»Können wir reden« von Ela   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.11.2020 gesendet.
Manchmal weiß ich einfach nicht mehr weiter. Sackgasse. Ich weiß keinen Ausweg aus meiner Situation. Und manchmal habe ich gerade niemanden zum drüber reden. Da fühle ich mich dann richtig allein. Total überfordert.
Was soll ich jetzt machen?
Erst mal googeln. Da gibt es doch immer jemand, dem es mal ähnlich ging und was dazu weiß. Da erscheinen Tausende Ergebnisse, aber nach zig Klicks bin ich verwirrter als vorher. Irgendwie sagt jeder was anderes. Richtig gute Hilfe finde ich da oft nicht.
Auf der Seite von der Kirche in Württemberg hab ich dann was hilfreiches entdeckt. Da gibt es einen Seelsorge-Chat.
Seelsorge, das ist so ne Art christliche Beratung. Nachmittags kann man da anonym mit jemanden chatten. Man kann man mit den über alles reden. Nicht nur über Glaubensfragen oder so. Es ist auch egal, ob man Christ ist oder nicht.
Die Leute da beim Chat sind ausgebildete Seelsorger und hören einfach mal zu. Und bei denen weiß ich auch, dass die mir keinen Mist erzählen. Weitersagen wollen und dürfen sie es auch nicht. Ich habe den Eindruck: Die Seelsorger dort verstehen mich und helfen mir, meine Situation zu verstehen. Und es hilft mir, dass ich Ihnen einfach von mir erzählen kann. Da fühle ich mich dann nicht mehr so einsam und überfordert.
Auf Facebook teilen
»Haben oder Sein« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 16.11.2020 gesendet.
Ich habe mir ein Auto gekauft. Mein erstes eigenes Auto. Das hat mich eine Zeit lang richtig glücklich gemacht. Aber irgendwann hat das Glücksgefühl nachgelassen. Es ist für mich jetzt schon fast normal, dass ich ein Auto habe.
Das lässt sich auch biologisch erklären. Denn da wird Dopamin ausgeschüttet. Wie wenn man Schokolade isst. Das Problem am Dopamin ist, dass man davon immer mehr will. Offensichtlich war das auch schon vor 2000 Jahren so. Jesus erzählt die Geschichte von einem reichen Kornbauer. Der wollte immer mehr haben. Er sammelt ganz viel Getreide und baut sich größere Scheunen, um es zu lagern. Aber am Ende kann er mit dem ganzen Getreide gar nichts anfangen. Ihm wird die Frage gestellt: Was hat es dir jetzt gebracht, dass du so viel angehäuft hast? Die Antwort ist eigentlich klar: Nichts!
Bei mir ist es ja irgendwie ganz ähnlich. Ich hab mir mit dem Auto auch was angehäuft. Und natürlich ist es cool, jetzt mobiler zu sein. Aber dass ich das Auto gekauft habe und jetzt besitze, macht nicht dauerhaft glücklich. Auch nicht, wenn ich noch fünf weitere Autos kaufe. Glück, das länger anhält, ist für mich zum Beispiel, wenn ich mit meiner Freundin zusammen bin. Ich merke, es geht nicht darum, immer mehr zu haben. Ich bin mehr als das, was ich besitze. Deshalb will ich mich auch vor allem darum kümmern, was mich wirklich glücklich macht.
Auf Facebook teilen
»Frust-Baustelle« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 15.11.2020 gesendet.
Sag mal geht’s noch? Manchmal benehmen sich Erwachsene wie Kinder. Bei uns in der Straße gibt’s grad ne große Baustelle. Und zwar so groß, dass zeitweise keine Durchfahrt möglich ist. Leider ist die Straße aber eine wichtige Verbindungsstraße. Da ich kein Auto hab, betrifft mich die Baustelle mal abgesehen vom Lärm kaum. Für viele meiner Nachbarn ist sie allerdings ein großes Ärgernis. Deshalb gab‘s dann von der Stadt einen Infonachmittag, um die Anwohner zu informieren und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Und da bin ich hin.
Die Stimmung war allerdings unterirdisch. Meine Nachbarn haben nur ihren Frust abgelassen. Und die Mitarbeiter von der Stadt mussten sich verteidigen, wie vor Gericht. Ein miteinander Reden ist kaum möglich gewesen. Ne ziemlich absurde Situation.
Ich mein, alle wollen sich doch mit dem Auto fortbewegen und dafür muss eben mal die Straße repariert werden. Da muss ich halt als Einzelner mal ein bisschen einstecken, damit es dann später wieder besser wird. Da kann ich doch nicht nur dagegen hauen. Und ja - die Ansichten der Anwohner sind auch wichtig, weil nur so Probleme ans Licht kommen, die durch die Baustelle entstehen. Aber es zählt eben auch, wie man die Probleme auf den Tisch bringt. Und damit diese Baustelle nicht nur eine Frustbaustelle bleibt, macht es doch mehr Sinn, gemeinsam nach ner Lösung suchen. Weil’s eben nicht nur um mich geht, sondern eben auch um andere.
Auf Facebook teilen
»Superkraft« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 14.11.2020 gesendet.
Eigentlich bin ich nicht so der Fan von Feminismus-Debatten. Und das aus dem Mund einer Frau, ich weiß. Aber ich mag dieses kämpferische und teilweise auch verbissene Hinweisen auf Ungleiches nicht so.
Für mich gibt’s da eher einen anderen Punkt, den ich wichtiger find und der für mich in nem Spruch drin steckt, den ich auf einem Schaufenster entdeckt habe: „Ich bin eine Frau und was ist deine Superkraft?“
Ist doch voll feministisch, denkt ihr jetzt vielleicht. Aber für mich ist da noch was anderes: Der Spruch geht nämlich von einem starken Wesen der Frau aus. Und das finde ich, darf man als Frau gerne mal beherzigen.
In meinen bisherigen Jobs ist mir nämlich aufgefallen, dass sich viele Frauen von sich aus zurücknehmen und gerne mal den Männern die Bühne überlassen. Viele trauen sich gar nicht in einer gemischten Runde etwas zu sagen, weil die Männer stärker oder lauter sind. Ich hab dieses Verhalten auch mal bei mir entdeckt und mir dann aber gesagt: Eigentlich total blöd, dass du nicht traust, zu sagen, was du denkst. Sei nicht so bescheiden, die anderen sind’s doch auch nicht. Und seitdem mach ich das. Frei nach dem Motto: Auch Du hast Superkräfte. Also zeig sie auch!
Auf Facebook teilen