»Maite Kelly« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.05.2020 gesendet.
Vor ner Weile hab ich mal die Chance gehabt, mit Maite Kelly Backstage zu sprechen. Und ich muss schon sagen, die Frau hat mich beeindruckt: Im Backstage-Bereich ist sie auf jeden zugegangen und hat jedem die Hand gegeben. Mit dieser Aktion hat sie, find ich, echt Stil gezeigt. Auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis sie bei allen durch war.
Als jemand dann auf die Uhr geschaut hat, hat sie nur gemeint: “Man muss sich die Zeit nehmen und auch zu einem Praktikanten nett sein. Man weiß ja nie, ob er nicht später dein Chef wird.”
Gerade aus dem Mund eines Stars finde ich, klingt das irgendwie lustig, aber auch demütig. Weil sie müsste sich ja nicht mit jedem abgeben. Trotzdem tut sie es aber. Vielleicht macht sie das, weil sie weiß dass sich das Leben von heute auf morgen ändern kann. Keine Ahnung, was sie da wirklich anspornt. Aber ich find’s ne coole Sache von ihr. Und was spricht dagegen, es genauso zu machen? Ich kann ja nie wissen, was kommt. Außerdem: Respekt sollte doch für jeden gelten.
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»Ohne Worte « von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.05.2020 gesendet.
Es ist jetzt schon ne Weile her, aber trotzdem ne wichtige Sache. Also: Ich seh mir ein Theaterstück von einer Schule für Körperbehinderte an. Es dauert ein bisschen, bis ich checke, was bei dem Typen auf der Bühne anders ist: Er kann nicht sprechen! Deshalb benutzt er einen Computer, den er mit seinem Fuß bedient. Ich weiß zwar, dass es das gibt, also Menschen, die mit Hilfe eines Computers sprechen, aber ich hab so was noch nie erlebt. Ich muss ständig hingucken. Am liebsten würde ich den Typen fragen: Wie funktioniert das? Und gleichzeitig denk ich auch: Das kannste doch nicht machen, oder?!
Und dann seh ich ihn nach dem Stück mit ein paar Freunden reden. Sie lachen. Er auch. Alles ganz normal: Keiner spricht extra langsam oder ist sonst wie vorsichtig. Man kann mit ihm ganz normal reden und das mache ich dann auch. Sein Körper macht zwar nicht immer das, was er will, aber er versteht mich gut und freut sich. Ich erfahre sehr viel und bin echt froh, dass ich mich getraut hab.
Aber so richtig Mut hatt‘ ich eben auch erst, als ich gesehen hab, dass Andere mit ihm ganz normal reden. Behinderung ist manchmal eben nur ne Kopfsache. Und ich hab jetzt gelernt, dass ich nichts falsch machen kann, wenn ich Menschen mit Behinderung genauso behandele, wie andere eben auch.
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»Meine Pflicht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.04.2020 gesendet.
Irvin Yalom ist Psychotherapeut und hat ein Buch über das geschrieben, was er mit seinen Patienten erlebt hat. Eine Patientin von ihm, die Krebs hat, hat ihm eine Nachricht geschrieben. Sie sagt darin, dass sie keine Zeit damit vergeudet, darüber nachzudenken, was sie macht oder was sie nicht macht. Sondern, dass sie es als ihre Pflicht ansieht, es sich gut gehen zu lassen. Sie genießt jetzt jedes Sandwich, weil’s ihre Pflicht ist, es zu genießen.
Mega! Sie macht das Beste aus ihrer Situation. Sie feiert einfach das Leben.
Und damit hat sie recht! Sich mal unwohl fühlen oder mal ne Niederlage erleben, ok. Aber das ist eben nicht alles. Wer aus dem Jammern nicht rauskommt, hat schon verloren. So hart das jetzt auch klingt. Aber mein Leben ist das, was ich draus mache. Und dazu gehört eben auch, wie ich meinen Alltag gestalte. Ich versuche mich nicht über Dinge zu ärgern, die grad nicht gehen. Sondern mache einfach das Beste aus dem, was grad möglich ist. Ich muss zu Hause bleiben? Gut, da kann ich jetzt jammern oder etwas machen, was ich schon immer mal wollte. Mit Genuss. Zum Beispiel endlich mal einen Suppenfond ausprobieren. Da muss das Gemüse nämlich mehre Stunden köcheln. Und wenn ich nicht da bin, geht das nicht. Also freue ich mich jetzt darüber, dass es so möglich ist und weil’s meine Pflicht ist.
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»Oskar und das Kreuz« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.04.2020 gesendet.
Der kleine Oscar steht vor einem Kreuz und bekommt einen Schreck: Jesus hängt am Kreuz. So sieht für ihn kein starker Gott aus. Neben ihm steht „Oma Rosa“. Sie ist nicht wirklich seine Oma, sondern nur eine Bekannte. Aber er vertraut ihr. Also fragt er sie, ob sie so einem gekreuzigten Gott vertrauen kann? Wie soll denn so einer einen beschützen? Sie antwortet ihm: „Oskar, wem fühlst du dich näher? Einem Gott, der nichts fühlt, oder einem Gott, der Schmerzen hat?“
Das Ganze ist eine Episode aus einem Buch und ich find sie echt schön. Weil hier was gezeigt wird, woran ich glaube. Nämlich, dass Gott einfühlsam und stark zugleich ist. Er ist jemand, der zu mir sagt: Ich kenne deine Gefühle und ich weiß auch um deine Schmerzen. Und deshalb lasse ich dich nicht allein, sondern bin bei dir und fühle mit dir. Das ist für mich ne echt schöne Zusage.
Gott ist nicht nur stark, mächtig und gut. Sondern er ist auch einfühlsam und lässt sich auf sowas wie Schmerzen ein. Freiwillig. Jesus hätte nicht am Kreuz sterben müssen. Aber er hat es selbst so gewählt. Er hat sich bewusst auf alles eingelassen, bis in den Tod.
Und so ein Gott, der Schmerzen kennt, weil er selbst welche am Kreuz erlebt hat, der ist für mich stark. Bei so einem Gott kann ich mich geborgen und aufgehoben fühlen. So einem Gott kann ich mich anvertrauen.
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»Corona-Tagebuch« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.04.2020 gesendet.
Ich ertappe mich, wie ich in diesen Tagen immer wieder etwas einkaufen möchte. Ich tigere durch die Wohnung, schreibe Einkaufslisten und dann, alle drei Tage, geh ich einkaufen. Und jedes Mal kauf ich nur ein paar Sachen. Ich trau mich auch gar nicht viel einzukaufen. Nicht, dass die Leute denken: ich hamstere. Ohne Auto, sieht ein vollgestopfter Rucksack in der Stadt echt verdächtig aus. Und wenn ich wieder zu Hause bin, ist es immer das Gleiche: Eigentlich hab ich alles. Ich hätte nichts kaufen müssen. Aber ich hab das Bedürfnis rauszukommen. Ich merke, dass es mir nicht reicht zu Hause vorm Computer zu sitzen, zu lesen oder zu telefonieren. Ich wünsche mir richtigen Kontakt zu anderen Menschen, wie beim Einkaufen. Ich will was anfassen, möchte etwas bezahlen und im Gegenzug etwas bekommen. Einen richtigen Tausch eben. Das fehlt mir und deshalb tigere ich wahrscheinlich mit dem Einkaufszettel durch die Wohnung. Ich weiß, ich sollte die sozialen Kontakte einschränken, aber gleichzeitig tun sie so gut.
Es sind schwierige Zeiten und es verlangt einiges ab. Und wenn’s dann wieder anders ist, dann werde ich mich wahrscheinlich nach Ruhe vor Menschen sehnen. Bei mir ist das oft so, dass ich immer das will, was ich gerade nicht habe. Und darin liegt wohl die Kunst des Lebens, dass ich lerne, mit dem zu leben, was ich habe.
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»Corna-Macht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.04.2020 gesendet.
Woche 3 Zuhause und die Einsicht: Corona macht was mit mir. In der ersten Woche hab ich mich mehrmals gefragt: Passiert das gerade wirklich? Kann doch nicht sein… Ein Virus, dass ich noch nicht mal sehen kann, breitet sich unaufhörlich aus und die Welt steht Kopf. Ich hab Witze darüber gemacht und dann nach einer Woche zu Hause hat’s mich mitgenommen. Corona ist kein Scherz. Ich hab viel gegrübelt. Ein Blick nach Italien und ich hab mich ängstlich gefühlt.
Und jetzt Woche 3 und meine Einsicht: Corona hat mir zwar erst n Schockzustand beschert, aber dann auch so n Rüttler und Mut gemacht. Denn ich merke, in der Krise steckt Kraft. Es geht weiter und es entsteht Neues.
Zum Beispiel die Leute in meiner Stadt, die rücken irgendwie näher zusammen, organisieren sich. Zumindest hab ich das Gefühl, dass da grad mehr wie vorher geht. Über ne Nachbarschafts-App hat letztens einer einen Kochkurs organisiert. Jeder hat für sich zu Hause gekocht, aber alle waren über n Livestream verbunden. Genial und irgendwie zeigt das doch auch. Es geht weiter. Und es wird auch noch ein Leben nach Corona geben. Keine Ahnung, wie dann das Leben danach aussehen wird. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir das Beste daraus machen.
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»Mein Glaube steht Kopf« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.04.2020 gesendet.
Corona, Corona, was bringst du nur alles durcheinander. Auch die Art, wie und wann ich meinen Glauben mit anderen lebe. Plötzlich kann ich nicht mehr in n Gottesdienst gehen und mit Freunden und Familie das Leben feiern. Auch die Hochzeit meiner Freundin is jetzt nicht. Verschoben auf bislang unbekannt. Gemeinsam zusammenkommen, Brot teilen, sich die Hände schütteln, neben anderen sitzen und spüren, dass man nicht allein ist. All das tabu.
Tja, wenn ich all das brauch, dann heißt’s das wohl jetzt, dass ich auf andere Formen von Gebet und Gemeinschaft ausweichen muss. Und da glaub ich, gibt’s grad auch eine große Chance für etwas andere Wege, wie ich mich mit anderen verbinden kann. Es gibt viele kleine Signale, die mir zeigen: „Hey, du bist nicht allein, auch wir beten.“ Und das außerhalb der Kirchenmauern. Wege, die einfach mehr nach außen hin denken. Gerade in diesen Tagen, wo ich viel zu Hause bin, krieg ich nämlich ganz viel von draußen mit. Da sind z.B. die Kirchenglocken am Sonntagmorgen. Weil kaum Autos rumfahren höre ich sie jetzt deutlicher. Und ich höre zudem, wie sich jemand die Mühe macht und eine Posaune vom Kirchturm spielt. Oder abends sehe ich in den Fenstern meiner Nachbarn Kerzen leuchten. Egal wie und wo: Ich merke, ich bin mit meinem Glauben nicht allein. Wir sind auch über verschlossene Türen hinweg eine Gemeinschaft.
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»Gute Besserung« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 25.01.2020 gesendet.
Da wird einem richtig schlecht. Ich sitze im Krankenhaus-Wartezimmer und lese Info-Zettel, die mir eine Arzthelferin gegeben hat. 20 Seiten detaillierte Infos, was alles bei meiner OP schief gehen kann. Ich soll genäht werden und dazu muss ich betäubt werden. Ne Routinesache. Ich kann noch am gleichen Tag nach Hause. Aber soll ich unterschreiben, dass ich mir der „Risiken“ bewusst bin.
Ich komme also ins Krankenhaus, damit etwas wieder gut wird und dann erzählt man mir, was alles schief gehen kann. Meine Situation wird also erstmal noch dramatisiert. Was ist da schief gelaufen, dass Ärzte erstmal so ne Negativ-Aufklärung machen müssen?
Ich verschließ mich ja nicht vor der Realität: Wenn ich in ein Krankhaus gehe, dann stimmt ja was nicht und ich weiß, dass es auch schlimmer werden kann. Und ich weiß auch, dass die Ärzte mich deshalb informieren und sich absichern müssen. Aber kann nicht zuerst auch davon die Reden sein, dass ich gesund werden könnte. Sowas würde ich gerne hören.
Das einzige was mir im Wartezimmer geholfen hat, war eine andere Patientin, die mich auf meinen Papierkram angesprochen: „Machen Sie sich nichts draus, wird schon. Es geht weiter!“ Echt nicht viele Worte, aber ich hab mich dadurch tatsächlich ein bisschen besser gefühlt. In solchen Situation will ich es auch echt gerne nochmal hören: Es wird schon wieder gut.
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»Essen retten« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.01.2020 gesendet.
Mein Handy klingelt und meine Freundin ist dran: Sie fragt mich nach der Größe meines Kühlfachs und ob ich denn noch Platz darin hätte? Zögerlich antworte ich ja und bin mir nicht sicher, was als nächstes kommt. Und dann geht’s plötzlich ganz schnell. Sie erzählt in einem Supermarkt sind die Kühltruhen ausgefallen und jetzt muss das Essen entsorgt werden. Sie will möglichst viel davon retten. Es gibt verschiedenes und sie bringt es demnächst vorbei.
Inzwischen meldet sie sich immer mal wieder, denn meine Freundin ist Food Saver, also Essens-Retter. Sie ist bei einer Gruppe aktiv, die bei uns in der Stadt verschiedene Restaurants, Bäckereien und andere Geschäfte abklappert. Mit dem Gedanken: Essensreste retten, bevor sie in der Tonne landen. Die Gruppe hat sich organisiert: Wann hat wer Zeit und kann wo hingehen. Regelmäßig. Die Geschäfte melden sich sogar inzwischen bei ihnen und geben Bescheid, ob und was da ist. Und dann schwärmt die Gruppe aus und rettet Essen, um es anschließend mit Freunden und der Family zu teilen.
Da geht’s nämlich nicht um Betteln, sondern einfach darum, dass Essen nicht im Müll landet. Weil Essen wertvoll ist und nicht selbstverständlich. Und irgendwo mag’s vielleicht ein anderer noch haben.
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»Mach's doch« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.01.2020 gesendet.
Sie findet es großartig, dass ich mit meinem eigenen Becher komme und einen Coffee-To-Go bestelle. Dafür schenkt mir die Verkäuferin sogar einen Keks.
Dann erzählt sie mir stolz, sie hätten ja auch Mehrwegbecher im Angebot. Weil Müllvermeiden ist doch besser für die Umwelt. Ne tolle Sache, aber die Kunden müssten halt auch mitmachen. Viele haben tatsächlich auch schon den Becher, der liegt aber bei ihnen zu hause. Man müsse eben drandenken.
Man müsste – Ich müsste. Ich nicke. Ja, kenn ich. Geht mir mit manchen Dingen genauso. Ich müsste eigentlich mal wieder aufräumen oder ins Training.
Wie oft sag ich „ich müsste“? Wahrscheinlich zu oft! Und Ausreden finde ich immer. Alles wahrscheinlich eine Frage des Selbstverarschens. Nur warum? Wenn ich etwas will, dann kann ich’s doch durchziehen oder eben lassen. Muss mir dann aber nicht einreden „ich müsste“. Also sag ich mir: „Ich mach das jetzt!“ und bleibe dran, immer und immer wieder.
Mit dem Becher hat’s bei mir funktioniert, weil ich’s mir ganz praktisch antrainiert habe: Mein Morgentee ist mir oft einfach noch zu heiß und stehen lassen will ich ihn nicht. Also Tee in Becher, unterwegs austrinken und später dann Kaffee holen. Seitdem ist der Becher regelmäßig mit dabei.
Man müsste… ich müsste mal wieder… ja was denn eigentlich? Und warum tue ich es nicht schon längst?
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