»Rumänien« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 06.09.2020 gesendet.
Eine fremde Sprache, eine andere Währung und nur wenige Menschen, die Englisch sprechen. Ich bin allein mit dem Zug durch Rumänien unterwegs und versuch trotz einiger Sprachhindernisse vorwärtszukommen.
Am Hauptbahnhof angekommen frag ich ein junges Pärchen nach dem Weg. Zum Glück: Sie sprechen Englisch. Sie meinen, ich solle ihnen folgen. Sie müssten in dieselbe Richtung. Und dann geht alles super fix: Wir nehmen die Bahn, laufen links, laufen rechts, und so weiter… bis wir direkt vor meiner Unterkunft stehen. Wir sind gut 20 Minuten unterwegs und die beiden begleiten mich bis zur Tür. Ich bin sprachlos und nicht nur deshalb, denn
ungelogen: Das Ticket für Bus und Bahn durfte ich nicht einmal selbst bezahlen. „Hey, ist doch selbstverständlich,“ haben sie nur gesagt, „Du bist Gast in unserem Land! In deinem Land würdest du das auch für uns tun.“
Krass! Und gleichzeitig: Autsch! Weil würde ich das wirklich tun? Bis jetzt bin ich noch nie auf eine solche Idee gekommen. Aber die Beiden haben mir etwas Gutes getan. Es wäre ja irgendwie schade, wenn ich dieses Glück nur für mich behalten würde. Statt es weiterzugeben, zu teilen oder zu vermehren. Daher frage ich mich, was mich davon abhält, wenn ich hier in Deutschland jemand Fremden etwas von dieser Gastfreundschaft zurückzugebe? Nichts.
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»Meinung ja, aber…« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.09.2020 gesendet.
Meinungsfreiheit find ich sehr wichtig. Für mich heißt das aber noch lange nicht, dass man alles sagen kann, was man so denkt. Meinungsfreiheit und Vielfalt sind die Basis für unsere Demokratie. Und nur wenn wir unsere Sichtweisen austauschen, kommen wir weiter und können gemeinsam Probleme lösen. Aber es ist eben alles eine Frage des Wie.
Für mich ist jeder Mensch gleich viel Wert und deshalb kann ich nicht einfach jemanden beschimpfen. Nur weil mir die Ansichten oder das Verhalten von ihr oder ihm nicht passen. Das gilt fürs Netz, für ne Demo und besonders im Alltag. Für mich hat n asozialer Umgang nix mit Meinungsfreiheit zu tun.
Ich bin ein Fan von konstruktiver Kritik. Das heißt ich versuche, wenn mir was nicht passt, nicht auf die Person, sondern immer auf die Sachebene einzugehen. Beispielsweise im Straßenverkehr: Da bringt mich ein „Hey, du Blödmann!“ nicht weiter. Aber ein „Achtung Kinder!“ schon eher. Ich versuch einfach klar zu machen, was das Problem ist und trenn zwischen Sache und Person. Und ganz wichtig: Ich halte dabei auch nach Lösungen Ausschau.
Weil verletzt werden will ja keiner. Was spricht also dagegen, wenn ich meine Meinung so äußere, dass niemand beleidigt wird?
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»Beim Arzt« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.09.2020 gesendet.
Kennt ihr das? Ihr geht zu eurer Doc und dann fängt sie oder er mit euch einen kleinen Smalltalk an. Wo’s dann z.B. darum geht, was ihr beruflich macht. Und ich sag dann, dass ich für die Katholische Kirche arbeite. Meistens kassiere ich dafür n komischen Blick oder bekomme sowas zu hören, wie: „Ah, Sie sind Pfarrerin. Ach ne geht ja gar nicht, Sie sind ja katholisch.“ Das sind dann immer seltsame Momente. Ich mein, ja ich weiß, meine Kirche wird von alten Männern angeführt und ist damit nicht gerade das, was man von einer „Kirche für alle“ erwartet und Frauen haben keinen Zugang zu allen Positionen… Ja, meine Kirche macht Fehler und das nervt.
Trotz allem arbeite ich für sie. Und zwar gerne! Sogar als Frau. Kirche ist viel mehr als nur ein Club alter Männer: Da wo ich arbeite arbeiten wir gleichberechtigt, auf Augenhöhe. Da zählt nicht nur die Meinung der Männer, sondern eben auch was ich als Frau zu sagen habe. Wir alle sind nämlich Ansprechpartner für die Menschen und hören ihnen zu. Und weil unser Publikum divers ist, ist es umso wichtiger, dass auch wir divers sind, weil wir die Menschen dann besser verstehen können. So erleb ich das in meinem Job. Als Frau bin ich da genauso wichtig wie die Männer.
Meinen Docs sag ich dann: Ich muss keine Pfarrerin sein, um für die Menschen da zu sein.
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»Maite Kelly« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 13.05.2020 gesendet.
Vor ner Weile hab ich mal die Chance gehabt, mit Maite Kelly Backstage zu sprechen. Und ich muss schon sagen, die Frau hat mich beeindruckt: Im Backstage-Bereich ist sie auf jeden zugegangen und hat jedem die Hand gegeben. Mit dieser Aktion hat sie, find ich, echt Stil gezeigt. Auch wenn es ein bisschen gedauert hat, bis sie bei allen durch war.
Als jemand dann auf die Uhr geschaut hat, hat sie nur gemeint: “Man muss sich die Zeit nehmen und auch zu einem Praktikanten nett sein. Man weiß ja nie, ob er nicht später dein Chef wird.”
Gerade aus dem Mund eines Stars finde ich, klingt das irgendwie lustig, aber auch demütig. Weil sie müsste sich ja nicht mit jedem abgeben. Trotzdem tut sie es aber. Vielleicht macht sie das, weil sie weiß dass sich das Leben von heute auf morgen ändern kann. Keine Ahnung, was sie da wirklich anspornt. Aber ich find’s ne coole Sache von ihr. Und was spricht dagegen, es genauso zu machen? Ich kann ja nie wissen, was kommt. Außerdem: Respekt sollte doch für jeden gelten.
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»Ohne Worte « von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.05.2020 gesendet.
Es ist jetzt schon ne Weile her, aber trotzdem ne wichtige Sache. Also: Ich seh mir ein Theaterstück von einer Schule für Körperbehinderte an. Es dauert ein bisschen, bis ich checke, was bei dem Typen auf der Bühne anders ist: Er kann nicht sprechen! Deshalb benutzt er einen Computer, den er mit seinem Fuß bedient. Ich weiß zwar, dass es das gibt, also Menschen, die mit Hilfe eines Computers sprechen, aber ich hab so was noch nie erlebt. Ich muss ständig hingucken. Am liebsten würde ich den Typen fragen: Wie funktioniert das? Und gleichzeitig denk ich auch: Das kannste doch nicht machen, oder?!
Und dann seh ich ihn nach dem Stück mit ein paar Freunden reden. Sie lachen. Er auch. Alles ganz normal: Keiner spricht extra langsam oder ist sonst wie vorsichtig. Man kann mit ihm ganz normal reden und das mache ich dann auch. Sein Körper macht zwar nicht immer das, was er will, aber er versteht mich gut und freut sich. Ich erfahre sehr viel und bin echt froh, dass ich mich getraut hab.
Aber so richtig Mut hatt‘ ich eben auch erst, als ich gesehen hab, dass Andere mit ihm ganz normal reden. Behinderung ist manchmal eben nur ne Kopfsache. Und ich hab jetzt gelernt, dass ich nichts falsch machen kann, wenn ich Menschen mit Behinderung genauso behandele, wie andere eben auch.
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»Meine Pflicht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.04.2020 gesendet.
Irvin Yalom ist Psychotherapeut und hat ein Buch über das geschrieben, was er mit seinen Patienten erlebt hat. Eine Patientin von ihm, die Krebs hat, hat ihm eine Nachricht geschrieben. Sie sagt darin, dass sie keine Zeit damit vergeudet, darüber nachzudenken, was sie macht oder was sie nicht macht. Sondern, dass sie es als ihre Pflicht ansieht, es sich gut gehen zu lassen. Sie genießt jetzt jedes Sandwich, weil’s ihre Pflicht ist, es zu genießen.
Mega! Sie macht das Beste aus ihrer Situation. Sie feiert einfach das Leben.
Und damit hat sie recht! Sich mal unwohl fühlen oder mal ne Niederlage erleben, ok. Aber das ist eben nicht alles. Wer aus dem Jammern nicht rauskommt, hat schon verloren. So hart das jetzt auch klingt. Aber mein Leben ist das, was ich draus mache. Und dazu gehört eben auch, wie ich meinen Alltag gestalte. Ich versuche mich nicht über Dinge zu ärgern, die grad nicht gehen. Sondern mache einfach das Beste aus dem, was grad möglich ist. Ich muss zu Hause bleiben? Gut, da kann ich jetzt jammern oder etwas machen, was ich schon immer mal wollte. Mit Genuss. Zum Beispiel endlich mal einen Suppenfond ausprobieren. Da muss das Gemüse nämlich mehre Stunden köcheln. Und wenn ich nicht da bin, geht das nicht. Also freue ich mich jetzt darüber, dass es so möglich ist und weil’s meine Pflicht ist.
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»Oskar und das Kreuz« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.04.2020 gesendet.
Der kleine Oscar steht vor einem Kreuz und bekommt einen Schreck: Jesus hängt am Kreuz. So sieht für ihn kein starker Gott aus. Neben ihm steht „Oma Rosa“. Sie ist nicht wirklich seine Oma, sondern nur eine Bekannte. Aber er vertraut ihr. Also fragt er sie, ob sie so einem gekreuzigten Gott vertrauen kann? Wie soll denn so einer einen beschützen? Sie antwortet ihm: „Oskar, wem fühlst du dich näher? Einem Gott, der nichts fühlt, oder einem Gott, der Schmerzen hat?“
Das Ganze ist eine Episode aus einem Buch und ich find sie echt schön. Weil hier was gezeigt wird, woran ich glaube. Nämlich, dass Gott einfühlsam und stark zugleich ist. Er ist jemand, der zu mir sagt: Ich kenne deine Gefühle und ich weiß auch um deine Schmerzen. Und deshalb lasse ich dich nicht allein, sondern bin bei dir und fühle mit dir. Das ist für mich ne echt schöne Zusage.
Gott ist nicht nur stark, mächtig und gut. Sondern er ist auch einfühlsam und lässt sich auf sowas wie Schmerzen ein. Freiwillig. Jesus hätte nicht am Kreuz sterben müssen. Aber er hat es selbst so gewählt. Er hat sich bewusst auf alles eingelassen, bis in den Tod.
Und so ein Gott, der Schmerzen kennt, weil er selbst welche am Kreuz erlebt hat, der ist für mich stark. Bei so einem Gott kann ich mich geborgen und aufgehoben fühlen. So einem Gott kann ich mich anvertrauen.
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»Corona-Tagebuch« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.04.2020 gesendet.
Ich ertappe mich, wie ich in diesen Tagen immer wieder etwas einkaufen möchte. Ich tigere durch die Wohnung, schreibe Einkaufslisten und dann, alle drei Tage, geh ich einkaufen. Und jedes Mal kauf ich nur ein paar Sachen. Ich trau mich auch gar nicht viel einzukaufen. Nicht, dass die Leute denken: ich hamstere. Ohne Auto, sieht ein vollgestopfter Rucksack in der Stadt echt verdächtig aus. Und wenn ich wieder zu Hause bin, ist es immer das Gleiche: Eigentlich hab ich alles. Ich hätte nichts kaufen müssen. Aber ich hab das Bedürfnis rauszukommen. Ich merke, dass es mir nicht reicht zu Hause vorm Computer zu sitzen, zu lesen oder zu telefonieren. Ich wünsche mir richtigen Kontakt zu anderen Menschen, wie beim Einkaufen. Ich will was anfassen, möchte etwas bezahlen und im Gegenzug etwas bekommen. Einen richtigen Tausch eben. Das fehlt mir und deshalb tigere ich wahrscheinlich mit dem Einkaufszettel durch die Wohnung. Ich weiß, ich sollte die sozialen Kontakte einschränken, aber gleichzeitig tun sie so gut.
Es sind schwierige Zeiten und es verlangt einiges ab. Und wenn’s dann wieder anders ist, dann werde ich mich wahrscheinlich nach Ruhe vor Menschen sehnen. Bei mir ist das oft so, dass ich immer das will, was ich gerade nicht habe. Und darin liegt wohl die Kunst des Lebens, dass ich lerne, mit dem zu leben, was ich habe.
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»Corna-Macht« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.04.2020 gesendet.
Woche 3 Zuhause und die Einsicht: Corona macht was mit mir. In der ersten Woche hab ich mich mehrmals gefragt: Passiert das gerade wirklich? Kann doch nicht sein… Ein Virus, dass ich noch nicht mal sehen kann, breitet sich unaufhörlich aus und die Welt steht Kopf. Ich hab Witze darüber gemacht und dann nach einer Woche zu Hause hat’s mich mitgenommen. Corona ist kein Scherz. Ich hab viel gegrübelt. Ein Blick nach Italien und ich hab mich ängstlich gefühlt.
Und jetzt Woche 3 und meine Einsicht: Corona hat mir zwar erst n Schockzustand beschert, aber dann auch so n Rüttler und Mut gemacht. Denn ich merke, in der Krise steckt Kraft. Es geht weiter und es entsteht Neues.
Zum Beispiel die Leute in meiner Stadt, die rücken irgendwie näher zusammen, organisieren sich. Zumindest hab ich das Gefühl, dass da grad mehr wie vorher geht. Über ne Nachbarschafts-App hat letztens einer einen Kochkurs organisiert. Jeder hat für sich zu Hause gekocht, aber alle waren über n Livestream verbunden. Genial und irgendwie zeigt das doch auch. Es geht weiter. Und es wird auch noch ein Leben nach Corona geben. Keine Ahnung, wie dann das Leben danach aussehen wird. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass wir das Beste daraus machen.
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»Mein Glaube steht Kopf« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 01.04.2020 gesendet.
Corona, Corona, was bringst du nur alles durcheinander. Auch die Art, wie und wann ich meinen Glauben mit anderen lebe. Plötzlich kann ich nicht mehr in n Gottesdienst gehen und mit Freunden und Familie das Leben feiern. Auch die Hochzeit meiner Freundin is jetzt nicht. Verschoben auf bislang unbekannt. Gemeinsam zusammenkommen, Brot teilen, sich die Hände schütteln, neben anderen sitzen und spüren, dass man nicht allein ist. All das tabu.
Tja, wenn ich all das brauch, dann heißt’s das wohl jetzt, dass ich auf andere Formen von Gebet und Gemeinschaft ausweichen muss. Und da glaub ich, gibt’s grad auch eine große Chance für etwas andere Wege, wie ich mich mit anderen verbinden kann. Es gibt viele kleine Signale, die mir zeigen: „Hey, du bist nicht allein, auch wir beten.“ Und das außerhalb der Kirchenmauern. Wege, die einfach mehr nach außen hin denken. Gerade in diesen Tagen, wo ich viel zu Hause bin, krieg ich nämlich ganz viel von draußen mit. Da sind z.B. die Kirchenglocken am Sonntagmorgen. Weil kaum Autos rumfahren höre ich sie jetzt deutlicher. Und ich höre zudem, wie sich jemand die Mühe macht und eine Posaune vom Kirchturm spielt. Oder abends sehe ich in den Fenstern meiner Nachbarn Kerzen leuchten. Egal wie und wo: Ich merke, ich bin mit meinem Glauben nicht allein. Wir sind auch über verschlossene Türen hinweg eine Gemeinschaft.
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