»Auferstehung« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 21.04.2019 gesendet.
In einem Film habe ich folgende Situation gesehen: Eine alte Frau liegt im Sterben und unterhält sich mit einem Freund. Sie fragt sich: „Wie sehe ich aus, wenn ich in den Himmel komme?“ Und sie überlegt weiter, ob sie da dann auch so faltig und gebrechlich sein wird wie jetzt.
Irgendwie verständlich, wer will schon für die Ewigkeit eine alte Oma sein. Am besten wäre es dann wohl, wenn ich relativ jung sterbe, vielleicht so mit 30. Dann wäre ich auch im Himmel topfit. Na ja, das kann auch nicht die Lösung sein. Ich glaube nicht, dass mein Körper im Himmel eine Rolle spielt. Dort ist sicher alles ganz anders, als ich es mir jetzt vorstelle.
Ich hoffe aber, dass ich mich auch ohne meinen Körper an mich selbst erinnere. Dass ich im Himmel noch ich bin, mit meiner Persönlichkeit und mit dem, was mich ausmacht. Und dazu gehören auch die Erfahrungen, die ich hier auf der Welt mache. Und die Menschen, mit denen ich mein Leben teile, meine Familie, Freunde und Bekannte. Ich hoffe, dass ich sie im Himmel wiedersehe. Aber eben nicht mit den Augen, die ich jetzt habe, sondern irgendwie anders. Vielleicht ist es aber auch gar nicht so wichtig, wie das funktioniert. Da vertraue ich einfach auf Gott, dass im Himmel alles da ist, was zu mir gehört und was mir wichtig ist.
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»Kraft aus Erinnerung« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 20.04.2019 gesendet.
Ara, Mucad, Rashid. Das sind die Namen von drei Menschen, die ein rechtsextremer Attentäter getötet hat. In Christchurch in Neuseeland hat er ein Freitagsgebet gestürmt und insgesamt 50 unschuldige Menschen erschossen, die dort beten wollten. Ara, Mucad, Rashid. Rashid war 50 Jahre alt. Er ist vor neun Jahren aus Pakistan nach Neuseeland gekommen und hat dort als Lehrer gearbeitet. Am Freitag geht er mit seinem Sohn Talha zum Beten in die Moschee. Als der Attentäter angreift, versucht Rashid ihn aufzuhalten und stirbt. Auch sein Sohn überlebt den Angriff nicht. Sein Bruder und die Schwester seiner Frau beschreiben ihn als mutigen Helden.
Ich finde es gut, dass die Namen einiger Opfer und ein wenig von dem, was sie erlebt haben, bekannt wird. Es tut zwar weh, es macht mich gleichzeitig traurig und wütend, aber es bewirkt, dass die 50 Menschen für mich nicht zu einer namenlosen Zahl werden, die mir gleichgültig ist. Nur wenn die Menschen ein Gesicht bekommen, kann ich die Größe und den Schmerz dieser Katastrophe ansatzweise nachempfinden. Ich sehe so, wie wichtig es ist, dass ich mich selbst in meinem Leben einsetze, dass Menschen friedlich zusammenleben können. Egal woher sie kommen und welcher Religion sie angehören. Dabei denke ich an Rashid.
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»Gottesbeziehung« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.04.2019 gesendet.
„Gott, du kannst ein Arsch sein.“ Das ist der Titel eines Buches, das ich gelesen habe. Es erzählt die wahre Geschichte von einem 15-jährigen Mädchen, das unheilbar an Krebs erkrankt ist. Sie heißt Stefanie und führt ein ganz normales Leben mit ihrer Familie, ihrem Freund Justus und ihrem Pferd Luna. Dann bekommt sie einen Husten, der einfach nicht weggeht. Sie geht zum Arzt und nach einigen Untersuchungen ist klar, dass sie Krebs hat. Sie kämpft gegen die Krankheit, oft ist ihr übel wegen der Chemotherapie, sie wird schwächer und irgendwann weiß sie, dass sie sterben wird. In dieser Situation, als Stefanie sich von ihrer Familie und von ihrem Pferd, das sie so sehr liebt, verabschieden muss, denkt sie: „Gott, du kannst ein Arsch sein“. Im ersten Moment hört sich das krass an, aber ich kann sie verstehen. Warum geschieht so etwas, wenn der liebe Gott doch angeblich so lieb ist? Aus meiner Perspektive ergibt das keinen Sinn.
Stefanie sagt Gott, dass sie damit nicht einverstanden ist. Das heißt aber auch, dass sie trotz allem die Beziehung zu Gott nicht abgebrochen hat. Und das passt auch für mich: Wenn schlimme Dinge geschehen, kann ich Gott sagen, ihm entgegen schreien, dass ich ganz und gar nicht einverstanden bin mit dem, was passiert. Aber gleichzeitig will ich spüren, dass er da ist, und trotz allem versuchen, auf ihn zu vertrauen.
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»Beten« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.04.2019 gesendet.
Ich bin im Urlaub. Abends gehe ich an den See runter und sehe einen jungen Mann im Schneidersitz auf einem Stein sitzen. Er hat seine Hände gefaltet und betet ganz vertieft. Im ersten Moment wundere ich mich, wahrscheinlich weil ich im Urlaub nicht mit dieser Situation rechne. Ich frage mich, warum er wohl betet. Vielleicht weil er sich etwas wünscht und dafür bittet. Aber dass das nicht funktioniert, weiß er ja sicher. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Kind gebetet habe, dass mein Haustier wieder lebendig wird. Überraschung: Es hat nicht funktioniert. Aber warum beten dann Menschen?
Vielleicht geht es beim Beten gar nicht so sehr darum etwas von Gott zu bekommen. Vielleicht geht es beim Beten mehr um mich als um Gott. Wenn ich Gott bitte, dann wird mir selbst klar, was ich mir wünsche und wovor ich Angst habe. Wenn ich im Gebet in Ruhe darüber nachdenke, was mir wichtig ist, kommen mir manchmal ganz neue Einsichten und Perspektiven in den Sinn, die ich in der Routine des Alltags nicht bekommen hätte. Und das Beste ist, dass Gott immer da ist und mir zuhört. Jederzeit kann ich zu ihm sprechen und von meinem Leben erzählen. Ein Gebet gibt mir Kraft und Mut mein Leben anzugehen. Auch weil ich spüre, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin, sondern Gott bei mir ist.
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»Wahrheit« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.02.2019 gesendet.
Stimmt es, was in der Bibel steht? Gute Frage. Kommt darauf an, würde ich sagen. Einmal bin ich zum Beispiel gefragt worden, ob ich daran glaube, dass die Welt mit allen Pflanzen, Tieren und dem Menschen in sieben Tagen entstanden ist. So wie es in der Bibel steht. Das stimmt natürlich nicht. Die Frage ist aber, ob die Bibel das überhaupt aussagen will. Ich meine, die Menschen, die sie geschrieben haben, waren ja keine Forscher. Sie hat etwas ganz anderes interessiert. Nämlich die Geschichte der Menschen mit Gott. Hier erzählen sie von ihren Erfahrungen.
Die Schreiber der Schöpfungsgeschichte waren zu diesem Zeitpunkt in Gefangenschaft, weit weg von ihrer Heimat. Sie wollten mit der Geschichte zeigen, dass sie trotzdem darauf vertrauen, dass ihr Gott mächtig ist und einen Plan hat, auch wenn das in ihrer Situation schwer zu glauben ist.
Das sieht man daran, dass Gott in der Erzählung alles schön nacheinander erschafft: Himmel und Erde, das Meer, Pflanzen, Tiere und den Menschen. Alles nach Plan. Nach jedem Schritt schaut Gott sein Werk an und stellt fest, dass es gut so ist. Beim Menschen am Schluss meint er dann sogar, dass es sehr gut ist.
Die Bibel will also nicht sagen, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen worden ist, sondern dass Gott eine gute Welt erschaffen hat, in der der Mensch sein bestes Werk ist. Sie will mir Mut machen, dass ich mich auf Gott und seinen Plan verlassen kann.
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»Nudeltrinkhalm« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.01.2019 gesendet.
Ich war in den Ferien mit meinen Freunden abends unterwegs. Wir sind in eine Bar und haben dort Cocktails bestellt, einige von uns einen Caipirinha. Die Cocktails waren gut, nur hatten wir ein Problem: Keinen Trinkhalm. Erstens ist das bei nem Caipirinha echt unpraktisch, wenn mir die Limetten unter der Nase hängen. Und zweitens ist es einfach nicht dasselbe, wenn ich nicht da rumstochern und rumrühren kann. Wir haben den Kellner gefragt, ob er keine Trinkhalme hat. Er meinte dann, dass sie wegen dem hohen Plastikverbrauch keine mehr verwenden. Ich muss zugeben, dass ich im ersten Moment enttäuscht war. Ich kann das ja verstehen. Bei einer Bar kommt da ja auch ordentlich Müll zusammen. Aber ich hätte trotzdem gern einen gehabt. Der Kellner meinte dann aber, dass er uns Nudeln anbieten könnte. Ich hab zuerst gar nicht verstanden, was er meint. Auf jeden Fall bringt er uns dann eine Handvoll Makkaroni als Trinkhalme. Die haben ungefähr dieselbe Form und haben super funktioniert. Und das Cocktailtrinken hat mit den Nudeln sogar mehr Spaß gemacht. Es war einfach lustig, die anderen so zu sehen. Also kein Müll, mehr Spaß. Mir hat das aber auch gezeigt, dass ich gar nicht unbedingt verzichten muss, wenn ich mich umweltfreundlich verhalten will. Ich muss erfinderisch sein.
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»Weihnachten« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.12.2018 gesendet.
Ich habe das Gefühl, dass für mich das Faszinierende an Weihnachten irgendwann verloren gegangen ist, als ich erwachsen geworden bin. Früher war alles total spannend und besonders. Es ist immer nach einem festen Plan abgelaufen. Mein Vater hat den Weihnachtsbaum besorgt. Den haben wir dann zusammen geschmückt und die Krippe darunter aufgebaut. Abends gab es dann etwas Gutes zu essen. Dann mussten mein Bruder und ich in der Küche bleiben, wenn das Christkind gekommen ist. Wir haben im Kerzenschein Weihnachtslieder gesungen und Plätzchen gegessen. Und ganz wichtig natürlich: die Geschenke. Auf jeden Fall habe ich gespürt, dass das ein wichtiger Abend ist. Heute ist das alles viel nüchterner, ein Abend eben, an dem ich meine Familie sehe. Es ist für mich Routine geworden. Ich will aber wieder dieses Besondere spüren, das, was Weihnachten ausmacht. Vielleicht hilft es da, wenn ich mir klar mache, was Weihnachten überhaupt bedeutet. Ich feiere mit meiner Familie, dass Gott selbst als Mensch auf die Welt gekommen ist. Das bedeutet für mich, dass Gott bei mir sein will und wir das Leben gemeinsam meistern. Eigentlich so wie die Menschen, mit denen ich feiere. So unbekümmert wie mein Vater, so liebevoll wie meine Freundin, so neugierig wie mein Bruder und ich früher als Kinder, so will Gott an unserem Leben teilhaben. Das zu spüren, ist vielleicht das Besondere an Weihnachten.
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»Reparieren statt Wegwerfen« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.11.2018 gesendet.
Reparieren statt wegwerfen. Das könnte der Werbeslogan einer kleinen Firma sein, von der ich gehört habe. Die produzieren da Smartphones und sagen, dass die möglichst lange halten sollen. Das wäre ja klasse. Ich bräuchte dann nicht alle paar Jahre ein neues kaufen. Und für die Umwelt ist das natürlich auch gut. Dass die Firma das mit dem Reparieren ernst meint, sehe ich daran, dass gleich der passende Schraubenzieher mitgeliefert wird. Ersatzteile kann ich bei der Firma bestellen und auf der Homepage gibt es Anleitungen, wie es funktioniert. Hauptsache die Smartphones halten möglichst lange. Die sind außerdem auch so gebaut, dass ich sie immer erweitern kann, ohne eben gleich alles wegwerfen zu müssen. Will ich irgendwann eine bessere Kamera, kaufe ich eben nur die und baue sie ein. Also immer nur das, was ich brauche, der Rest bleibt beim alten. Ich finde das eine super Idee. Reparieren statt wegwerfen. Das finde, ich vor allem beim Smartphone wichtig, weil dort Metalle und Mineralien drin sind, die oft arme Menschen unter schlechten Bedingungen abbauen müssen. Außerdem sind diese Rohstoffe häufig in Regenwaldgebieten zu finden. Der wird dann abgeholzt, was schlecht für das Klima ist. Da repariere ich das Smartphone lieber. Und wenn das bei so etwas Kompliziertem wie einem Smartphone geht, dann doch auch bei vielen anderen Dingen.
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»Plastikfreies Leben« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.11.2018 gesendet.
Anneliese Bunk ist eigentlich eine ganz normale Frau und führt ein ganz normales Leben.
Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und zwei Söhnen und arbeitet als Geschäftsführerin einer Werbeagentur. Bis zu dem Tag, an dem sie eine Doku über Plastikverbrauch und seine Folgen für die Umwelt und unsere Gesundheit sieht. Sofort beschließt sie, dass sie kaum noch Plastik verbrauchen will. Sie gibt sogar ihren Job auf und macht es zu ihrer Lebensaufgabe. Mittlerweile hält sie Vorträge und gibt Bücher mit Tipps heraus, wie man Plastik vermeiden kann. Ich finde das abgefahren. Da sieht die Frau eine Doku über Plastik und krempelt ihr Leben danach total um. Ich würde das nicht so hinbekommen, vor allem wenn ich sehe, was alles aus Plastik ist. Aber vielleicht muss ich einfach mal klein anfangen. Ich habe mal geschaut, was sie für konkrete Tipps hat. Sie sagt, dass allein die Verpackungen von Obst und Gemüse jährlich 61 000 Müllfahrzeuge füllen. Deswegen schlägt sie vor, einfach einen Stoffbeutel zum Einkaufen mitzunehmen und das Obst und Gemüse da rein zu packen. Eigentlich relativ einfach – müsste ich hinbekommen. Außerdem könnte ich einige Sachen auch im Glas kaufen, zum Beispiel Joghurt oder Milch. Auch wenn ich am Ende Plastik nicht komplett vermeiden kann – mit irgendetwas will ich anfangen.
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»Erinnerung« von Timo   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 31.10.2018 gesendet.
Ein alter Mann kommt in den Raum. Viele Leute warten gespannt auf ihn. Es ist ganz still. Der Mann heißt Abba Naor, er kommt aus Israel und ist Jude. Während des Zweiten Weltkrieges war er als Jugendlicher in verschiedenen Konzentrationslagern und hat den Holocaust überlebt. Mittlerweile ist er über 90 Jahre alt. Er ist gekommen, um seine Geschichte zu erzählen. Von seiner Familie haben nur er und sein Vater überlebt. Seinen großen Bruder haben die Nazis erschossen, als er Lebensmittel für die Familie besorgen wollte und seine Mutter und sein kleiner Bruder sind im KZ ermordet worden.
Natürlich weiß ich, was beim Holocaust passiert ist. Aber wenn jemand davon erzählt, der das wirklich erlebt hat, kann ich nur sprachlos zuhören. Dieser Mann hat das Schlimmste gesehen, was ich mir vorstellen kann. Erstaunlich finde ich dabei, dass er gar nicht verbittert wirkt. Er macht immer wieder Witze und schmunzelt in sich hinein. Jemand hat ihn gefragt, ob er die Deutschen eigentlich hasst. Er meinte dann einfach: „Nein, ihr könnt ja nichts dafür. Aber ihr solltet daraus für die Zukunft lernen.“ Ich glaube, er meint damit, dass wir uns für eine menschliche Gesellschaft einsetzen sollen. Und ich finde, er hat recht. Auch wenn ich nichts für den Holocaust kann, bin ich doch mitverantwortlich, dass so etwas nie wieder passiert.
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