»Mein Finger« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 29.10.2020 gesendet.
An manche Dinge aus dem Biounterricht kann ich mich noch ziemlich genau erinnern. Zum Beispiel an das mit den dominanten und rezessiven Erbmerkmalen. Also Merkmale, die sich mehr bei der Vererbung durchsetzen und damit häufiger vererbt werden und welche die eben seltener auftreten. So ist ein spitzer Haaransatz an der Stirn ein dominantes Erbmerkmal, taucht also häufig auf. Ich weiß noch genau, wie wir uns dann in der Schule alle umgedreht und gegenseitig genau angeschaut haben: Wer hat alles einen spitzen Haaransatz und wer nicht.
Und dann hat uns unser Lehrer auch ein rezessives Merkmal genannt: die Kurzfingrigkeit. Also, dass einer oder mehrere Finger kürzer sind, als die anderen der anderen Hand. Schwups haben wir alle unsere Hände aneinander gehalten um rauszufinden, ob wir gleichlange Finger haben oder nicht. Und dann das:
Mein linker, mittlerer Finger ist tatsächlich kürzer, als der Rechte. Mich hat das damals ziemlich geschockt. Ich wollte keinen kürzen Finger haben. Und hab deshalb dann immer daran gezogen, damit er ja noch weiter wächst und länger wird. Aber keine Chance, er ist heute immer noch kürzer.
Inzwischen find ich’s voll ok. Weil, einen spitzen Haaransatz hat so ziemlich jeder, aber einen kürzeren Finger eben nicht. Ich hab n bisschen gebraucht das zu akzeptieren. Aber es geht. Und vielleicht geht’s euch ja mit was anderem ganz ähnlich und ich hoff, ihr könnt euch irgendwann mal damit dann auch anfreunden.
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»Narben« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 28.10.2020 gesendet.
Oh Mann, letztens hab ich es doch tatsächlich geschafft die Treppen runterzufallen und mir das Knie ordentlich aufzuschlagen. Zum Glück ist nicht mehr passiert. Aber ne fette Narbe wird es wohl trotzdem geben. Toll, als ob ich nicht schon genug davon hätte. Und jetzt werde ich mich wieder wochenlang darüber aufregen, weil’s bei jedem Schritt weh tut.
In einer Doku hab ich dann eine Frau gesehen, die sich die „Vampirlady“ nennt und mit ganz anderen Wunden zu tun hatte. Diese Frau ist nämlich von ihrem Ex schwer misshandelt worden. Und nach der Trennung hat sie sich dann dazu entschlossen, ihren Wunden ein sichtbares Zeichen zu verpassen. Sie hat sich am ganzen Körper tätowiert. Dann noch die Zähne geschliffen und gepierct. Und jetzt sieht sie wie ein hollywood-reifer Vampir aus. Sie sagt, das befreit sie von dem was war. Sie trägt ihre Verletzungen so nicht mehr in sich und das ist das Befreiende. Schon krass, was sie da für nen Weg gewählt hat. Aber ich find die Frau echt stark. Und ok, im Vergleich zu ihr sind jetzt meine Narben nicht der Rede wert. Aber was ich von ihr mitnehme ist, dass Narben – egal wodurch verursacht – mich prägen. Was passiert ist, lässt sich nicht ungeschehen machen. Da bin ich machtlos. Aber ich kann sehr wohl einen Weg finden, damit umzugehen und dadurch auch zufriedener mit mir selbst werden. Auch wenn’s erstmal schmerzt, Wunden können heilen. Und auch daran erinnern mich Narben.
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»Moria« von Elias   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 27.10.2020 gesendet.
Es ist noch gar nicht so lange her, als das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos lichterloh gebrannt hat! Mehr als 12.000 Menschen aus dem überfüllten Lager wurden bei dem Feuer obdachlos, die würden das Fußballstadion vom SC Freiburg zur Hälfte füllen.
Die ganze Sache wurde viel in den Medien diskutiert, einige Politiker haben sich bestürzt gezeigt und für die Flüchtlinge eingesetzt. Trotzdem hat sich für die meisten Geflüchteten auf Lesbos nichts verändert und fast kein Mitgliedstaat der Europäischen Union möchte jemanden bei sich aufnehmen. Das halte ich für nicht vertretbar.
Als Christ bin ich davon überzeugt, dass alle Menschen gleich wertvoll sind und von Gott gleich geliebt werden. Egal, welche Hautfarbe, welches Geburtsland oder welche Religion sie haben. Die Nächstenliebe ist ein wichtiger Teil für mich und mein Leben, denn Jesus meinte, dass wir unseren Nächsten so behandeln sollen, als wären wir es selbst.
Darum finde ich es traurig und falsch, dass so wenig unternommen wird, um diesen Leuten zu helfen. Viel kann ich selbst leider auch nicht machen, außer das Thema immer wieder in meinem Bekanntenkreis und auch öffentlich anzusprechen, weil es mir wichtig ist. Und vielleicht reden irgendwann genug Menschen darüber, sodass die Stimmen von der Politik gehört werden.
Denn ganz ehrlich: Für mich führt kein Weg daran vorbei, den Menschen auf Moria und Menschen in Not zu helfen. Denn da geht es einfach nur um eins: Um Menschlichkeit.
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»Bergsteigen« von Ida   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 26.10.2020 gesendet.
Als Kind hab ich Wandern und Bergsteigen gehasst. Immer dieses unnötige durch-die-Gegend-Laufen, nur um am Ende
einen schönen Blick zu haben. Damals hab ich nie verstanden, warum das Leute machen.
Jetzt, nach einigen Berg- und Vulkanbesteigungen, fange ich an, das durch-die-Gegend-Laufen irgendwie doch cool zu finden. Erst denke ich nämlich: das schaffe ich nie. Und dann merke ich: wenn ich mich aufraffe, dann komme ich auch oben an. Und das Ankommen auf der Spitze des Berges ist dann einfach unglaublich toll und die beste Belohnung für den anstrengenden Aufstieg.
Und das, obwohl ich vor einer Bergbesteigung manchmal den Gipfel nicht mal oder ganz weit oben sehe, sodass ich mir erst gar nicht vorstellen kann, den überhaupt zu erklimmen. Genauso fühle ich mich manchmal auch vor einem riesigen Haufen Arbeit, den ich bewältigen muss. Dann weiß ich gar nicht, wie ich das alles schaffen soll. Und dann, wenn ich mich aufraffe und einfach loslege, merke ich: es geht irgendwie doch! Ganz am Ende schaue ich auf die getane Arbeit und bin stolz auf mich.
Ich muss einfach anfangen und dranbleiben, dann schaff ich das schon. Und manchmal, wenn ich das Ziel vor Augen habe, macht der Weg dorthin dann sogar noch Spaß!
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