»Geschmack der Welt « von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 20.02.2019 gesendet.
Ich bin gerade zurück aus Paris. Ich bin dort spontan für das Wochenende gewesen. Aber was mir am besten in Erinnerung geblieben ist, sind nicht der Eifelturm oder der Louvre, sondern ein kleines, eigentlich unscheinbares Restaurant. Zufällig habe ich davon erfahren. Denn es ist ein Restaurant, das Geflüchtete betreiben. Sie kochen und bedienen dort und bieten internationale Speisen aus der ganzen Welt an, vor allem aus den Ländern, aus denen sie gekommen sind. Was es zum Essen gibt, hängt davon ab, aus welchem Land der Küchenchef an dem Tag ist.
Ich habe an dem Abend eritreisches Essen probiert. Zartes Lammfleisch, ganz besonders gewürzt. Ein Geschmack, den ich so noch nicht gekannt habe. Super lecker.
Mir gefällt dieses Projekt. Wenn ich dort esse, erfahre ich, wie die Heimat eines anderen Menschen schmeckt. Sie schmeckt ganz anders als das deutsche Essen, das ich gewohnt bin.
In dem Restaurant können sich die Menschen wirklich begegnen. Es treffen sich Menschen aus aller Welt: Entweder um neue Geschmacksrichtungen kennen zu lernen, oder um mal wieder ein Stück ihrer Heimat zu finden.
Die Atmosphäre ist ganz besonders. Die Welt scheint ganz klein zu sein und in dieses Restaurant zu passen.
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»Suizid« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 19.02.2019 gesendet.
In meinem Bekanntenkreis haben sich im letzten halben Jahr zwei Menschen das Leben genommen.
Ich bin schockiert gewesen. Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet.
So ging es uns allen im Bekanntenkreis – wir sind überrascht und fassungslos gewesen.
Wir haben versucht, so gut es geht Abschied von den Beiden zu nehmen. Aber das ist sehr schwer gewesen. Manche waren sauer auf die Verstorbenen und ein anderer Freund sagte, er kann nicht trauern. Er findet, es ist eine Sünde, wenn jemand Selbstmord begeht.
Diese Aussage hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich weiß, dass es im Christentum bis vor einigen Jahren so gesehen wurde. Und ja – ich kann das nachvollziehen. Das Leben ist ein Geschenk, das ich von Gott erhalte und das ist unendlich wertvoll.
Aber wenn Menschen so verzweifelt sind, dass sie sich das Leben nehmen, dann kann Gott das nicht gleichgültig sein. Ich kann und will nicht an einen Gott glauben, der Menschen verstößt, die aus Verzweiflung diesen Weg gehen. Oder wenn jemand unter einer Depression leidet, kann es zur Krankheit gehören, dass sich einer das Leben nimmt.
Ich wünsche mir, dass für niemanden die Lösung für ein Problem ist, dass er sich das Leben nimmt. Sondern jeder jemanden hat, der ihn durchs Leben trägt.
Ich hoffe, dass meine beiden Bekannten ein besseres Leben bei Gott gefunden haben. Und dass Gott keinen im Tod fallen lässt.
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»Fehler machen« von Anna   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 18.02.2019 gesendet.
Ich brauche dringend ein Foto für meine Bewerbungsunterlagen. Und ich bin viel zu spät dran. Als ich es abholen will, passt es mir überhaupt nicht in den Kram, als die Fotografin mir sagt, sie habe einen Fehler gemacht. Ich muss noch einen Tag warten.
Ich bin erst mal genervt. Und dann fängt die Frau an, sich bei mir zu entschuldigen. Es tut ihr so schrecklich leid. Sie weiß nicht, wie ihr das passieren konnte…
Ich schaue sie an und kann sehen, wie unangenehm ihr das ist.
Ich kann gar nicht mehr wütend sein. Denn mir fällt sofort eine Reihe von Fehlern ein, die ich in den letzten Tagen gemacht habe. Ich habe meiner Kollegin ein falsches Formular gegeben. Ich habe meinem Freund versehentlich Chili über sein Essen gestreut, obwohl er das nicht mag…
Keiner schafft es, den Alltag ohne einen Fehler zu überstehen. Fehler machen ist menschlich. Und ich möchte mir vornehmen, nicht so genervt von Fehlern der anderen zu sein.
Die Angestellte will mir zum Abschied einen Gutschein schenken, um ihren Fehler wieder gut zu machen. Ich denk kurz nach und sage nur: Nein Danke, aber das kann ich nicht annehmen. Ich mache auch jeden Tag Fehler. Und der einzige für mich vernünftige Umgang damit ist, menschlich zu sein und einfach so zu verzeihen.
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»Meine Kirche« von Matze   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 17.02.2019 gesendet.
Ich war neulich in einem besonderen und sehr lebendigen Gottesdienst. Viele Menschen haben da mitgeholfen. Eine hat moderiert, ein anderer hat gepredigt. Es gab eine große Band und Personen für die Technik. Es gab Leute für die Begrüßung und andere die laut gebetet haben. Alle haben irgendwie mitgearbeitet. Der Gottesdienst ging insgesamt über 2 Stunden. In einer Pause kamen Mitarbeitende zu mir her. Sie haben sich vorgestellt. Und mich dann gefragt, ob sie mir etwas über die Gemeinde erzählen dürfen.
Ich fand das ein bisschen anstrengend. Denn ich hatte das Gefühl, dass ich der einzige bin, der einfach nur als ganz normaler Besucher da ist. Da wo ich sonst hingehe ist das anders. Ich gehe in die Kirche bei mir in der Nähe. Da gibt es die Pfarrerin, die den Gottesdienst hält. Sie steht danach immer am Ausgang und verabschiedet sich von den Leuten. Manchmal bleibe ich stehen, und unterhalte mich mit jemandem. Manchmal geh ich aber auch direkt wieder nach Hause.
Ich finde es sehr angenehm, mich einfach reinsetzen zu dürfen. Ich mag das, wenn ich nicht so im Mittelpunkt stehe. Der Gottesdienst tankt mich wieder auf. Auch ohne, dass ich ihn aktiv mitgestalten muss. Ich fühle mich wohl in meiner Kirche, weil ich einfach mal in Ruhe durchschnaufen darf.
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