Manchmal, wenn ich für mich sein will, gehe ich gerne auf einen Friedhof. Ich mag die Atmosphäre dort. Eigentlich ist das ja seltsam; schließlich dreht sich an diesem Ort in erster Linie alles um Tod und Trauer. Trotzdem fühle ich mich dort irgendwie wohl. Ich spüre da einen Frieden, den ich gar nicht genau erklären kann. Ich gehe an den Gräbern vorbei und sehe die Mühe, die sich Menschen damit machen. Das zeigt mir, wie wichtig die Verstorbenen ihrer Familie und ihren Freunden sind. Sie sind tot, aber deswegen noch lange nicht vergessen. In den Herzen ihrer Angehörigen und Freunde leben sie weiter. Der Friedhof hilft mir, Abstand zu gewinnen von den Problemen, die mich beschäftigen. Ich kann mein Leben als Ganzes betrachten, mit allem was gerade schlecht läuft, aber auch allem, was mich glücklich macht.
Wenn ich mir vorstelle, dass ich auch irgendwann dort liege, relativiert das vieles. Und es lässt anderes wichtiger erscheinen: Die Beziehungen zu meiner Familie und meinen Freunden zum Beispiel. Auf dem Friedhof merke ich, dass es diese Beziehungen sind, die Bestand haben. Manchmal bis über den Tod hinaus.