Meine beiden Schwestern sind die tapfersten Menschen, die ich kenne. Sie haben beide kleine Kinder. Ich kriege regelmäßig niedliche Fotos und Videos von den Kids geschickt.
Aber das sind nur Momentaufnahmen. Babys und kleine Kinder sitzen in der Regel nicht einfach brav irgendwo rum und machen niedliche Sachen. Sie sind ständig auf Hilfe angewiesen. Sie schreien. Sie werden nachts wach. Sie werden krank. Schreien dann noch öfter. Davon gibt es keine süßen Videos. Denn dann müssen meine Schwestern nachts tausendmal aufstehen, beruhigen und trösten. Den ganzen nächsten Tag trotzdem fit sein, Streit schlichten, in den Arm nehmen und geduldig sein.
Meine Schwestern schaffen das. Zusammen mit ihren Partnern. Aber es gibt keine Firma, die sie dafür lobt oder ihnen einen extra Bonus gibt.
Eine meiner Schwestern geht zusätzlich noch arbeiten, die andere nicht. Aber beide müssen dazu immer wieder mal kritische Kommentare von Leuten einstecken, die das eigentlich überhaupt nix angeht.
Meine Schwestern lassen sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Sie ziehen ihr Ding durch. Und sie machen das nicht für irgendwas oder irgendwen, sondern für sich und ihre Familie. Ich kenne sonst niemanden, der in seinem Leben so ein Standing hat. Meine beiden Schwestern sind die tapfersten Menschen, die ich kenne. Weil sie trotz aller Widerstände grade für die, die sie brauchen, richtig starke Frauen sind.