Ich habe die Wohnung geputzt, mein Bücherregal alphabetisch sortiert und mein E-Mail-Programm ausgemistet. Eigentlich könnte ich zufrieden mit mir sein. Ich habe einiges geschafft. Aber dummerweise hätte ich eigentlich was ganz Anderes machen sollen. Ich hätte am Schreibtisch sitzen und meine Steuerklärung machen müssen.
Für dieses Verhalten gibt es ein schönes Wort: Prokrastination. Das heißt, ich schiebe meine Arbeit auf und mache stattdessen etwas Anderes. Das geht gut, bis ich mich so unter Druck fühle, dass ich nicht mehr anders kann, als die Arbeit zu erledigen. Nur muss ich es in viel weniger Zeit schaffen, als wenn ich direkt angefangen hätte.
Ich verarsche mich da immer wieder selber. Und trotzdem funktioniert es. Denn irgendwie schaffe ich immer alles, was ich schaffen muss. Aber warum schiebe ich die Sachen, die ich machen muss, erst mal auf? Ich versuche unterbewusst, noch viel mehr in meinen Tag zu packen. Und die Sachen, die ich nicht als Pflicht ansehe, erledige ich mit viel mehr Freude und Leichtigkeit. Weil ich sie ganz ohne Druck machen kann. Ich habe einfach Lust auf sie. Immer kann ich das natürlich nicht machen. Aber ich denke ein bisschen Prokrastination ist gut. Denn sie lenkt mich zeitweise davon ab, dass ich immer ein Ergebnis liefern muss. Und manchmal ist es gut für die Seele, etwas zu machen, das gar nicht so wichtig ist. Wie zum Beispiel, wenn ich meine Bücher alphabetisch sortiere.

 

 

Quelle: http://www.kreuzquer.info/?id=3610