»Mein Glaube steht Kopf« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.04.2020 gesendet.
Corona, Corona, was bringst du nur alles durcheinander. Auch die Art, wie und wann ich meinen Glauben mit anderen lebe. Plötzlich kann ich nicht mehr in n Gottesdienst gehen und mit Freunden und Familie das Leben feiern. Auch die Hochzeit meiner Freundin is jetzt nicht. Verschoben auf bislang unbekannt. Gemeinsam zusammenkommen, Brot teilen, sich die Hände schütteln, neben anderen sitzen und spüren, dass man nicht allein ist. All das tabu.
Tja, wenn ich all das brauch, dann heißt’s das wohl jetzt, dass ich auf andere Formen von Gebet und Gemeinschaft ausweichen muss. Und da glaub ich, gibt’s grad auch eine große Chance für etwas andere Wege, wie ich mich mit anderen verbinden kann. Es gibt viele kleine Signale, die mir zeigen: „Hey, du bist nicht allein, auch wir beten.“ Und das außerhalb der Kirchenmauern. Wege, die einfach mehr nach außen hin denken. Gerade in diesen Tagen, wo ich viel zu Hause bin, krieg ich nämlich ganz viel von draußen mit. Da sind z.B. die Kirchenglocken am Sonntagmorgen. Weil kaum Autos rumfahren höre ich sie jetzt deutlicher. Und ich höre zudem, wie sich jemand die Mühe macht und eine Posaune vom Kirchturm spielt. Oder abends sehe ich in den Fenstern meiner Nachbarn Kerzen leuchten. Egal wie und wo: Ich merke, ich bin mit meinem Glauben nicht allein. Wir sind auch über verschlossene Türen hinweg eine Gemeinschaft.
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»Gute Besserung« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 25.01.2020 gesendet.
Da wird einem richtig schlecht. Ich sitze im Krankenhaus-Wartezimmer und lese Info-Zettel, die mir eine Arzthelferin gegeben hat. 20 Seiten detaillierte Infos, was alles bei meiner OP schief gehen kann. Ich soll genäht werden und dazu muss ich betäubt werden. Ne Routinesache. Ich kann noch am gleichen Tag nach Hause. Aber soll ich unterschreiben, dass ich mir der „Risiken“ bewusst bin.
Ich komme also ins Krankenhaus, damit etwas wieder gut wird und dann erzählt man mir, was alles schief gehen kann. Meine Situation wird also erstmal noch dramatisiert. Was ist da schief gelaufen, dass Ärzte erstmal so ne Negativ-Aufklärung machen müssen?
Ich verschließ mich ja nicht vor der Realität: Wenn ich in ein Krankhaus gehe, dann stimmt ja was nicht und ich weiß, dass es auch schlimmer werden kann. Und ich weiß auch, dass die Ärzte mich deshalb informieren und sich absichern müssen. Aber kann nicht zuerst auch davon die Reden sein, dass ich gesund werden könnte. Sowas würde ich gerne hören.
Das einzige was mir im Wartezimmer geholfen hat, war eine andere Patientin, die mich auf meinen Papierkram angesprochen: „Machen Sie sich nichts draus, wird schon. Es geht weiter!“ Echt nicht viele Worte, aber ich hab mich dadurch tatsächlich ein bisschen besser gefühlt. In solchen Situation will ich es auch echt gerne nochmal hören: Es wird schon wieder gut.
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»Essen retten« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.01.2020 gesendet.
Mein Handy klingelt und meine Freundin ist dran: Sie fragt mich nach der Größe meines Kühlfachs und ob ich denn noch Platz darin hätte? Zögerlich antworte ich ja und bin mir nicht sicher, was als nächstes kommt. Und dann geht’s plötzlich ganz schnell. Sie erzählt in einem Supermarkt sind die Kühltruhen ausgefallen und jetzt muss das Essen entsorgt werden. Sie will möglichst viel davon retten. Es gibt verschiedenes und sie bringt es demnächst vorbei.
Inzwischen meldet sie sich immer mal wieder, denn meine Freundin ist Food Saver, also Essens-Retter. Sie ist bei einer Gruppe aktiv, die bei uns in der Stadt verschiedene Restaurants, Bäckereien und andere Geschäfte abklappert. Mit dem Gedanken: Essensreste retten, bevor sie in der Tonne landen. Die Gruppe hat sich organisiert: Wann hat wer Zeit und kann wo hingehen. Regelmäßig. Die Geschäfte melden sich sogar inzwischen bei ihnen und geben Bescheid, ob und was da ist. Und dann schwärmt die Gruppe aus und rettet Essen, um es anschließend mit Freunden und der Family zu teilen.
Da geht’s nämlich nicht um Betteln, sondern einfach darum, dass Essen nicht im Müll landet. Weil Essen wertvoll ist und nicht selbstverständlich. Und irgendwo mag’s vielleicht ein anderer noch haben.
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»Mach's doch« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 07.01.2020 gesendet.
Sie findet es großartig, dass ich mit meinem eigenen Becher komme und einen Coffee-To-Go bestelle. Dafür schenkt mir die Verkäuferin sogar einen Keks.
Dann erzählt sie mir stolz, sie hätten ja auch Mehrwegbecher im Angebot. Weil Müllvermeiden ist doch besser für die Umwelt. Ne tolle Sache, aber die Kunden müssten halt auch mitmachen. Viele haben tatsächlich auch schon den Becher, der liegt aber bei ihnen zu hause. Man müsse eben drandenken.
Man müsste – Ich müsste. Ich nicke. Ja, kenn ich. Geht mir mit manchen Dingen genauso. Ich müsste eigentlich mal wieder aufräumen oder ins Training.
Wie oft sag ich „ich müsste“? Wahrscheinlich zu oft! Und Ausreden finde ich immer. Alles wahrscheinlich eine Frage des Selbstverarschens. Nur warum? Wenn ich etwas will, dann kann ich’s doch durchziehen oder eben lassen. Muss mir dann aber nicht einreden „ich müsste“. Also sag ich mir: „Ich mach das jetzt!“ und bleibe dran, immer und immer wieder.
Mit dem Becher hat’s bei mir funktioniert, weil ich’s mir ganz praktisch antrainiert habe: Mein Morgentee ist mir oft einfach noch zu heiß und stehen lassen will ich ihn nicht. Also Tee in Becher, unterwegs austrinken und später dann Kaffee holen. Seitdem ist der Becher regelmäßig mit dabei.
Man müsste… ich müsste mal wieder… ja was denn eigentlich? Und warum tue ich es nicht schon längst?
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»Nochmal die 72« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 27.12.2019 gesendet.
Wenn ich an 2019 zurückdenke, dann gibt’s da eine Sache, die mir hängen geblieben ist: Die 72-Stunden Aktion. Über Hunderttausend Jugendliche haben innerhalb von 72 Stunden in ganz Deutschland verschiedene Projekte umgesetzt. Sie haben z.B. Klettergerüste auf Spielplätzen und Bienenhotels gebaut. Sie haben Seniorenfeste organisiert und Grünflächen gestaltet. Alles haben sie ehrenamtlich gemacht. Sie haben einfach versucht in wenigen Stunden etwas umzusetzen, was vorher noch nicht da war.
Und dabei ging’s gar nicht mal darum, dass das, was entsteht für die Jugendlichen ist. Nein es ging immer darum, etwas zu erreichen für möglichst viele andere Menschen.
Und das beeindruckt mich ziemlich an der Aktion, dieses Selbstlose. Menschen sind hier bereit gewesen, sich für andere einzusetzen. Ohne, dass sie es hätten tun müssen. Sie haben gemeinsam angepackt und teilweise noch andere Menschen angesteckt. Es hat einige Leute gegeben, die spontan mitgeholfen haben. Sei es, dass sie Baumaterial geschenkt haben oder die Jugendlichen mit Essen versorgt haben. Vor ihnen allen ziehe ich den Hut. DANKE!
Wenn es etwas gibt, was ich mir für 2020 vornehme, dann die Suche nach meiner eigenen kleinen 72 Stunden Aktion. Irgendetwas, wo ich jemandem etwas Gutes tun kann. Und wenn es vielleicht nur 72 Minuten werden, die ich jemandem schenke.
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»Zwischenstopp« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.12.2019 gesendet.
Und in der Zwischenzeit mach ich nix! Naja fast, denn ich bin seit Weihnachten bei meinen Eltern zu Besuch. Aber in der Arbeit geht’s erst nächstes Jahr weiter und deshalb steht bis Neujahr bei mir nix an. Ein kleiner Zwischenstopp und ich hab Zeit.
Deshalb nutz ich dann auch die Zeit bei meinen Eltern, um noch mal zu schauen, was bisher so alles in meinem Leben passiert ist. Ich schaue dann gerne alte Fotoalben an. Oder noch besser: Ich geh auf den Dachboden und stöbere nach altem Spielzeug. Das macht echt Spaß und es kommt auch echt vieles wieder hoch, was ich eigentlich schon längst vergessen hab. Ich hab da meinen Schachcomputer wiedergefunden. Den hat mir damals als Kind mein Opa geschenkt. Er hat mir auch das Spielen beigebracht. Und weil Opa ja nicht immer mit mir spielen kann, hat er mir das Teil dann geschenkt.
Immer wenn ich dann solche Dinge wieder entdecke, fällt mir auch ein, was mir mal wichtig gewesen ist. Welche Hobbies ich mal hatte. Und ich merke dann auch, wer mich wie geprägt hat. Deshalb frag ich mich dann auch, wo der oder die heute noch ne Rolle bei mir spielt? Was war und ist mir wichtig? Ich check das dann einfach nochmal für mich. Und dafür hab ich zum Glück bis Neujahr Zeit. Ich mach aus der Zwischenzeit also n kleinen Boxenstopp. Und wenn ich dann wieder nach Hause fahre und das Neue Jahr anbricht, hab ich aufgetankt und weiß wieder, wo’s hingehen soll.
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»Bethlehem« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.12.2019 gesendet.
Sie haben Weihnachten eingesperrt - Mein erster Gedanke, als ich nach Bethlehem reinfahre. Der Grund: Bethlehem ist von einer hohen Mauer umgebenen. Denn Bethlehem liegt in Palästina und Israel und Palästina sind getrennt durch eine Mauer. Wenn ich nach Bethlehem will, muss ich durch einen Checkpoint. Glaubt mir, die Berliner Mauer ist da echt mini gewesen.
Als ich das erste Mal da war, hat mich das echt schockiert. Bethlehem, der Ort an dem Weihnachten entstanden ist. Das Fest der Liebe… und dann die Realität: Stacheldraht, Beton und Militär. Größer könnte der Widerspruch nicht sein – dachte ich.
Mittlerweile denke ich auch: Diese Mauer ist das perfekte Mahnmal, dass Weihnachten nicht selbstverständlich ist. Dass es immer noch Baustellen gibt, an denen gearbeitet werden muss. Vor allem, wenn es sich um Mauern zwischen Menschen handelt. Es macht mich wütend, wenn ich mitbekomme, wie Politiker noch mehr Zäune und Mauern bauen wollen. Anstatt nach Lösungen zu suchen, wie wir miteinander leben können. Ich find’s einfach ein Unding.
Deshalb, wenn ich irgendwo mitkrieg, dass andere ausgeschlossen werden, dann hake ich da nach. Wieso? Weshalb? Konfrontier die Leute damit. Und suche nach dem Gemeinsamen und nach dem, was verbindet. Weil ich fest davon überzeugt bin, dass mit einem Miteinander viel mehr erreicht werden kann.
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»Glühwein oder Weihnachtswunder« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.12.2019 gesendet.
3,50€ - So viel kostet der Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt vor meiner Haustür. Und wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin und es schön ist, dann wird aus einer Tasse schonmal mehr. Ich geh gerne auf Weihnachtsmärkte und manchmal bleibt dann eben auch etwas Geld liegen. Eigentlich kein großes Ding.
Eigentlich. Denn vor kurzem bittet ne Freundin im Netz um Hilfe. Ein Adventsanliegen. Sie sammelt Geld für eine Familie, die sie kennt. Die Familie hat nicht viel Geld, muss umziehen und hat dadurch erst recht wenig Geld. Vor allem nicht für die Küche, für neue Betten für die Kinder und eben alles, was auf einmal benötigt wird. Meine Freundin ist überzeugt, wenn jeder ihrer Freunde nur 10€ gibt, dann wäre der Familie schnell geholfen. Sie versichert, das Geld geht direkt an die Familie.
Ich hänge lange an diesem Post. Denn ich bin schon wieder auf nem Weihnachtsmarkt gewesen. Ich hab nicht aufs Geld geachtet, ich bin sorglos gewesen und hab einen schönen Abend gehabt. Es ging mir gut.
Und jetzt denke ich: Aber Andere verdienen es doch auch, dass es ihnen gut geht. Zumindest wünsch ich ihnen das. Und weil es mir echt gut geht, möchte ich davon etwas abgeben. Ich überweise für die Familie zwei Glühweinabende.
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»Weihnachtsmarkt« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 12.12.2019 gesendet.
Der Weihnachtsmarkt vor meiner Haustür – für mich ein Träumchen! Noch dazu, weil er ziemlich groß ist und bis kurz vor Weihnachten geht. Das Warten auf Weihnachten wird für mich so ganz besonders. Überall stehen Hütten mit Leckereien. Der Duft von Gewürzen und Tannenzweigen liegt in der Luft und in den Bäumen und an den Fenstern hängen Lichterketten und Sterne. Alles ist so festlich und auch gemütlich.
Meine Nachbarin denkt da anders und ist eher genervt, wenn sie sich mit ihren Einkäufen durch Menschenmassen quetschen muss. Kann ich auch verstehen. Und dennoch liebe ich den Weihnachtsmarkt. Nicht weil’s da so viel zu kaufen gibt, sondern weil da so viel passiert: Menschen kommen nach der Arbeit zusammen. Manche lernen sich erst kennen. Auf einen Glühwein oder Punsch.
Ich treffe Freunde und meine Familie und höre wie andere Leute singen, miteinander reden, anstoßen. Menschen treffen sich draußen, im Dunkeln, in der Kälte, bei Kerzenschein! Sie trinken, essen, reden. Gemeinsam und miteinander. Auf einem Markt, der für mich dadurch zum Vorboten von Weihnachten wird. Wenn ich die Leute so miteinander reden und feiern seh, kann ich mir ein bisschen vorstellen, wie schön es sein kann, wenn Gott unter die Menschen geht.
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»Lebenwunder« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 31.05.2019 gesendet.
Baby-Boom. In meinem Freundeskreis ist grad Baby-Zeit und immer wenn ich die Nachricht von heranwachsendem Nachwuchs höre, freue ich mich riesig für die Eltern. Allerdings gibt’s nicht immer nur freudige Nachrichten. Manchmal hab ich auch schon von einer Fehlgeburt erfahren. Und das ist dann schon krass traurig. Da fehlen dann auch irgendwie die Worte.
Mama und Papa haben gerade erst richtig begreifen können Mama und Papa zu werden und dann wird aus dem erwarteten Kind nix. Echt nicht schön.
Allerdings kann so etwas wohl bei jeder zweiten Schwangerschaft in den ersten Wochen vorkommen und ist total natürlich. Der Körper entscheidet da, ob das Kind lebensfähig ist oder nicht und reagiert dann. Niemand, weder Arzt noch Mutter können das beeinflussen. Es passiert einfach.
Als ich das gehört hab, ist mir klar geworden: Leben ist echt nicht selbstverständlich. Da tun Mama und Papa alles, um ein Kind zu kriegen, bis zu nem gewissen Grad, und können dann nur noch hoffen, beten. Dass es klappt und gut wird. Mehr können sie nicht tun.
Für mich wird so jedes Leben das entsteht, wirklich kostbar, weil nicht selbstverständlich. Und damit auch jeder Mensch, egal, ob er mir gerade auf den Keks geht oder nicht. Jedes Leben ist für mich ein Wunder.
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