»Glücklich getauscht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 21.02.2019 gesendet.
Eine Freundin hat mich überredet, mit ihr zu einer Kleidertauschbörse zu gehen. Tauschbörse heißt, ich bringe noch gute Sachen hin, die ich aber nicht mehr mag. Und im Gegenzug darf ich andere Sachen wieder mitnehmen.
Als wir ankommen, werden wir freundlich begrüßt. Wir dürfen unsere Sachen auf den Tischen einsortieren und sollen dann in der Kaffeeecke Platz nehmen. Es gibt nämlich einen offiziellen Startschuss: “Macht euch Komplimente und seid lieb zueinander!”, sagt eine der Veranstalterinnen und eröffnet dann. Nett sein? Komplimente machen? Irritiert gehe ich zu den Klamottentischen und stelle fest: Links und rechts von mir ist man sehr freundlich zu mir. “Oh, wolltest du das? Komm nimm!” Im Laden oder Outlet hab ich sowas noch nie erlebt. Das hier ist anders. Und schön. Später bei der Umkleidekabine bekomme ich sogar ehrliche Meinungen und Komplimente. Von Fremden. Das ist wirklich schön.
Auf dem Heimweg merke ich, ich hab mich irgendwie glücklich getauscht. Ich hab gesehen wie meine Klamotten neue Besitzer finden, habe selbst was gefunden, habe Komplimente gemacht und auch welche bekommen. Unbezahlbar. Ich frage mich, ob so ein Nett Sein auch ohne Ansage funktioniert?
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»Weniger Ich« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 10.02.2019 gesendet.
Ein bisschen weniger ich, dafür ein bisschen mehr “wir”. Das denk ich mir, als ich den Spendenaufruf einer Freundin auf Facebook lese. Es geht um eine Familie, die endlich eine neue, größere Wohnung gefunden hat. Leider haben sie aber zu wenig Geld, um der Vormieterin die Küche abzukaufen. Meine Freundin bittet jeden, der ihren Aufruf liest um 10 Euro. Sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt, sondern will etwas mit allen erreichen. Sie setzt auf das „wir“.
Ich überlege lange, ob ich was geben soll. Dabei ist mir wieder ein Partyabend mit Freunden eingefallen. Da bin ich locker 50 Euro losgeworden. Und am Tag davor sind mir noch meine Traumschuhe über den Weg gelaufen, die ich mir dann gegönnt habe. Mal eben so. Dabei hab ich selbst auch nicht unbegrenzt Geld. Im Vergleich dazu sind die 10 Euro für diese Familie ein Witz. Nehme ich mich also zurück und tue ihr den Gefallen, damit es Anderen besser geht? Ich kann meiner Freundin vertrauen. Ich weiß, dass das Geld ankommt und wirklich gebraucht wird. Auch weiß ich von ihr, dass die Empfänger dankbar sind und auch helfen würden, wenn sie um Hilfe gefragt werden. Ich überweise meiner Freundin das Doppelte. Mir geht’s gut. Schadet bestimmt nicht, wenn ich mal etwas hergebe. Vielleicht kommt dann ja auch irgendwann mal was wieder zu mir zurück.
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»Sei du selbst« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.02.2019 gesendet.
Ich öffne den Briefkasten und muss lachen: Meine Freundin hat mir eine Karte geschickt. Darauf steht in bunten Buchstaben: “Sei immer du selbst! Außer du kannst Pippi Langstrumpf sein, dann sei Pippi Langstrumpf!”
Genial! Machen, was mir gefällt oder ich sein. Meine Freundin kennt mich. Sie weiß, dass ich viel um die Ohren habe und deswegen oft angespannt bin. Wie geht’s mit meinem Job weiter? Was sind die nächsten Projekte? Schaffe ich sie? Und was ist, wenn nicht? Lauter solche Fragen!
Manchmal zerreißt es mich fast. Weil ich nicht weiß, wo ich anfangen soll und weil das eine das andere bedingt und ich mich dann im Kreis drehe. Kopfweh!
Meine Freundin will mich aufmuntern: Sei immer du selbst und vertrau dir.
Ja, genau! Sie hat Recht. Egal was passiert, im Job und sonst wo. Ich werde das schon irgendwie durchstehen. Wenn es soweit ist, werde ich wissen, was zu tun ist. Weil ich dann bei mir bin und dann wird es für mich das Richtige sein. Und ich kann zeigen, was mich ausmacht.
Und wenn das nicht funktioniert, dann kann ich immer noch Pippi Langstrumpf sein, die Mut hat und macht, was ihr gefällt.
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»Goldkettchen« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.12.2018 gesendet.
Beim Ausmisten hab ich’s wiederentdeckt: Ein Goldkettchen mit einem Kreuz-Anhänger dran. Als Kind hab ich’s ne ganze Weile getragen, dann nicht mehr. Gold ist irgendwann nicht so meins gewesen und auch das Kreuz nicht. Ich fand es irgendwie schräg, ein Kreuz zu tragen und vor Anderen zu präsentieren: Ein Zeichen für den gestorbenen Jesus, also ein Todessymbol. Fand ich alles andere als schön.
Inzwischen seh ich das nicht mehr so. Denn das Kreuz an sich hat viel mehr zu bieten. Wenn ich z.B. mit Kindern eine Schatzsuche mache, dann gibt es auf der Schatzkarte ein dickes Kreuz. Und da dahinter liegt dann der Schatz begraben. Hinterm Kreuz also das Wertvolle. Und das christliche Kreuz erinnert mich nicht nur daran, wie Jesus gestorben ist. Es markiert auch Beziehungen: In jedem Balken kann ich eine Beziehung sehen. Im Senkrechten, von unten nach oben und umgekehrt, die Beziehung mit Gott. Ich darf mich an ihn wenden, mit dem was mich bewegt und er ist für mich da. Und der waagrechte Balken ist dann für die Beziehung von Mensch zu Mensch. Hier geht’s um mich und andere. Wie gehen wir miteinander um? Nächstenliebe und so…
Ein kleiner Wink für den Alltag, so ein Kreuz. Mit ganz viel drin. Inzwischen trage ich das kleine Goldkettchen wieder gern. Es ist für mich mehr als nur ein kleines Schmuckstück.
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»Vergißmeinnicht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.11.2018 gesendet.
Unglaublich: Auf einem Fensterbrett hab ich ein Vergissmeinnicht gesehen, dass jetzt noch blüht. Ganz viele zarte Stängel mit fünfblättrigen, kleinen, hellblauen Blüten darauf. Einer Sage nach hat diese Blume ihren Namen daher, weil sie Gott bat, sie nicht zu vergessen. Vermutlich weil sie schnell übersehen werden kann, so klein sind ihre Blüten. Das sie jetzt noch blüht, ist zu dieser Jahreszeit eher etwas ungewöhnlich, dafür find ich’s aber umso mehr ein kräftigeres Zeichen: Halt ich bin auch noch da! Gerade jetzt, wenn es kälter wird und der November hat ohnehin so viele Gedenktage...
Auch Zuhause denken wir gerade viel an die, denen es nicht so gut geht. Besuchen sie und versuchen für sie da zu sein. Wir zünden Kerzen für sie an. Und wir denken auch an die, die in unserer Familie und im Freundeskreis schon gestorben sind. In diesen kühler werdenden Tagen besonders. Meine Eltern und ich überlegen, wann wir zu den Gräbern meiner Großeltern gehen. Und wer die Gräber für den Winter fit macht. Und auch da zünden wir wieder Kerzen an, tauschen die alten gegen die neuen und stellen sie geschützt neben das Grab. Sie sind unser Zeichen, dass wir sie nicht vergessen.
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»Halloween« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.11.2018 gesendet.
Halloween ist vorbei und ich bin schon ein bisschen froh drüber. Mag ja sein, dass es Leute gibt, die auf dieses Halloween-Grusel-Getue stehen, ich tu mich schwer damit. Schummriges Licht, schaurige Musik, Tote, die zu Zombies werden... Ich hab nichts gegen leuchtende Kürbisse, find sie sogar echt schön! Aber womit ich nicht klar komme, ist dieses Abfeiern einer Zombie-Leichen-Show.
Vor allem wenn ich mir vorstelle: Jemand der gerade erfahren hat, dass von ihm eine liebe Person gestorben ist, der wird an Halloween mit Zombie-Fantasien konfrontiert. Schon schräg!?! Da seid ihr traurig, habt den Menschen noch lebhaft vor Augen, wollt ihn in guter Erinnerung behalten und bekommt dann Bilder von entstellten Zombie-Leichen zu sehen. Dabei findet Halloween an einem Abend vor einem Totengedenktag statt... Ich muss da manchmal echt hart kämpfen, dass ich keine Gruselbilder im Kopf habe, wenn ich an Verstorbene denke, an Familienmitglieder, Freunde und Bekannte. Gerade vor denen will ich mich ja nicht gruseln. Das sind liebe und tolle Menschen gewesen. Ich möchte da an die schöne Zeit mit ihnen denken, an ihr Lachen und mich daran erinnern. (Das klappt nach Halloween besser.)
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»Ende und Anfang« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.11.2018 gesendet.
Kann das sein, dass grad wieder Hochsaison für de Tod ist? Vielleicht geht es nur mir so, aber je kälter es wird, desto mehr traurige Nachrichten bekomme ich: „Er liegt auf Intensiv“ oder „Sie ist letzten Sonntag gestorben“.
Diese Nachrichten überrumpeln mich manchmal ganz schön. Und ich zünde dann erst mal eine Kerze an. Kerzen bringen Licht ins Dunkel und zeigen, dass es mehr als die Dunkelheit gibt. Und daran glaube ich auch als Christin. Ich glaube, an ein Leben nach dem Tod. Und dass da wirklich was ist, das spür ich, wenn ich an Verstorbene aus meiner Familie denke.
Nur manchmal, da ist es einfach viel mit den traurigen Nachrichten. Ich versuch mir dann vorzustellen, wie es wohl so im Himmel dann abgeht. Da muss dann die Party des Jahres stattfinden. Jeder ist eingeladen, der bei Türsteher Petrus einen Totenschein vorzeigen kann. Wer drin ist, gibt Jesus dann ein „Highfive“ und schnappt sich einen himmlischen Cocktail. Einfach ne fette Party. Und das Beste: Alle sind da, auch die, die schon lange Tod sind. Klingt bisschen albern, ich weiß, aber es hilft mir manchmal mit der Situation klar zu kommen. Irgendwie wär’s doch so auch schön. Letztlich weiß ich nicht, wie es sein wird. Ich spüre nur immer wieder, dass da noch was ist und kommt. Und das gibt mir Hoffnung: Der Tod ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang.
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»Weltweit« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 04.11.2018 gesendet.
Ich bin da mit so einem Typen auf Facebook befreundet. Er ist ein DJ in Marokko und ein Pfadfinder. In letzter Zeit postet er immer wieder Bilder, wie er mit Pfadfindern aus der ganzen Welt Pfadfinder-Aufnäher und Halstücher tauscht. Er sagt, er habe Freunde auf der ganzen Welt und die getauschten Gegenstände bewiesen es. Sie kommen aus Japan, Rumänien, Irland, usw.
Ehrlich gesagt find ich’s ziemlich cool, wenn ich mir so vorstelle, dass er überall auf der ganzen Welt Leute kennt und findet. Und was er da mit dem Tauschen macht ist auch nice. Das ist glaub ich echt noch mal was anderes, wenn man was Richtiges in den Händen halten kann.
Mich beeindrucken zwei Dinge an dem Typen: Dass er einfach so mit Fremden Kontakt aufnimmt und dass er da keine Grenzen kennt. Ihm ist egal, woher die Leute kommen oder welcher Religion sie angehören. Er ist da völlig offen und das prägt bestimmt auch sein Weltbild. Ich geh mal stark davon aus, dass er niemals pauschal ein schlechtes Bild von Rumänien oder Japan oder irgendeinem anderen Land haben wird. Die Länder sind die Heimat von Leuten, die er kennt.
Wenn jeder so vernetzt wäre, wie er, gäbe es sicher weniger Kriege auf der Welt.
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»Haltende Hände« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.11.2018 gesendet.
Wir sind auf einem Festival und bis gerade eben ist alles noch ok gewesen mit unseren Nachbarn. Plötzlich diskutiert die Nachbarin heftig mit meiner Freundin und jetzt schreit sie sie auch noch an. Ich hab das Gefühl, dass es gleich knallt. Ich weiß nicht, wie es bei den beiden so weit gekommen ist, aber ich spüre deutlich, dass sie vor Wut kochen. Ich klinke mich ein, versuche zu schlichten und will verstehen. Keine Chance. Garantiert alles ein Missverständnis, denn auf Streit sind wir wirklich nicht aus. Mir fällt plötzlich ein Sprichwort aus Afrika ein: Haltende Hände können nicht schlagen. Also nehme ich unsere aufgebrachte Nachbarin und meine Freundin an der Hand und nehme auch ihre Hände zusammen. Ich komme mir etwas komisch dabei vor. An meinen Händen spüre ich genau, wie aufgebracht beide Mädels sind, weil sie noch zittern. Ich habe aber auch das Gefühl, dass sie spüren, dass ich jeder von ihnen zuhören will. Sie werden ruhiger. Vielleicht weil sie wissen, dass es jetzt auch gut ist. Plötzlich können wir wieder miteinander reden. Entschuldigungen fallen, für… ich weiß immer noch nicht für was… aber am Ende liegen wir uns in den Armen. Zugegeben, es war alles ein bisschen skurril und ich hätte nie gedacht, dass ich mal so Händchen halte, aber das was ich gespürt habe, war gut und hat gewirkt. Haltende Hände können nicht schlagen!
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»Mehr Mumm« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 30.10.2018 gesendet.
Mehr Mumm bitte! Ich bin öfters mal mit Gruppen unterwegs. Und sobald die Gruppe etwas größer ist und Entscheidungen getroffen werden müssen, erlebe ich es immer wieder, dass meine Mitmenschen keinen Mumm haben, zu sagen was sie wollen. Stattdessen ist da immer so ein Schweigen und hinterher wird dann gemeckert. Finde ich schade und irgendwie auch unehrlich.
Neulich auch, als ich mit einer Oberstufenklasse für ein paar Tage unterwegs gewesen bin. Schon lange vor dem Wochenende haben wir Regeln ausgemacht. Nachtruhe ab 11 Uhr, kein Bier usw. Das Ganze demokratisch: Jeder hatte die Chance zu sagen, ob es ok ist oder nicht. Alle haben zugestimmt. Und was ist an dem auf der Wochenende passiert? Halligalli bis in die frühen Morgenstunden. Grundsätzlich hab ich kein Problem damit: Ich mein, dass man Spaß auf einer Freizeit haben will ist das eine, kann ich verstehen. Aber dass sie nicht im Vorfeld gesagt haben, sie möchten es anders und machen es dann so. Das verstehe ich nicht. Jeder ist doch für sich selbst und seine Bedürfnisse verantwortlich. Wenn aber niemand den Mund aufmacht, erfährt auch niemand was davon. Wie sollen wir denn da zusammenleben? Deshalb wünsche ich mir mehr Mumm für und von meinen Mitmenschen, damit wir mehr miteinander reden.
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