Ich wohne direkt neben einem Friedhof. Friedhöfe habe ich schon immer komisch gefunden. Irgendwie etwas unheimlich. Sind ja überall tote Menschen vergraben.
Seitdem mein Papa gestorben ist, sehe ich das anders. Für mich ist der Friedhof ein Ort, um zu trauern. Ich gehe gerne an sein Grab und nehme mir bewusst Zeit dafür. Manchmal bin einfach nur traurig, oft sehr wütend. Teilweise gehe ich auch gut gelaunt auf den Friedhof. Wenn ich zum Beispiel etwas Tolles erlebt habe, möchte ich das gerne meinem Papa erzählen. Das geht leider nicht wirklich, aber ich habe das Gefühl, ihm auf dem Friedhof nahe zu sein.
Auf dem Grabstein meines Papas ist ein Kreuz. Das Kreuz ist für Christinnen und Christen ein Zeichen für die Auferstehung. Jesus wurde gekreuzigt und begraben. Aber er hat den Tod überwunden. Und deshalb hoffen Christinnen und Christen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Wie das genau aussieht? Da habe ich auch keine Ahnung! Aber ich glaube fest, dass dort alle friedlich und sorgenfrei sein werden. Und das gibt mir Hoffnung.
Deshalb ist ein Friedhof nicht nur ein Ort für die Toten. Sondern ein Ort für die Lebenden. Es ist ein Ort der Erinnerung und der Trauer. Aber auch ein Ort der Begegnung und der Hoffnung. Also viel mehr als nur ein komischer, unheimlicher Ort.