»Notre Dame« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.04.2019 gesendet.
Notre Dame brennt. Ich hab’s für einen Scherz gehalten. Aber nein, es ist wahr. Ein großer Teil von Notre Dame in Paris ist abgebrannt. Eine Kirche, die ein Wahrzeichen ist, die mehrere Jahrhunderte, Revolutionen und Kriege überstanden hat. Von heute auf morgen abgebrannt. Ein Ort, an den Menschen gehen, weil sie sich sicher fühlen, heimisch und vielleicht auch geborgen. Und jetzt ist er erst mal zerstört. Sehr schade.
Notre Dame, eine Kirche, brennt. Für mich ein Sinnbild, denn meine Kirche brennt auch! In meiner Kirche gibt es aktuell so viele Brennpunkte, die man löschen muss. Dabei geht es vor allem um die Frage der Moral: Missbrauch, Sexualität, Abtreibung, Geldwäsche… An Gott glauben ist das eine, aber Mitglied einer solchen Kirche sein? Ehrlich gesagt kann ich verstehen, warum da viele austreten. Aber Kirche besteht für mich nicht nur aus Pfarrern und Bischöfen. Da sind noch andere Menschen, mit denen ich tatsächlich Glauben leben kann, in einem guten Miteinander.
Frankreichs Präsident Macron hat nach dem Brand gleich gesagt: Wir werden Notre Dame wieder aufbauen. Das geht doch auch mit meiner Kirche: Ich kann sie gestalten von unten, im Kleinen. Vor Ort, wenn ich mit den Leuten um mich rum rede über das, was ich glaube und worauf ich hoffe.
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»Oskar & Oma Rosa« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.03.2019 gesendet.
Selten hat mich ein Buch über Krebs so optimistisch gestimmt, wie das von Eric-Emmanuel Schmitt. Es heißt: „Oskar und die Dame in Rosa“. Oskar ist ein zehnjähriger Junge, der im Krankenhaus liegt. Ihm bleiben nicht mehr viele Tage. Er hat Krebs und wird sterben. Leider redet keiner von den Erwachsenen mit ihm darüber. Denn sie wissen nicht, wie sie ihm beibringen sollen, dass er sterben muss. Dabei weiß er es schon längst. Aber dass niemand mit ihm redet, das macht ihm zu schaffen.
Von Oma Rosa, seiner Lieblingsbesucherin, erhält er deshalb den Tipp, an Gott zu schreiben. Oskar glaubt nicht an ihn, schreibt ihm aber trotzdem. Und so bekomme ich in Oskars Briefen als Leser mit, was er fühlt. Ich erfahre was ihn beschäftigt und, was er über das Leben denkt. Er schreibt übers Verliebtsein, über die Anderen auf der Station und auch über seine Begegnung mit Gott. Seine Gedanken sind manchmal kindlich, manchmal lustig und manchmal auch ganz schön reif. Reifer als die Erwachsenen in der Geschichte. Manchmal sogar so, dass ich als Leser nur sagen kann: Ja, Erwachsene sind manchmal echt hilflos! Und auch wenn es echt traurig ist, das Oskar sterben wird, so zeigt das Buch auch: Nicht rumdrucksen, sondern reden hilft. Oskar wünscht sich nichts anders. Gut, reden hilft nur, wenn der Betroffene auch reden möchte. Und manchmal ist das für mich als Freund oder Angehöriger auch nicht einfach, gerade beim Thema Tod. Aber wenn’s ihm hilft, wenn darüber reden den Betroffenen tröstet, dann sollte ich es doch probieren.
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»Der Pate« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 20.03.2019 gesendet.
Kann ich als Christ auch Pate bei einem muslimischen Kind sein? Im Zug hat ein Mann erzählt: Er – Christ - ist von einer muslimischen Familie gefragt worden, ob er denn nicht das Patenamt für das Kind der Familie übernehmen möchte. Und er hat ja gesagt. Der Mann hat dann erzählt, dass er es total schön findet, dass ihm die Familie da so vertraut. Er darf das Kind seiner Freunde auf dem Weg zum Glauben begleiten, obwohl er selbst kein Muslim ist.
Jetzt sagen vielleicht die einen, im Islam gibt es doch keine Paten? Ich weiß leider nichts Näheres zu der Story von dem Mann, aber ich find es spannend, wenn einer so mit zwei Religionen umgehen kann. Für mich als Christ heißt Pate sein, Begleiter sein. Ich bin für jemanden da, bei Lebensfragen und auch wenn es um Gott geht. Und wenn ich als Pate einen anderen Glauben habe, dann kann das doch für einen jungen Menschen auf der Glaubenssuche nützlich sein. Denn ein anderer Glaube heißt doch auch, neue Fragen und Gedanken, wie das, was ich kenne. Klingt für mich bereichernd. Auch wenn ich jetzt keine Patin bin, so eine Patenschaft zwischen zwei Religionen kann ich mir sehr gut vorstellen. Es geht für mich da nicht um ein vermischen oder sogar übertreten zur anderen Religion. Mir wäre da wichtig, dass ich mich ernsthaft mit dem Anderen auseinandersetze. Nicht ohne ihn zu respektieren und gleichzeitig offen zu sein, für das was er mir sagen möchte. Da lernt man bestimmt viel voneinander und wahrscheinlich auch noch sehr viel über sich selbst.
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»#Fridays for Future« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.03.2019 gesendet.
Freitags nicht zur Schule gehen für die Zukunft der Erde. Und ich würde noch hinzufügen: Weil es keinen Planeten B gibt. Darum geht’s grad in den Freitagdemos von Schülern. Laut werden für die Umwelt und für den Klimaschutz. Und auch wenn diese Demos gerade stark kritisiert werden, find ich sie wichtig. Klar: Schule schwänzen löst das Klima-Problem an sich nicht. Aber es macht auf das Problem Zukunft aufmerksam. Und das ist ein Anfang. Denn was die sechzehnjährige Greta Thunberg mit „Fridays For Future“ angestoßen hat, zeigt, dass aus was Kleinem ne große Sache werden kann. Und mehr noch: Viele Schüler nehmen das Thema ernst und setzen sich damit auseinander. Weil sie wissen, es geht um ihre Zukunft und wie sie und ihre Kinder einmal leben werden. Da soll nochmal einer sagen „die Jugend von heute, weiß nicht was sie will“. Ich erlebe genau das Gegenteil: Die Jugend weiß es ganz genau. Und ich auch: Ich will mit meinen Kindern und Enkelkindern noch Schnee erleben können. Sie sollen keine Wüste, sondern Pflanzen und Bäume sehen können. Und ich möchte ihnen nicht von den Niederlanden und anderen Orten als versunkenen Städten erzählen… Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da anderen Leuten anders geht. Aber genau so etwas passiert, wenn sich Politiker und Wirtschaftskonzerne nicht bald zusammenraufen. Und deshalb lohnt es sich laut zu werden. Weil’s um die Zukunft geht.
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»Glücklich getauscht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 21.02.2019 gesendet.
Eine Freundin hat mich überredet, mit ihr zu einer Kleidertauschbörse zu gehen. Tauschbörse heißt, ich bringe noch gute Sachen hin, die ich aber nicht mehr mag. Und im Gegenzug darf ich andere Sachen wieder mitnehmen.
Als wir ankommen, werden wir freundlich begrüßt. Wir dürfen unsere Sachen auf den Tischen einsortieren und sollen dann in der Kaffeeecke Platz nehmen. Es gibt nämlich einen offiziellen Startschuss: “Macht euch Komplimente und seid lieb zueinander!”, sagt eine der Veranstalterinnen und eröffnet dann. Nett sein? Komplimente machen? Irritiert gehe ich zu den Klamottentischen und stelle fest: Links und rechts von mir ist man sehr freundlich zu mir. “Oh, wolltest du das? Komm nimm!” Im Laden oder Outlet hab ich sowas noch nie erlebt. Das hier ist anders. Und schön. Später bei der Umkleidekabine bekomme ich sogar ehrliche Meinungen und Komplimente. Von Fremden. Das ist wirklich schön.
Auf dem Heimweg merke ich, ich hab mich irgendwie glücklich getauscht. Ich hab gesehen wie meine Klamotten neue Besitzer finden, habe selbst was gefunden, habe Komplimente gemacht und auch welche bekommen. Unbezahlbar. Ich frage mich, ob so ein Nett Sein auch ohne Ansage funktioniert?
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»Weniger Ich« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 10.02.2019 gesendet.
Ein bisschen weniger ich, dafür ein bisschen mehr “wir”. Das denk ich mir, als ich den Spendenaufruf einer Freundin auf Facebook lese. Es geht um eine Familie, die endlich eine neue, größere Wohnung gefunden hat. Leider haben sie aber zu wenig Geld, um der Vormieterin die Küche abzukaufen. Meine Freundin bittet jeden, der ihren Aufruf liest um 10 Euro. Sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt, sondern will etwas mit allen erreichen. Sie setzt auf das „wir“.
Ich überlege lange, ob ich was geben soll. Dabei ist mir wieder ein Partyabend mit Freunden eingefallen. Da bin ich locker 50 Euro losgeworden. Und am Tag davor sind mir noch meine Traumschuhe über den Weg gelaufen, die ich mir dann gegönnt habe. Mal eben so. Dabei hab ich selbst auch nicht unbegrenzt Geld. Im Vergleich dazu sind die 10 Euro für diese Familie ein Witz. Nehme ich mich also zurück und tue ihr den Gefallen, damit es Anderen besser geht? Ich kann meiner Freundin vertrauen. Ich weiß, dass das Geld ankommt und wirklich gebraucht wird. Auch weiß ich von ihr, dass die Empfänger dankbar sind und auch helfen würden, wenn sie um Hilfe gefragt werden. Ich überweise meiner Freundin das Doppelte. Mir geht’s gut. Schadet bestimmt nicht, wenn ich mal etwas hergebe. Vielleicht kommt dann ja auch irgendwann mal was wieder zu mir zurück.
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»Sei du selbst« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.02.2019 gesendet.
Ich öffne den Briefkasten und muss lachen: Meine Freundin hat mir eine Karte geschickt. Darauf steht in bunten Buchstaben: “Sei immer du selbst! Außer du kannst Pippi Langstrumpf sein, dann sei Pippi Langstrumpf!”
Genial! Machen, was mir gefällt oder ich sein. Meine Freundin kennt mich. Sie weiß, dass ich viel um die Ohren habe und deswegen oft angespannt bin. Wie geht’s mit meinem Job weiter? Was sind die nächsten Projekte? Schaffe ich sie? Und was ist, wenn nicht? Lauter solche Fragen!
Manchmal zerreißt es mich fast. Weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll und weil das eine das andere bedingt und ich mich dann im Kreis drehe. Kopfweh!
Meine Freundin will mich aufmuntern: Sei immer du selbst und vertrau dir.
Ja, genau! Sie hat Recht. Egal was passiert, im Job und sonst wo. Ich werde das schon irgendwie durchstehen. Wenn es soweit ist, werde ich wissen, was zu tun ist. Weil ich dann bei mir bin und dann wird es für mich das Richtige sein. Und ich kann zeigen, was mich ausmacht.
Und wenn das nicht funktioniert, dann kann ich immer noch Pippi Langstrumpf sein, die Mut hat und macht, was ihr gefällt.
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»Goldkettchen« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.12.2018 gesendet.
Beim Ausmisten hab ich’s wiederentdeckt: Ein Goldkettchen mit einem Kreuz-Anhänger dran. Als Kind hab ich’s ne ganze Weile getragen, dann nicht mehr. Gold ist irgendwann nicht so meins gewesen und auch das Kreuz nicht. Ich fand es irgendwie schräg, ein Kreuz zu tragen und vor Anderen zu präsentieren: Ein Zeichen für den gestorbenen Jesus, also ein Todessymbol. Fand ich alles andere als schön.
Inzwischen seh ich das nicht mehr so. Denn das Kreuz an sich hat viel mehr zu bieten. Wenn ich z.B. mit Kindern eine Schatzsuche mache, dann gibt es auf der Schatzkarte ein dickes Kreuz. Und da dahinter liegt dann der Schatz begraben. Hinterm Kreuz also das Wertvolle. Und das christliche Kreuz erinnert mich nicht nur daran, wie Jesus gestorben ist. Es markiert auch Beziehungen: In jedem Balken kann ich eine Beziehung sehen. Im Senkrechten, von unten nach oben und umgekehrt, die Beziehung mit Gott. Ich darf mich an ihn wenden, mit dem was mich bewegt und er ist für mich da. Und der waagrechte Balken ist dann für die Beziehung von Mensch zu Mensch. Hier geht’s um mich und andere. Wie gehen wir miteinander um? Nächstenliebe und so…
Ein kleiner Wink für den Alltag, so ein Kreuz. Mit ganz viel drin. Inzwischen trage ich das kleine Goldkettchen wieder gern. Es ist für mich mehr als nur ein kleines Schmuckstück.
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»Vergißmeinnicht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.11.2018 gesendet.
Unglaublich: Auf einem Fensterbrett hab ich ein Vergissmeinnicht gesehen, dass jetzt noch blüht. Ganz viele zarte Stängel mit fünfblättrigen, kleinen, hellblauen Blüten darauf. Einer Sage nach hat diese Blume ihren Namen daher, weil sie Gott bat, sie nicht zu vergessen. Vermutlich weil sie schnell übersehen werden kann, so klein sind ihre Blüten. Das sie jetzt noch blüht, ist zu dieser Jahreszeit eher etwas ungewöhnlich, dafür find ich’s aber umso mehr ein kräftigeres Zeichen: Halt ich bin auch noch da! Gerade jetzt, wenn es kälter wird und der November hat ohnehin so viele Gedenktage...
Auch Zuhause denken wir gerade viel an die, denen es nicht so gut geht. Besuchen sie und versuchen für sie da zu sein. Wir zünden Kerzen für sie an. Und wir denken auch an die, die in unserer Familie und im Freundeskreis schon gestorben sind. In diesen kühler werdenden Tagen besonders. Meine Eltern und ich überlegen, wann wir zu den Gräbern meiner Großeltern gehen. Und wer die Gräber für den Winter fit macht. Und auch da zünden wir wieder Kerzen an, tauschen die alten gegen die neuen und stellen sie geschützt neben das Grab. Sie sind unser Zeichen, dass wir sie nicht vergessen.
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»Halloween« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.11.2018 gesendet.
Halloween ist vorbei und ich bin schon ein bisschen froh drüber. Mag ja sein, dass es Leute gibt, die auf dieses Halloween-Grusel-Getue stehen, ich tu mich schwer damit. Schummriges Licht, schaurige Musik, Tote, die zu Zombies werden... Ich hab nichts gegen leuchtende Kürbisse, find sie sogar echt schön! Aber womit ich nicht klar komme, ist dieses Abfeiern einer Zombie-Leichen-Show.
Vor allem wenn ich mir vorstelle: Jemand der gerade erfahren hat, dass von ihm eine liebe Person gestorben ist, der wird an Halloween mit Zombie-Fantasien konfrontiert. Schon schräg!?! Da seid ihr traurig, habt den Menschen noch lebhaft vor Augen, wollt ihn in guter Erinnerung behalten und bekommt dann Bilder von entstellten Zombie-Leichen zu sehen. Dabei findet Halloween an einem Abend vor einem Totengedenktag statt... Ich muss da manchmal echt hart kämpfen, dass ich keine Gruselbilder im Kopf habe, wenn ich an Verstorbene denke, an Familienmitglieder, Freunde und Bekannte. Gerade vor denen will ich mich ja nicht gruseln. Das sind liebe und tolle Menschen gewesen. Ich möchte da an die schöne Zeit mit ihnen denken, an ihr Lachen und mich daran erinnern. (Das klappt nach Halloween besser.)
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