»Bellac-Technik« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 05.08.2020 gesendet.
Ein junges Mädchen namens Agnes wartet aufgeregt auf ein Bewerbungsgespräch. Da bekommt sie den Tipp, dem Chef beim Gespräch einfach zu sagen, er sei schön. Das würde wahre Wunder wirken. Und es sei auch kein unehrliches Kompliment, weil: Wenn man jemandem sagt, dass er schön ist, macht ihn das schön. Agnes probiert das beim Bewerbungsgespräch gleich aus; sie sagt dem Chef, er sei schön. Und der ist total perplex. Denn eigentlich hält ihn jeder für einen fiesen Typen. Aber ab dem Moment, wo er von Agnes hört, er sei schön, fängt er an sich zu verändern. Er wird richtig liebenswürdig und ist zu allen nett und freundlich.
Diese Geschichte erzählt das Theaterstück „Der Apoll von Bellac“. Wenn man jemandem sagt, dass er schön ist, macht ihn das schön. Aus diesem Kerngedanken hat sich sogar eine Methode in der Psychotherapie entwickelt, die sogenannte Bellac-Technik.
Was mir dadurch klar geworden ist: Anstatt auf negative Menschen negativ zu reagieren und sie so vielleicht weiter in ihre fiesen Rollen zu drängen, warum nicht einfach mal probieren, nett und freundlich zu ihnen zu sein? Einen echten Fiesling so zu behandeln als sei er eigentlich ein guter Mensch, bringt seine guten Seiten vielleicht erst hervor. Wenn ich selbst meine Haltung gegenüber anderen Menschen verändere, kann ich sie dadurch dazu bringen, sich auch zu verändern. Ich hab mir fest vorgenommen, diese Bellac-Technik mal auszuprobieren.
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»Utopie-Syndrom« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 04.08.2020 gesendet.
In meinem Beruf schreibe ich viel. Das sind ganz unterschiedliche Texte: Arbeitsblätter für den Reli-Unterricht, Texte für Websiten, Ansprachen im Gottesdienst – und natürlich schreibe ich auch fürs Radio.
Obwohl das Schreiben mir viel Spaß macht, ist es auch ganz schön anstrengend. Oft habe ich dabei nämlich die Idee von einem perfekten Text vor Augen. Das führt dazu, dass ich die Sätze immer und immer wieder umstelle, an Formulierungen rumpfeile und dann doch wieder von vorne anfange. Weil ich mit dem Ergebnis nie zufrieden bin, werde ich auch nicht mit dem Schreiben fertig. Das ist frustrierend.
Den perfekten Text zu schreiben ist eigentlich unmöglich. Wie ein unerreichbares Ideal, eine Utopie.
Tatsächlich wird das, was ich beim Schreiben erlebe, in der Psychologie das Utopie-Syndrom genannt: Man setzt sich ein utopisches, also eigentlich unerreichbares Ziel und verhindert dadurch, dass man überhaupt vorankommt. Indem ich versuche, den perfekten Text zu schreiben, schreibe ich überhaupt keinen, vor allem nicht den, den ich schreiben könnte.
Natürlich ist es gut, sich hohe Ziele zu setzen. Visionen sind wichtig. Aber ich glaube, es kommt dabei auf das Maß an. Anstatt der Utopie von einem perfekten Text nachzujagen, den es nie geben wird, will ich zukünftig versuchen, das zu erreichen, was realistisch ist und was ich wirklich leisten kann.
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»Keine Macht den Dingen« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 03.08.2020 gesendet.
Meine Kollegin und ich stehen in der Büroküche und warten ungeduldig auf den ersten Morgenkaffee. Doch der super moderne Kaffeevollautomat rückt keinen raus. Das ist irgendwie immer so. Erstmal Wasser oder Bohnen nachfüllen oder Tresterbehälter leeren. Dann erst kommt der Kaffee. Dieser hochmoderne Kaffeevollautomat mit seinen ständigen Wünschen – es ist ein bisschen so, als würde er uns beherrschen. Dabei sollte es doch eigentlich umgekehrt sein.
Das seltsame Gefühl, von Technikgeräten beherrscht zu werden, habe ich öfter. Am schlimmsten ist es mit meinem Handy. Das hat mit seinen vielen Whatsappnachrichten so viel Macht über mich, dass ich mich manchmal überhaupt nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren kann.
Ich habe mal irgendwo einen Satz gelesen, der diese Erfahrung, finde ich, gut zusammenfasst: Alle Dinge, die du hast, haben irgendwann dich. Ob Kaffeevollautomat oder Handy – aus eigentlich nützlichem Technikzeugs können richtige Zeitfresser werden.
Aber ob das passiert, das liegt zum Glück immer noch in meiner Hand. Mein Handy lege ich jetzt z.B. immer in einen anderen Raum, bevor ich mit dem Arbeiten anfange. Und auch wenn im Büro immer noch der tyrannische Kaffeevollautomat steht, zu Hause trinke ich Filterkaffee. Ob Dinge über mich Macht haben und wieviel, das entscheide immer noch ich.
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»Leuchtturm« von Isi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 02.08.2020 gesendet.
Wie ist Gott für dich? Das wurde ich letztens von einer guten Freundin gefragt. Ich finde, das ist gar nicht so leicht zu beantworten. In der Bibel gibt es einige Stellen, an denen Gott beschrieben wird. Oder besser gesagt: Gott wird mit etwas Bekanntem verglichen. Zum Beispiel wird Gott manchmal mit einem Vater oder einer Mutter verglichen. Manchmal wird gesagt, er sei wie ein Fels oder eine Burg. Auch als Richter oder Hirte wird Gott beschrieben.
Das zeigt mir: Gott ist ganz vielseitig. Jeder stellt sich Gott ein bisschen anders vor und nimmt ihn anders wahr. Das kann sich über die Zeit auch ändern. Und die Vergleiche und Bilder aus der Bibel helfen mir dabei, mir Gott vorzustellen.
Im Moment ist Gott für mich wie ein Leuchtturm. Er steht fest, egal wie stark der Sturm das Meer gegen ihn schlägt. Er behält den Überblick und leitet mich auch durch Dunkelheit. Das heißt: Gott ist für mich da, auch wenn es mir mal nicht so gut geht oder ich nicht weiterweiß. Bei ihm fühle ich mich sicher, so wie bei einem Leuchtturm, der schon seit Hunderten von Jahren die Schiffe durch Stürme leitet. Und auch wenn ich Gott mal nicht sehen kann oder zweifle. Irgendwann taucht er wieder auf. Ich bin dankbar, dass Gott mich wie ein Leuchtturm begleitet, an dem ich mich orientieren kann.
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