»Reparieren statt Wegwerfen« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.11.2018 gesendet.
Reparieren statt wegwerfen. Das könnte der Werbeslogan einer kleinen Firma sein, von der ich gehört habe. Die produzieren da Smartphones und sagen, dass die möglichst lange halten sollen. Das wäre ja klasse. Ich bräuchte dann nicht alle paar Jahre ein neues kaufen. Und für die Umwelt ist das natürlich auch gut. Dass die Firma das mit dem Reparieren ernst meint, sehe ich daran, dass gleich der passende Schraubenzieher mitgeliefert wird. Ersatzteile kann ich bei der Firma bestellen und auf der Homepage gibt es Anleitungen, wie es funktioniert. Hauptsache die Smartphones halten möglichst lange. Die sind außerdem auch so gebaut, dass ich sie immer erweitern kann, ohne eben gleich alles wegwerfen zu müssen. Will ich irgendwann eine bessere Kamera, kaufe ich eben nur die und baue sie ein. Also immer nur das, was ich brauche, der Rest bleibt beim alten. Ich finde das eine super Idee. Reparieren statt wegwerfen. Das finde, ich vor allem beim Smartphone wichtig, weil dort Metalle und Mineralien drin sind, die oft arme Menschen unter schlechten Bedingungen abbauen müssen. Außerdem sind diese Rohstoffe häufig in Regenwaldgebieten zu finden. Der wird dann abgeholzt, was schlecht für das Klima ist. Da repariere ich das Smartphone lieber. Und wenn das bei so etwas Kompliziertem wie einem Smartphone geht, dann doch auch bei vielen anderen Dingen.
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»Plastikfreies Leben« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.11.2018 gesendet.
Anneliese Bunk ist eigentlich eine ganz normale Frau und führt ein ganz normales Leben.
Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und zwei Söhnen und arbeitet als Geschäftsführerin einer Werbeagentur. Bis zu dem Tag, an dem sie eine Doku über Plastikverbrauch und seine Folgen für die Umwelt und unsere Gesundheit sieht. Sofort beschließt sie, dass sie kaum noch Plastik verbrauchen will. Sie gibt sogar ihren Job auf und macht es zu ihrer Lebensaufgabe. Mittlerweile hält sie Vorträge und gibt Bücher mit Tipps heraus, wie man Plastik vermeiden kann. Ich finde das abgefahren. Da sieht die Frau eine Doku über Plastik und krempelt ihr Leben danach total um. Ich würde das nicht so hinbekommen, vor allem wenn ich sehe, was alles aus Plastik ist. Aber vielleicht muss ich einfach mal klein anfangen. Ich habe mal geschaut, was sie für konkrete Tipps hat. Sie sagt, dass allein die Verpackungen von Obst und Gemüse jährlich 61 000 Müllfahrzeuge füllen. Deswegen schlägt sie vor, einfach einen Stoffbeutel zum Einkaufen mitzunehmen und das Obst und Gemüse da rein zu packen. Eigentlich relativ einfach – müsste ich hinbekommen. Außerdem könnte ich einige Sachen auch im Glas kaufen, zum Beispiel Joghurt oder Milch. Auch wenn ich am Ende Plastik nicht komplett vermeiden kann – mit irgendetwas will ich anfangen.
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»Erinnerung« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 31.10.2018 gesendet.
Ein alter Mann kommt in den Raum. Viele Leute warten gespannt auf ihn. Es ist ganz still. Der Mann heißt Abba Naor, er kommt aus Israel und ist Jude. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Jugendlicher in verschiedenen Konzentrationslagern und hat den Holocaust überlebt. Mittlerweile ist er über 90 Jahre alt. Er ist gekommen, um seine Geschichte zu erzählen. Von seiner Familie haben nur er und sein Vater überlebt. Seinen großen Bruder haben die Nazis erschossen, als er Lebensmittel für die Familie besorgen wollte und seine Mutter und sein kleiner Bruder sind im KZ ermordet worden.
Natürlich weiß ich, was beim Holocaust passiert ist. Aber wenn jemand davon erzählt, der das wirklich erlebt hat, kann ich nur sprachlos zuhören. Dieser Mann hat das Schlimmste gesehen, was ich mir vorstellen kann. Erstaunlich finde ich dabei, dass er gar nicht verbittert wirkt. Er macht immer wieder Witze und schmunzelt in sich hinein. Jemand hat ihn gefragt, ob er die Deutschen eigentlich hasst. Er meinte dann einfach: „Nein, ihr könnt ja nichts dafür. Aber ihr solltet daraus für die Zukunft lernen.“ Ich glaube, er meint damit, dass wir uns für eine menschliche Gesellschaft einsetzen sollen. Und ich finde, er hat recht. Auch wenn ich nichts für den Holocaust kann, bin ich doch mitverantwortlich, dass so etwas nie wieder passiert.
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»Menschenwürde« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.10.2018 gesendet.
Wenn jemand Menschen rettet, die in Lebensgefahr sind, müsste man ihn als Held feiern. Das würde ich mal spontan so sagen. Aber bei ertrinkenden Menschen, die über das Mittelmeer flüchten, scheint das nicht so zu sein. Diesen Sommer hat das der Kapitän eines privaten Rettungsbootes gemerkt. Mit seiner Crew hat er hunderte Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Dann haben ihn Behörden vor Gericht angeklagt, weil sein Schiff nicht ordnungsgemäß registriert sei. Und auch andere Rettungsschiffe dürfen nicht mehr auslaufen und nach Menschen in Seenot suchen. Für den Kapitän ist es so, als ob der Rettungswagen bereit steht, aber nicht losfahren darf.
Ich frage mich, was hier los ist. Es kommen doch immer noch Menschen und keine Dinge übers Meer. Als Europäer kann ich mich nicht auf die Menschenrechte berufen und gleichzeitig sagen, dass sie auf dem Mittelmeer nicht gelten. Es heißt doch, die Würde des Menschen ist unantastbar – bei jedem Menschen und überall.
Ich finde, es geht nicht darum, wie eine gute Flüchtlingspolitik funktioniert. Ich weiß selbst nicht, wie viele Menschen nach Europa kommen können und ich weiß nicht, wie sie verteilt und integriert werden sollen, dass alle damit leben können. Aber es muss klar sein, dass ein ertrinkender Mensch ein ertrinkender Mensch ist. Egal wo er herkommt und warum er hier ist. Und ertrinkende Menschen müssen gerettet werden.
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»"Das Leben ist eine feine Sache"« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 04.10.2018 gesendet.
Im Sommer habe ich einen ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers Dachau getroffen. Er ist 90 Jahre alt und lebt in Israel. Als er einer Gruppe von Leuten und mir von seinem Leben erzählt hat, hat er diesen Satz gesagt: „Das Leben ist eine feine Sache. Es kommt nur darauf an, wie die Menschen miteinander umgehen.“ Unglaublich, dass er so etwas sagen kann: Das Leben ist eine feine Sache. Dabei ist er als kleiner Junge während des Nationalsozialismus mit seiner Familie ins Ghetto gekommen. Dort ist sein großer Bruder ermordet worden. Sein kleiner Bruder und seine Mutter sind später im KZ umgekommen. Sein Vater und er haben den Holocaust nur knapp überlebt.
Dieser Mann hat die schlimmsten Seiten des Lebens gesehen und kann trotzdem sagen, dass das Leben eine feine Sache ist. Vielleicht hat er in seinem Leben auch erlebt, dass Menschen gut miteinander umgehen und füreinander da sein können. Es kommt also nicht auf die Umstände oder das Leben an sich an. Es kommt mehr auf die Menschen an, ob das Leben eine furchtbare oder feine Sache ist. Und das gilt eigentlich immer. Auch ich bin verantwortlich dafür, dass das Leben meiner Mitmenschen eine feine Sache wird. Egal, ob ich für meine Freunde da bin oder meinen Kollegen helfe. Ich kann jeden Tag mithelfen das Leben für andere fein zu machen. Vielleicht gelingt auch erst so mein eigenes Leben.
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»Der bessere Mensch« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.10.2018 gesendet.
In einigen Städten in China hat jeder ein öffentliches Punktekonto. Ich kann Bonuspunkte bekommen, wenn ich mich zum Beispiel in meiner Freizeit um alte Leute kümmere. Wenn ich aber gegen bestimmte Regeln verstoße, bekomme ich wieder Punkte von meinem Konto abgezogen. Also wenn ich zum Beispiel Müll auf den Boden werfe oder am Zebrastreifen nicht anhalte. Je nach meinem Punktestand habe ich Vor- oder Nachteile in meinem Leben. Zum Beispiel werde ich mit einem niedrigen Punktstand im Job nicht befördert oder kann keine Flugreisen buchen. Bei einem hohen Punktestand habe ich dagegen Vorteile, beispielsweise finde ich einfacher eine Wohnung. Die Regierung will so die Bürger zu besseren Menschen erziehen.
Auf den ersten Blick scheint die Idee ja gut zu sein: Die Menschen sollen sich besser verhalten. Aber ich frage mich, wer denn überhaupt festlegt, was gut ist. Wenn jemand in China die Regierung kritisiert oder sich für Menschenrechte einsetzt, gibt das sicher auch Punktabzug und ist keinesfalls schlecht. Und auch hier in Deutschland, wo ich nicht so kontrolliert werde, muss ich selbst überlegen, was gut ist und was nicht. Ich muss mit meinem Gewissen entscheiden, wie ich handeln möchte, und nicht aus Angst vor Nachteilen. Dann kann ich richtig handeln, weil ich selbst glaube, dass es richtig ist.
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»Apps als Aufmerksamkeitskiller« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 09.08.2018 gesendet.
Wenn ich unterwegs bin, sehe ich viele Menschen, die pausenlos auf ihr Smartphone starren. Egal ob sie an der Bushaltestelle stehen, auf dem Gehweg unterwegs sind oder mit Freunden irgendwo sitzen. Immer ist das Smartphone dabei und reißt die Aufmerksamkeit an sich. Für die Umgebung und die Mitmenschen fehlt die dann natürlich. Aber woran liegt das? Warum zieht das Ding so viel Aufmerksamkeit?
Einige ehemalige Mitarbeiter von beispielsweise Google, Apple oder Twitter würden darauf sagen: weil Apps abhängig machen wie Glücksspielautomaten. Jeder Benutzer hofft immer wieder auf neue Benachrichtigungen, Likes und Kommentare. Das macht abhängig. Der Erfinder des Like-Buttons von Facebook hat deswegen zum Beispiel auf seinem eigenen Smartphone die Kindersicherung an. So kann er keine Apps runterladen.
Ich finde, deswegen muss ich jetzt mein Smartphone nicht gleich wegwerfen. Oft ist es ja nützlich und hilft mir weiter. Aber ich will selbst entscheiden, wann ich abgelenkt werde und wann nicht. Deswegen habe ich jetzt alle Push-Benachrichtigungen abgestellt, mein Smartphone ist still, vibriert und blinkt nicht. Ich nutze es, wann ich will und bekomme mit, was um mich herum passiert. Ohne Smartphone in der Hand treffe ich zufällig wieder Leute, die ich sonst gar nicht bemerkt hätte und ich kann mich mit Freunden, die dabei sind, normal unterhalten.
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»1 für 1 « von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 08.08.2018 gesendet.
Kaufen und gleichzeitig etwas Gutes tun. Geht das? Es gibt Firmen, die werben mit dieser Idee. Wenn ich ihr Produkt kaufe, zum Beispiel einen Müsliriegel, tue ich damit etwas Gutes, weil ich gleichzeitig einen Teil meines Geldes spende. Bei manchen Firmen funktioniert das nach dem 1-für-1-Prinzip. Sie versprechen also, dass sie pro gekauftem Produkt etwas Entsprechendes jemandem anderen kaufen, der sich das nicht leisten kann, beispielsweise in Entwicklungsländern. Beim Müsliriegel würde ich also jemandem eine Mahlzeit spendieren. Im Prinzip gebe ich einfach etwas von meinem Müsliriegel ab und teile ihn mit jemanden, der es dringend braucht. Das gleiche Prinzip gibt es auch für Schuhe, Brillen, Wasser und so weiter, vor allem eben für Dinge, die man unbedingt zum Leben braucht. Die kann ich dann gewissermaßen mit jemandem teilen.
Wenn ich über diese Idee nachdenke, bin ich hin und her gerissen. Es könnte ja auch nur eine Werbestrategie sein, mit der die Firmen einfach Geld verdienen wollen. Aber etwas von seinem Gewinn abzugeben ist ja generell keine schlechte Idee. Ich finde es jedenfalls gut, dass ich jemanden „mitessen“ lassen kann, wenn ich das möchte. Außerdem rücken solche Produkte mir auch wieder ins Bewusstsein, dass es vielen Menschen auf der Welt viel schlechter geht als mir. Vielleicht bewirkt der Müsliriegel bei mir auch, dass ich noch mehr teilen will, als diese eine Mahlzeit.
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»Slavery Footprint« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.08.2018 gesendet.
Im Internet bin ich auf eine Seite gestoßen, die berechnet, wie viele Sklaven für mich arbeiten. Richtig gehört: Wie viele Sklaven für mich arbeiten. Gemeint sind natürlich nicht Sklaven, die mir gehören und die Arbeit daheim für mich machen, sondern Menschen, die irgendwo auf der Welt schuften müssen, um Artikel zu produzieren, die ich kaufe. Wenn ich diese Produkte kaufe, arbeiten sie indirekt auch für mich. Das hat mich interessiert. Deshalb habe ich auf der Seite viele Fragen zu meinem täglichen Leben beantwortet, zum Beispiel in welchem Land ich lebe, wie viele technische Geräte und Klamotten ich besitze, was ich oft esse und so weiter. Nachdem ich die Fragen beantwortet habe, kommt bei mir raus, dass für mich 34 Sklaven arbeiten. 34 Menschen schuften dafür, dass ich ein angenehmes Leben habe. Irgendwie habe ich es befürchtet, aber so eine Zahl tut schon weh. Und wahrscheinlich stimmt es auch. Ich weiß zum Beispiel nicht, wer mein Smartphone produziert. Oder meine Klamotten, meine Schokolade oder den Kaffee, den ich trinke. Ich will aber andere Menschen nicht ausbeuten. Deswegen muss ich was ändern. Ich will beim Einkaufen mehr darauf achten, ob die Sachen nachhaltig und fair produziert werden.
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»Auf was es im Leben ankommt« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 23.07.2018 gesendet.
Ich bin im Internet auf die Geschichte einer jungen Australierin gestoßen. Holly. Sie führt ein ganz normales Leben, hat einen festen Freund und einen Hund. Mit 26 Jahren erhält sie die Diagnose, dass sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. Anfang dieses Jahres ist sie gestorben. Vor ihrem Tod hat sie aber nochmal alles aufgeschrieben, was sie durch ihre Krankheit über sich und das Leben erfahren hat und gibt Ratschläge für das Leben. Die haben ihre Eltern auf Facebook gepostet. Holly meint darin, dass durch die Krankheit Vieles für sie nebensächlich geworden ist, zum Beispiel wie sie heute aussieht oder ob sie in ihrem Job alles richtig macht. Deshalb sollte man sich darüber weniger Sorgen machen.
Und ich glaube, sie hat recht. Das alles ist unwichtig, wenn ich auf mein Leben als Ganzes schaue. Stattdessen kann ich mich auf das konzentrieren, was für mich wichtig ist, zum Beispiel auf Zeit mit der Familie und Freunden, auf Erlebnisse und Ausflüge in die Natur, je nach dem was sich gut anfühlt.
Mir gibt der Brief von Holly ein Stück neue Orientierung. Ich bin nicht sterbenskrank, weiß nicht, wie sich das anfühlt und habe deswegen wahrscheinlich diesen klaren Blick auf das Leben nicht. Aber Holly zeigt mir diesen Blick. Ich will mein Leben mehr als Ganzes sehen und das tun, was mir wichtig ist.
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