine Jugend nachdenkt. Mir gefällt am Track, dass es darum geht ehrlich zu sich selbst zu sein.
Für mich hat der Track was von Beichten. Ich verstehe unter beichten, dass ich mir Gedanken darüber mache, was mich beschäftigt, bedrückt und darüber wo ich mir selbst im Weg stehe. Dann spreche ich mit einer neutralen Person darüber, mit meinem Pfarrer vor Ort. Und ich merke jedes Mal, wie gut mir das tut und wie sich ein innerer Knoten löst. Aber vorher überlege ich mir, was ich erzähle. Dabei bin ich auch ehrlich zu mir selbst und schreibe es auf. Wenn ich darüber ein Lied machen würde, klänge es ähnlich wie das von Felix Kummer. Denn wie im Track überspiele auch ich meine Unsicherheit, verstelle mich manchmal und bin nicht echt. Da enge ich mich selbst ein, statt so zu sein wie ich bin. Und deshalb brauche ich auch in meinem Leben Menschen, die mich reparieren, verändern und mich so zu sagen reseten. Wo ich geborgen bin und die mich aufbauen. Der Track von Kummer schildert für mich halt das, was in mir beichten auslöst: Felix sagt: „Denn bin ich bei dir, ist alles anders, inklusive mir - bin ich ein bisschen repariert.“
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»Propheten« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 09.02.2020 gesendet.
Als Christ bin ich getauft. An meine Taufe kann ich mich nicht mehr erinnern, weil ich ein kleines Baby gewesen bin. Aber ich war letztens bei der Taufe meiner Schwägerin, Samantha. Dabei habe ich gesehen, wie das eigentlich abläuft:
Der Pfarrer übergießt sie mit Wasser, weil Wasser ein Zeichen für das Leben ist. Und dann hat der Pfarrer mit einem besonderen Öl ihr ein Kreuzzeichen auf die Stirn gegeben. Er hat dazu gesagt, dass sie jetzt, wie alle Christen eine Prophetin ist.
Das ist mir bisher gar nicht so richtig bewusst gewesen. Aber mir gefällt die Vorstellung, dass in jedem Christen ein kleiner Prophet steckt. Propheten sind nämlich Menschen die dafür sorgen, dass die Menschen gut miteinander umgehen. Sie weisen darauf hin und setzen sich dafür ein. Und sie orientieren sich an der Hoffnung auf Gott und daran, dass die Welt im Kern gut geschaffen ist.
Und wenn ich also auch ein Prophet bin, dann hab ich im Alltag einen Auftrag: Mich für Schwache einzusetzen oder wenn jemand aus dem Team ausgegrenzt wird und wenn andere lächerlich gemacht werden. Da nicht mitzumachen, sondern mich für diese Leute stark zu machen und für sie da zu sein. Das wäre dann meine Aufgabe.
Weil in jedem Christen ein kleiner Prophet steckt, auch in mir.
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»Nicht egal« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.02.2020 gesendet.
Mir ist es wichtig eine Meinung zu haben. Zu Sachen, die ich in den Nachrichten höre und sehe. Zum Beispiel Nachrichten über geflohene Menschen, die versuchen nach Europa zu kommen. Dieses Thema geht mich an. Ich will verstehen, was die Menschen bewegt von zuhause wegzugehen, will mich darüber informieren, welche Ziele und Träume die Menschen haben, die hier her kommen und will wissen warum manche Leute Angst vor Fremden haben.
Um mich zu informieren nutze ich nicht nur facebook und instagram, sondern ich nutze einfach verschiedene Medien. Ich steh dazu, denn mir ist es wichtig meine Infos nicht nur von Leuten zu bekommen, denen ich folge, sondern auch andere Sichtweisen zu lesen, zu sehen oder zu hören. Es darf nicht zählen, was jemand glaubt, gehört zu haben. Nur dann kann ich mir ein Bild von einer Sache machen.
Dinge pauschal zu beurteilen ist vielleicht einfach und sie bleiben im Kopf hängen, aber sie verkürzen die Realität.
Ich bin Christ und habe eine Verantwortung für mich und meine Mitmenschen und ich glaube, dass ein gutes und friedliches Zusammenleben möglich ist. Daran orientiere ich mich. Gerade deshalb will ich gut informiert sein und nicht mit Halbwissen loslaufen, damit ich nicht auf Pauschalurteile hereinfalle.
Mir ist es halt wichtig viele Infos zu sammeln und dann diese für mich einzuordnen, um mir eine Meinung zu bilden.
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»Plauderkasse« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.02.2020 gesendet.
In den Niederlanden gibt es Supermärkte, in denen die Kassierer an manchen Kassen extra langsam kassieren und mit den Leuten sprechen, die gerade dran sind. Als ich das gelesen hab, musste ich schmunzeln. Mein letzter Einkauf ist nämlich so gewesen: Vollgepackt, nach Feierabend und eigentlich wollte ich mein Zeug einfach nur schnell aufs Band legen, bezahlen und nach Hause.
Diese sogenannten Plauderkassen, bei denen der Kassierer mit mir noch ein kleines Schwätzchen hält. Das wäre nichts für mich.
Und dann ist mir meine Oma eingefallen. Die hat zwar viel Zeit, aber wenig Kontakt. Klar, sie hat sie Freunde, mit denen sie telefonieren kann oder ihre Kinder, die sie besuchen und ihr helfen. Aber sonst im Alltag echt weniger. Sie geht ja nicht arbeiten und kommt nicht mehr so viel rum. Für solche Leute ist das bestimmt eine tolle Sache und ich freue mich, dass es so Plauderkassen gibt. Vielleicht kommt der Trend hier rüber und es gibt im Bus eine Plauderecke, im Café einen offenen Tisch oder eben Kassen, an denen die Kassierer noch kurz mit den Kunden sprechen.
Vielleicht kann aber auch ich etwas tun.
Das fängt bei mir und meiner Oma an. Einfach anrufen, mit ihr plaudern und mich interessieren, was bei ihr gerade ab geht. Oder nächstes Mal an der Kasse entspannt sein, wenn vorne kurz miteinander gesprochen wird. Denn das ist doch prima, wenn ich Rücksicht nehme auf Menschen, die mich unmittelbar umgeben. Weil ich dann dafür sorgen kann, dass immer mehr Menschen rücksichtsvoll sind und alle zusammen in einer guten Gesellschaft leben können.
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»Insta likelos« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.02.2020 gesendet.
Instagram will sich verbessern und zu einem Ort werden, „an dem sich die User wohlfühlen.“ Das hat jedenfalls der Chef von Instagram auf die Frage geantwortet, warum keine Likes mehr im Feed unter den Bildern anderer zu sehen sind. Ich finde – ne gute Idee!
Ich nutze Instagram auch. Schaue oft bei anderen Leuten, die ähnliches posten wie ich. Vergleiche mich und frage mich manchmal, warum die so viel mehr Likes haben als ich mit meinem Bild. Ich mein, ich steh da drüber und schau mehr aus Interesse, als mich wirklich krass zu vergleichen und dann traurig darüber zu sein, wenn ich mit meinem Post weniger Likes bekomme.
Eigentlich krass, dass ich mir da überhaupt Gedanken drübermache. Klar will ich dazugehören, mitmachen und mitreden können, aber ich will auch einfach ich sein, mein Ding machen – ohne überlegen zu müssen, warum der Post vielleicht weniger Likes bekommen könnte.
Ich bin Christ und glaube, dass alle Menschen einen besonderen Wert haben. Nicht weil sie etwas tolles leisten oder gut aussehen, sondern weil sie alle Geschöpfe Gottes sind. Das ist eine besondere Qualität, die ich mir nicht verdienen muss. Die ist einfach da, schon von Geburt an. Egal wie viel Likes und Follower ich auf meiner Seite habe! Deshalb finde ich es gut, wenn zumindest im Feed keine Likes mehr angezeigt werden, damit der Mensch und das was ihn ausmacht mehr im Mittelpunkt stehen. Denn Gott hat den Menschen geschaffen und sah, dass es gut war.
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»Nie wieder« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.01.2020 gesendet.
Morgen ist der Tag, an dem das Konzentrationslager Auschwitz vor 75 Jahren befreit worden ist. Er ist zum offiziellen und internationalen Holocaust-Gedenktag geworden. Menschen sind damals massenhaft und systematisch ermordet worden. Weil sie anders gewesen sind.
Mir ist dieser Tag wichtig, weil ich finde, dass man daran erinnern muss, was passiert ist. Dass sich Menschen über andere Menschen erheben, sich für etwas besseres halten und alle umbringen wollen, die anders sind.
So was darf doch nicht passieren! Niemand sollte wegen seiner Herkunft, wie er aussieht oder spricht von anderen schräg angeschaut werden.
Daran erinnert mich dieser Gedenktag. Bei sowas will ich nicht mitmachen, sondern mich für diese Menschen einsetzen. Denn für mich ist jeder und jede von Gott gewollt und damit besonders wertvoll.
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»Kalender aus Papier« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 28.12.2019 gesendet.
Manchmal nerven mich Jahresrückblicke mit den Big Pictures, den tollsten Geschichten und Gesichtern des Jahres. Die haben wenig mit mir zu tun und bringen nichts für mein Leben. Deshalb mache ich meinen persönlichen Jahresrückblick mit meinem Kalender.
Ich habe einen Papierkalender. Ein gebundenes Buch mit Lesezeichen, in dem jede Woche eine eigene Doppelseite hat und am Rand sogar Platz für Notizen und kleine Zeichnungen, für Erinnerungen. Ich schreibe alles in ihn hinein. Termine für die Arbeit, Geburtstage aber auch, wenn ich mich mit Freunden treffe. Manchmal auch im Nachhinein, wenn mich eine Begegnung freut oder beeindruckt.
Mir ist mein Kalender wichtig, weil ich am Ende des Jahres gerne in ihm blättere und mich erinnre. Ich erinnere mich an das Jahr zurück und entdecke manchmal Treffen mit Freunden, die ich schon vergessen habe, weil so viel anderes passiert ist.
Mir tut das gut, den Kalender anzuschauen und durchzublättern. Ich sehe dann, was mich dieses Jahr beschäftigt hat und was bei mir und in meinem Umfeld alles los gewesen ist.
Ich sehe wie wertvoll mein Leben ist und welche Menschen mir wichtig sind. Außerdem kann ich nach dem Rückblick auch die Dinge hinter mir lassen, die nicht so schön gewesen sind. Ich kann dann das alte Jahr abschließen und offen sein für neues. Und dafür hab ich dann Platz in meinem neuen leeren Kalender - natürlich aus Papier.
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