Was ist eigentlich dein Beruf? Über diese Frage bin ich letztens gestolpert.
Es ging um ein Zitat von Marc Aurel, einem römischen Kaiser vor fast 2000 Jahren. Marc Aurel schreibt: „Dein Beruf ist es, ein guter Mensch zu sein.“
Beruflich ein guter Mensch sein…Dieser Satz hat mich nachdenklich gemacht.
Bei Beruf denke ich ja eigentlich zuerst an meine Arbeit, also das, womit ich mein Geld verdiene. Ich arbeite als Theologin für die Kirche, das ist mein Beruf. Und Marc Aurel war von Beruf römischer Kaiser. Wenn man beruflich ein guter Mensch sein soll, habe ich dann zwei Berufe? Und wie verhalten die sich zueinander? Dass ich von 9 bis 17 Uhr Theologin bin und danach mit meinem Zweitjob anfange, ein guter Mensch zu sein – das kann ich mir irgendwie schwer vorstellen.
Ich glaube, so hat das Marc Aurel auch nicht gemeint, sondern:
Mein eigentlicher und wichtigster Beruf ist es, immer und überall ein guter Mensch zu sein. Also z.B. nicht nur an mich zu denken, sondern anderen zu helfen. Verständnis zu zeigen, geduldig zu sein und mich einzubringen, mit dem, was ich kann. Mein Gut-sein ist dabei nicht an Arbeitszeiten gebunden. Wenn ich als Theologin für die Kirche arbeite, wenn ich mit meiner Familie und meinen Freunden zusammen bin, sogar wenn ich in den Urlaub fahre – als guter Mensch bin ich immer im Dienst. Gut zu sein, egal, was ich tue – das ist mein Beruf.