»Dunkelheit« von Anna-Marleen   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 25.11.2020 gesendet.
Als kleines Kind hatte ich oft Angst im Dunkeln. Wenn ich nachts im Bett gelegen bin, habe ich ängstlich in die dunklen Ecken meines Kinderzimmers gestarrt: Lauert da vielleicht ein böses Monster neben meinem Kleiderschrank?
Heute bin ich erwachsen und trotzdem: Manchmal habe ich immer noch Angst im Dunkeln.
Wenn alles um mich herum dunkel ist, dann sehe ich nur noch meine Gedanken.
Mir kommen die schwierigen Sachen in den Sinn, die ich irgendwie hinkriegen muss. Am Tag machen sie mir keine großen Sorgen. Aber im Dunkeln werden sie plötzlich ganz groß. Sie kriegen so viel Macht, dass ich gar nicht mehr loskomme von dem, was ich denke. Meine Gedanken werden zu Monstern und machen mir Angst.
Als Kind habe ich nachts einfach schnell das Licht angemacht und in die Ecken geschaut. Dann konnte ich sehen: mein Zimmer ist monsterfrei. Aber wie mache ich in den dunklen Ecken meines Kopfes das Licht an?
Ich kann meine Ängste nicht einfach ausknipsen. Aber ich kann nachschauen, ob das, wovor ich Angst habe, wirklich zum Fürchten ist. Zum Beispiel die Präsentation morgen. Habe ich so was nicht schon oft gut gemeistert? Wenn ich das morgen geschafft habe, fühle ich mich besser, das weiß ich. Und da will ich hin.
In meinem Kopf wir es etwas heller. Meine Sorgen sind noch da. Aber sie sehen auf einmal viel harmloser aus.
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»Bei Anruf Austritt« von Sabine   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 24.11.2020 gesendet.
Der ältere Herr am Telefon erzählt mir ganz aufgebracht: Er wird aus der Kirche austreten! Und ehe ich mich versehe telefonieren wir fast eine Stunde lang. Ich bin im Büro und höre ihm geduldig zu. Nicht weil ich ihn von seinem Vorhaben abbringen will oder nett sein will, sondern weil sich tatsächlich ein schönes Gespräch entwickelt. Und das hätte ich echt nicht gedacht. Denn eigentlich wollte er meinen Chef sprechen. Von dem hat er Sendung gehört und die - ginge ja mal gar nicht. Und jetzt will er aus der Kirche austreten.
Mein Chef ist aber nicht da. Also sage ich ihm das und dass ich es zwar schade finde, wie er sich entschieden hat, aber mal davon ausgehe, dass er sich das gut überlegt hat.
Mich interessiert aber auch, was er denn an der Sendung meines Chefs auszusetzen hat. Und dann nimmt unser Gespräch seinen Lauf. Er erzählt und ich höre zu. Und dann frage ich nach, bringe meine Sicht der Dinge ein und er hört zu, fragt nach. Bringt immer wieder Argumente ein, wird aber auch selbst nachdenklich. Genau wie ich. Und ich merke, wie seine Stimmfarbe von hart und ruppig zu angenehm und freundlich wechselt. Das tut mir gut. Nach einer Stunde muss ich unser Gespräch leider beenden, weil ich noch ein Meeting habe. Er hat Verständnis und bedankt sich. So hätte ihm die Kirche noch nie zugehört. Dennoch ist er sich sicher: Er wird austreten. Ich danke ihm ebenfalls für seine Sicht der Dinge und bin mir sicher: Auch wenn er bald nichts mehr mit Kirche zu tun haben wird, das Gespräch hat uns beiden gut getan.
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»Jesus ist King« von Hans-Christian   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 23.11.2020 gesendet.
Jesus ist für mich King. Also jetzt nicht so wie die Queen in England oder so, mit einem Land, viel Schmuck und einem fetten Palast – sondern ganz anders. Schon allein, wie Jesus auf die Welt gekommen ist zeigt mir, dass ich mir ihn als König anders vorstellen muss. Er ist ganz arm und unscheinbar auf die Welt gekommen und gleichzeitig Gott. Heute wäre er wahrscheinlich in einem Slum geboren worden. Und auch das, was er gelebt hat ist kein Leben eines Königs, sondern bodenständig. Er hat sich um viele Menschen gekümmert, die von der Gesellschaft ausgegrenzt worden sind.
Eben dadurch, dass mir mein Glaube an ihn wichtig ist und ich meine Hoffnung in Jesus setze, werden für mich die Machtstrukturen hier auf der Welt relativiert. Weil da noch eine Ebene drüber liegt, also über der Welt und dem was hier verhandelt wird. Ich denke, dass ich deswegen kritischer gegenüber extremer politischen Ideen sein kann, die beispielsweise andere Menschen ausgrenzen wollen. Weil ich mich an Jesus orientiere.
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»Totensonntag« von Tobi   Drucken Einzelansicht
Beitrag wurde am 22.11.2020 gesendet.
Heute ist Totensonntag. Da wird an die Verstorbenen gedacht. Dieses Jahr ist der Totensonntag für mich besonders, weil mein Großvater gestorben. Er war schon sehr alt und auch krank. Es war deswegen okay für mich, ihn jetzt zu verabschieden. Das Schöne war: Ich konnte ihn sogar kurz bevor er starb, noch mal besuchen.
Meine Tante saß auch dort und hat dann zu meinem Großvater gesagt: Jetzt wirst du in die Ewigkeit hineingeboren. Das fand ich irgendwie einen coolen Satz. Weil er sagt, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Das hat mir in dem Moment Hoffnung gegeben.
Und dann haben wir an seinem Bett gesessen und Kirchenlieder gesungen. Ein Lied von Dietrich Bonnhoeffer. Da heißt es: Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Ich glaube so ging es meinem Großvater. Er wusste, dass es jetzt vorbei ist. Sicher hatte er auch ein bisschen Angst. Aber ich glaube, er konnte doch in Ruhe sterben und das so annehmen. Denn er wusste und hat gespürt: Gott ist auch im Sterben bei ihm. Seine Liebe begleitet ihn auch in den Tod. Auch mich hat das total beruhigt und getröstet, dass ich gewusst habe: Mein Großvater ist nicht allein.
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