Ich ertappe mich, wie ich in diesen Tagen immer wieder etwas einkaufen möchte. Ich tigere durch die Wohnung, schreibe Einkaufslisten und dann, alle drei Tage, geh ich einkaufen. Und jedes Mal kauf ich nur ein paar Sachen. Ich trau mich auch gar nicht viel einzukaufen. Nicht, dass die Leute denken: ich hamstere. Ohne Auto, sieht ein vollgestopfter Rucksack in der Stadt echt verdächtig aus. Und wenn ich wieder zu Hause bin, ist es immer das Gleiche: Eigentlich hab ich alles. Ich hätte nichts kaufen müssen. Aber ich hab das Bedürfnis rauszukommen. Ich merke, dass es mir nicht reicht zu Hause vorm Computer zu sitzen, zu lesen oder zu telefonieren. Ich wünsche mir richtigen Kontakt zu anderen Menschen, wie beim Einkaufen. Ich will was anfassen, möchte etwas bezahlen und im Gegenzug etwas bekommen. Einen richtigen Tausch eben. Das fehlt mir und deshalb tigere ich wahrscheinlich mit dem Einkaufszettel durch die Wohnung. Ich weiß, ich sollte die sozialen Kontakte einschränken, aber gleichzeitig tun sie so gut.
Es sind schwierige Zeiten und es verlangt einiges ab. Und wenn’s dann wieder anders ist, dann werde ich mich wahrscheinlich nach Ruhe vor Menschen sehnen. Bei mir ist das oft so, dass ich immer das will, was ich gerade nicht habe. Und darin liegt wohl die Kunst des Lebens, dass ich lerne, mit dem zu leben, was ich habe.